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Lesung von Kati Naumann in Bad Schlema: „Die Sehnsucht nach Licht“

Nebel wabert durch das Schlematal, den ganzen Tag schon hat es geregnet und die Landschaft ist in monochrome Töne getaucht. Am 16. November 2022 zeigt sich das Erzgebirge von seiner ungemütlichen Seite. Glücklich sind da diejenigen, die im Warmen bei einem Heißgetränk der Stimme einer großartigen Erzählerin lauschen können. Eine von diesen Glücklichen war ich – heute bei der Lesung von Kati Naumann im Bad Schlemaer Kurhotel.

Die sympathische Leipzigerin, der das Erzgebirge nach eigener Aussage sehr am Herzen liegt, hatte ihren Roman „Die Sehnsucht nach Licht“ im Gepäck, der im Schlematal spielt und mein persönliches Buchhighlight des Jahres 2022 ist. (Hier geht es zu meiner Rezension.)

Mit sanfter und angenehmer Stimme las Kati Naumann ausgewählte Passagen aus „Die Sehnsucht nach Licht“ vor. Der Bad Schlemaer Ortschronist Dr. Oliver Titzmann steuerte neben beeindruckenden Originalfotos aus mehreren Jahrzehnten, angefangen im Jahr 1908, viele spannende Informationen zur Geschichte von Bad Schlema und dem Leben der Bewohner bei. Auch so manche Anekdote zum Schmunzeln gab er zum Besten, und das überwiegend ältere Publikum, aus dessen Reihen vielleicht sogar der eine oder andere bei der Wismut gearbeitet hat, hing förmlich an den Lippen des Heimatforschers, der gemeinsam mit Kati Naumann ein echtes Dreamteam bildete.

Die anderthalbe Stunde verging wie im Flug und natürlich hat es sich Kati Naumann nicht nehmen lassen, ihre Bücher zu signieren und mit ihren Lesern zu plaudern. Und darüber hatte man das schlechte Wetter vor der großen Fensterfront des Kurhotels glatt vergessen.

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Veröffentlicht in Absolute Schätze

Alles kommt vom Bergwerk her

Meine Rezension zu „Die Sehnsucht nach Licht“ von Kati Naumann

Copyright: HarperCollins

Meine Bewertung:  ★★★★★

Bedrückende Enge, Hitze, Finsternis und Staub – unter Klaustrophobie darf man als Bergmann nicht leiden. Und doch haben sich die Mitglieder der Familie Steiner aus dem erzgebirgischen Bad Schlema über Generationen hinweg all diesen Widrigkeiten ausgesetzt, um dem Berg seine Schätze abzutrotzen.

Heute sind die Schächte stillgelegt und anstelle der Bergleute fahren Touristen und Interessierte ein, um sich im Besucherbergwerk ein Bild vom Leben unter Tage zu machen. Luisa, mit 30 Jahren das jüngste Mitglied der Bergarbeiterfamilie Steiner, vermittelt den Gästen im Schacht 15IIb mit Enthusiasmus, wie es einst unter der Erde zugegangen ist. Dabei kann sie auf Informationen und Erinnerungen aus erster Hand zurückgreifen, denn ihr Vater, ihr Großvater, ihr Urgroßvater und sogar ihr Ururgroßvater waren Bergleute. Auch ihr Großonkel Rudolf gehörte dieser Zunft an – bis er eines Tages nicht mehr von der Schicht nach Hause kam. Luisa beschließt, sich auf die Spuren ihres Großonkels zu begeben und lüftet dabei ungewollt so manches Familiengeheimnis …

Dem Erscheinen von „Die Sehnsucht nach Licht“ habe ich voller Ungeduld entgegengefiebert. Ich wohne nur 15 Kilometer entfernt von Bad Schlema, dem Hauptschauplatz des Romans und gleichzeitig dem Wohnort der fiktiven Familie Steiner, und finde Regionalgeschichte absolut fesselnd. Am 25. Oktober 2022 wurde „Die Sehnsucht nach Licht“ bei HarperCollins veröffentlicht – und ich habe das Buch im Rekordtempo gelesen!

In sich abwechselnden Kapiteln erzählt Autorin Kati Naumann von der Vergangenheit der Familie Steiner, beginnend im Jahre 1908, und der heutigen Zeit, die im Herbst 2019 angesiedelt ist. Ich bin ehrlich beeindruckt, wie viel Geschichte und Geschichten die Autorin auf 416 Seiten platziert hat, ohne dabei jemals oberflächlich zu sein.

Jede Zeit, jede Epoche im Roman hat ihre ganz eigene, charakteristische Atmosphäre, die Kati Naumann für ihre Leser lebendig und greifbar macht. Spielend leicht versetzt die Autorin einen in die Kaiserzeit, in entbehrungsreiche Kriegsjahre, in die 40 Jahre währende DDR bis in die Gegenwart. Auch die Traditionen kommen nicht zu kurz: Von den Rauhnächten über die Mettenkerze bis hin zum Schwibbogen lässt die Autorin erzgebirgisches Brauchtum in ihre Geschichte einfließen.

Den einzelnen Sohlen in einem Bergwerk ähnlich, beleuchtet Kati Naumann Generation für Generation der Steiners, gibt ihnen eine Stimme, lässt sie aus ihrem Leben erzählen, das sich im Laufe der Zeit genauso wandelt wie der einst so mondäne Kurort. Der Stammbaum der Familie ganz am Anfang des Buchs erweist sich als äußerst hilfreich, sonst würde man bei fünf Generationen früher oder später den Überblick verlieren.

„Die Sehnsucht nach Licht“ ist nicht nur eine Familiensaga, bei der die „kleinen“ Leute im Mittelpunkt stehen, sondern auch die Biografie eines Ortes, der im Laufe der Jahrzehnte immer wieder sein Gesicht verändert hat.

Selbst als „Hiesige“ habe ich beim Lesen von „Die Sehnsucht nach Licht“ eine Menge Neues erfahren. Spannend erzählt, kombiniert Kati Naumann gründlich recherchierte (Bergbau-)Geschichte mit mitreißendem Familienroman. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage: Es war ein Genuss, dieses Buch zu lesen!

Und spätestens, wenn man dann nach 416 Seiten das Buch zuklappt, weiß man, warum sowohl für die Familie Steiner als auch für das Erzgebirge gilt: „Alles kommt vom Bergwerk her.“

Interessante Links

Zum Buch bei Amazon.de: „Die Sehnsucht nach Licht“

Zur Homepage der Autorin: Kati Naumann

Zum Buch auf der Homepage des Verlags: „Die Sehnsucht nach Licht“

Erzgebirgische Bergbau-Impressionen

Zu sehen sind unter anderem die Schachtziege in Oelsnitz/Erzgebirge (links oben) sowie der Förderturm des Schachts 371 (rechts unten) in der Nähe von Bad Schlema. Dem Schacht 371 kommt übrigens in „Die Sehnsucht nach Licht“ auch eine Rolle zu.

Fotos: Stephanie Manig

Glück auf, Glück auf! Der Steiger kommt,
und er hat sein helles Licht bei der Nacht,
und er hat sein helles Licht bei der Nacht,
schon angezünd‘t,
schon angezünd‘t.

Quelle: Steigerlied – Deutsches Bergmannslied aus dem Erzgebirge

🚩 TERMIN! Am 16. November 2022 liest Kati Naumann in Bad Schlema aus ihren neuem Roman „Die Sehnsucht nach Licht“. Weitere Informationen gibt es hier.

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Einmal Popstar und zurück

Meine Rezension zu „Die Träume anderer Leute“ von Judith Holofernes

Copyright: Kiepenheuer & Witsch

Meine Bewertung:  ★★

Eins vorweg: Ein klassisches „Wir sind Helden“-Fangirl war ich nie. Ich mochte ihre Lieder ganz gern, habe die Band einmal live gesehen, aber das war´s dann auch schon. Dennoch wollte ich Judith Holofernes‘ Buch „Die Träume anderer Leute“ unbedingt lesen, da ich eine Schwäche für Musiker-Biografien habe.

Einen passenderen Titel als den gleichnamigen „Wir sind Helden“-Song aus dem Jahr 2010 hätte deren ehemalige Frontfrau für ihr Buch nicht wählen können. Sie beschreibt darin die kreative Enge in den Mühlen der Musikindustrie, in der Verkaufszahlen alles sind und der Künstler nicht mehr ist als ein Produkt. Judith Holofernes legt in „Die Träume anderer Leute“ den Schwerpunkt aber nicht auf die schillernden Momente ihrer Karriere mit den Helden, sondern auf die Zeit danach. 2012 trennten sich die Wege der Band und die Musikerin stand nun vor der schwierigen Aufgabe, sich neu zu erfinden. An kreativen Ideen mangelte es ihr nicht, aber eines stand für sie fest: Sie wollte nicht länger die Träume anderer Leute träumen.

Zu Beginn war es ein wenig schwierig, mich an den Schreibstil von Judith Holofernes zu gewöhnen. In manchen Passagen wirkte der hektisch und ein bisschen überdreht. Aber einmal im Flow, machte es mir immer mehr Spaß, dieses Buch zu lesen und ihr zuzuhören. Ja, zuzuhören – und das bei einem Printbuch! Denn mit der Zeit kommt es einem tatsächlich so vor, als würde man neben der erzählenden Judith Holofernes auf dem Sofa sitzen. Sie spart dabei nicht an Wortwitz und verfügt über einen schier unerschöpflichen Wortschatz – langweilig wird es also nie.

Die Musikerin zeigt ihre verletzliche Seite und gewährt Einblicke in ihr Familienleben, das so gar nicht rockstarmäßig, sondern erschreckend normal ist. Ganz offen beschreibt Judith Holofernes, wie sie schließlich krank wird, nicht mehr funktioniert und erst nach einer Weile wieder auf die Beine kommt.

Besonders liebenswert an „Die Träume anderer Leute“ ist, wie herrlich uneitel die Autorin über sich selbst schreibt.

„Ich sehe an schlechten Tagen aus wie die verwirrte Lieblingstante von Boy George.“

(Seite 182)

Neben allem Hadern und Zweifeln, wie sie sich eine neue Karriere aufbauen kann, ohne dabei immer auf die Frontfrau von „Wir sind Helden“ reduziert zu werden, kommt Judith Holofernes eins zum Glück nie abhanden: Ihr Humor.

Ergo: Definitiv lesenswert für alle Musikinteressierten und Künstler!

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Zum Buch auf der Homepage des Verlags: „Die Träume anderer Leute“

Zur Homepage der Autorin: Judith Holofernes

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Schonungsloser Roman, der auf wahren Begebenheiten beruht

Meine Bewertung:  ★★

Copyright: Luisa Sturm/Dezemberkindverlag

Hannah führt ein wahres Bilderbuch-Leben: Sie ist glücklich verheiratet, attraktiv, Mutter zweier Kinder und eine bei Schülern wie Kollegen gleichermaßen beliebte Lehrerin. Das allerdings ist nur die strahlend schöne, makellose Fassade. Denn hinter den Kulissen spielt sich Dramatisches ab: Ihr Rücken bereitet ihr höllische Schmerzen, an erholsamen Nachtschlaf ist schon seit zwei Jahren nicht mehr zu denken. Widerwillig begibt sie sich in eine Reha-Klinik. Sechs Wochen Therapie stehen ihr bevor. Hannah aber gibt sich selbst nur noch sieben Tage, ehe sie ihren ganz eigenen Plan in die Tat umsetzen will: sich das Leben zu nehmen.

Der Beginn der Reha ist der Ausgangspunkt des Romans „Riss in der Schüssel“, der Ende April 2022 im Dezemberkindverlag veröffentlicht wurde. Die in Bayern lebende Autorin Luisa Sturm hat dieses Buch auf der Grundlage einer wahren Begebenheit verfasst. Wie viel aus dem Roman möglicherweise sogar autobiografisch ist, behält die Autorin für sich. Doch ganz gleich, ob Wahrheit oder Fiktion: Bestürzend ist Hannahs Geschichte in jedem Fall.

In kurzweiligen Rückblenden nimmt Hannah, Mitte vierzig, den Leser mit zurück in verschiedene Abschnitte ihres Lebens. Der Ausflug in die Kindheit nimmt sich dabei besonders brutal aus, denn im Alter von acht Jahren wurde Hannah Opfer eines schweren sexuellen Missbrauchs. Diese Berichte aus der Sicht eines kleinen Mädchens waren für mich am schwersten erträglich. Luisa Sturm lässt die achtjährige Hannah schon beinahe beängstigend lebendig wirken und macht die vernichtende Mischung aus Angst und Scham, die in der Kleinen tobt, auf schmerzhafte Weise für den Leser greifbar.

Stück für Stück setzt sich Hannahs Vergangenheit zusammen wie ein Puzzle und sie muss erkennen, dass es vieles gibt, das sie zwar inzwischen hinter sich gelassen, aber längst nicht verarbeitet hat. All das holt sie irgendwann ein und reißt sie regelrecht von den Beinen.

Sympathisch ist einem die Protagonistin dabei nicht in jeder Situation. Sie wirkt immer einen Tick zu selbstbewusst, ist störrisch und schlägt gut gemeinte Ratschläge in den Wind. Je mehr ich allerdings aus Hannahs Vergangenheit erfuhr, umso mehr Verständnis konnte ich für ihr Verhalten aufbringen. Hannah ist also keine strahlende Hauptperson, die man sofort ins Herz schließt. Luisa Sturm hat mit ihr vielmehr eine starke Charakterdarstellerin geschaffen, die über jede Menge Ecken und Kanten verfügt. Die Autorin zeichnet Hannah durch eine kompromisslose und offene Art aus, und sie agiert stets schonungslos – auch wenn es ihr zum Nachteil gereicht.

Besonders gefallen hat mir, dass Hannah, aus deren Sicht das gesamte Buch erzählt wird, mit dem Leser interagiert, ihn direkt anspricht und ihm ganz zielgerichtet Fragen stellt, die wahrhaftig zum Nachdenken anregen.

„Riss in der Schüssel“ ist kein Roman, den man einfach so zur Unterhaltung liest und danach vergisst. Dieses Buch hallt nach, es schockiert, ja, es tut manchmal sogar weh. Es basiert auf der schmerzhaften Wahrheit, dass einen die unverarbeiteten Ereignisse aus der Vergangenheit immer – und wirklich immer! – einholen, aber es macht auch eines: Hoffnung.

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Zum Buch bei Amazon.de: „Riss in der Schüssel“

Zur Homepage der Autorin: Luisa Sturm

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Unterhaltsamer Rückblick auf die Geburtsstunde deutscher Demokratie

Meine Bewertung:  ★★

Copyright: Rowohlt Verlag/Rowohlt Polaris

Zugegeben, ich habe ein wenig gezögert, bevor ich mich bewusst für die Lektüre des Romans „Die Frauen vom Reichstag – Stimmen der Freiheit“ entschieden habe. Frauenwahlrecht, Weimarer Republik, Entente: Ich fürchtete, dieser Exkurs in die deutsche Geschichte könnte womöglich ein bisschen langatmig sein. Aber da hatte ich die Rechnung ohne Autorin Micaela A. Gabriel gemacht. Die gebürtige Hanseatin hat sowohl unter ihrem Mädchennamen Micaela Jary als auch dem Pseudonym Michelle Marly große literarische Erfolge vorzuweisen.

In ihrem aktuellen Roman „Die Frauen vom Reichstag – Stimmen der Freiheit“, erschienen am 22.03.2022 bei Rowohlt Polaris, nimmt sie die Leser mit in die ausgehende Kaiserzeit und den Aufbruch in die Demokratie. Im Zentrum steht dabei die fiktive Figur Marlene von Runstedt, die als eine der ersten 37 Parlamentarierinnen Deutschlands in den Reichstag einzieht. Die Juristin ist fest entschlossen, sich als Mitglied der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) für die Rechte der Frauen einzusetzen. Ihre einstige Freundin Sonja Grawitz, inzwischen ein gefeierter Theaterstar, tritt für die kaisertreue Deutschnationale Volkspartei (DNVP) an. Doch es sind nicht nur die unterschiedlichen politischen Ansichten der beiden Frauen, die die einstigen Freundinnen entzweien – sie konkurrieren vor allem um einen Mann. Der Offizier Justus von Ostwald ist kein Kostverächter und fühlt sich zu beiden Frauen hingezogen. Mit Sonja unterhält er eine über Jahre andauernde Affäre, aber die strebsame Marlene ist es, an die er sein Herz verloren hat. All dies spielt sich vor der Kulisse eines von Aufständischen umkämpften und unruhigen Berlin ab; zwischen Kriegsmüdigkeit und Neubeginn.

Mit anspruchsvollem Duktus, dabei dennoch unterhaltsam führt Micaela A. Gabriel ihre Leserschaft durch die Geschichte und zeichnet anhand von zahlreichen Rückblicken insbesondere den beruflichen, aber auch den privaten Werdegang Marlenes und Sonjas nach. Mit ihrem anschaulichen Schreibstil gelingt es ihr eindrucksvoll, bewegte Bilder vor das geistige Auge des Lesers zu projizieren und ihn mitzunehmen in eine Zeit, in der Pferdehufe über das Kopfsteinpflaster donnerten und Automobile noch eine Rarität waren.

Mein Respekt gilt vor allem der aufwendigen Recherche, die Micaela A. Gabriel für ihr Buch betrieben hat. Die Autorin sagte in einem Online-Hintergrundgespräch mit einigen Bloggern, zu denen auch ich gehören durfte, sie sei eine gute Kundin des Online-Antiquariats ZVAB (Zentrales Verzeichnis Antiquarischer Bücher).

Und die Recherchearbeit dürfte auch aktuell noch einen Gutteil der Zeit der Autorin beanspruchen, denn „Die Frauen vom Reichstag“ ist als Trilogie angelegt. Teil 2 mit dem Titel „Die Frauen vom Reichstag – Ruf nach Veränderung“ erscheint am 16.08.2022 und führt die Leser mit der Protagonistin Sophie Maytrott von der Zentrumspartei zurück in das Jahr 1927. Im Fokus des dritten Teils der Parlamentarierinnen-Reihe „Die Frauen vom Reichstag – Schritte in eine neue Welt“ steht die SPD-Abgeordnete Paula Hagedorn im Jahre 1941. Dieser dritte und letzte Band erscheint am 15.11.2022. Eine echte Saga also über einflussreiche Frauen, die für ihre Sache einstehen.  

Für mich steht fest, dass ich auch die kommenden beide Teile lesen werde. Die Figuren, die Micaela A. Gabriel entworfen hat, sind äußerst interessant und lebendig und ich bin schon sehr gespannt auf die kommenden Protagonistinnen. Nur an einigen wenigen Stellen erinnert der Roman an ein Sachbuch, nämlich dann, wenn politische Zusammenhänge einen Tick zu gewissenhaft geschildert werden.

Insgesamt ist „Die Frauen vom Reichstag – Stimmen der Freiheit“ eine Lektüre, die einen packt, lehrt, fabelhaft unterhält und nicht zuletzt daran erinnert, dass vieles, das wir heute als normal empfinden, noch vor gut einhundert Jahren alles andere als gang und gäbe war.

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Zum Buch auf der Homepage des Verlags: „Die Frauen vom Reichstag – Stimmen der Freiheit“

Zum Buch bei Amazon.de: „Die Frauen vom Reichstag – Stimmen der Freiheit“

Zur Homepage der Autorin: Micaela Jary

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Frisch rezensiert: „Liebe treibt die schönsten Blüten“ von Valerie Korte

Locker-fluffiges Lesevergnügen, nicht nur für Garten-Fans

Meine Bewertung:  ★★★★

Copyright: Bastei Lübbe AG

Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt.

Aus Arabien

So hatte sich das Entomologin Svea nicht vorgestellt: Anstatt an ihrer Doktorarbeit über Insektenforschung zu feilen, leitet sie nach dem Schlaganfall ihres Vaters plötzlich dessen Gartenbau-Firma. Doch nicht nur der berufliche Sprung ins kalte Wasser sorgt für Wirbel in ihrem Leben, auch der gut aussehende Lars aus dem Rückenkurs lässt Sveas Gefühle Achterbahn fahren. Und plötzlich begegnen sie sich auch abseits der Turnmatte – nämlich im städtischen Grünflächenamt. Dort arbeitet Lars nämlich – und betreut einen Gestaltungswettbewerb, den Jungunternehmerin Svea unbedingt gewinnen will – und muss. Ob das gut gehen kann?

Valerie Korte legt mit „Liebe treibt die schönsten Blüten“ inzwischen ihren zweiten Roman vor. Nachdem mich die 1977 geborene Autorin mit ihrem Debüt „Aus allen Wolken fällt man auch mal weich“ köstlich unterhalten hatte, erwartete ich ihr neues Buch sehnsüchtig. Am 26. März 2021 war es dann so weit: Der 415-seitige Roman erschien bei Bastei Lübbe.

Meine (zugegeben recht hohen) Erwartungen wurden absolut nicht enttäuscht. Auch in „Liebe treibt die schönsten Blüten“ erzählt Valerie Korte eine kurzweilige Geschichte mit Witz, Esprit und Romantik. Hauptfigur Svea ist eine ganz normale junge Frau, mit der sich sicherlich viele Leserinnen identifizieren können: Sie zweifelt mitunter ein bisschen zu viel an sich selbst, kann schlecht Nein sagen und ist eine, die in der Schlange an der Theke gern mal übersehen wird – dabei ist sie witzig, warmherzig und authentisch. Auch die anderen Figuren sind echte Charakterköpfe. Es ist unschwer zu erkennen, mit wie viel Liebe zum Detail die Autorin bei der Erschaffung ihrer Darsteller zu Werke geht. Konturlose Figuren gibt es bei Valerie Korte nicht: Sie formt lebendige Persönlichkeiten, von denen man die meisten gerne zum Freund bzw. zur Freundin hätte.

Ihr Schreibstil ist fluffig-federleicht, ohne dabei oberflächlich zu sein. „Liebe treibt die schönsten Blüten“ ist eines dieser Bücher, bei denen man komplett die Zeit vergisst und die sich fast von selbst lesen.

Auch das Lokalkolorit kommt nicht zu kurz: Die in Köln lebende Autorin zeigt stolz das große „Hätz“ (für alle Nicht-Kölner: Herz), das ihre Heimatstadt unbestritten hat.

Besonders charmant finde ich, dass jedem Kapitel ein passendes Zitat aus dem 9. Band von „Brehms Tierleben“ vorangestellt ist. Außerdem gibt es ein winzigkleines Wiedersehen mit einer Hauptfigur aus ihrem Erstling – aber keine Sorge, dafür muss man das Debüt nicht gelesen haben. Allerdings empfehle ich auch die Lektüre von „Aus allen Wolken fällt man auch mal weich“ von ganzem Herzen.

Ebenso wieder hevorragend gelungen ist das Cover. Dafür zeichnet wie schon beim ersten Buch Sandra Taufer aus München verantwortlich. Der liebevoll gestaltete Einband passt wie die Faust aufs Auge auf den Roman: Sehr süß, ein bisschen anheimelnd, verspielt und originell.

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Zum Buch auf der Homepage des Verlags: „Liebe treibt die schönsten Blüten“

Zum Buch bei Amazon.de: „Liebe treibt die schönsten Blüten“

Zur Homepage der Autorin: Valerie Korte

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Frisch rezensiert: „Weg ins Leben“ von Tami Weissenberg

Ungeschönte Fortsetzung der Autobiografie eines männlichen Opfers von häuslicher Gewalt

Meine Bewertung:  ★★★★

Copyright: Edition Outbird

Das stereotype Bild von Gewalt in der Partnerschaft zeigt eine dem Mann körperlich unterlegene Frau, die den Attacken des Partners wehrlos ausgesetzt ist. Dass sich eine solche Gewalt sehr wohl auch von einer Frau ausgehend gegen den Mann richten kann, mutet für manche Menschen seltsam an. Und doch: Diese Form der Gewalt gegen Männer gibt es – allerdings meist verborgen hinter einer unüberwindbaren Mauer aus Scham.

Der unter dem Pseudonym Tami Weissenberg publizierende Autor aus Sachsen hat in seinem ersten Buch „Darjeeling Pur“ mit bedrückender Intensität die sich sukzessive aufbauenden Gewaltexzesse durch seine damalige Ehefrau geschildert. Unglaublich, aber wahr: Die namentlich nicht genannte, zierliche Frau drangsalierte einen beruflich erfolgreichen, hundert Kilo schweren und fast zwei Meter großen Mann, der sich niemals wehrte oder gar zurückschlug.

Im zweiten Band seines autobiografischen Berichts, der den Titel „Weg ins Leben“ trägt und am 30. März 2021 in der Edition Outbird erschienen ist, beschreibt Tami Weissenberg, wie es überhaupt dazu kommen konnte, dass er in den Teufelskreis der Abhängigkeit von seiner Frau geriet. Eine Abhängigkeit, die er fast mit seinem Leben bezahlt hätte. Es ist schmerzlich, aber unverzichtbar, vor der Lektüre von „Weg ins Leben“ zuerst „Darjeeling Pur“ zu lesen.

In sachlich-nüchternem Ton reißt der Autor in seinem aktuellen Buch die Fassade der vermeintlichen Bilderbuchfamilie ein, die mit mondänem Haus, großem Garten und teuren Autos Nachbarn und Bekannte zu beeindrucken wusste. Mit psychologischer Scharfsinnigkeit zeichnet er den Worst Case nach, der seinen Anfang nahm, als er und seine Exfrau sich kennenlernten: Sie weckte in ihm den Beschützerinstinkt, er, unerfahren in Partnerschaftsdingen, gab nach und nach sein eigenständiges Leben für sie auf und fand sich schließlich in seinem eigenen Albtraum wieder.

Wie weit er gegangen ist, welche Grenzen und Gesetze er überschritten hat, nur um seine damalige Frau ruhigzustellen, schildert Tami Weissenberg mit ehrlicher Reue, ohne sich dabei selbst in Schutz zu nehmen. Er steht zu seinen Fehlern und seinen Worten merkt man an, dass er heute, mit einigen Jahren Abstand zum Erlebten, und nach vielen Stunden Psychotherapie, geläutert und befreit ist.

Klipp und klar formuliert er, dass er weder Rache an seiner Exfrau üben möchte noch mit den Erlösen aus den Buchverkäufen reich werden will. Denn Letztere fließen ausschließlich in den von ihm gegründeten Weissenberg e. V. – Männernetzwerk Plauen. Der Verein betreibt eine von staatlicher Seite mitfinanzierte Schutzwohnung für von häuslicher Gewalt betroffene Männer und verfügt über ein kompetentes Netzwerk zur Beratung der Opfer.

Inzwischen ist Tami Weissenberg viel herumgekommen, war in Presse, Funk und Fernsehen vertreten. Er erzählt seine Geschichte nicht, um Mitleid oder Ruhm zu erhaschen. Tami Weissenberg ist ein unglaublich engagierter Kämpfer. Im Anhang des Buchs zeugen Presseartikel und Fotos von seinen zahlreichen Auftritten, in deren Rahmen er dem Thema Gewalt gegen Männer ein Gesicht gibt – sein Gesicht.

So ist aus etwas Furchtbarem dennoch etwas Gutes erwachsen. Doch bis dahin war es ein steiniger, schmerzhafter und langer Weg, an dem Tami Weissenberg den Leser offen und ehrlich teilhaben lässt. Er hat viel über sich selbst gelernt. Mit Fleiß und Hingabe hat er ehrenamtlich ein Hilfsprojekt initiiert, das es damals, als er selbst Gewaltopfer war, nicht gab. Und das Wichtigste: Er ist endlich glücklich.

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Zum Buch auf der Homepage des Verlags: „Weg ins Leben“

Zum Buch bei Amazon: „Weg ins Leben“

Zur Facebookseite von Weissenberg e. V.

Zum Artikel im FOCUS über Tami Weissenberg

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Frisch rezensiert: „Geteilte Träume“ von Ulla Mothes

Mitreißender Familienroman vor der Kulisse von fünfzig Jahren deutscher Geschichte

Meine Bewertung:  ★★★★

Copyright: Bastei Lübbe

Wink des Schicksals oder reiner Zufall? Die Abiturientin Ingke wird Hals über Kopf damit konfrontiert, dass sie nicht das leibliche Kind ihrer Eltern ist, sondern als Baby adoptiert wurde. Daraufhin steht ihre Welt Kopf. Alles, woran sie geglaubt hatte, stimmt plötzlich nicht mehr. Sie entschließt sich, ihre leibliche Mutter ausfindig zu machen und ihre wahre Geschichte und die ihrer Familie zu ergründen.

Ulla Mothes‘ Roman „Geteilte Träume“ ist am 26.02.2021 bei Lübbe erschienen. Der Untertitel „Eine deutsche Familiengeschichte“ greift dabei fast ein wenig zu kurz, denn der Roman ist beinah schon ein Epos, das einen Zeitraum von etwa fünfzig Jahren umspannt. Da ist es gut und hilfreich, auf den letzten beiden Buchseiten mithilfe eines Stammbaums die Übersicht über die handelnden Personen bewahren zu können.

Mit bildreicher Sprache versetzt Ulla Mothes ihre Leserschaft mühelos in die einzelnen Zeitepochen zurück – anschaulich lässt sie die Nachkriegsjahre in der DDR ebenso lebendig werden wie den Mauerbau 1961 und schließlich die Wende. Und die Autorin ist eine, die mitreden kann – besonders, was das Leben in der DDR in den Achtzigern angeht. Sie selbst stellte einen Ausreiseantrag und verließ den Arbeiter- und Bauernstaat im Jahr 1986. Nur wenige Jahre danach, nämlich 1992, tauchen wir in „Geteilte Träume“ in die Romanhandlung ein. Abgewickelte Betriebe, menschenleere Dörfer, düstere Zukunftsprognosen: keine guten Ausgangsbedingungen für einen jungen Menschen. Und schon gar nicht, wenn man noch dazu von heute auf morgen erfährt, dass die eigene Familiengeschichte auf Lug und Trug basiert. So geht es Ingke, der Hauptperson. Während der ganzen 447 Buchseiten, über die sich dieser Roman erstreckt, wurde ich mit Ingke nicht richtig warm. Hauptsächlich würde ich sie mit den Eigenschaften kühl, fordernd und distanziert beschreiben. Sicher, dass sie trotzig reagiert, fast schon Hass empfindet, ist bei der Tragweite einer solchen Offenbarung wie der eigenen Adoption nachvollziehbar, aber aus Ingke wird für mich persönlich einfach kein sympathischer Charakter. Doch vielleicht war genau das die Intention der Autorin – um zu verhindern, dass aus einem ernsthaften Familienroman eine rührselige, mitleidheischende Story wird.

Ich muss Ulla Mothes Respekt zollen – zum einen, weil sie eine runde, in sich stimmige Erzählung mit Tiefgang geschaffen hat, für die es angesichts der vielen handelnden Personen und der unzähligen kleinen wie großen Erinnerungen sicherlich eine ganze Menge Disziplin beim Plotten braucht. Andererseits, weil man der Geschichte die unbändige Leidenschaft anmerkt, mit der die Autorin sie erzählt. Und es gibt wirklich keine einzige Stelle, an der sich die Geschichte zieht oder man anderweitige Ermüdungserscheinungen spürt.

Ulla Mothes hat mit „Geteilte Träume“ ein mitreißendes Stück deutscher Geschichte Revue passieren lassen, das hervorragend unterhält und lange nachhallt.

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Zum Buch bei Amazon.de: „Geteilte Träume“

Zum Buch auf der Homepage des Verlags: „Geteilte Träume“

Zur Homepage der Autorin: Ulla Mothes

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Frisch rezensiert: „Willst du Blumen, kauf dir welche“ von Ellen Berg

Humorvolle Abrechnung mit den Tücken des Online-Datings

Meine Bewertung:  ★★★★

© Aufbau Verlag

Lena liebt ihren Kater Dewey, ihre eigene kleine Buchhandlung und die Romane von Jane Austen. In herzergreifenden Büchern findet sie, wonach sie nach einigen Enttäuschungen im echten Leben gar nicht mehr sucht: Romantik und Liebe. Nicht mal der Bestsellerautor Benjamin Floros, den sie zu einer Lesung in ihre Buchhandlung einlädt, kann sie mit seinem Verkaufsschlager „Die ultimative Liebesformel“ davon überzeugen, dass sich die Suche nach Mr. Right lohnen wird. Überhaupt hält Lena Floros für einen Scharlatan – einen gut aussehenden zwar, aber das ändert nichts an ihrer Antipathie für den erfolgsverwöhnten Schriftsteller. Zu dumm nur, dass sie sich nach einer gemeinsam geleerten Flasche Sherry auf eine fatale Wette mit Benjamin einlässt …

Wer humorvolle Bücher mag, kommt an Ellen Berg nicht vorbei. Die Autorin hat bereits sage und schreibe 17 Romane veröffentlicht, die sich hauptsächlich um ein Thema drehen: Die Liebe. Die beleuchtet Ellen Berg in sämtlichen Facetten – und das stets mit viel Humor. In ihrem aktuellen Roman „Willst du Blumen, kauf dir welche – (K)ein Romantik-Roman“ nimmt sie sich den Mysterien des Online-Datings an. Ihrer Hauptfigur Lena wird dabei so einiges abverlangt, denn sie trifft bei ihren Dates größtenteils auf äußerst kauzige Kandidaten. Ellen Berg hat sogar ihre eigenen Erfahrungen aus der Welt der virtuellen Liebe einfließen lassen.

Auch bei Band 17 zeichnet (im Wortsinne!) wieder einmal der Cartoonist Gerhard Glück für die unverwechselbaren Cover der Ellen Berg-Romane verantwortlich.

Obwohl es Bücher gab, in denen Ellen Berg richtiggehende Gag-Feuerwerke zündete und ihr das in ihrem aktuellen Roman nur zuweilen gelingt, ist „Willst du Blumen, kauf dir welche“ dennoch ein äußerst kurzweiliger Roman, der für gute Laune sorgt. Gleichzeitig ist das Buch eine hinreißende Hommage an die Literatur und alle passionierten Leseratten, denn Lena denkt oft in Buchtiteln und geht ganz in ihrer Berufung als Buchhändlerin auf. Ihrem zackigen, wortschatzreichen Schreibstil bleibt Ellen Berg auch in ihrem aktuellen Roman treu. So macht Lesen Spaß!

Die Charaktere sind unverwechselbar und die meisten davon sympathisch. Und obwohl die Geschichte relativ vorhersehbar ist, eignet sie sich dennoch für kurzweilige Stunden auf der heimischen Couch und hilft dabei, den Corona-Blues zu vertreiben.

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Zum Buch auf der Verlagshomepage: „Willst du Blumen, kauf dir welche“

Zum Buch bei Amazon: „Willst du Blumen, kauf dir welche“

Zur Homepage der Autorin: Ellen Berg

Zur Homepage des Cover-Illustrators: Gerhard Glück

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Frisch rezensiert: „Trümmermädchen“ von Lilly Bernstein

Aufwühlender Roman mit eindringlicher Mahnung

Meine Bewertung:  ★★★★

© Ullstein Buchverlage

Anna ist noch ein kleines Mädchen, als ihre Freundin Ruth mitsamt ihrer Familie von heute auf morgen plötzlich verschwindet, ihr geliebter Onkel Matthias zum Kriegsdienst eingezogen wird und sich ihre Heimatstadt Köln mehr und mehr in eine Trümmerwüste verwandelt.

Sie wächst bei ihrer Tante Marie auf und ist von jüngster Kindheit an ein Leben voller Entbehrungen gewöhnt. Hunger, Kälte, Verlust und Mangel sind ihr nur allzu vertraut. Doch aus dem Mädchen wird eine junge Frau, die sich entschlossen gegen die Widrigkeiten des Krieges stemmt, um für die zu sorgen, die ihr am Herzen liegen: ihre Familie und ihre Freunde.

Einfühlsam erzählt Lilly Bernstein in ihrem 512-seitigen Roman „Trümmermädchen – Annas Traum vom Glück“ eine Geschichte, die die Jahre 1941 bis 1947 umspannt. Der unglaublich bildhaften Sprache der Autorin und Journalistin, deren bürgerlicher Name Lioba Werrelmann lautet, ist es zu verdanken, dass man das zerbombte Köln klar vor sich sieht. Mit der Veröffentlichung ist für Lilly Bernstein ein Traum in Erfüllung gegangen und es sei ihr bisher persönlichster Roman, heißt es. Und tatsächlich lässt dieses Buch unschwer erkennen, wie viel Herzblut darin steckt.

Mit großer Liebe zum Detail hat die Autorin an ihren Figuren gefeilt und einen Plot erarbeitet, der manche Überraschungen bereithält – das gilt für die guten ebenso wie für die schlechten.

Die Not, die die Menschen damals litten und die Umstände, unter denen sie leben mussten, sprengen heute jegliche Vorstellungskraft. Aus diesem Grund ist Lilly Bernsteins Buch mehr als ein Roman, sondern zeitgleich eine Mahnung, wie dankbar wir heute für alle Annehmlichkeiten des Alltags, volle Supermarktregale und ein gemütliches Zuhause sein müssen.

Dank vieler Gespräche mit Zeitzeugen und umfangreicher Recherchen gelingt es Lilly Bernstein in ihrem Buch mühelos, die unvorstellbaren Lebensbedingungen von damals in Worte zu fassen und für ihre Leserschaft regelrecht erlebbar zu machen.

„Trümmermädchen“ ist außerdem ein Buch, das Mut macht, denn was Anna und ihre Familie leisten, ist unvorstellbar. Ja, sie hadern, sie sind erschöpft, doch sie kämpfen entschlossen für ihren Traum. Ohne ein paar für meinen Geschmack zu glückliche Zufälle ließe sich der allerdings nicht realisieren.

Dennoch ist „Trümmermädchen“ ein bildgewaltiger Roman, der mit Anna über eine gleichermaßen sympathische wie starke Protagonistin verfügt, die stellvertretend für eine ganze Generation steht, die sich mit bewundernswerter Tatkraft nach dem Krieg dem Wiederaufbau eines ganzen Landes gewidmet hat.

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Zum Buch auf der Homepage des Verlags: „Trümmermädchen“

Zur Homepage der Autorin: Lilly Bernstein alias Lioba Werrelmann

Zum Buch bei vorablesen.de: „Trümmermädchen“

Zum Buch bei Amazon.de: „Trümmermädchen“