Heißer Bücherherbst: Frankfurter Buchmesse versus lit.COLOGNE SPEZIAL

Ubiquität nennt man die Fähigkeit, zur gleichen Zeit an mehreren Orten zu sein. Diese Gabe zu besitzen, dürfte sich im Oktober 2015 so mancher Literaturfan wünschen. Denn parallel zur 67. Frankfurter Buchmesse findet in Köln die 5. lit.COLOGNE SPEZIAL statt. Während vom 14. bis 18. Oktober 2015 Tausende durch die Messehallen Frankfurts wuseln, geben sich in Köln namhafte Autoren und Schauspieler die Klinke in die Hand. Deon Meyer, Isabel Allende und Jojo Moyes sind nur drei der Top-Autoren, die in der Zeit vom 7. bis 17. Oktober 2015 in der Domstadt lesen werden – gemeinsam mit hochkarätigen Schauspielern wie Dietmar Bär und Suzanne von Borsody.

Heute wurde das Programm der lit.COLOGNE SPEZIAL veröffentlicht. Gleichzeitig startete der Ticketverkauf für die insgesamt neun im wahrsten Sinne des Wortes erlesenen Veranstaltungen.

Als absolute Thriller- und “Tatort”-Liebhaberin habe ich mir natürlich sofort einen Platz in der ersten Reihe gesichert, wenn Deon Meyer und Dietmar Bär am 17. Oktober 2015 aus “Icarus” lesen. Der fünfte Fall für den südafrikanischen Cop Bennie Griessel erscheint am 12. Oktober 2015 bei Rütten & Loening.

© Aufbau Verlag/Rütten & Loening

Die Frage “Köln oder Frankfurt?” ist damit also zumindest in meinem Fall eindeutig beantwortet.

Und wie sieht das bei Euch aus? Das würde mich sehr interessieren. Deshalb freue ich mich auf Eure Beteiligung bei meiner kleinen Umfrage zu diesem Thema.

Frisch rezensiert: “Nachts” von Mercedes Lauenstein

Großartiges Debüt über die Faszination der Nacht

Meine Bewertung: ★★★★★

Nachts © Aufbau Verlag

Mercedes Lauenstein wurde vor 27 Jahren im schleswig-holsteinischen Kappeln an der Schlei geboren. Inzwischen lebt die Autorin in München. Dort spielt auch ihr Debüt “Nachts”, erschienen am 21. August 2015 im Aufbau Verlag.

In den Nächten klingelt eine junge Frau wahllos an den Türen von Wohnungen, in deren Fenstern noch Licht brennt. Bei diesen Besuchen begegnet sie den unterschiedlichsten Menschen, manche jung, andere alt, doch eines eint sie alle – egal, ob sie in Villen oder abbruchreifen Häusern leben: Die nächtliche Schlaflosigkeit. Die Gründe dafür sind genauso vielfältig wie die Charaktere, auf die Mercedes Lauenstein ihre Protagonistin treffen lässt. Einige von ihnen fangen erst in der Nacht richtig an zu leben, andere werden von Familienmitgliedern um den Schlaf gebracht oder von ihren Sorgen.

Tagebuchartig berichtet die namenlose Ich-Erzählerin von ihren Begegnungen, die mal heiter, mal rührend, tragisch, aber auch schräg sind. Von insgesamt 25 Menschen möchte die selbsternannte Nacht-Forscherin wissen, was die Leute um den Schlaf bringt. Dabei erfährt sie noch viel mehr; nicht selten sind es ganze Lebensgeschichten.

Auch wenn manche Kapitel, die jeweils eine nächtliche Begegnung umfassen, sich nur über vier Seiten erstrecken, ist es doch erstaunlich, wie scharf und präzise Mercedes Lauenstein die einzelnen Charaktere skizziert. Sorgfältig stattet die Autorin jeden von ihnen mit einer individuellen Biografie aus. Dadurch hat “Nachts” fast etwas von einem Adventskalender: Man weiß nie, was einen hinter der nächsten Tür erwartet.

In allen der 25 kurzweiligen Geschichten gelingt es Mercedes Lauenstein spielend, die ganz besondere Atmosphäre der Nacht einzufangen. Und die Nacht hat viele Gesichter. Ob watteweiche Stille im fallenden Schnee oder laue Sommerluft – die Autorin lässt ihre Hauptfigur ganz genau hinhören und hinschauen, lässt sie die Nacht mit allen Sinnen in sich aufsaugen.

Sinnlich, melancholisch, von großartiger Atmosphäre, mit echtem Tiefgang und ein sprachlich unkomplizierter Blick durchs Schlüsselloch: Das alles ist “Nachts”.

Ein Buch, so still wie die Nacht, und doch so lebendig wie der helle Tag.

© Stephanie Manig, buchstabenfaengerin

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Zum Buch auf Amazon.de: “Nachts”

Zum Buch auf der Homepage des Aufbau Verlags: “Nachts”

Zur Homepage der Autorin: Mercedes Lauenstein

Frisch rezensiert: “Sonne, Strand und Tod” von Emma Bieling

Urlaubsfeeling inklusive: Das unterhaltsame Krimi-Debüt einer Chick Lit-Autorin

Meine Bewertung: ★★★★

Sonne, Strand und Tod © LUZIFER Verlag

Luna Maiwald, Kriminalhauptkommissarin auf der Insel Rügen, ist auf dem Weg in den Urlaub, als ein dienstlicher Anruf sie erreicht: Am Strand des Fischerdörfchens Polchow wurde die Leiche einer jungen Frau gefunden. Die Tote lag unter einem mit Muscheln verzierten Sandhügel begraben. Luna und ihr Männerteam ermitteln mit Hochdruck. Mit ihrer pubertierenden Tochter Marcia und ihrem Ex Fred hat die toughe Kripo-Frau eigentlich schon genug um die Ohren – da wird die Leiche eines zweiten Mordopfers an den Ostseestrand gespült…

Emma Bieling hat sich mit ihren märchenhaften Chick Lit-Romanen “Rapunzel auf Rügen” und “Cinderella auf Sylt” einen Namen gemacht. In ihrem aktuellen Buch reist sie erneut an die Ostsee, doch diesmal wird es mörderisch: Mit “Sonne, Strand und Tod” debütiert die sympathische Autorin und Journalistin auf dem Krimi-Parkett. Der Frauenliteratur komplett entsagt hat sie damit allerdings nicht, denn die Gefühle kommen trotz grausiger Verbrechen nicht zu kurz.

Luna Maiwald steht im Mittelpunkt des Geschehens. Sie ist eine Frau, die genau weiß, was sie will – und das ist nicht wenig: Der allein erziehenden Mutter gelingt es mehr schlecht als recht, ihren Ehrgeiz im Job und ausreichend Zeit für Tochter Marcia unter einen Hut zu bringen. Die Hauptakteurin wirkt sehr schroff und manchmal übellaunig. Ein bisschen mehr Gelassenheit und Freundlichkeit würden der Figur Luna Maiwald gut zu Gesicht stehen. Die meisten anderen handelnden Personen sind weitaus sympathischer. Bei denen hat sich Emma Bieling echt ins Zeug gelegt. Ob die maulende Teenie-Tochter Marcia, der gutmütige Ex-Freund Fred oder Lunas kauziger Vater: Ein buntes Häufchen unterschiedlichster Charaktere wuselt durch die gut 300 turbulenten Seiten, auf denen in wenigen Situationen die Fantasie mit der Autorin  durchgeht. Aber das darf auch so sein, schließlich handelt es sich um einen Unterhaltungsroman.

Die krimitechnische Umsetzung ist Emma Bieling außerordentlich gut geglückt. Besonders kreativ war sie, was die Mordwaffen anbelangt. Das dürfte es so bislang in noch keinem anderen Krimi gegeben haben. Bis zur überraschenden Auflösung kann der Leser fleißig mitknobeln, wer hinter den Frauenmorden von Rügen steckt. Fachmännisch unterstützt wurde die Autorin bei ihren Recherchen vom Landeskriminalamt Berlin und der Kriminaldienststelle Bergen. Für Spannung ist also ebenso gesorgt wie für das herrliche Urlaubsgefühl, das sich sofort beim Lesen der ersten Seiten einstellt. Die Insel Rügen und ihre kleine Schwester Hiddensee bilden die traumhafte Kulisse dieser Geschichte. Emma Bieling besitzt die fantastische Gabe, mit Worten lebendige Bilder zu malen. In Nullkommanichts katapultiert sie ihre Leserschaft an die Ostseeküste. Sie erzählt von Möwengeschrei, Sanddornbüschen und dem Rauschen der Wellen: Vorsicht, akutes Fernweh!

Was die Lesefreude hingegen ein wenig trübt, sind einige Schreibfehler sowie teils abenteuerliche Worttrennungen. Da muss das Lektorat nochmal ran. Andernfalls wäre es wirklich schade für die tolle Story.

Am 31. August 2015 erscheint “Sonne, Strand und Tod” als Paperback. Als E-Book ist der Rügen-Krimi aber schon jetzt lieferbar. Doch egal, in welchem Format man Emma Bielings neues Buch liest: Diesen unterhaltsamen Kriminalroman mit dem wunderschönen Cover kann ich – passend zum Sommer – wärmstens empfehlen!

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Zum Buch auf Amazon.de: “Sonne, Strand und Tod”

Zum Buch auf der Homepage des LUZIFER Verlags: “Sonne, Strand und Tod”

Live-Lesung mit Adriana Popescu

Am kommenden Mittwoch, dem 12. August 2015, könnt Ihr an einer Lesung teilnehmen, ohne dafür das gemütliche heimische Sofa verlassen zu müssen. Möglich macht das Litlounge.tv. Dort liest Adriana Popescu ab 19:00 Uhr aus ihrem Jugendbuch “Ein Sommer und vier Tage”, das am 27. Juli 2015 bei cbj erschien. Obwohl der Roman noch ganz frisch auf dem Buchmarkt ist, hat er schon viele LeserInnen begeistert. 18 5-Sterne- sowie 2 4-Sterne-Rezensionen bei Amazon.de sprechen deutlich dafür.

Moderieren wird den Lesungsabend meine charmante Blogger-Kollegin Anka von Ankas Geblubber.

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Sommer, Sonne, Strand und jede Menge Amore

Sich mal so richtig verknallen! Das wär‘s, denkt sich die 16-jährige Paula, der ihr wohlbehütetes Leben manchmal ganz schön auf die Nerven geht. Lernen, lernen, lernen und dann Karriere machen, das kann doch nicht alles sein! Paula würde viel lieber ferne Länder bereisen, ein richtiges Abenteuer erleben und sich mal so richtig, richtig verlieben. Als sie während der Busfahrt nach Amalfi ins Sommerferienlager versehentlich an einer norditalienischen Raststätte zurückgelassen wird – ausgerechnet mit dem süßesten Typen der Gruppe –, packt sie die Gelegenheit beim Schopf und lässt sich für vier köstliche, völlig losgelöste Tage mit ihm allein durch Italien treiben … Tanzen im Mondschein am Strand all inclusive.

© Cover und Buchbeschreibung: cbj

Urlaub, Hitzewelle, Ferienzeit: Passender könnte im Moment kaum ein Buch sein. Übrigens könnt Ihr Adriana Popescu schon jetzt und am Mittwochabend Eure Fragen stellen – und auch vor möglichst knifflige Aufgaben! Denn die Autorin wird nicht nur lesen, sondern sich auch an Challenges versuchen. Immer, wenn sie eine Aufgabe nicht meistert, wird übrigens ein signiertes Buch verlost. Hier geht’s direkt zur Live-Lesung.

In diesem Video erzählt Euch Adriana Popescu nochmal alles, was Ihr über die Lesung wissen müsst:

Frisch rezensiert: “Blaues Blut” von Felicitas Gruber

Endlich: Fall Nummer 3 für Rechtsmedizinerin Dr. Sofie Rosenhuth!

Meine Bewertung: ★★★★

© Diana Verlag

Sommer, Sonne, Obduktion: Eine tote Adelige liegt mit durchgeschnittener Kehle in ihrer Badewanne. Draußen herrscht herrlichstes Badewetter, doch Dr. Sofie Rosenhuth muss sich derweil im Münchner Institut für Rechtsmedizin mit dem Leichnam der ermordeten Frau beschäftigen. Sofies Ex-Mann, der Kriminaler Joe Lederer, scharrt schon mit den Hufen, denn er will den Täter schnellstmöglich dingfest machen. Kurze Zeit später geschieht bereits der nächste Mord in der Adelsfamilie. Ein schauriger Anblick für alle Vertreter der an den Tatort gerufenen Professionen, denn der Leiche wurde der Kopf abgetrennt…

Mit “Blaues Blut” ist am 13. Juli 2015 der dritte Fall für die “Kalte Sofie” erschienen. Das Autorinnen-Duo Felicitas Gruber, bestehend aus den beiden Schriftstellerinnen Brigitte Riebe und Gesine Hirsch, hat sich mit ihren Krimis um die Münchner Rechtsmedizinerin Dr. Sofie Rosenhuth inzwischen eine große Fangemeinde erarbeitet, die Band Nummer drei ungeduldig entgegengefiebert hat.

Bei Amazon steht das Buch zur Stunde auf Platz 20 der deutschen Krimi- und Thriller-Bestsellerliste. Kein Wunder, denn die Mischung aus Humor, rasanter Krimigeschichte, brillanten Figuren und rechtsmedizinischem Know-How bietet alles, was der Krimi-Freund für vergnügliche Lesestunden braucht. Auch ein Schuss Romantik darf nicht fehlen, denn Sofie und ihr Ex Joe kommen sich wieder näher. Das wird besonders eingefleischten Leserinnen gut gefallen, denn nicht wenige erhofften sich ein derartiges Comeback zwischen den beiden.

Erstleser der Reihe können sich mit “Blaues Blut” bedenkenlos in die Welt von Sofie und Co. stürzen, ohne befürchten zu müssen, etwas Wesentliches verpasst zu haben, wenn sie die beiden Vorgängerbände “Die Kalte Sofie” und “Vogelfrei” nicht gelesen haben. Allerdings muss ich an dieser Stelle eine ganz klare Empfehlung dieser Bücher aussprechen, denn sie machen genauso viel Spaß wie der aktuelle Fall.

Diesmal kommt die wunderbare Hauptfigur Sofie noch zackiger daher und zeigt sich sogar von ihrer schwarzhumorigen Seite – etwa bei meiner Lieblingspassage auf Seite 191. Dort geht es um Schäferhunde und ich konnte gar nicht anders, als laut loszuprusten. Ihre chaotische Art, der ewige Kampf mit den Pfunden und die köstlichen Streitgespräche mit ihrer inneren Stimme sind es, die Sofie so liebenswert machen.

Der Münchner Dialekt spielt – ebenso wie die bayerische Landeshauptstadt und ihre Traditionen – erneut eine große Rolle. Die Liebe der Autorinnen zu ihrer Heimatstadt ist deutlich zu spüren. Die (wenigen) in Mundart geschriebenen Dialoge erschließen sich auch für Nicht-Bayern – obwohl es durchaus Vokabeln gibt, die man zweimal lesen muss, um sie zu verstehen.

Nachdem die 304 Seiten von “Blaues Blut” nun hinter mir liegen, komme ich zu dem Schluss, dass Fall Nummer drei seinen beiden Vorgängern in nichts nachsteht und ich einmal mehr gut von Felicitas Gruber unterhalten wurde.

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Zum Buch auf Amazon.de: “Blaues Blut”

Zum Buch auf der Homepage des Diana Verlags: “Blaues Blut”

Zur Homepage des Autorinnen-Duos: Felicitas Gruber

Frisch rezensiert: “Elke – Ein schmales Buch über die Wirkung von Kuchen” von Christian Duda

⇒ NEUERSCHEINUNG!


Bittersüße Geschichte für Groß und Klein

Meine Bewertung: ★★★★★

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© Beltz & Gelberg

Kasimir ist fünf Jahre alt und wohnt mit seinem Papa in Berlin. Weil er schließlich schon groß ist, darf er alleine in den Kindergarten gehen. Eines Morgens prallt er dabei mit einem Kuchenblech zusammen, hinter dem eine große, dicke Frau zum Vorschein kommt: Elke. Kasimir liebt Kuchen und Elke backt jeden Tag Russischen Zupfkuchen für das nahe gelegene Café – der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.

Der in Berlin lebende Autor Christian Duda und die Illustratorin Julia Friese haben bei “Elke – Ein schmales Buch über die Wirkung von Kuchen” nach einigen gemeinsam produzierten Bilderbüchern wieder gemeinsame Sache gemacht. Herausgekommen ist dabei ein einzigartiges Buch mit herzigen Illustrationen, das Kinder ab sechs Jahren ebenso begeistern wird wie erwachsene Leser.

Es ist eine Geschichte über eine ungewöhnliche Freundschaft, die urplötzlich beginnt und die nicht nur das Leben von Kasimir und Elke ungemein bereichert. Christian Dudas Romanfiguren eint, dass sie allesamt kein perfektes Leben führen. Jeder wurschtelt sich so durch. Kasimir lebt allein mit seinem Papa, denn seine Mama ist gestorben. Elke hat an ihrer Einsamkeit und ihrem massiven Übergewicht zu knabbern. Cafébesitzer Uwe kämpft ums geschäftliche Überleben. Ganz normale Leute also, die sich ihren Alltagssorgen stellen müssen. Gerade wegen all ihrer kleinen und großen Baustellen sind Christian Dudas Figuren so authentisch. So liebevoll wie die Illustrationen von Julia Friese sind, die Kapitel für Kapitel einleiten, ist der Autor bei der Erschaffung seiner Charaktere vorgegangen. Jeder von ihnen ist ein absolut liebenswertes Unikat.

Christian Duda hält ein Vergrößerungsglas über den Alltag in der fiktiven Berliner Lubitschstraße, in der die Geschichte spielt und erzählt eindringlich, welche großartigen Veränderungen Kuchen und Freundschaft bewirken können. Ihm gelingt das Kunststück, auf nur 160 Seiten die verschiedensten Gefühle beim Leser auszulösen und ihn nachhaltig zu berühren. Gerade eben lacht man noch über die witzigen Dialoge zwischen Uwe und Kasimir, schon stimmen einen die folgenden Sätze nachdenklich oder machen sogar traurig. “Elke – Ein schmales Buch über die Wirkung von Kuchen” ist ein bittersüße Geschichte für Groß und Klein. Christian Duda hat ein besonderes Buch geschrieben, das ganz klar zu meinen Favoriten des Lesejahres 2015 zählt und dem ich von Herzen viele backende Leser wünsche. Denn Elkes sensationelles Zupfkuchenrezept darf am Schluss natürlich nicht fehlen.

Das Buch ist übrigens auch als Audiobook erschienen. Gelesen wird es von der Schauspielerin Nina Petri, die die Geschichte allerdings recht emotionslos vorträgt, weshalb ich in diesem Fall unbedingt zum Selberschmökern rate.

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Mehr über den Autor: Christian Duda

Frisch rezensiert: “Er hätte weiter gemordet” von Claudia Puhlfürst

Fundierte Einblicke in die Rechtsmedizin

Meine Bewertung: ★★★★

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Berichte über authentische Kriminalfälle erfreuen sich einem großen Interesse. Der “Stern” hat mit “Crime” kürzlich sogar ein eigenes Magazin herausgegeben, das sich ausschließlich mit reellen Verbrechen befasst.

Die in Zwickau lebende Autorin Claudia Puhlfürst widmet sich in ihrem Sachbuch “Er hätte weiter gemordet”, erschienen am 1. März 2012 im Militzke Verlag, in acht Kapiteln ebenfalls echten Kriminalfällen, die zum Teil deutschlandweit für Entsetzen sorgten. Der Untertitel “Aufsehenerregende Fälle aus der Rechtsmedizin” ist Programm, denn die 1963 geborene Schriftstellerin beschränkt sich nicht darauf, die unfassbaren Taten einfach wiederzugeben. Ihr Hauptaugenmerk liegt ganz klar auf der rechtsmedizinischen Komponente dieser Verbrechen. Mit Prof. Dr. med. Klaus Püschel und Dr. med. Carsten Hädrich standen ihr dabei zwei erfahrene Rechtsmediziner zur Seite.

In ihrem 208-seitigen Buch gewährt die Autorin dem Leser eindrucksvolle Einblicke in eine Welt, die dem Normalbürger (Gott sei Dank?!) verschlossen bleibt und die sowohl im Fernsehen als auch in Kriminalromanen oft sehr einseitig dargestellt wird. Viele nehmen an, dass in der Gerichtsmedizin ausschließlich die Obduktion von Leichen erfolgt. Doch auch die Begutachtung von lebenden Gewaltopfern, die naturwissenschaftliche Forschung oder die Analyse von Blutspuren sind feste Bestandteile dieses Arbeitsgebietes. Ein Mordversuch an einer 18-jährigen Chemnitzerin, Skelettfunde aus dem Mittelalter oder der Fall des zu Tode gequälten Kleinkindes Kevin aus Bremen (Nichts für schwache Nerven!) belegen die Vielfältigkeit der Aufgaben der Rechtsmedizin. Man merkt, dass es Claudia Puhlfürst ein Bedürfnis ist, dem Leser diese enorme Bandbreite zu vermitteln.

Akribisch listet die Autorin in allen Fällen die gefundenen Verletzungen auf und führt aus, zu welchen teils hochinteressanten Schlussfolgerungen die Rechtsmediziner dadurch gelangen. Manchmal geht sie allerdings ein wenig zu sehr ins Detail.

In sachlichem Ton, dabei aber immer bestens verständlich, beschreibt Claudia Puhlfürst Taten, Täter, Opfer und natürlich die Arbeit der Gerichtsmedizin. Sperrige Fachbegriffe erklärt sie und lässt den Laien somit nicht im Dunkeln tappen.

Die Autorin scheut sich nicht, Missstände in der Rechtsmedizin anzusprechen – es geht beispielsweise um gekürzte Gelder, die dadurch bedingte Schließung von Instituten und die erschreckend hohe Zahl der nicht erkannten Tötungsdelikte.

Für “Er hätte weiter gemordet” hat die Verfasserin spürbar gründlich recherchiert. So zitiert sie etwa aus Anklageschriften, Gutachten und Studien.

Obwohl Claudia Puhlfürst mitunter ein wenig zu weit ausholt und sich hier und da so mancher Schreibfehler eingeschlichen hat, kann ich dieses Buch jedem, der sich für die Arbeit der Rechtsmedizin interessiert, nur ans Herz legen. Außerordentlich fundiert, gut verständlich und dazu noch unterhaltsam – diese gelungene Kombination findet man nicht bei jedem Sachbuch dieser Art.

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Zum Buch bei Amazon.de: “Er hätte weiter gemordet”

Zum Buch auf der Homepage des Militzke-Verlags: “Er hätte weiter gemordet”

Zur Homepage der Autorin: Claudia Puhlfürst