Frisch rezensiert: “Elke – Ein schmales Buch über die Wirkung von Kuchen” von Christian Duda

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Bittersüße Geschichte für Groß und Klein

Meine Bewertung: ★★★★★

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© Beltz & Gelberg

Kasimir ist fünf Jahre alt und wohnt mit seinem Papa in Berlin. Weil er schließlich schon groß ist, darf er alleine in den Kindergarten gehen. Eines Morgens prallt er dabei mit einem Kuchenblech zusammen, hinter dem eine große, dicke Frau zum Vorschein kommt: Elke. Kasimir liebt Kuchen und Elke backt jeden Tag Russischen Zupfkuchen für das nahe gelegene Café – der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.

Der in Berlin lebende Autor Christian Duda und die Illustratorin Julia Friese haben bei “Elke – Ein schmales Buch über die Wirkung von Kuchen” nach einigen gemeinsam produzierten Bilderbüchern wieder gemeinsame Sache gemacht. Herausgekommen ist dabei ein einzigartiges Buch mit herzigen Illustrationen, das Kinder ab sechs Jahren ebenso begeistern wird wie erwachsene Leser.

Es ist eine Geschichte über eine ungewöhnliche Freundschaft, die urplötzlich beginnt und die nicht nur das Leben von Kasimir und Elke ungemein bereichert. Christian Dudas Romanfiguren eint, dass sie allesamt kein perfektes Leben führen. Jeder wurschtelt sich so durch. Kasimir lebt allein mit seinem Papa, denn seine Mama ist gestorben. Elke hat an ihrer Einsamkeit und ihrem massiven Übergewicht zu knabbern. Cafébesitzer Uwe kämpft ums geschäftliche Überleben. Ganz normale Leute also, die sich ihren Alltagssorgen stellen müssen. Gerade wegen all ihrer kleinen und großen Baustellen sind Christian Dudas Figuren so authentisch. So liebevoll wie die Illustrationen von Julia Friese sind, die Kapitel für Kapitel einleiten, ist der Autor bei der Erschaffung seiner Charaktere vorgegangen. Jeder von ihnen ist ein absolut liebenswertes Unikat.

Christian Duda hält ein Vergrößerungsglas über den Alltag in der fiktiven Berliner Lubitschstraße, in der die Geschichte spielt und erzählt eindringlich, welche großartigen Veränderungen Kuchen und Freundschaft bewirken können. Ihm gelingt das Kunststück, auf nur 160 Seiten die verschiedensten Gefühle beim Leser auszulösen und ihn nachhaltig zu berühren. Gerade eben lacht man noch über die witzigen Dialoge zwischen Uwe und Kasimir, schon stimmen einen die folgenden Sätze nachdenklich oder machen sogar traurig. “Elke – Ein schmales Buch über die Wirkung von Kuchen” ist ein bittersüße Geschichte für Groß und Klein. Christian Duda hat ein besonderes Buch geschrieben, das ganz klar zu meinen Favoriten des Lesejahres 2015 zählt und dem ich von Herzen viele backende Leser wünsche. Denn Elkes sensationelles Zupfkuchenrezept darf am Schluss natürlich nicht fehlen.

Das Buch ist übrigens auch als Audiobook erschienen. Gelesen wird es von der Schauspielerin Nina Petri, die die Geschichte allerdings recht emotionslos vorträgt, weshalb ich in diesem Fall unbedingt zum Selberschmökern rate.

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Zum Buch auf Amazon.de: “Elke – Ein schmales Buch über die Wirkung von Kuchen”

Zum Buch auf der Homepage des Verlags Beltz & Gelberg: “Elke – Ein schmales Buch über die Wirkung von Kuchen”

Mehr über den Autor: Christian Duda

Frisch rezensiert: “Er hätte weiter gemordet” von Claudia Puhlfürst

Fundierte Einblicke in die Rechtsmedizin

Meine Bewertung: ★★★★

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Berichte über authentische Kriminalfälle erfreuen sich einem großen Interesse. Der “Stern” hat mit “Crime” kürzlich sogar ein eigenes Magazin herausgegeben, das sich ausschließlich mit reellen Verbrechen befasst.

Die in Zwickau lebende Autorin Claudia Puhlfürst widmet sich in ihrem Sachbuch “Er hätte weiter gemordet”, erschienen am 1. März 2012 im Militzke Verlag, in acht Kapiteln ebenfalls echten Kriminalfällen, die zum Teil deutschlandweit für Entsetzen sorgten. Der Untertitel “Aufsehenerregende Fälle aus der Rechtsmedizin” ist Programm, denn die 1963 geborene Schriftstellerin beschränkt sich nicht darauf, die unfassbaren Taten einfach wiederzugeben. Ihr Hauptaugenmerk liegt ganz klar auf der rechtsmedizinischen Komponente dieser Verbrechen. Mit Prof. Dr. med. Klaus Püschel und Dr. med. Carsten Hädrich standen ihr dabei zwei erfahrene Rechtsmediziner zur Seite.

In ihrem 208-seitigen Buch gewährt die Autorin dem Leser eindrucksvolle Einblicke in eine Welt, die dem Normalbürger (Gott sei Dank?!) verschlossen bleibt und die sowohl im Fernsehen als auch in Kriminalromanen oft sehr einseitig dargestellt wird. Viele nehmen an, dass in der Gerichtsmedizin ausschließlich die Obduktion von Leichen erfolgt. Doch auch die Begutachtung von lebenden Gewaltopfern, die naturwissenschaftliche Forschung oder die Analyse von Blutspuren sind feste Bestandteile dieses Arbeitsgebietes. Ein Mordversuch an einer 18-jährigen Chemnitzerin, Skelettfunde aus dem Mittelalter oder der Fall des zu Tode gequälten Kleinkindes Kevin aus Bremen (Nichts für schwache Nerven!) belegen die Vielfältigkeit der Aufgaben der Rechtsmedizin. Man merkt, dass es Claudia Puhlfürst ein Bedürfnis ist, dem Leser diese enorme Bandbreite zu vermitteln.

Akribisch listet die Autorin in allen Fällen die gefundenen Verletzungen auf und führt aus, zu welchen teils hochinteressanten Schlussfolgerungen die Rechtsmediziner dadurch gelangen. Manchmal geht sie allerdings ein wenig zu sehr ins Detail.

In sachlichem Ton, dabei aber immer bestens verständlich, beschreibt Claudia Puhlfürst Taten, Täter, Opfer und natürlich die Arbeit der Gerichtsmedizin. Sperrige Fachbegriffe erklärt sie und lässt den Laien somit nicht im Dunkeln tappen.

Die Autorin scheut sich nicht, Missstände in der Rechtsmedizin anzusprechen – es geht beispielsweise um gekürzte Gelder, die dadurch bedingte Schließung von Instituten und die erschreckend hohe Zahl der nicht erkannten Tötungsdelikte.

Für “Er hätte weiter gemordet” hat die Verfasserin spürbar gründlich recherchiert. So zitiert sie etwa aus Anklageschriften, Gutachten und Studien.

Obwohl Claudia Puhlfürst mitunter ein wenig zu weit ausholt und sich hier und da so mancher Schreibfehler eingeschlichen hat, kann ich dieses Buch jedem, der sich für die Arbeit der Rechtsmedizin interessiert, nur ans Herz legen. Außerordentlich fundiert, gut verständlich und dazu noch unterhaltsam – diese gelungene Kombination findet man nicht bei jedem Sachbuch dieser Art.

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Zum Buch bei Amazon.de: “Er hätte weiter gemordet”

Zum Buch auf der Homepage des Militzke-Verlags: “Er hätte weiter gemordet”

Zur Homepage der Autorin: Claudia Puhlfürst

Frisch rezensiert: “Tod im Kirnitzschtal” von Thea Lehmann

Liebe Leserinnen und Leser, Zeit für ein wenig Heimatkunde! Heute stelle ich Euch einen Regionalkrimi aus heimischen sächsischen Gefilden vor, der (Man glaubt es kaum!) von einer bayerischen Autorin geschrieben wurde. “Tod im Kirnitzschtal” spielt in der Sächsischen Schweiz und in Dresden. Hier ist meine Rezension:

Ä Doder in dor Straßenbahn

Meine Bewertung: ★★★★

Tod im Kirnitzschtal
© edition Sächsische Zeitung

Für Karl Kunath beginnt der Arbeitstag alles andere als gut: Der langgediente Straßenbahnfahrer entdeckt bei Schichtbeginn einen Toten in der Kirnitzschtalbahn. Die zuckelt normalerweise beschaulich durch die Sächsische Schweiz. Kurz darauf ist die Dresdner Mordkommission vor Ort. Der bayerische Kommissar Leo Reisinger hat sich erst kürzlich nach Elbflorenz versetzen lassen. Gemeinsam mit seinen Kollegen versucht er Licht ins Dunkel dieses mysteriösen Verbrechens zu bringen. Dass er bei den Ermittlungen höchstselbst auf den Felsformationen der Sächsischen Schweiz herumkraxeln muss, ahnt er zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Den Krimi “Tod im Kirnitzschtal”, erschienen am 4. Mai 2015 in der edition Sächsische Zeitung, hat die aus Oberbayern stammende Schriftstellerin Thea Lehmann verfasst. Eine Bayerin als Autorin eines sächsischen Regionalkrimis? Das hat mich neugierig gemacht! Wie hat sie die sächsische Mentalität und vor allem den für Außenstehende teilweise absonderlich wirkenden Dialekt in Worte gefasst? Die Antwort: Hervorragend und absolut authentisch! Dabei dürfte Thea Lehmann vor allem ihr sächsischer Ehemann zu Gute gekommen sein. Und so sächseln die Protagonisten, was das Zeug hält – aber nicht übertrieben, sodass es für Leser außerhalb der sächsischen Landesgrenzen wirklich zu keinerlei Verständigungsschwierigkeiten kommt.

Die Brücke zu ihrer eigenen Biografie schlägt die Autorin durch den Einsatz der Hauptfigur Leo Reisinger, der, wie sie selbst, oberbayerische Wurzeln hat und so manches Mal über die (Ess-)Gewohnheiten der Sachsen staunt. Das Aufeinandertreffen der beiden Kulturen verleiht dem Buch das gewisse Etwas. Unter den Kollegen wird schon mal gegen den Leberkässemmel-Kommissar gestichelt, allerdings niemals bösartig.

Humor ist ein wichtiger Bestandteil von “Tod im Kirnitzschtal”: Ein Krimi mit Schmunzelgarantie, der ohne Albernheiten auskommt und Spannung bis zum Schluss bietet. Es darf fleißig gerätselt und gemutmaßt werden, wer den toten Fahrgast aus der Kirnitzschtalbahn auf dem Gewissen hat. Thea Lehmann lüftet das Geheimnis erst am Ende.

Ihre Liebe zur Sächsischen Schweiz merkt man der Autorin deutlich an. Manchmal meint sie es sogar ein wenig zu gut mit den detaillierten Beschreibungen der Örtlichkeiten. Das ist aber auch schon der einzige Kritikpunkt, denn ansonsten hat “Tod im Kirnitzschtal” alles, was man für vergnügliche Lesestunden braucht: Einen gut durchdachten Plot mit schlüssiger Auflösung, viel Atmosphäre, unterhaltsame Darsteller, eine lebhafte Sprache und allerhand Kurzweil.

Wer – wie ich – selbst schon keuchend den Lilienstein bestiegen hat, wird sich in der einzigartigen Landschaft der Sächsischen Schweiz in diesem Buch sofort wiederfinden. Leuten, die noch nicht da waren, macht Thea Lehmann mit ihrem Krimi-Debüt große Lust darauf.

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Zum Buch bei Amazon.de: “Tod im Kirnitzschtal”

Zum Buch auf der Homepage der edition Sächsische Zeitung: “Tod im Kirnitzschtal”

Zur Homepage der Autorin: Thea Lehmann

Zur Homepage der Kirnitzschtalbahn

→ Lesungen

• Freitag, 24.07.2015, 18:00 Uhr: Buchpräsentation und Krimi-Dinner im Gasthof “Lichtenhainer Wasserfall” in Sebnitz/Lichtenhain

• Mittwoch, 05.08.2015, 19:00 Uhr: Lesung im Lingnerschloss Dresden

Frisch rezensiert: “Die Magie der kleinen Dinge” von Jessie Burton

Bezaubernd, fesselnd, geheimnisvoll

Meine Bewertung: ★★★★★


 © Limes Verlag

Amsterdam im Jahr 1686: Nella Brandt, geborene Oortman, ist ernüchtert. Obwohl frisch vermählt, bekommt sie ihren Ehemann Johannes nur selten zu Gesicht. Das Regiment in ihrem neuen Zuhause führt die gestrenge Schwägerin. Sogar die Dienstmagd macht keinen Hehl aus ihrer Abneigung gegenüber dem jungen Mädchen, das alles hinter sich ließ und im festen Glauben an ein begütertes Leben aus dem ländlichen Assendelft in die Handelsmetropole Amsterdam zog.

Erst das Hochzeitsgeschenk ihres Mannes erhellt Nellas trübe Tage: Ein Puppenhaus, mit Schildpattlack überzogen, das eine originalgetreue Miniaturausgabe des prächtigen Anwesens darstellt, in dem Nella lebt. Sie möchte das Haus einrichten und wendet sich an einen Miniaturisten – nicht ahnend, welchen Stein sie damit ins Rollen bringt…

Mit ihrem Debüt-Roman “Die Magie der kleinen Dinge” hat die 1982 geborene Engländerin Jessie Burton einen echten Volltreffer gelandet: In ihrer Heimat wurde das Buch mit dem Originaltitel “The Miniaturist” ein Bestseller. Verlage in 32 Ländern sicherten sich die Rechte daran. Ein verdienter Hype? Absolut! Die Autorin erzählt eine großartige Geschichte, in der sie mühelos Brücken zwischen den verschiedensten Genres schlägt. Jessie Burton verbindet den historischen Roman mit einer kitschfreien Liebesgeschichte und gibt eine gute Prise Magie dazu.

Es ist eines dieser Bücher, bei denen man gegen Ende immer langsamer liest, in dem Wunsch, die Geschichte möge nicht enden. Von Beginn an nimmt dieser Roman den Leser gefangen und fesselt ihn bis zum Schluss, der leider doch irgendwann unvermeidlich ist. Dabei darf Jessie Burton getrost als Meisterin der unvorhersehbaren Wendungen bezeichnet werden, denn mit diesen wartet sie ebenso reichlich wie überzeugend auf. Mir blieb beim Lesen angesichts des überraschenden Fortgangs der Dinge sowie der Entdeckung vermeintlich gut gehüteter Geheimnisse des Öfteren der Mund offen stehen.

Kapitel für Kapitel verfolgt man die erstaunliche Entwicklung der Hauptfigur Nella vom jungen naiven Mädchen zu einer mutigen Frau. Die Tatsache, dass Petronella Oortman wirklich existierte und ein Schrankpuppenhaus besaß, das heute im Amsterdamer Rijksmuseum steht, macht die Geschichte noch greifbarer. Nun ist “Die Magie der kleinen Dinge” keine Biografie über die Niederländerin, die von 1656 bis 1716 lebte, aber sie orientiert sich in vielerlei Hinsicht an der “echten” Nella. Überhaupt wirken ausnahmslos alle Charaktere geradezu reell.

“Die Magie der kleinen Dinge” wird im Präsens erzählt – eher untypisch, insbesondere für einen Roman, der in einer Zeit spielt, die schon mehrere Jahrhunderte zurückliegt. Dadurch fühlt man sich als Leser aber noch mehr “mittendrin” in der Geschichte.

Jessie Burton bedient sich einer üppigen, wunderbaren Sprache. Hin und wieder haben einzelne Sätze eine gewisse Doppelbödigkeit. Die Übersetzerin Karin Dufner hat hier ganze Arbeit geleistet.

Auch wenn ich der Meinung bin, dass ein Leser-Leben zu kurz dafür ist, um ein Buch mehrmals zu lesen – “Die Magie der kleinen Dinge” gehört zu der Handvoll Bücher, bei denen ich eine Ausnahme machen würde.

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Zum Buch bei Amazon: “Die Magie der kleinen Dinge”

Zum Buch auf der Homepage des Limes Verlags: “Die Magie der kleinen Dinge”

Zur Homepage der Autorin (englischsprachig): Jessie Burton

Das Schrankpuppenhaus von Petronella Oortman auf der Homepage des Rijksmuseums Amsterdam (englischsprachig)

Frisch rezensiert: “Bloody Rosemary” von Katharina M. Mylius

Halb Krimi, halb Reiseführer

Meine Bewertung: ★★★

Bloody Rosemary© Goldfinch Verlag

“The Oxbury” ist ein Edel-Restaurant in der britischen Universitätsstadt Oxford und zugleich Schauplatz eines Mordes: Die gemeinhin wenig beliebte Inhaberin Rosemary Hogan liegt erstochen in der Küche ihres Lokals. In der Hand hält die Tote einen Rosmarinzweig. Heidi Green und Frederick Collins von der Thames Valley Police begeben sich auf Täter-Suche. Gleich mehrere Verdächtige rücken ins Visier der Ermittler – angefangen bei der Familie des Opfers über die Angestellten des “Oxbury” bis hin zur Konkurrenz auf kulinarischem Terrain.

“Bloody Rosemary” ist ein Paradebeispiel des “Who done it”-Krimis. Leser, die gerne rätseln wer der Mörder ist, können ihrer Passion bis zum Ende des Buches ausgiebig fröhnen. Verdächtig ist nämlich nahezu jeder, der mit der streitlustigen Wirtin zu tun hatte.

“Die Toten vom Magdalen College” lautet der Titel des ersten Falls für die beiden Inspectors Green und Collins. Da es sich aber jeweils um abgeschlossene Fälle handelt, muss man den Erstling nicht gelesen haben, bevor man sich “Bloody Rosemary” widmet.

Die 1981 geborene Autorin Katharina M. Mylius hat selbst einige Zeit in Oxford gelebt – ein Fakt, den man der Geschichte sofort anmerkt, manchmal nur leider allzu deutlich. Denn die ausführlichen Beschreibungen der altehrwürdigen Gebäude und zur Stadthistorie lassen die eigentliche Story teilweise in den Hintergrund treten. Dadurch ist “Bloody Rosemary” halb Krimi, halb Reiseführer.

Die Darsteller bleiben allesamt ziemlich blass und konturlos. Weder Frederick Collins noch seine Kollegin Heidi Green sind richtige “Typen”. Geradezu nervig ist aber der bemühte Slang der “The Oxbury”-Angestellten Samuel Fisher und Vanessa Holloway, bei dem ständig Buchstaben und Endungen verschluckt werden. Außerdem nimmt das Privatleben der Hauptfiguren mehr Raum ein als nötig.

Ich musste jedenfalls feststellen: 254 Seiten können sehr lang sein. 229 Seiten davon umfasst der Kriminalroman. Die restlichen Seiten sind mit einem thematisch passenden Anhang versehen: Dort stellt Katharina M. Mylius ausgewählte Rezepte aus der Region Oxfordshire vor. Obwohl die britische Küche im Allgemeinen auf der lukullischen Beliebtheitsskala generell kaum die volle Punktzahl erreichen dürfte, hören sich die meisten Gerichte richtig lecker an. Das “Oxford Beef Stew” und der “Oxfordshire Bacon Rolypoly Pudding” stehen schon auf dem Menüplan für die kommenden Wochen.

Krimis lesen und Kochen sind zwei meiner großen Leidenschaften, die das Buch “Bloody Rosemary” für mich im Vorfeld so interessant gemacht haben. Ganz erfüllen konnten sich meine Erwartungen leider nicht. Die bis zum Ende durchgehend überzeugende Krimihandlung wurde durch die langwierigen Schilderungen über Oxford und das Privatleben der Ermittler leider beeinträchtigt. Schade, da wäre mehr drin gewesen!

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Zum Buch bei Amazon.de: “Bloody Rosemary”

Zum Buch auf der Homepage des Goldfinch Verlags: “Bloody Rosemary”

Zur Homepage der Autorin: Katharina M. Mylius

Zum ersten Buch der Krimi-Reihe auf der Homepage des Goldfinch Verlags: “Die Toten vom Magdalen College”

Frisch rezensiert: “Kainsmal” von Marcus Hünnebeck

Thriller-Fans, merkt Euch diesen Namen!

Meine Bewertung: ★★★★

Kainsmal © Marcus Hünnebeck

Katharina Rosenberg arbeitet als Oberkommissarin bei der Kölner Mordkommission. Als zwei Kollegen aus dem Polizeidienst gewaltsam zu Tode kommen, nimmt sie mit ihrem Team sofort die Ermittlungen auf. Hängen die Fälle zusammen? Ist ein Polizistenmörder unterwegs? Viele Fragen gilt es zu klären, deshalb ist Katharina dankbar für die Unterstützung von Christian Moll. Mit dem ehemaligen Kriminalpsychologen hat sie in der Vergangenheit bereits zusammengearbeitet. Was die beiden nun herausfinden, ist schier beängstigend – besonders für Katharina…

Der im Rheinland lebende Schriftsteller Marcus Hünnebeck liefert mit “Kainsmal” den packenden Auftakt zu einer Thriller-Reihe um die Ermittlerin Katharina Rosenberg. Und das ganz ohne Verlag. Der freie Autor, Jahrgang 1971, ist Selfpublisher. Sein Buch “Kainsmal”, das am 24. Juni 2014 sowohl als E-Book als auch im Taschenbuchformat bei Amazon Publishing veröffentlicht wurde, hat neben einem fundierten Lektorat sowie einem Korrektorat auch eine professionelle Umschlaggestaltung durch die renommierte Münchner Agentur bürosüd° erfahren.

Mit 174 Seiten ist “Kainsmal” ein recht kurzes Vergnügen, das mir immerhin einen spannenden Nachmittag beschert hat. Sicherlich hätten andere Autoren ein Buch mit mindestens 300 Seiten aus dieser Story gemacht. Das Potenzial dazu hat sie allemal. Marcus Hünnebeck aber beschränkt sich (manchmal leider zu sehr) auf das Wesentliche und lässt in seinem Thriller dadurch erst gar keine Längen entstehen. Er erzählt durchgehend in einem hohen Tempo mit prägnanten Sätzen eine sauber durchdachte Geschichte. Bis zum Showdown legt der Autor falsche Fährten und präsentiert in den insgesamt 29 knackigen Kapiteln den ein oder anderen falschen Verdächtigen.

Mit Katharina Rosenberg hat er eine toughe Ermittlerin ins Leben gerufen. Allerdings muss sie im Privaten mit einer Tragödie leben, die sich dem Leser erst allmählich erschließt. Dass Marcus Hünnebeck diese verletzliche Seite der sonst so couragierten Kommissarin beleuchtet, tut der Figur Katharina Rosenberg sehr gut.

“Kainsmal” ist trotz seines zierlichen Umfangs ein mitreißender Thriller, der mich vom Können des Autors überzeugt hat.

Mit “Die Drahtzieherin” kam am 7. April 2015 der zweite Band der Reihe auf den Markt. 230 Seiten hat der Nachfolger und damit im Vergleich zu Teil eins gut 60 Seiten mehr.

Inzwischen hat Marcus Hünnebeck Anschluss an einen Verlag gefunden. Am 3. September 2015 wird bei Egmont LYX sein Thriller “Im Auge des Mörders” veröffentlicht. In dieser Reihe spielen die Journalistin Eva Haller und der Leibwächter Stefan Trapp die Hauptrollen.

Den Namen Marcus Hünnebeck sollten Thriller-Fans unbedingt auf dem Zettel haben!

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Zum Buch bei Amazon.de: “Kainsmal”

Zur Homepage des Autors: Marcus Hünnebeck

Zur Facebook-Seite des Autors: Marcus Hünnebeck

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“Die Drahtzieherin” ist als E-Book für den Kindle noch bis morgen um Mitternacht zum Schnäppchenpreis von 2,49 EUR zu haben.

Frisch rezensiert: “Zum wilden Eck” von Fritzi Sommer

Mopsmäßig unterhaltsam!

Meine Bewertung: ★★★★

 © Heyne Verlag

“Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos.” (Loriot)

Der Mops ist gerade schwer in Mode. Somit war es nur eine Frage der Zeit, bis die kleinen, kompakten Hunde Eingang als Ermittler in die Krimilandschaft finden. In Fritzi Sommers Kriminalroman “Zum wilden Eck” bemüht sich ein Mops-Trio um die Aufklärung zweier mysteriöser Todesfälle. Die wiederum sind auf dem in Prerow gelegenen Campingplatz “Zum wilden Eck” geschehen, den Josi, das Frauchen der Möpse, jüngst geerbt hat. Als glühende “Tatort”-Fans verfügen die Vierbeiner Henri, Victor und Wilma selbstverständlich über genügend kriminalistischen Sachverstand und halten ihre Spürnasen aufmerksam in den Ostsee-Wind.

Die Autorin Tina Wolf hat mich schon mit ihren beiden Romanen “Kein Kind ist auch (k)eine Lösung” und “Mit zwei Pampelmusen auf den Himalaya” begeistern können. Unter dem Pseudonym Fritzi Sommer begibt sich die Schriftstellerin aus Hamburg mit “Zum wilden Eck” auf neues Terrain und erfindet auch gleich ein neues Sub-Genre: Den Mops-Krimi.

Treu geblieben ist sie dabei dem Humor, der auch in ihren beiden bereits erwähnten Romanen nicht zu kurz kommt. Mit Leit-Mops Henri, dem klugen Senior Victor und der leicht adipösen Wilma, die nicht gerade die hellste Kerze auf der Torte, dafür aber umso liebenswerter ist, toben drei echte Charakterköpfe durch die turbulente Geschichte. Die Gespräche der vierbeinigen Schnüffler untereinander bieten immer wieder Anlass zum Schmunzeln. Einfach köstlich, diese Mops-Dialoge! Weniger sympathisch wirkt hingegen Frauchen Josi, die für mich zu unterkühlt daherkommt. Dafür sind die Nebenfiguren fast so stark wie die tierischen Protagonisten: Mit einem Augenzwinkern nimmt Fritzi Sommer die Campingplatz-Klientel auf die Schippe – sehr zum Vergnügen des Lesers.

Die Krimi-Handlung bringt den Leser zwar nicht um den Schlaf, ist aber gut durchdacht, wenn auch teilweise ein wenig vorhersehbar. Für Leser, die es unblutig mögen, jedoch auf ein gewisses Quantum Spannung trotzdem nicht verzichten möchten, ist diese Lektüre perfekt.

Sonnentage, Ostseestrand und Kiefernwälder beschreibt die Autorin so anschaulich, dass im Nu pures Ferienfeeling und die Sehnsucht nach Sand und Wellen aufkommt.

 “Zum wilden Eck” ist ein humorvolles Buch, dem auf jeden Fall ein fester Platz im Urlaubsgepäck gebührt!

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Zum Buch bei Amazon.de: “Zum wilden Eck”

Zum Buch auf der Homepage des Heyne Verlags: “Zum wilden Eck”

Zur Homepage der Autorin: Tina Wolf/Fritzi Sommer

Zur Facebook-Seite der Autorin: Tina Wolf/Fritzi Sommer