Frisch rezensiert: „Gustaf – Alter Schwede“ von Claus Vaske

Spritzige Familienkomödie

Gustaf - Alter Schwede

© HarperCollins

Meine Bewertung: ★★★★★

Dass Claus Vaske Drehbücher und Texte für verschiedene Comedy-Formate wie beispielsweise „Kalkofes Mattscheibe“ schreibt, merkt man seinem aktuellen Roman „Gustaf – Alter Schwede“ sofort an. Denn diese humorvolle Geschichte läuft vor dem Auge des Lesers ab wie ein höchst unterhaltsamer Fernsehfilm zur besten Sendezeit. Erschienen ist das gute Stück am 6. Februar 2017 bei HarperCollins. Das von Lübbe Audio produzierte Hörbuch spricht übrigens Hella von Sinnen.

Kernstück des Romans ist die vierköpfige Familie Baumann, die nach langer beschwerlicher Suche endlich ihr Traumhaus gefunden hat – oder sollte man besser sagen: ihre Traumvilla? Zu einem echten Schnäppchenpreis erstehen sie das altehrwürdige Anwesen im rheinländischen Rotthoven. Doch schon bald gehen seltsame Dinge vor sich. Wer klimpert des Nachts mit den Weinflaschen herum? Wer bedient sich heimlich am Lieblings-Stinkekäse von Mama Saskia? Und warum ist der Bierkasten ständig leer?

Die Baumanns trauen ihren Augen kaum, als sie den Verursacher all dieser merkwürdigen Begebenheiten eines Nachts vor sich sehen: Einen über vierhundert Jahre alten Zausel mit Stulpenstiefeln samt Hut in bester Musketier-Manier, der lispelt und mit schwedischem Akzent spricht. Das ist kein Geringerer als Gustaf, der Hausgeist, die relativ unerfreuliche Gratiszugabe zum neuen Heim.

Die Charaktere in Claus Vaskes neuem Roman wirken so lebensecht, als würden sie jeden Moment den Buchseiten entsteigen. Spritzige Dialoge und große als auch kleine Katastrophen sorgen für eine Menge Abwechslung, Action und fröhliches Gelächter beim Leser. Dabei nimmt der Autor klassische Alltagsprobleme und so manches Vorurteil mit einem Augenzwinkern aufs Korn: Der trinkfreudige Schwede, die schmollende Teenie-Tochter oder die sexuell ermattete Ehe der Eltern Baumann sind da nur ein paar Beispiele.

Mit „Gustaf – Alter Schwede“ hat der in Bonn lebende Autor Claus Vaske einen unterhaltsamen Roman verfasst, der vor Humor nur so strotzt und den Leser für die Dauer von 240 Buchseiten dem Alltag entfliehen lässt.

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Zum Buch auf der Homepage des Verlags: „Gustaf – Alter Schwede“

Zum Hörbuch: „Gustaf – Alter Schwede“

Zur Homepage des Autors: Claus Vaske

Frisch rezensiert: „Märchenwald“ von Martin Krist

Ein Fest für Thriller-Fans!

Meine Bewertung: ★★★★★

© Ullstein Buchverlage

Ein kleiner Junge und ein kleines Mädchen machen sich ganz allein auf den Weg zu ihrem Opa. Das war die Anweisung ihrer Mutter gewesen, nachdem sie die Kinder in den Wandschrank gesperrt hatte – und bevor sie spurlos verschwand. Wie einst Hänsel und Gretel irren die Geschwister Max und Ellie durch das kalte Berlin, das in ihrer Vorstellung vieles mit dem Märchenwald gemeinsam hat. Zeitgleich wacht eine Frau ohne jede Erinnerung in einer dunklen Seitengasse abseits des Großstadttrubels auf. Und dann gibt es da noch zwei mysteriöse Todesfälle, in denen Paul Kalkbrenner und seine Kollegin Sera Muth ermitteln. Einer davon führt sie in tiefste menschliche Abgründe …

Wer einen Thriller von Martin Krist liest, darf unter keinen Umständen davon ausgehen, dass die Nerven dabei pfleglich behandelt werden. Für sein aktuelles Buch „Märchenwald“, Band Nummer fünf aus der Reihe um Paul Kalkbrenner (ja, er heißt wirklich so!), gilt das wieder einmal in besonderem Maße: Hochspannung bis zum Schluss, grausige bis ekelhafte Details, unerwartete Wendungen und allerhand dunkle Gestalten mit finsteren Absichten nehmen den Leser gefangen.

„Märchenwald“ ist eines dieser Bücher, die man einfach nicht weglegen kann – und selbst wenn man das gezwungenermaßen tun muss, schreit es unaufhaltsam: „Lies mich schnell weiter!“.

Für Leser, die die Paul Kalkbrenner-Serie noch nicht kennen, ist es überhaupt kein Problem, die Reihe mit dem aktuellen Buch zu beginnen, denn die Fälle sind in sich abgeschlossen.

Mit seiner Wahlheimat Berlin scheint Martin Krist eine Art Hassliebe zu verbinden. Denn in „Märchenwald“ ist die deutsche Metropole weder hip noch schick. Der Autor richtet den Fokus auf die glanzlose Seite der Stadt, auf Problemkieze, Gewalt, Armut und Obdachlose. Damit schafft er das perfekte Setting für seine 416-seitige Story.

Typisch für Martin Krists Thriller sind die verschiedenen Handlungsstränge, die auf den ersten Blick überhaupt nicht zueinander zu passen scheinen. Doch auch in „Märchenwald“ gelingt es ihm wieder ebenso mühelos wie meisterhaft, die einzelnen Fäden zu einem großen Ganzen zu verweben. Die unterschiedlichen Szenarien und die kurzen Kapitel (insgesamt 96 plus Pro- und Epilog) sorgen für jede Menge Abwechslung und Tempo.

Martin Krists aktueller Thriller liefert den eindeutigen Beweis dafür, dass man Spannungsliteratur made in Germany im Buchregal keineswegs nur unter „F“ findet. „K“ wie Krist ist für mich persönlich ganz klar die bessere Wahl.

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Zum Buch auf der Verlagshomepage: „Märchenwald“

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Video: Martin Krist liest aus „Märchenwald“

Frisch rezensiert: „Darkmere Summer“ von Helen Maslin

Absolutes Lesehighlight rund um ein verfluchtes Schloss

Meine Bewertung: ★★★★★

Darkmere Summer© CARLSEN Verlag GmbH

Ein verlassenes Schloss mit düsterer Vergangenheit, sechs abenteuerlustige Teenager und eine atemberaubende Atmosphäre: Das sind die wesentlichen Elemente, die Helen Maslin in ihrem ersten Roman „Darkmere Summer“ zu einer faszinierenden Geschichte verbindet.

Leo ist der Star auf der Denborough-Privatschule, die Kate nur dank eines Stipendiums besuchen kann. Als Leo sie fragt, ob sie den Sommer mit ihm und seinen Freunden auf seinem geerbten Schloss verbringen will, hält sie ihn zunächst für einen Spinner. Doch er ist tatsächlich der neue Eigentümer von Darkmere Castle. Das beeindruckende Anwesen im Süden Englands liegt fernab der Zivilisation, verfügt weder über Strom noch über fließendes Wasser – an Handyempfang ist erst recht nicht zu denken. Dafür ist die Umgebung fantastisch: Eingebettet in dunkle Wälder liegt Darkmere Castle auf einem Hügel direkt über dem Meer. Private Strandpartys, jede Menge Alkohol und Spaß ohne Ende: Für die sechs Freunde beginnt der Sommer als pures Vergnügen, doch dann kippt die ausgelassene Stimmung. Kate kommt hinter bedrückende Geheimnisse, die sich einst rund um das alte Schloss zugetragen haben …

„Darkmere Summer“ ist am 26. Februar 2016 bei Chicken House, einem Imprint des CARLSEN Verlags, erschienen. Nun verbindet man mit CARLSEN in erster Linie Kinder- und Jugendbücher. Doch Helen Maslins Roman lehrte selbst mich mit meinen fast 35 Jahren noch ordentlich das Gruseln. Die britische Autorin hat eine intensive Geschichte geschrieben, die sich förmlich in den Kopf des Lesers einbrennt. Sie ist eine großartige Erzählerin, die außerdem das Talent besitzt, durch Worte Bilder in 3-D entstehen zu lassen. Die markanten Figuren, mit denen sie ihre Geschichte bestückt hat, tragen dazu bei, dass man „Darkmere Summer“ als echtes Lesehighlight bezeichnen darf. Leo, Kate, Hat-man Dan, Beano, Jackson und Lucy kommen alle sehr authentisch und teenagertypisch rüber. Den Gegensatz dazu bildet die Zeit um das Jahr 1825: Damals kam Elinor jung verheiratet nach Darkmere – und erlebte dort die Hölle auf Erden. Der Roman wird abwechselnd aus der Sicht von Elinor und Kate erzählt. Dabei gelingt es Helen Maslin perfekt, die jeweils richtige Stimmung einzufangen. Übersetzerin Ilse Rothfuss hat ebenfalls einen wirklich guten Job gemacht.

Obwohl es ja heißt „Don’t judge a book by it’s cover“, muss man bei „Darkmere Summer“ schon allein auf Grund seiner äußeren Erscheinung eine Ausnahme machen. Der Einband mit seinen schillernden Rot-, Orange- und Pinktönen ist bezaubernd. Außerdem sind die Anfänge der einzelnen Kapitel liebevoll mit wunderschönen Blumenranken in schwarzweiß verziert. Wer sich Helen Maslins Erstling aus dem Hause CARLSEN kauft, sollte sich unbedingt für die gebundene Ausgabe entscheiden.

„Darkmere Summer“ ist also ein rundum hervorragend gelungenes Buch, das sowohl durch seine Gestaltung als auch durch den Inhalt besticht. Ich bin froh, dieses Juwel entdeckt zu haben. In meinem Buchregal bekommt es deshalb einen Ehrenplatz unter den wahren Schätzen.

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Zum Buch bei http://www.amazon.de: „Darkmere Summer“

Zum Buch auf der Homepage der CARLSEN Verlag GmbH: „Darkmere Summer“

Zum Blog der Autorin: Helen Maslin

Zum Twitter-Account der Autorin: Helen Maslin

Frisch rezensiert: „Der goldene Handschuh“ von Heinz Strunk

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Und das schon im Februar: Mein Buch des Jahres 2016!

Meine Bewertung: ★★★★★

 © Rowohlt Verlag GmbH

Neues von Heinz Strunk! Diesmal befasst sich der Hamburger Autor, der im wahren Leben Mathias Halfpape heißt, nicht mit seiner eigenen Biografie, sondern mit der eines gefürchteten Verbrechers. Obwohl es sich bei dem 256-seitigen Buch um einen Roman handelt, basiert es auf Fakten. Heinz Strunk hat dafür die Staubschicht der bislang im Staatsarchiv Hamburg unter Verschluss gehaltenen Akten zum Fall Honka abgetragen und das Leben eines Mannes aufgearbeitet, den nicht wenige für das personifizierte Böse halten: Der vierfache Frauenmörder Fritz Honka, geboren in Leipzig. Sein Lebenslauf ist von einer Tragik, die ihresgleichen sucht. Aufgewachsen in Kinderheimen, floh er 1951 in den Westen. 1956 erlitt er einen Verkehrsunfall, der ihm sein deformiertes Aussehen bescherte. Alkohol und Verwahrlosung bestimmten sein weiteres Leben. Und der „Goldene Handschuh“ natürlich, eine recht urige Kneipe im berüchtigten Hamburger Stadtteil St. Pauli. Dort kehrte Honka (Spitzname: „Fiete“) regelmäßig ein, um sich sein Lieblingsgetränk „Fako“ zu genehmigen – Orangenlimonade mit Korn. Im „Handschuh“ schloss er auch Bekanntschaft mit seinen vier späteren Opfern, allesamt Damen des auf der Reeperbahn einschlägigen Milieus.

Die Sprache des Romans, gleichermaßen bestehend aus niederstem Jargon und apart-kultivierter Diktion, ist genauso gegensätzlich wie die beiden Lebenswelten von Strunks Protagonisten – Fritz Honka als Vertreter des Bodensatzes der Gesellschaft, demgegenüber die adelige Reederfamilie von Dohren. Und doch sind sie sich näher als man denkt. Denn auch unter feinen Häusern verlaufen Abwasserkanäle, wie es im Film „Saw“ heißt.

Heinz Strunk versteht es, dem Leser Sympathien für den Trinker Honka zu entlocken, ohne ihn zu glorifizieren. Das ist nicht der einzige Balanceakt, den der 53-jährige Autor spielend meistert. Die Stimmung im Buch nämlich reicht von Ausgelassenheit bis hin zu purer Verzweiflung. „Der goldene Handschuh“ deshalb mit dem Etikett „tragikomisch“ zu versehen, wäre allerdings Frevel. Diese Bezeichnung ist schlicht und ergreifend zu klein für die aberwitzige literarische Reise, auf die der Hamburger Schriftsteller und Künstler seine Leser mitnimmt. Er beschreibt Momente, die Ekel und Abscheu hervorrufen, Mitleid und Fassungslosigkeit. Aber Heinz Strunk wäre nicht Heinz Strunk, wenn er nicht ebenfalls von Dingen erzählen würde, die den Leser zu wahren Lachsalven hinreißen. Dazu kommen köstliche Dialoge, mitunter verfasst in edelstem Hamburger Schnack.

Wer dieses Buch liest, wird unweigerlich zum Zaungast im „Goldenen Handschuh“. Er schließt Bekanntschaft mit Originalen wie Soldaten-Norbert, Fanta-Rolf und Tampon-Günter, lernt beeindruckende Schimpfwörter, bekommt all die großen und kleinen Tragödien mit, die sich in der Schänke am Hamburger Berg abspielen. Er wird aber auch Zeuge von Honkas Morden, denn die beschreibt Heinz Strunk auf eindringliche Weise.

„Der goldene Handschuh“ ist in diesem Jahr für den Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Belletristik nominiert. Völlig verdient, wie ich finde, denn dieses Buch ist ganz und gar außergewöhnlich und sucht seinesgleichen. Ich dekoriere es schon jetzt, im noch sehr jungen Lesejahr 2016, mit der Auszeichnung „Mein Lieblingsbuch des Jahres“. Bisher haben es nur sehr, sehr wenige Bücher geschafft, mich derart zu fesseln und sich in mein Gehirn zu brennen wie Heinz Strunks neuer Roman.

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Zum Buch bei Amazon.de: „Der goldene Handschuh“

Zum Buch auf der Homepage der Rowohlt Verlag GmbH: „Der goldene Handschuh“

Zur Homepage des Autors: Heinz Strunk

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Zum Preis der Leipziger Buchmesse

Frisch rezensiert: „Pretty Girls“ von Karin Slaughter

Brandneu

Ein intensiver Thriller, der im Kopf bleibt

Meine Bewertung: ★★★★★

Pretty Girls © HarperCollins

Die US-Amerikanerin Karin Slaughter gehört fraglos zu den ganz großen Autorinnen, an denen man als Thriller-Fan nicht vorbeikommt. Dem sehnsüchtigen Warten auf Neues aus der Slaugther’schen Feder bereitet die Verlagsgesellschaft HarperCollins Germany heute ein Ende, denn es ist soweit: Karin Slaughters neues Buch „Pretty Girls“ erscheint.

Auf 500 Seiten lernen die Leser die Familie Carroll kennen – eine Familie, die eigentlich keine mehr ist, seit die älteste Tochter Julia im März 1991 spurlos verschwand. Die Eltern ließen sich schließlich scheiden, der Vater starb später, Sandwich-Kind Lydia geriet auf die schiefe Bahn und Nesthäkchen Claire heiratete den reichen Architekten Paul Scott. Heute, mit Ende 30, muss Claire hilflos mit ansehen, wie ihr Mann in einer dunklen Gasse brutal ermordet wird. Doch sie hat kaum die Gelegenheit zu trauern. Auf dem Computer ihres verstorbenen Mannes findet sie verstörende Filme – sogenannte Snuff-Pornos. Die Opfer werden gefesselt, gequält, vergewaltigt und ermordet. Die junge Witwe ahnt zu diesem Zeitpunkt noch nicht im Geringsten, dass sich ihr schreckliche Wahrheiten offenbaren werden, die jenseits der menschlichen Vorstellungskraft liegen…

Im ersten Drittel des Buches befasst sich Karin Slaughter zunächst mit der Geschichte der drei Schwestern. Dabei lässt sie es eher langsam angehen. Von nervenzerfetzender Spannung ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht viel zu spüren. Die Autorin stellt die Carolls en detail vor. Stück für Stück entsteht aus der Familientragödie schließlich ein aufreibender Thriller mit einem fulminanten Ende, das einem schaurigen Feuerwerk gleicht.

Karin Slaughter und der Übersetzer Fred Kinzel haben dafür gesorgt, dass sich das Buch flüssig lesen lässt. Das gilt sowohl für die Sprache, die Struktur als auch für die Länge der einzelnen Kapitel, die nicht zu kurz, aber auch nicht überdimensioniert sind.

All ihren Charakteren hat die Autorin den Stempel „unverwechselbar“ aufgedrückt. Sämtliche Darsteller in „Pretty Girls“ sind ausgeprägte Typen, die man vielleicht nicht auf Anhieb oder letztlich auch gar nicht sympathisch findet, doch einzigartig sind sie alle. Im Verlauf der Geschichte spielt Karin Slaughter des Öfteren Katz und Maus mit ihren Lesern, indem diese sich immer wieder einmal die Frage stellen müssen: Wer ist gut, wer ist böse? Wer ist Freund, wer ist Feind? Das sorgt durchaus für Überraschungen. Letztlich haben alle Menschen zwei Seiten – Karin Slaughter beleuchtet bei ihren Figuren auf faszinierende Weise beide.

„Pretty Girls“ ist ein logisch aufgebauter und typisch amerikanischer Thriller, bei dem auch der Gruselanteil nicht zu kurz kommt. Die intensive, bildhafte Geschichte um die drei Carroll-Schwestern wird dem Leser im Gedächtnis haften bleiben.

Für alle, die von dieser Story nicht genug bekommen können, hat Karin Slaughter noch ein Bonbon: „Tote Blumen“, die Vorgeschichte zu „Pretty Girls“, ist exklusiv als E-Book erhältlich.

Tote Blumen© HarperCollins
„Tote Blumen“ – das Prequel zu „Pretty Girls“

 

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Zum Buch bei Amazon.de: „Pretty Girls“

Zum Buch auf der Homepage von HarperCollins Germany: „Pretty Girls“

Zum Prequel auf der Homepage von HarperCollins Germany: „Tote Blumen“

Zur deutschsprachigen Homepage der Autorin: Karin Slaughter

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Frisch rezensiert: „Elke – Ein schmales Buch über die Wirkung von Kuchen“ von Christian Duda

⇒ NEUERSCHEINUNG!


Bittersüße Geschichte für Groß und Klein

Meine Bewertung: ★★★★★

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© Beltz & Gelberg

Kasimir ist fünf Jahre alt und wohnt mit seinem Papa in Berlin. Weil er schließlich schon groß ist, darf er alleine in den Kindergarten gehen. Eines Morgens prallt er dabei mit einem Kuchenblech zusammen, hinter dem eine große, dicke Frau zum Vorschein kommt: Elke. Kasimir liebt Kuchen und Elke backt jeden Tag Russischen Zupfkuchen für das nahe gelegene Café – der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.

Der in Berlin lebende Autor Christian Duda und die Illustratorin Julia Friese haben bei „Elke – Ein schmales Buch über die Wirkung von Kuchen“ nach einigen gemeinsam produzierten Bilderbüchern wieder gemeinsame Sache gemacht. Herausgekommen ist dabei ein einzigartiges Buch mit herzigen Illustrationen, das Kinder ab sechs Jahren ebenso begeistern wird wie erwachsene Leser.

Es ist eine Geschichte über eine ungewöhnliche Freundschaft, die urplötzlich beginnt und die nicht nur das Leben von Kasimir und Elke ungemein bereichert. Christian Dudas Romanfiguren eint, dass sie allesamt kein perfektes Leben führen. Jeder wurschtelt sich so durch. Kasimir lebt allein mit seinem Papa, denn seine Mama ist gestorben. Elke hat an ihrer Einsamkeit und ihrem massiven Übergewicht zu knabbern. Cafébesitzer Uwe kämpft ums geschäftliche Überleben. Ganz normale Leute also, die sich ihren Alltagssorgen stellen müssen. Gerade wegen all ihrer kleinen und großen Baustellen sind Christian Dudas Figuren so authentisch. So liebevoll wie die Illustrationen von Julia Friese sind, die Kapitel für Kapitel einleiten, ist der Autor bei der Erschaffung seiner Charaktere vorgegangen. Jeder von ihnen ist ein absolut liebenswertes Unikat.

Christian Duda hält ein Vergrößerungsglas über den Alltag in der fiktiven Berliner Lubitschstraße, in der die Geschichte spielt und erzählt eindringlich, welche großartigen Veränderungen Kuchen und Freundschaft bewirken können. Ihm gelingt das Kunststück, auf nur 160 Seiten die verschiedensten Gefühle beim Leser auszulösen und ihn nachhaltig zu berühren. Gerade eben lacht man noch über die witzigen Dialoge zwischen Uwe und Kasimir, schon stimmen einen die folgenden Sätze nachdenklich oder machen sogar traurig. „Elke – Ein schmales Buch über die Wirkung von Kuchen“ ist ein bittersüße Geschichte für Groß und Klein. Christian Duda hat ein besonderes Buch geschrieben, das ganz klar zu meinen Favoriten des Lesejahres 2015 zählt und dem ich von Herzen viele backende Leser wünsche. Denn Elkes sensationelles Zupfkuchenrezept darf am Schluss natürlich nicht fehlen.

Das Buch ist übrigens auch als Audiobook erschienen. Gelesen wird es von der Schauspielerin Nina Petri, die die Geschichte allerdings recht emotionslos vorträgt, weshalb ich in diesem Fall unbedingt zum Selberschmökern rate.

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Zum Buch auf Amazon.de: „Elke – Ein schmales Buch über die Wirkung von Kuchen“

Zum Buch auf der Homepage des Verlags Beltz & Gelberg: „Elke – Ein schmales Buch über die Wirkung von Kuchen“

Mehr über den Autor: Christian Duda

Frisch rezensiert: „Die Magie der kleinen Dinge“ von Jessie Burton

Bezaubernd, fesselnd, geheimnisvoll

Meine Bewertung: ★★★★★


 © Limes Verlag

Amsterdam im Jahr 1686: Nella Brandt, geborene Oortman, ist ernüchtert. Obwohl frisch vermählt, bekommt sie ihren Ehemann Johannes nur selten zu Gesicht. Das Regiment in ihrem neuen Zuhause führt die gestrenge Schwägerin. Sogar die Dienstmagd macht keinen Hehl aus ihrer Abneigung gegenüber dem jungen Mädchen, das alles hinter sich ließ und im festen Glauben an ein begütertes Leben aus dem ländlichen Assendelft in die Handelsmetropole Amsterdam zog.

Erst das Hochzeitsgeschenk ihres Mannes erhellt Nellas trübe Tage: Ein Puppenhaus, mit Schildpattlack überzogen, das eine originalgetreue Miniaturausgabe des prächtigen Anwesens darstellt, in dem Nella lebt. Sie möchte das Haus einrichten und wendet sich an einen Miniaturisten – nicht ahnend, welchen Stein sie damit ins Rollen bringt…

Mit ihrem Debüt-Roman „Die Magie der kleinen Dinge“ hat die 1982 geborene Engländerin Jessie Burton einen echten Volltreffer gelandet: In ihrer Heimat wurde das Buch mit dem Originaltitel „The Miniaturist“ ein Bestseller. Verlage in 32 Ländern sicherten sich die Rechte daran. Ein verdienter Hype? Absolut! Die Autorin erzählt eine großartige Geschichte, in der sie mühelos Brücken zwischen den verschiedensten Genres schlägt. Jessie Burton verbindet den historischen Roman mit einer kitschfreien Liebesgeschichte und gibt eine gute Prise Magie dazu.

Es ist eines dieser Bücher, bei denen man gegen Ende immer langsamer liest, in dem Wunsch, die Geschichte möge nicht enden. Von Beginn an nimmt dieser Roman den Leser gefangen und fesselt ihn bis zum Schluss, der leider doch irgendwann unvermeidlich ist. Dabei darf Jessie Burton getrost als Meisterin der unvorhersehbaren Wendungen bezeichnet werden, denn mit diesen wartet sie ebenso reichlich wie überzeugend auf. Mir blieb beim Lesen angesichts des überraschenden Fortgangs der Dinge sowie der Entdeckung vermeintlich gut gehüteter Geheimnisse des Öfteren der Mund offen stehen.

Kapitel für Kapitel verfolgt man die erstaunliche Entwicklung der Hauptfigur Nella vom jungen naiven Mädchen zu einer mutigen Frau. Die Tatsache, dass Petronella Oortman wirklich existierte und ein Schrankpuppenhaus besaß, das heute im Amsterdamer Rijksmuseum steht, macht die Geschichte noch greifbarer. Nun ist „Die Magie der kleinen Dinge“ keine Biografie über die Niederländerin, die von 1656 bis 1716 lebte, aber sie orientiert sich in vielerlei Hinsicht an der „echten“ Nella. Überhaupt wirken ausnahmslos alle Charaktere geradezu reell.

„Die Magie der kleinen Dinge“ wird im Präsens erzählt – eher untypisch, insbesondere für einen Roman, der in einer Zeit spielt, die schon mehrere Jahrhunderte zurückliegt. Dadurch fühlt man sich als Leser aber noch mehr „mittendrin“ in der Geschichte.

Jessie Burton bedient sich einer üppigen, wunderbaren Sprache. Hin und wieder haben einzelne Sätze eine gewisse Doppelbödigkeit. Die Übersetzerin Karin Dufner hat hier ganze Arbeit geleistet.

Auch wenn ich der Meinung bin, dass ein Leser-Leben zu kurz dafür ist, um ein Buch mehrmals zu lesen – „Die Magie der kleinen Dinge“ gehört zu der Handvoll Bücher, bei denen ich eine Ausnahme machen würde.

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Zum Buch bei Amazon: „Die Magie der kleinen Dinge“

Zum Buch auf der Homepage des Limes Verlags: „Die Magie der kleinen Dinge“

Zur Homepage der Autorin (englischsprachig): Jessie Burton

Das Schrankpuppenhaus von Petronella Oortman auf der Homepage des Rijksmuseums Amsterdam (englischsprachig)