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Frisch rezensiert: „Totenleuchten“ von Klara Nordin

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Lehrreicher Lappland-Krimi

Sterne: 4 von 5

Im schwedischen Teil Lapplands, am Polarkreis, erreichen die winterlichen Temperaturen nicht selten minus 30 Grad Celsius. Die faszinierenden Polarlichter wiegen die klirrende Winterkälte und die stetige Dunkelheit jedoch auf. Die Samen – das Urvolk Lapplands – allerdings behaupten, die farbigen Lichtstreifen am Himmel seien die Seelen der Toten und kein gutes Omen. Über der Kleinstadt Jokkmokk wabert dieser Tage Anfang Februar das Polarlicht in schillernden Farben. Und dann geschieht ein grausamer Mord, den das chronisch unterbesetzte Polizeikommissariat vor Ort mit Hilfe der neuen Hauptkommissarin Linda Lundin schnellstens aufklären will. Das allerdings ist kein leichtes Unterfangen, denn es gibt gleich mehrere Tatverdächtige und Motive. Außerdem deckt das Team während der Ermittlungen in der vermeintlichen Idylle Ungeheuerliches auf…

Mit ihrem Krimi-Debüt sorgt die unter dem Pseudonym Klara Nordin schreibende Autorin Mitte August für Frösteln und kalte Schauer auf den Rücken ihrer Leser. Die Deutsche lebt bereits seit 13 Jahren in Schweden. Ihren Heimatort Jokkmokk hat sie in „Totenleuchten“ eiskalt in einen Tatort verwandelt. Genau das lässt den Krimi authentisch wirken. Mit ihren Schilderungen über das Leben, die Traditionen und den Aberglauben der Samen gewährt Klara Nordin lehrreiche Einblicke in das Leben dieses interessanten Volkes. Die gesellschaftlichen Spannungen zwischen Schweden und Samen lässt sie dabei nicht unerwähnt.

Obwohl „Totenleuchten“ ein wenig zögerlich anläuft, erreicht dieses Buch doch rasch den Punkt, an dem man einfach manisch weiterlesen muss. Einige Eckpunkte der Geschichte sind zwar vorhersehbar, aber das Rätsel, wer das Opfer – einen 19-jährigen Jungen – an seinem Geburtstag bestialisch ermordet hat, wird erst am Schluss gelöst. Klara Nordin schreibt durchweg angenehm und ohne Längen. Ihre beeindruckenden Schilderungen von Land und Leuten katapultieren den Leser geradewegs in den hohen Norden. Auch ihre Charaktere, vor allem die Polizisten Linda, Bengt und Margareta sind präzise ausgefeilt. Sie alle haben an persönlichen Schicksalen zu knabbern, die zwar angesprochen, aber nicht zum Hauptthema gemacht werden. Für Auflockerung sorgen die alten Damen Josefina und Maja, die sich permanent streiten. Diese beiden sind eine echte Bereicherung für das Buch. Auf ein Wiedersehen mit den betagten Streithennen darf man hoffen, denn Klara Nordin schreibt bereits an einem zweiten Fall für das Ermittler-Trio Linda, Margareta und Bengt.

Fazit: Wer bei einer spannenden Krimierzählung voll nordischer Atmosphäre und mit charakterstarken Figuren eine fremde Kultur kennenlernen will, ist mit „Totenleuchten“ sehr gut beraten!

Totenleuchten

© Kiepenheuer & Witsch

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Frisch rezensiert: „Lisa heißt jetzt Lola und lebt in der Stadt“ von Romy Hausmann

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Derb, frech, ernsthaft – ein außergewöhnlicher Roman

Sterne: 5 von 5

Lisa Berner – nicht gerade ein Name wie Donnerhall. Und auch alles andere in Lisas Leben ist wenig glamourös: Als Fleischereifachverkäuferin fristet die 25-Jährige ein bemitleidenswertes Dasein in einem niederbayerischen Dorf, das sie „Shittingen“ nennt. Gemeinsam mit ihrer herrischen Oma und dem schweigsamen Vater lebt sie unter einem Dach, seit sich ihre Mutter vor zwanzig Jahren das Leben nahm. Kein Wunder, dass Lisa davon träumt, Lola zu heißen und die Welt zu entdecken. Und so verschlägt es das Landei eines Tages urplötzlich nach München…

„Lisa heißt jetzt Lola und lebt in der Stadt“ ist der Debütroman der Autorin Romy Hausmann. Und was für einer: Derb und frech erzählt sie eine rasante Geschichte – beinahe eine Art bayerisches Roadmovie – und steigt doch dank der Tiefe in ihrer Erzählung elegant über das Etikett „unterhaltsame Frauenliteratur“ hinweg. Denn trotz allen Humors, der auch gerne ins Satirische gleitet, schlägt Romy Hausmann auch ernsthafte Töne an und mutet Lisa einiges zu.

Die Figuren ihres Romans sind mindestens so unterhaltsam wie die ganze Geschichte: Romy Hausmann zündet ein wahres Feuerwerk aus skurrilen Protagonisten, die man einfach mögen muss. Allen voran natürlich Lisa, die aus ihrer Sicht mit ziemlich derben Worten gleichzeitig die Erzählerin des Romans ist. Der Name des ersten Kapitels, „Von der Groben“, trifft die Beschreibung der Hauptdarstellerin hervorragend. Lisa würde wohl sagen: „Das passt wie Arsch auf Eimer.“ 🙂

Ja, ich bin wirklich begeistert von diesem erfrischend anderen Roman und empfehle ihn nur zu gern allen Leserinnen und Lesern, die starke Charaktere mögen, deftigen Humor zu schätzen wissen und bereit sind, in einer temporeichen Story mit einem guten Schuss Ernsthaftigkeit regelrecht zu versinken. Romy Hausmann schreibt außergewöhnlich – außergewöhnlich gut und herrlich unterhaltsam. Ich hoffe inständig, dass diese Autorin auch in Zukunft noch ganz viele wunderbare Geschichten erzählt!

Lisa heißt jetzt Lola und lebt in der Stadt

© Heyne Verlag

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Frisch rezensiert: „Großstadtgefühle“ von Jannis Plastargias

Unkompliziertes Jugendbuch über die erste schwule Liebe

Sterne: 3 von 5

Jonas erlebt zum ersten Mal die Höhen und Tiefen einer Liebesbeziehung: Er wohnt in Berlin, sein Freund Paul in München. Beide sehnen die gemeinsamen Treffen natürlich inbrünstig herbei.  Doch im Alltag, wenn sich beide nicht sehen, begegnen ihnen allerhand Verlockungen und mitunter ist es schwer, ihnen nicht zu erliegen. So wird Jonas eines Tages mit der überraschenden Wahrheit konfrontiert, dass sich sein Kumpel Carl Hals über Kopf in ihn verliebt hat. Was nun?

Jannis Plastargias hat mit „Großstadtgefühle“ einen Jugendroman geschrieben, in dem er den Zauber der ersten Liebe beleuchtet. Ein wenig tapsig bewegt sich seine Hauptfigur Jonas, aus dessen Perspektive die Geschichte erzählt wird, durch die Welt, der Kosenamen, Liebesschlösser, Sehnsucht, Sex, Zweifel und Eifersucht innewohnen. Durch tatsächlich existierende Orte, wie beispielsweise den legendären Berliner Club SchwuZ, stellt Jannis Plastargias in seinem Jugendbuch den Bezug zur Realität her. Als langgediente Schwulen-Mutti darf ich mir wohl außerdem das Urteil erlauben, dass die im Roman dargestellten Probleme und Sehnsüchte keinesfalls Vorurteile, sondern sehr nah an der Wirklichkeit dran sind.

Was mir allerdings weit weniger gefallen hat, sind die teils schwülstigen Dialoge und der Kosename „Geliebter“. Das erschien mir wirklich ziemlich dick aufgetragen.

Das Buch lässt sich flüssig lesen. Die Erzählweise besticht durch einfache, prägnante Sätze und versteigt sich nicht zu komplizierten Wortungeheuern – deshalb ist „Großstadtgefühle“ meiner Meinung nach für Jugendliche ab 14 Jahren bestens geeignet. Das 172 Seiten umfassende Buch schreckt durch seinen geringen Umfang sicher auch Lesemuffel nicht ab.

Mein Fazit: Bei den Charakteren und den Dialogen gibt es aus meiner Sicht noch Luft nach oben. Alles in allem ist „Großstadtgefühle“ aber eine mühelos zu lesende Erzählung, die einen sensiblen Jungen durch das Abenteuer der ersten großen Liebe begleitet, dabei realistische Einblicke in die schwule Welt gibt und auch das Thema Homophobie nicht ausklammert. Vielleicht gibt es Lehrerinnen und Lehrer, die für „Großstadtgefühle“ ein Plätzchen im Literaturunterricht frei haben. Wünschenswert wäre es.

Ich danke Autor Jannis Plastargias ganz herzlich für das Rezensionsexemplar und die liebe Widmung.

Großstadtgefühle© michason & may

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Frisch rezensiert: „Eifler Neid“ von Elke Pistor

Tatort Eifel – Der 4. Fall für Ina Weinz

Sterne: 4 von 5

Tatort Eifel: In Patersweiher wird eine tote Frau am Straßenrand entdeckt. Ihr Körper weist seltsame Striemen auf, deren Herkunft sich niemand so recht erklären kann. Ina Weinz, die vor ihrer Versetzung auf’s Land bei der Kölner Mordkommission ihren Dienst verrichtete, und Judith Bleuler von der Bonner Mordkommission ermitteln. Doch sie suchen nicht nur nach dem Täter, sondern auch nach einer zweiten Leiche. Ein älteres Ehepaar hat nämlich bei einem Ausflug im Nationalpark ein Tötungsdelikt beobachtet, doch das Opfer ist unauffindbar. Kurz vor ihrem 50. Geburtstag geht es bei Ina Weinz also alles andere als beschaulich zu…

„Eifler Neid“ ist bereits der vierte Band aus der Krimi-Reihe um Ina Weinz. Die Tatsache, dass ich die drei Vorgängerbände im Vorfeld noch nicht gelesen hatte, erwies sich als absolut unproblematisch. Ich war sofort Feuer und Flamme für das ungleiche weibliche Ermittler-Duo. Ina Weinz hat viele Sympathiepunkte kassiert: Eine solch toughe Frau, die manchmal die Regeln ein wenig großzügig auslegt, wenn es der Sache dienlich ist, dürfte sich wohl jeder im Kollegenkreis wünschen. Die junge Judith Bleuler hingegen ist sehr ehrgeizig, unterkühlt und distanziert. Einst Inas Praktikantin, ist sie nun die Leiterin der Ermittlungen. Das umgekehrte Rollenverhältnis bietet natürlich Konfliktpotenzial. Überhaupt sind die Figuren des Kriminalromans bewundernswert dreidimensional. Das gilt für das Ermittler-Team ebenso wie für die Nebendarsteller.

Die Story erzählt Elke Pistor aus drei verschiedenen Perspektiven, die für Abwechslung sorgen: Da ist die Geschichte zweier Schwestern, die ihr Glück im Westen suchen, der neutrale Erzähler und die persönliche Sichtweise von Ina Weinz. Das hat mir besonders gut gefallen.

„Eifler Neid“ ist kein Buch, das den Leser um den Schlaf bringt oder aus dem das Blut nur so trieft. Dafür ist es ein handwerklich hervorragend gemachter Kriminalroman, der mit lebendigen Protagonisten punktet, sich einem durchaus umstrittenen gesellschaftlichen Thema sowie dem Neid – immerhin eine der sieben Todsünden – widmet und einige Überraschungsmomente bereithält.

Mehr will ich an dieser Stelle aber nicht verraten. Mir hat das Buch jedenfalls sehr gut gefallen. Und eins ist für mich nach „Eifler Neid“ ganz klar: Ich will unbedingt mehr über Ina Weinz erfahren. Die drei Vorgängerbände landen deshalb postwendend auf meiner literarischen Wunschliste.

Eifler Neid© Emons Verlag GmbH

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Frisch rezensiert: „Tampa“ von Alissa Nutting

Sex mit minderjährigen Schülern: Wie weit darf ein Roman gehen?

Sterne: 5 von 5

Sie ist 26 Jahre alt. Sie ist außergewöhnlich schön. Sie ist Lehrerin. Und sie steht auf vierzehnjährige Jungen.

Was schockierend klingt, ist das, wonach die Lehrerin Celeste Price sich verzehrt: Sex mit ihren minderjährigen Schülern. Hühnerbrüstige, unerfahrene, neugierige Teenager. Ihr Mann Ford hingegen törnt sie ab. Ausschließlich die Tatsache, dass er finanziell gut situiert ist, lässt Celeste bei ihm bleiben. Ihre Lust lebt sie heimlich aus, allen voran mit ihrem Lieblingsschüler Jack. Doch auch die Tatsache, dass sie dabei mit äußerster Vorsicht zu Werke geht, täuscht nicht darüber hinweg, dass jedes ihrer ungesetzlichen Abenteuer eine tickende Zeitbombe ist, die von einem Moment auf den anderen explodieren kann – mit vernichtender Wirkung…

Das Buch „Tampa“ von Alissa Nutting hat in den USA zu äußerst kontroversen Debatten geführt. Auch in den deutschen Medien wurde es bereits heiß diskutiert. Im Zentrum steht vor allem die Frage: Wie weit darf ein Roman gehen? Fakt ist, dass die Autorin mit ihrer Hauptfigur Celeste Price eine schillernde und ebenso faszinierende wie abstoßende junge Frau zur Erzählerin ihres 288-seitigen Romandebüts gemacht hat. Wer die Lehrerin auf die Adjektive „pädophil“ und „nymphoman“ reduziert, beleuchtet allerdings nur einen Bruchteil des vielfältigen Charakters der von Alissa Nutting entworfenen Figur. Denn Celeste Price ist manipulativ, kaltherzig, aber auch klug, schlagfertig und humorvoll. Und schon befindet man sich als Leser im inneren Zwiespalt, indem man sich die Frage stellt: Darf ich eine Frau, die Unzucht mit Minderjährigen treibt, selbst ansatzweise sympathisch finden?

Seitens der Medienvertreter wurde unter anderem die Frage aufgeworfen, wie es wohl für Alissa Nutting gewesen sein muss, sich beim Schreiben in eine pädophile Lehrerin hineinzuversetzen. Eine reichlich seltsame Frage, wenn man bedenkt, dass es zahllose Krimis und Thriller gibt, die aus der Sichtweise von Mördern geschrieben werden – und zuhauf gelesen werden, denn der Boom des Spannungsgenres ist ungebrochen. Insofern beantwortet sich die Frage, wie weit ein Roman gehen darf, für mich von selbst: Fiktion darf alles, so wie Gedanken alles dürfen. Ich lehne Pädophilie selbstverständlich strikt ab, ebenso wie Mord und Totschlag – und dennoch bin ich eine begeisterte Krimi- und Thriller-Leserin. Allerdings gibt es natürlich sowohl im Fall des Romans „Tampa“ als auch bei Belletristik über Mörder durchaus Bezüge zur Realität.

Über dieses Buch lässt es sich vortrefflich streiten. Intensiven und derben Sexszenen mit 14-jährigen Jungen kommt darin eine große Bedeutung zu. Alissa Nutting bricht wortgewaltig Tabus und lässt Grenzen verschwimmen. Allerdings ist „Tampa“ keinesfalls ein Roman, der sich aus Effekthascherei durch das Verbotene, bloße Pornografie und Provokation speist. Die Erzählung zeigt das glasklare Profil einer von ständiger Lust getriebenen Frau, die sich nimmt, was sie will, mit der Kombination aus Schönheit und Cleverness geschickt alle Register zieht und panische Angst vor dem Altern hat.

Die durchtriebene Celeste Price hat mich gefesselt wie selten eine Protagonistin zuvor. Diese Tatsache beweist, dass Alissa Nutting ihren Job hervorragend gemacht hat: Denn wie einfach wäre es, den Leser eine solche Frau einfach abscheulich finden zu lassen.

„Tampa“ ist jedenfalls schon jetzt eines meiner literarischen Highlights des Jahres 2014. Das Buch mit dem vermeintlich so obszönen Cover hat mich erschreckt, schockiert, fasziniert, erstaunt und mitgerissen. Der Erzählstil ist schlichtweg großartig. Gleiches gilt für die Übersetzung aus dem amerikanischen Englisch, den Fortgang der Handlung und den besonders gegen Ende stetig ansteigenden Spannungsbogen.

Ich wünsche diesem mutigen Buch viele Leser, die sich ungeachtet des Presserummels ihr eigenes Bild davon machen.

Tampa

© Verlag Hoffmann und Campe

 

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Kölner Kleinstverlag erfüllt „dreams on demand“

Hej, liebe Leserinnen und Leser,

heute möchte ich Euch einen Kleinstverlag vorstellen, der mit einem interessanten Programm und niveauvoller Erotik punktet: Cupido Books. Das Kölner Unternehmen um die toughe Chefin Karin Struckmann hat aktuell acht e-Books im Angebot, darunter die Erotissima-Reihe – eine Sammlung erotischer Geschichten. Ab Spätsommer 2014 soll es dann auch Printbücher geben. Klickt Euch am Besten durch die wirklich ansprechende Homepage des Verlags. Dort werden alle Bücher ausführlich vorgestellt.

Ich durfte den erotischen Patchwork-Roman „Séduire – Verführung im Park“ lesen. Was man sich unter einem Patchwork-Roman vorstellen muss und wie mir die Lektüre gefallen hat, könnt Ihr in meiner Rezension nachlesen. Hier ist sie:

„Erotischer Patchwork-Roman“: Eine grandiose Idee, wunderbar umgesetzt

Sterne: 5 von 5

Nach dem Sommerfest ihrer Firma steuern die Arbeitskollegen Ben und Sara den Stadtpark an, ein weitläufiges Kleinod und das grüne Herz der Stadt. Beide sind schon ein wenig angeheitert. Im Park fallen die Beiden schließlich übereinander her – und zwar in deutlich zu vernehmender Lautstärke, die die Bewohner ringsum auf ihre Balkone treibt. Ben und Sara ahnen nicht, welche Auswirkungen ihr nächtliches Stelldichein auf die Nachbarschaft hat…

Autorin Jana Ohn gibt mit eben jenem verheißungsvollen Prolog den Startschuss für eine Reihe abwechslungsreicher und hocherotischer Geschichten, die in den anliegenden Häusern vor sich gehen – ausgelöst durch das Geschehen im Park. Mit Hilfe verschiedener Autoren blickt der Leser durch das Schlüsselloch in acht verschiedene Wohnungen und auf die Menschen, die darin leben. Ob Partygäste in einer WG, die Witwe Marlies oder die junge Mutter Laura – auf sie alle hat das leidenschaftliche Zusammentreffen von Sara und Ben Auswirkungen. Für diese Art von Geschichtensammlung hat Cupido Books den Begriff „Erotischer Patchwork-Roman“ geprägt, der den Nagel auf den Kopf trifft. Die Idee ist grandios und die Umsetzung mehr als gelungen. Die unterschiedlichen Schreibstile der mitwirkenden Autoren und die Einzigartigkeit der Charaktere sowie ihrer Lebensumstände macht aus „Séduire – Verführung im Park“ einen kurzweiligen und anregenden Lese-Genuss. Nichts an diesen erotischen Episoden ist billig oder pornografisch, obwohl es deutlich zur Sache geht – allerdings immer mit Niveau! Man wähnt sich selbst auf einem der Balkone in dieser lauen Sommernacht beim Lesen der sinnlichen und atmosphärischen Geschichten. Ein wenig vermisst habe ich allerdings eine homoerotische Geschichte. Doch dank der erfreulichen Tatsache, dass „Séduire – Verführung im Park“ der Auftakt zu einer Reihe ist, darf man dahingehend vielleicht auf den Nachfolgeband hoffen. Dem fiebere ich übrigens schon jetzt sehnsüchtig entgegen!

Séduire-Verführung-im-Park© Cupido Books

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Mit lieben Urlaubsgrüßen aus Dänemark verabschiede ich mich für heute! Farvel, wie die Dänen sagen!

 

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Frisch rezensiert: „Einer da oben hasst mich“ von Hollis Seamon

Eine Liebeserklärung an das Leben

Sterne: 5 von 5

Richard ist 17, verknallt in Sylvie und Fan von Black Sabbath. Ein ganz normaler Teenager also – mit dem Unterschied, dass Richard und Sylvie im Hospiz leben. Sie wissen, dass ihre Zeit begrenzt ist und lassen es deshalb an diesem so ernsten Ort sehr zum Ärger des Pflegepersonals gerne richtig krachen. Manchmal aber reicht die Kraft der beiden Teens nicht einmal dafür, aufzustehen. Dann sind sie zwei kahlköpfige hilflose Wesen, die der Krebs voll im Griff hat. Doch so leicht ergeben sich Richard und Sylvie nicht…

Die US-Autorin Hollis Seamon hat mit „Einer da oben hasst mich“ ein mutiges Thema für ein Jugendbuch gewählt: Den nahenden Tod zweier Teenager, die doch das ganze Leben noch vor sich haben sollten. Ihre Hauptfigur Richard, der gleichzeitig der Erzähler ist, wirkt anfangs ziemlich cool und abgebrüht. Doch Seite um Seite dringt man als Leser näher in das Seelenleben des Jungen vor. Dabei merkt man, dass seine Fassade nichts als ein Schutzschild ist. Er ist bemüht, seine Mutter aufzuheitern und ihm tut es sogar leid, dass er sie mit seiner Krankheit derart belastet. Auch vor den Pflegern und Schwestern gibt er mit gelegentlichem Sarkasmus oft den lässigen Typen. Doch in seinem Inneren hat er Angst, Todesangst. Im Laufe des Buches habe ich Richard liebgewonnen. Er ist nämlich ein sensibler und charmanter Typ, der sich niemals selbst bemitleidet. Deshalb ist „Einer da oben hasst mich“ auch keine Herzschmerz-Geschichte, bei der pausenlos die Tränen kullern, sondern eine von einem starken Jungen schnoddrig erzählte Liebeserklärung an das Leben. Oft hatte ich einen Kloß im Hals bei Richards messerscharfen und schonungslosen Betrachtungen. Hochinteressante und sehr real wirkende Figuren um den Protagonisten herum, schockierende Situationen, in denen mit den Angehörigen die Nerven durchgehen, die Beziehung zu Sylvie und so manche witzige Situation machen aus „Einer da oben hasst mich“ ein großartig erzähltes und ganz besonderes Buch, in das man von der ersten Silbe an regelrecht hineingezogen wird. Und wie das bei allen guten Büchern so ist: Leider war es viel zu schnell gelesen.

Die Frage nach der Altersempfehlung würde ich mit mindestens 15 Jahren beantworten. Einerseits ist das Hauptthema selbst für Erwachsene harte Kost. Zum anderen schildert Richard deutlich einige prickelnde Sexszenen. Das Thema Drogen wird am Rand gestreift.

Wer also auf der Suche nach einem tiefgreifenden, schonungslosen und emotionalen Jugendroman ist, der ohne Kitsch auskommt, wird von „Einer da oben hasst mich“ angetan sein und dieses Buch nicht so schnell vergessen.

Einer da oben hasst mich von Hollis Seamon© Verlagsgruppe Random House

 

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Zur Homepage der Autorin (englischsprachig): Hollis Seamon

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Frisch rezensiert: „Einer gibt den Löffel ab“ von Lotte Minck

Ein Todesfall versalzt die Suppe

Sterne: 4 von 5

Krimis mit Witz sind sehr beliebt, da erzähle ich nichts Neues. Ob Kommissar Kluftiger, Franz Eberhofer oder Pippa Bolle: Humor und Crime bilden eine auf den ersten Blick ungewöhnliche Einheit, die allerdings schon seit Längerem die Bestsellerlisten rockt. Dem Droste Verlag und der Autorin Lotte Minck ist es gelungen, eine treffende Bezeichnung für dieses Genre zu kreieren: Krimödie! Und genau eine solche ist „Einer gibt den Löffel ab“.

Loretta Luchs, 37, Single, ein Kind des Ruhrpotts und leidenschaftliche Köchin, meldet sich als Teilnehmerin für die beliebte TV-Kochshow „Gib mir den Löffel“ an – mit Erfolg! Schon bald stürmt ein Fernsehteam die Wohnung, die sie sich mit ihrer besten Freundin Diana teilt. Mit vier weiteren Teilnehmern kämpft Loretta um den Wochensieg. Wer wird am Ende die meisten Punkte einstreichen und für sein Menü den goldenen Kochlöffel abstauben? Die Hobbyköche gehen mit Leidenschaft zu Werke. Ihr kulinarischer Eifer wird allerdings von einem tragischen Todesfall überschattet. Unfall? Selbstmord? Loretta glaubt an beide Varianten nicht. Sie vermutet, dass jemand nachgeholfen hat und ermittelt – nicht ganz legal – auf eigene Faust…

„Einer gibt den Löffel ab“ ist nach „Radieschen von unten“ der zweite Fall für Loretta Luchs, die stets unvorhergesehen in Mordermittlungen rauscht. Autorin Lotte Minck stellt ihrer Hauptperson dabei ein Potpourri aus schillernden Gestalten zur Seite, auf die Loretta immer bauen kann. Die Skurrilität der einzelnen Charaktere ist ein Hochgenuss! Ort des Geschehens ist der Ruhrpott. Leider gibt es keine bestimmte Stadt, in der der Krimi spielt. Das finde ich ein wenig schade. Ein fester, namentlich genannter Handlungsort – egal, ob real oder fiktiv – gefällt mir stets besser. Der Dialekt verrät die geografischen Koordinaten der Geschichte, könnte für meine Begriffe aber ruhig noch intensiviert werden. Mit einer „Vokabelliste“ im Anhang wäre es möglich, besonders exotische Begriffe und Redewendungen Lesern, die nicht aus dem Ruhrpott kommen, verständlich zu machen.

Die Handlung ist temporeich und absolut kurzweilig. Ich habe das Buch an nur einem Tag gelesen und mich dabei sehr gut amüsiert. Natürlich ist eine große Produktion des TV-Senders VOX das Vorbild für die Fernsehsendung „Gib mir den Löffel“. Aber gerade deshalb wirkt die Geschichte authentisch. Ein schöner Zusatz für alle Hobbyköche sind die Rezepte von Lorettas Drei-Gänge-Menü am Ende. Als erklärtes Schleckermäulchen kann ich es gar nicht erwarten, die englische Süßspeise „Trifle mit Erdbeeren“ auszuprobieren.

Stilistisch ist unverkennbar, dass Lotte Minck eine Hälfte des Autorinnen-Duos Auerbach & Keller ausmacht, das sich mit bisher vier Krimis um die Berlinerin Pippa Bolle eine echte Fangemeinde erarbeitet hat. Alles in allem ist „Einer gibt den Löffel ab“ eine Komödie mit Krimi-Elementen, die tolle Unterhaltung bietet und mit einer Vielzahl liebenswert-schräger Charaktere aufwartet.

Einer_gibt_den_Loeffel_ab© Droste Verlag

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Frisch rezensiert: „Jeder“ von Thomas Seidl

Top-Start, unglaubwürdiges Ende

Sterne: 3 von 5

John Down ist Privatdetektiv. Das Leben hat ihm bislang übel mitgespielt: Sein eigener Vater brachte einst Johns Mutter um, John selbst – damals noch in Diensten von Scotland Yard – gelang es nicht, einen Serienmörder zu fassen und so verfiel er zusehends dem Alkohol. Sein aktueller Auftrag führt den Detektiv in das beschauliche englische Steakbeaver. Susan Sterling, ein Mädchen aus angesehenem Hause, ist verschwunden. Sie hat einen Abschiedsbrief hinterlassen. John wird von Susans Großmutter engagiert und macht sich auf die Suche nach der Vermissten. Dabei stößt er auf schier unglaubliche Abgründe…

„Jeder“ von Thomas Seidl ist mit dem Prädikat „Krimithriller“ versehen. Vollkommen zu recht, denn der Autor spart in der Geschichte nicht an Szenen, die dem Leser kalte Schauer über den Rücken jagen. Gesellschaftlich ist „Jeder“ ebenfalls interessant, denn einige hochrangige Männer leben darin ihre zuweilen bizarren sexuellen Fantasien aus. Das 158-seitige e-Book hat mich von Anfang an gefesselt und ich habe mitgefiebert. In den letzten Kapiteln erleidet die Story allerdings einen deutlich spürbaren Knick. Ab dort überschlagen sich die Ereignisse nämlich derart, dass die Glaubwürdigkeit der Geschichte Schlagseite bekommt. Äußerst schade, denn der Autor hatte sich bis dahin eine solide Thrillerhandlung überlegt und vor dem Hintergrund englischer Herrenhäuser und einsamer Wälder eine lebendige Atmosphäre geschaffen. Mit John Down überträgt er die Hauptrolle einem tragischen Helden, der trotz – oder gerade wegen – seiner Ecken und Kanten Sympathiepunkte beim Leser kassiert. Insgesamt könnte „Jeder“ sprachlich noch ein klein wenig Feinschliff vertragen.

Mein Fazit: „Jeder“ startet vielversprechend, nimmt mühelos Fahrt auf und unterhält hervorragend – leider nur bis zu dem Punkt gegen Ende, an dem die Geschichte kippt und einfach „too much“ ist. Dieses spannende Buch hat definitiv ein anderes – wenn auch weniger spektakuläres – Ende verdient!

Jeder

© Thomas Seidl/Elite-Dorm Verlag

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Frisch rezensiert: „Radiergummitage“ von Miriam Pielhau

Zum Lachen, zum Weinen und zum Nachdenken

Sterne: 4 von 5

Neu unter den Autoren ist Moderatorin Miriam Pielhau („taff“) keineswegs: Nach ihrer Brustkrebserkrankung 2008 schrieb sie das vielbeachtete Buch „Fremdkörper“. Mit „Radiergummitage“ legt die 39-Jährige nun ihren ersten Roman vor. Schon das Cover ist ein echter Hingucker – ein knallrotes strukturiertes Strickherz, mit Liebe selbstgemacht von Sarah Kuttner („Mängelexemplar“). Doch der Inhalt des Buchs ist mindestens genauso schön: Maja Pauly ist Schauspielerin am Braunschweiger Theater, Single und hat eine absolute Hass-Zahl: Die 35. Unschön, dass sie in Kürze ausgerechnet ihren 35. Geburtstag feiert. Sie beschließt, jeden Monat eine ganz besondere Mission zu absolvieren, um der gefürchteten 35 dennoch ein wenig Gutes abzugewinnen: Neues wagen, etwas, das sie vorher noch nie ausprobiert hat. Darunter sind vergleichsweise einfache Dinge, wie etwas zu säen, aber auch echt harte Prüfungen stehen ihr bevor. Wie gut, dass Maja mit ihrer Adoptiv-Omi Lina eine kluge und liebenswerte Freundin an ihrer Seite weiß, denn die 85-Jährige lehrt Maja eine ganze Menge über das Leben.

Zugegeben, es hat ein wenig gedauert, bis ich mit dem Buch im Allgemeinen und Hauptakteurin Maja im Besonderen warm geworden bin. Miriam Pielhau schreibt außergewöhnlich – mit einer großen Portion Umgangssprache, zuweilen rotzig und temporeich. Aber irgendwann platzte bei mir der berühmte Knoten – ich hatte mich an den Schreibstil gewöhnt und konnte „Radiergummitage“ so richtig genießen. Miriam Pielhau pflastert ihre Geschichte mit teilweise schrillen Charakteren, aber auch mit Personen, die man sofort ins Herz schließt – allen voran die betagte Lina Abendstern. Einzigartig und unverwechselbar sind sie jedenfalls alle. Viel Humor und allerhand aberwitzige Begebenheiten unterhalten den Leser wunderbar. Vor allem aber birgt dieser Roman eine ebenso simple wie eindrucksvolle Botschaft in sich: Nämlich, dass man sich die Neugier auf das Leben bewahren sollte. „Radiergummitage“ hat mich überrascht, denn hinter diesem Buch steckt keine seichte Unterhaltungsliteratur. Miriam Pielhau erzählt, verborgen hinter Witz und Kurzweil, gekonnt eine kluge Story, die nachdenklich macht.

Die Missionen, die Maja sich vornimmt, hat Miriam Pielhau übrigens alle selbst absolviert. Und es mag auch mehr als ein Zufall sein, dass die Protagonistin die selben Initialen wie die Autorin trägt. Wie autobiografisch „Radiergummitage“ also ist, weiß allein Miriam Pielhau. So oder so hat sie jedenfalls einen warmherzigen Roman geschrieben, den ich gern allen weiterempfehle, die beim Lesen ebenso gerne lachen wie weinen.

Radiergummitage© Dumont Buchverlag

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