Veröffentlicht in Meine Rezensionen (außer Vorablesen.de)

Frisch rezensiert: „Darjeeling Pur“ von Tami Weissenberg

Erschreckend, bedrückend und unglaublich wichtig: Das erste Buch eines männlichen Gewaltopfers

Meine Bewertung:  ★★★★★

Darjeeling Pur© Outbird Verlag

Es ist ein Thema, das bisher in der Öffentlichkeit so gut wie nicht existierte – und wenn, dann höchstens, um ungläubig belächelt zu werden: Gewalt gegen Männer.

Doch es gibt einen Mann, der mit diesem gesellschaftlichen Tabu bricht und einer bis dato totgeschwiegenen Problematik ein Gesicht gibt. Sein Name ist Tami Weissenberg, er ist 36 Jahre alt und er lebt in Sachsen. Am 13. Juli 2018 erschien im Outbird Verlag sein Buch „Darjeeling Pur“, in dem er das Martyrium aufarbeitet, das er jahrelang ertrug.

Tami Weissenberg lernt eine Frau kennen und geht mit ihr eine Beziehung ein. Man zieht zusammen, lebt ein gemeinsames Leben – aber die große Liebe ist es nicht. Sein Helfersyndrom ist es, das ihn bei ihr bleiben lässt, der Frau, die doch in ihrer Kindheit so viel Vernachlässigung und in ihrer vorhergehenden Ehe Gewalt erfahren hat. Man zieht zusammen, richtet ein gemeinsames Konto ein, heiratet schließlich und genießt ein fast schon glamouröses Dasein – Putzfrau, Gärtner und parkähnliches Grundstück inklusive. Tami verdient als Geschäftsführer einer Firma gutes Geld – und seine Frau hat ein unglaubliches Talent dafür, es mit vollen Händen auszugeben. Immer weiter zieht sie die sprichwörtliche Schlinge um seinen Hals zu. Sie verwaltet das Geld, isoliert Tami mehr und mehr von Familie und Freunden und macht ihn schließlich vollständig von sich abhängig. Was ganz perfide begann, schlägt bald darauf in regelrechte Gewaltorgien um, denen Tami trotz seiner Körpergröße von fast zwei Metern nichts entgegensetzt – Frauen schlägt man schließlich nicht. Nach außen hin halten die beiden die funkelnde Fassade aufrecht, aber hinter verschlossenen Türen erlebt Tami die Hölle auf Erden …

„Darjeeling Pur“ ist ein Buch, das man nach dem Lesen nicht einfach weglegt. Zu sehr beschäftigt einen der starke Tobak, den Tami Weissenberg in diesem autobiografischen Buch beschreibt – und zwar in deutlichen Worten und ungefiltert. Seine Worte sind wie Glasscherben, die sich in die Haut des Lesers bohren. Dieses Buch ist schmerzhaft. Es ist schonungslos und es schockiert.

Nachdem ich das letzte Kapitel gelesen hatte, musste ich erst einmal tief durchatmen. Zu ungeheuerlich erscheinen einem die Ereignisse und diese eiskalte, berechnende Frau, die zur Befriedigung ihrer eigenen Bedürfnisse wohl sogar über Leichen gehen würde.

Aber Tami Weissenberg jammert nicht. Er stellt sich nicht als armes Opfer häuslicher Gewalt dar, das mitleidheischend von seinen Erfahrungen berichtet. Ebenso wenig sinnt er auf Rache. Den Namen der Frau, weitere Angaben, die Rückschlüsse auf diese Person zulassen, oder gar Hasstiraden sucht man in diesem Buch vergeblich. Tami Weissenbergs Intention, dieses Buch zu schreiben, war, dem Thema Gewalt gegen Männer ein Gesicht zu geben, diesem wichtigen Thema, das bislang öffentlich unter den Teppich gekehrt wurde. Tami Weissenbergs Mut und sein Engagement sind beispielhaft. Der Autor hat den Verein Weissenberg e. V. gegründet, der eine Männerschutzwohnung betreibt und ein großes Netzwerk an Hilfsangeboten für männliche Gewaltopfer bietet. In vielen Fernseh-, Radio- und Printmedien hat er das Thema häusliche Gewalt aus einer Perspektive zur Sprache gebracht, die viele gar nicht kennen oder schlicht nicht wahrhaben wollen. Doch damit nicht genug: Aktuell arbeitet er an der Fortsetzung von „Darjeeling Pur“, die aller Voraussicht nach im Frühjahr 2019 erscheint und nicht nur von mir mit Spannung erwartet wird.

→ Interessante Links

Zum Buch auf der Homepage des Verlags: „Darjeeling Pur“

Zum Buch bei Amazon.de: „Darjeeling Pur“

Zur Facebook-Seite des Autors: Tami Weissenberg

Zur Facebook-Präsenz von Weissenberg e. V. – Männernetzwerk Plauen/Vogtland

Zur Homepage der Landesfachstelle Männerarbeit Sachsen

Advertisements
Veröffentlicht in Meine Rezensionen (außer Vorablesen.de)

Frisch rezensiert: „Stille Schwester“ von Martin Krist

Ein Thriller mit (zu) viel Tempo

Meine Bewertung:  ★★★

Stille Schwester© R & K, Martin Krist

Eine getötete Rentnerin, ein Junge, der bei einem Brandanschlag auf einen türkischen Laden in Berlin-Kreuzberg ums Leben kommt, ein ermordeter werdender Vater, dazu noch zwei weitere ungeklärte Tötungsdelikte, die zu einer Serie zu gehören scheinen: Die Mordkommission um Henry Frei hat wirklich alle Hände voll zu tun.

Nach „Böses Kind“ schickt der Berliner Schriftsteller Martin Krist seinen Protagonisten Henry Frei in „Stille Schwester“ zum zweiten Mal auf Mörderjagd. Der erste Band der Reihe endete mit einem Cliffhanger par excellence und ließ dabei so manche Frage offen. „Stille Schwester“ bringt, so viel sei verraten, Licht ins Dunkel. Dennoch sollte man den ersten Teil unbedingt vorher gelesen haben, denn sonst läuft man leicht Gefahr, den roten Faden zu verlieren.

Ein pedantischer Kommissar, eine kränkelnde Ermittlerin und ein übermotivierter Jungspund – diese drei Figuren bilden den Kern des Teams, das aufgrund der unterschiedlichen Charaktere allerhand sozialen Sprengstoff bietet. Auch die Story wird niemals ermüdend – ganz im Gegenteil: Die Kommissare hetzen in atemberaubendem Tempo von Tatort zu Tatort. Aus all den Ereignissen, die Martin Krist auf 232 Buchseiten komprimiert, hätten andere Autoren womöglich eine Trilogie gemacht. Ich gebe ehrlich zu, dass ich manchmal mit dem Tempo des Thrillers nicht Schritt halten konnte.

Doch Martin Krist wäre nicht Martin Krist, wenn er in all die Gräuel nicht die Tristesse der Großstadt und zwischenmenschliche Unzulänglichkeiten eingebaut hätte. Das ist ihm einmal mehr hervorragend gelungen. Berlin im Schneematsch, kalt, grau, trostlos – diese Kulisse bildet den perfekten Rahmen für die rasante Handlung des Thrillers! Mittendrin eine junge Frau, die sich glücklich verliebt wähnt – und sich dann verbittert fragen muss, ob sie ihrem Lebensgefährten überhaupt noch trauen kann. Für kleine Atempausen zwischen den Kapiteln sorgen E-Mails an Kommissar Frei, die er von einem unbekannten Absender erhält, der darin seine Kindheit und das problematische Verhältnis zu seiner Schwester schildert.

Alles in allem ist „Stille Schwester“ ein absolut lesenswerter Stoff, aber hin und wieder hat mich die Schnelligkeit der Handlung und die Flut der Ereignisse überrollt. Nichtsdestotrotz möchte ich natürlich wissen, wie es weitergeht! Ein dritter Teil der Henry Frei-Reihe ist bisher noch nicht angekündigt worden. Aber da Martin Krist bekanntlich fast schon schneller schreibt, als man lesen kann, wird der nächste Band sicher nicht allzu lange auf sich warten lassen.

Erst vor wenigen Tagen hat er den Auftaktband zu einer neuen Thriller-Serie veröffentlicht: „Freak City – Hexenkessel„. Martin Krist hat jede Menge Crime im Blut!

→ Interessante Links

Zum Buch bei Amazon.de: „Stille Schwester“

Zur Homepage des Autors: Martin Krist

Zum Buchtrailer von „Freak City – Hexenkessel“

Veröffentlicht in AutorInnen live & Lesungen, Gewinnspiel, Meine Rezensionen (außer Vorablesen.de)

„Das Ende des Schweigens“ von Claudia Rikl – Rezension und Interview (mit Gewinnspiel)

Die langen Schatten der DDR

Meine Bewertung: ★★★★

rikl_cc.indd

© Kindler/Rowohlt Verlag

Die Journalistin Susanne Ludwig freut sich auf eine Auszeit in einem Neubrandenburger Ferienhaus. Doch noch bevor ihr Urlaub beginnen kann,  macht sie in der Ferienhaussiedlung einen grausigen Fund: Susanne entdeckt die blutgetränkte Leiche eines älteren Mannes, dem die Zunge herausgeschnitten wurde. Nachdem sie sich im Krankenhaus einigermaßen von dem Schock erholt hat, erwacht ihr journalistischer Eifer. Sie will wissen, wer den Mann auf dem Gewissen hat – und was es mit der abgeschnittenen Zunge, die auf einem Armeekäppi neben dem Toten abgelegt wurde, auf sich hat.

In „Das Ende des Schweigens“ begibt sich Autorin Claudia Rikl in eine fast vergessene Welt – die der Nationalen Volksarmee der DDR (NVA). Sie recherchierte gewissenhaft und stellt in ihrem ersten Kriminalroman eine Parallelgesellschaft vor, in die das gemeine Volk seinerzeit  kaum Einblicke erhielt und in der  es drakonische Strafen und grausige Rituale gab. All dies verknüpft sie mit einem spannenden Kriminalfall, der in der Gegenwart spielt. Im Zentrum der Ermittlungen steht Kommissar Michael Herzberg. Für ihn ist dieser Fall etwas Besonderes, denn er taucht zwangsläufig in seine Vergangenheit ein. Eine Vergangenheit, die ihm bis heute Angst vor geschlossenen Räumen verursacht, denn Herzberg war zu DDR-Zeiten im berüchtigten Gefängnis in Bautzen inhaftiert.

Es sind die tatsächlichen Begebenheiten, die diesem Krimi das besondere Etwas verleihen und ihn dadurch realistisch erscheinen lassen: Claudia Rikl thematisiert das gefürchtete NVA-Gefängnis in Schwedt, Massenselbstmorde zu der Zeit, als die Rote Armee in Deutschland einmarschierte und Rituale wie die „Musikbox“, mit der NVA-Angehörige ihre Kameraden traktierten.

Die Hauptfiguren des Romans kämpfen mit ihren Dämonen: Kommissar Herzberg hat Probleme mit seiner Ehefrau, die im Rollstuhl sitzt, während die Journalistin Susanne Ludwig psychische Probleme und ein Sorgerechtsstreit plagen. Dennoch empfand ich die Charaktere ein bisschen zu distanziert – man könnte auch sagen, dass ich mit ihnen nicht so richtig warm geworden bin.

Der Kriminalfall selbst ist allerdings  durchweg spannungsreich. Mit einer logischen Handlung und der Tatsache, dass Täter und Motiv erst am Schluss offenbart werden, ist „Das Ende des Schweigens“ ein handwerklich hervorragend gemachter Krimi.

Claudia Rikls Schreibstil würde ich als unaufgeregt und durchaus anspruchsvoll bezeichnen.

Derzeit arbeitet die in Leipzig lebende Autorin am zweiten Fall für Kommissar Herzberg und sein Team. Da das Ende des aktuellen Bandes durchaus über Cliffhanger-Qualitäten verfügt, darf man gespannt sein, wie es speziell privat für Michael Herzberg weitergeht.

Interessante Links

Zum Buch auf der Homepage des Verlags: „Das Ende des Schweigens“

Claudia Rikl bei www.krimi-couch.de

Bibliografische Angaben

  • Erscheinungstermin: 13. März 2018
  • erschienen bei: Kindler (Rowohlt)
  • Seitenanzahl: 528 Seiten
  • ISBN-13: 978-3463406855

Interview mit der Autorin

Im Rahmen der Leipziger Buchmesse 2018 habe ich Claudia Rikl zu ihrem Kriminalroman „Das Ende des Schweigens“ interviewt.

af_rikl_claudia_001
Autorenfoto von Claudia Rikl
© Stefan Hoyer

Frau Rikl, „Das Ende des Schweigens“ ist Ihr erster Roman. Wie fühlt es sich an, Lesungen zu veranstalten und auf der Leipziger Buchmesse in der LVZ-Autorenarena vor einem großen Publikum darüber zu sprechen?
Es fühlt sich großartig an, denn nur die Leser und die Journalisten können uns letztendlich mitteilen, ob sich die Mühe auch gelohnt hat. Ihr Feedback ist sogar manchmal entscheidend dafür, ob wir weitermachen! Aber natürlich ist all dies mit viel Aufregung verbunden. So ein Schriftstellerleben ist ja prinzipiell eher einsam. Obwohl man in der letzten Arbeitsphase, der Fertigstellung des Buches, ständig mit dem Verlag in Kontakt ist – für das Lektorat und das Cover, die Klappentexte und die Werbemaßnahmen – gibt es zuvor, während des Schreibens, kein Team, mit dem man täglich zusammenarbeitet. So eine Buchmesse mit ihren Lesungen und Gesprächen reißt einen aus dieser stillen Beschaulichkeit heraus. Und das tut dann natürlich gut.

In Ihrem Buch setzen Sie sich intensiv mit dem Thema NVA auseinander. Ihr Roman hat mich dazu bewogen, im Internet zu stöbern und ein paar entsprechende Foren zu besuchen. Diese Rituale wie die „Musikbox“ gab es ja tatsächlich. Wie haben Sie recherchiert? Gab es Gespräche mit ehemaligen NVA-Angehörigen, die so etwas miterlebt haben, die vielleicht gar im gefürchteten Militärgefängnis in Schwedt eingesessen haben?
Prima, dass sie das Buch dazu angeregt hat, sich in das Thema einzulesen! Das habe ich natürlich auch getan. Die Militärgeschichte der DDR ist sehr gut erforscht, es gibt mittlerweile viel Literatur dazu, ich habe im Chr. Links Verlag etliche Bände gefunden und mich eingelesen, aber auch das SPIEGEL-Archiv war eine große Hilfe, was das Thema „Waffenverkäufe nach der Wende“ betrifft. Und ich habe auch auf Erfahrungsberichte von Soldaten zurückgegriffen, teilweise habe ich das Internet herangezogen, teilweise meine eigenen Erinnerungen. Ich bin ja in der DDR aufgewachsen, in einer stark militarisierten Gesellschaft. Wir sahen schon als Kinder Werbefilme über die NVA, mussten in der achten Klasse eine vormilitärische Ausbildung absolvieren. Ich wusste, dass unsere Klassenkameraden Angst davor hatten, zur NVA eingezogen zu werden, weil die dortigen Zustände und die drohenden Schikanen durch Vorgesetzte und Kameraden allgemein bekannt waren. Sogar eine Lehrerin erzählte einmal, was ihr Bruder dort erleben musste, man hatte ihm Stahlhelme an Ellbogen und Knie geschnallt und ließ ihn über den Flur schlittern. Ich kannte also viele solcher Geschichten, allerdings keinen, der in Schwedt einsitzen musste. Daher habe ich nicht noch einmal eigens mit ehemaligen Soldaten sprechen müssen.

Ihr Protagonist, der Kommissar Michael Herzberg, war ja selbst wegen eines verbotenen Buches in Bautzen inhaftiert. Dieses Gefängnis stand ja für schreckliche Haftbedingungen. Heute ist es eine Gedenkstätte. Haben Sie sie schon einmal besucht?
Es gibt in Bautzen zwei Gefängnisse, das „Gelbe Elend“ und das Stasigefängnis Bautzen II. In letzterem hat Herzberg eingesessen. Dort war ich und habe mir das Gefängnis und eine sehr beeindruckende Ausstellung zum Thema angesehen. Ich habe da beispielsweise erfahren, dass die Staatssicherheit Hunderte von Bundesbürgern in die DDR entführt hat und auch in Bautzen II inhaftierte – was mich sehr schockiert hat.

Als die Wende kam, waren Sie 18 Jahre alt. Wie empfanden Sie das Leben in der DDR? Waren Sie Pionierin und in der Freien Deutschen Jugend (FDJ)?
In meiner Kindheit habe ich mein Leben in der DDR als glücklich und normal empfunden – ich kannte ja kein anderes. Ich war auch bei den Pionieren und in der FDJ, das war selbstverständlich, nur die Kinder von Pfarrern und Angehörigen besonderer Religionsgruppen waren dort nicht Mitglied – aber sie durften deshalb in der Regel auch kein Abitur machen und studieren, nur auf dem zweiten Bildungsweg über die Abendschulen. Meine Eltern wollten dies nicht für mich, obwohl sie als Christen der DDR kritisch gegenüberstanden, und haben mich zu den staatlichen Organisationen und ihren Veranstaltungen geschickt. Das war ja gerade das Verrückte: wenn man nach außen hin vorgab, ein aufrechter DDR- Bürger zu sein, konnte man privat denken, was man wollte – sofern man es nicht öffentlich tat, hatte es keine negativen Konsequenzen. Als ich dann älter wurde, bekam ich aber schon mit, welche Entbehrungen und welchen Schmerz das Leben in der Diktatur mit sich brachte für diejenigen, die sich nicht unterdrücken lassen wollten und rebellierten. Aber da kam zum Glück die Wende!

Sie wurden in Naumburg geboren und leben in Leipzig. Wie sind Sie darauf gekommen, Ihren Krimi in Neubrandenburg anzusiedeln? Haben Sie eine besondere Beziehung zudiesem Ort?
Ich habe eine besondere Beziehung zu Mecklenburg, das ich wegen seiner herrlichen Landschaft und seiner Architektur sehr liebe. Auf Neubrandenburg kam ich, weil eine der drei großen Kriminalpolizeiinspektionen des Landes Mecklenburg-Vorpommern dort angesiedelt ist. Nachdem ich mir die Stadt und ihre Umgebung, insbesondere den See angesehen hatte, wusste ich: das ist eine perfekte Location.

Wie lange haben Sie an „Das Ende des Schweigens“ gearbeitet?
Ich habe im November 2011 damit begonnen, im Juni 2015 war ich mit der vierten Fassung des Romans fertig, die mir dann endlich gefiel. Wenn man ganz am Anfang steht, gibt es viel zu verbessern und zu lernen.

Auf Amazon sind die ersten Rezensionen zu Ihrem Buch zu lesen, die „Das Ende des Schweigens“ allesamt mit 4 oder gar 5 Sternen bewerten. Lesen Sie die Rezensionen?
Natürlich tue ich das, es geht gar nicht anders, man ist einfach zu neugierig. Kritik ist gut, auch wenn sie einem manchmal einen kleinen Stich versetzt. Denn niemand ist perfekt, es gibt immer noch etwas zu lernen.

Können Sie schon etwas zum zweiten Band um Kommissar Michael Herzberg sagen?
Sein nächster Fall führt Herzberg in ein mecklenburgisches Dorf, wo er den Mord an einem Großbauern aufklären muss, der 1945 wegen Kriegsverbrechen enteignet wurde und 1989 zurückkam, um sich wieder in den Besitz des ehemaligen Gutes zu bringen. Die Vorgeschichte der Tat reicht dann auch zurück bis in die letzten Kriegstage des Jahres 1945 und Herzberg hat wieder nicht nur ein Verbrechen aufzuklären.

Arbeiten Sie strukturiert und plotten oder schreiben Sie einfach drauflos?
Ich schreibe eher strukturiert. Ich habe auch feste Arbeitszeiten, ganz klassisch, wie im Büro. Ehe ich mit dem Schreiben beginne, habe ich ausführliche Figurenbiografien ausgearbeitet und einen Handlungsentwurf. Ich schreibe also nicht „ins Blaue hinein“. Bei dieser Arbeitsweise muss man allerdings aufpassen, dass der Spaß am Schreiben und die Fabulierlust nicht zu kurz kommen, denn diese sind unverzichtbar, wenn man es auf 500 Seiten bringen will.

Wie haben Sie Schreiben, Familie und Job unter einen Hut bekommen?
Meine Kinder sind glücklicherweise schon groß. Mit dem Job habe ich ausgesetzt, um in Vollzeit diesen Roman zu schreiben. Da ich immer mehrere Entwürfe schreibe, benötige ich meine ganze Zeit und vor allem meine ganze Kraft. Nebenbei zu schreiben würde mich überfordern und wohl auch nicht zufrieden stellen, da es das ist, was ich tun möchte, heute und für immer.

Lesen Sie auch privat Krimis? Welche sind Ihre Lieblingsautoren?
Ich lese viel und ganz besonders gern Krimis. Fred Vargas hat mich als Erste für das Genre begeistert. Ebenso schätze ich die Schwedin Åsa Larsson, Håkan Nesser, Tana French natürlich. Vor allem aber gibt es wunderbare deutsche Kriminalliteratur, ich mag einfühlsame, kluge Stimmen wie die von Gisa Klönne, von Oliver Bottini und Elisabeth Hermann.

Vielen Dank für das Interview, liebe Claudia Rikl!


Gewinnspiel

Nachdem ich letzte Woche angekündigt hatte, dass es sehr bald ein neues Gewinnspiel geben wird, lüfte ich jetzt das Geheimnis: Ta-daaa, ich verlose ein Exemplar des Krimis „Das Ende des Schweigens“ von Claudia Rikl.

Wie könnt Ihr mitmachen?

Indem Ihr die richtige Lösung auf die Gewinnspielfrage findet! Diese findet Ihr im Gewinnspielformular ganz unten. Wählt die richtige Antwort auf die Gewinnspielfrage aus, tragt Euren Namen und Eure E-Mail-Adresse in das untenstehende Gewinnspielformular ein und sendet das Ganze ab.

Teilnahmebedingungen

1. Verlost wird ein Exemplar des Krimis „Das Ende des Schweigens“ von Claudia Rikl – nagelneu und ungelesen.

2. Die Verlosung läuft im Zeitraum vom 14. bis zum 30. April 2018, 24:00 Uhr. Zum Teilnehmen muss das untenstehende Formular vollständig ausgefüllt und abgeschickt werden. Der/die Gewinner/in wird am 1. Mai 2018 aus allen fristgerecht eingegangenen Einsendungen mit der richtigen Antwort per Losverfahren ermittelt und dessen/deren Name hier bekanntgegeben. Mit dem Absenden des Formulars erklärt sich der/die Teilnehmer/in damit einverstanden, dass sein/ihr vollständiger Name im Gewinnfall hier veröffentlicht werden darf.

3. Mitmachen kann jede/r mit Hauptwohnsitz in Deutschland, der/die mindestens 18 Jahre alt ist. Mit dem Abschicken des Formulars bestätigt Ihr, dass Ihr volljährig seid.

4. Keine Barauszahlung möglich.

5. Keine Haftung, falls der Gewinn auf dem Postweg verloren geht.

6. Bitte nur 1 x mitmachen! Mehrfachteilnehmer/innen werden disqualifiziert.

7. Ihr müsst zur Teilnahme nicht zwingend meinem Blog oder meiner Facebook-Seite folgen. Ich freue mich aber selbstverständlich immer über neue Follower meines Blogs, meiner Facebook-Seite, meines Twitter– und meines Instagram-Accounts.

8. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

9. Eure Daten werden ausschließlich im Rahmen der Verlosung verwendet und NICHT weitergegeben. Nach erfolgter Auslosung werden die Daten gelöscht.

Jetzt teilnehmen!

Veröffentlicht in Absolute Schätze, Meine Rezensionen (außer Vorablesen.de)

Frisch rezensiert: „Die letzten Meter bis zum Friedhof“ von Antti Toumainen

Finnisches Roadmovie mit Tiefgang und Humor

Meine Bewertung: ★★★★★

 Die letzten Meter bis zum Friedhof
© Rowohlt Verlag

Eigentlich steht Jaako mit seinen 37 Jahren in der Blüte seines Lebens: Er führt einen erfolgreichen Pilzhandel, hat eine großartige Köchin zur Ehefrau und bewohnt mit ihr ein hübsches Häuschen in der finnischen Provinz. Doch dann eröffnet ihm sein Arzt, dass er sterben wird – und zwar sehr bald. Die Laborwerte zeigen, dass Jaako über einen längeren Zeitraum hinweg vergiftet wurde. Womit? Das lässt sich nicht genau sagen. Aber Jaako ist wild entschlossen, das herauszufinden – und natürlich auch, wer ihn auf dem Gewissen hat. Plötzlich steht sein Leben Kopf und die Ereignisse überschlagen sich …

Das Cover von Antti Toumainens Buch „Die letzten Meter bis zum Friedhof“ hat mich auf magische Weise angezogen. Was sich wohl zwischen den schlichten, aber dennoch liebevoll-skurril gestalteten Buchdeckeln verbergen würde, habe ich mich gefragt. Cozy Crime? Ein Roman mit bitterbösem Humor? Ein abgedrehter Krimi? Jetzt, nachdem ich das Buch gelesen habe, kann ich diese Frage eindeutig beantworten: eine gelungene Mischung aus alldem. „Die letzten Meter bis zum Friedhof“ lässt sich schwer in ein Genre pressen. Vielleicht sollte ich mich deshalb darauf beschränken aufzuzählen, was dieses Buch NICHT ist: langweilig, wehklagend, traurig.

Jakko kommt schließlich auch nur selten dazu, über seinen nahenden Tod nachzudenken. Erst erwischt er seine vermeintlich treue Gattin im eigenen Garten beim Seitensprung, dann ist ihm die gefährliche Konkurrenz aus dem Pilzbusiness auf den Fersen. Antti Toumainen erzählt ein hinreißendes finnisches Roadmovie mit einem Helden in der Hauptrolle, den ich am liebsten geheiratet hätte.* Nein, nicht weil er reich ist und bald sterben wird, sondern weil Jaako über einen beispiellosen Selbsthumor verfügt (er hadert beispielsweise trotz des herannahenden Ablebens noch immer mit seinem Übergewicht), niemals aufgibt und einen äußerst warmherzigen Protagonisten darstellt. Überhaupt sind alle Figuren des Romans einfach unverwechselbar.

Aber wer nun meint, Autor Antti Toumainen würde das Thema Tod als lapidar abtun, der irrt. „Die letzten Meter bis zum Friedhof“ ist nämlich ein wirklich lebenskluges Buch. Toumainen führt dem Leser ohne Pathos und erhobenen Zeigefinger, allerdings auch ohne den Tod ins Lächerliche zu ziehen, die eigene Endlichkeit vor Augen.

„Ich werde nicht gesunden, natürlich nicht, ich werde sterben. Aber das haben wir alle gemeinsam, sogar mit denjenigen, die denken, sie würden ewig leben.“

(aus „Die letzten Meter bis zum Friedhof“)

Bemerkenswert sind auch die geradezu sinnlichen Beschreibungen der Landschaft. Man möchte auf der Stelle in den Flieger steigen und Finnland einen Besuch abstatten. Für die Übersetzung der Originalausgabe mit dem Titel „Mies joka kuoli“ zeichneten übrigens der deutsche Krimiautor Jan Costin Wagner und seine aus Finnland stammende Frau Niina Katariina verantwortlich. Gemeinsam mit Annti Toumainen haben sie „Die letzten Meter bis zum Friedhof“ zu einem meiner absoluten Leselieblinge gemacht.

→ Interessante Links

Zum Buch auf der Homepage des Verlags: „Die letzten Meter bis zum Friedhof“

Zur Homepage des Autors: Antti Toumainen

„Die letzten Meter bis zum Friedhof“ auf der Krimibestenliste der FAZ im März 2018

Bibliografische Angaben

  • Erscheinungstermin: 24. Januar 2018
  • erschienen bei: Rowohlt
  • Seitenanzahl: 320 Seiten
  • ISBN-13: 978-3498065522

* = Die Verfasserin dieser Rezension ist glücklich mit einem normalgewichtigen Mann verheiratet.

 

Veröffentlicht in Meine Rezensionen (außer Vorablesen.de)

Frisch rezensiert: „Wunderbar weiblich“ von Dr. Libby Weaver

„Das Leben ist ein Geschenk.“

(Dr. Libby Weaver)

Ein wissenswertes Handbuch für Frauen jeden Alters

Meine Bewertung: ★★★★

Wunderbar weiblich© TRIAS Verlag

Als ich „Wunderbar weiblich“ von Dr. Libby Weaver, einer australischen Biochemikerin und Gesundheitsexpertin,  zum ersten Mal in die Hand nahm, wusste ich zugegebenermaßen nicht so recht, was mich erwarten würde. Ein Ratgeber mit Schminktipps und Low Carb-Rezepten etwa? Glücklicherweise nicht, wie ich bald feststellte. Denn „Wunderbar weiblich“ ist ein wissenswerter Exkurs zur Funktionsweise des weiblichen Körpers in sämtlichen Facetten.

Das Sachbuch ist in die vier Themenbereiche Essen, Körper, Psyche und Umwelt gegliedert. Was mir besonders gefallen hat, ist der ganzheitliche Ansatz, den die Autorin verfolgt. So zeigt sie Zusammenhänge auf, um Verständnis für die komplexen Prozesse zu wecken, die sich Tag für Tag im Körper abspielen. Das tut sie in einer verständlichen Sprache ohne sperrige Fachbegriffe zu verwenden. Der Leserin werden von Dr. Libby Weaver gezielte Strategien an die Hand gegeben, um Missverhältnissen und gesundheitlichen Problemen entgegenzuwirken. Dabei setzt die Expertin auf Natürlichkeit. Dem Einsatz von Kräutern gegen unzählige Beschwerden kommt dabei eine zentrale Bedeutung zu. Auch für unverfälschtes Essen plädiert sie vehement – wobei ich sagen muss, dass ich vom Kapitel „Ernährung“ ein wenig enttäuscht war, denn Dr. Libby Weaver liefert dort keine bahnbrechenden neuen Erkenntnisse, sondern fasst lediglich zusammen, was frau ohnehin schon weiß, wenn sie sich nur ein bisschen mit dieser Materie beschäftigt.

Aus den Themenkomplexen „Körper“ und „Psyche“ habe ich allerdings eine Menge guter Ratschläge für mich persönlich mitgenommen, die ich teilweise auch schon umsetze – wie etwa ein Glas warmes Wasser mit Zitronensaft am Morgen zu trinken, um meine Leber zu unterstützen.

Lobenswert finde ich, dass Dr. Libby Weaver von ihren Leserinnen nicht verlangt, sofort das ganze Leben umzukrempeln und alle Baustellen auf einmal anzugehen, sondern sie dazu anregt, Schritt für Schritt zu mehr Gesundheit und Lebensqualität zu finden.

„Wunderbar weiblich“ ist kein knochentrockener Ratgeber, sondern ein interessantes Handbuch, das auch durch seine hochwertige Aufmachung Freude macht. Großartige ganzseitige Fotografien lockern den Text auf, ebenso wie anschauliche Zeichnungen und Skizzen. Außerdem wird die Leserin aktiv einbezogen, denn es gibt in den verschiedenen Themenbereichen Fragebögen zum Ausfüllen.

Mein Fazit: „Wunderbar weiblich“ sollten Frauen jeder Altersgruppe in ihrem Bücherregal haben.


„Wunderbar weiblich“ ist am 13.12.2017 im TRIAS Verlag erschienen. Es hat 312 Seiten und kostet 19,99 EUR (Deutschland; gebundene Ausgabe).



→ Interessante Links

Zum Buch auf der Homepage des Verlags: „Wunderbar weiblich“

Zur Homepage der Autorin (englischsprachig): Dr. Libby Weaver

Veröffentlicht in Meine Rezensionen (außer Vorablesen.de)

Frisch rezensiert: „Born Scared“ von Kevin Brooks

Guter Plot, mittelmäßig umgesetzt

Meine Bewertung: ★★★

Born Scared

© dtv

Der britische Schriftsteller Kevin Brooks ist bekannt für seine Jugendromane. Nach etlichen Büchern wie etwa „Bunker Diary“, „iBoy“ und die Travis Delaney-Reihe ist mit „Born Scared“ am 13.10.2017 sein neuester Jugendthriller erschienen.

Darin steht Elliot im Mittelpunkt. Seine Zwillingsschwester Ellamay lebte nur eine Stunde lang. Obwohl sie tot ist, spricht Elliot mit ihr.

„Ein Teil von mir starb mit ihr und ein Teil von ihr lebte in mir weiter. Gemeinsam sind wir sowohl tot als auch lebendig.“

„Born Scared“, Seite 10

Als er sechs Jahre alt war, ging seine Mutter mit ihm das erste Mal zu einem Kinderpsychologen. Denn Elliot hat Angst: vor dem Meer, vor Autos, vor der Badewanne. Seine Ängste steigern sich schließlich so weit, dass er das Haus nicht mehr verlassen kann. Einzig in seinem Zimmer fühlt er sich sicher.

„Ich habe Angst, Mummy.“
„Angst wovor, Schatz?“
„Vor allem.“

„Born Scared“, Seite 16

Elliot kann ohne seine Angsttabletten nicht leben. Eines Tages, in der Vorweihnachtszeit, – sein Pillenvorrat ist bedrohlich geschrumpft – macht sich seine Mutter auf den Weg in die Apotheke, um Nachschub zu besorgen. Als sie nach mehreren Stunden immer noch nicht zurückgekehrt ist und auch nicht an ihr Handy geht, trifft der inzwischen panische Elliot einen folgenschweren Entschluss: Er wird nach seiner Mutter suchen. Doch dafür muss er hinaus, in den Schnee, in die Welt, vor der er unbeschreiblich große Angst hat …

Schon eine kurze Inhaltsangabe von „Born Scared“ hatte mein Interesse für dieses Buch geweckt. Die Story hörte sich spannend an. Und das ist sie tatsächlich, wie ich später beim Lesen feststellte. Die Angst, die in Elliot die ganze Zeit über im Verborgenen brodelt und sich immer mehr steigert, je mehr Zeit verstreicht, ist für den Leser regelrecht spürbar. Dazu kommt mit völliger Dunkelheit und großen Schneemassen ein unheimliches Setting, das das klamme Gefühl beim Lesen verstärkt. Kevin Brooks baut die Spannung Stück für Stück auf und kann sie auch halten, bevor sich Elliots Story und ein Nebenstrang der Geschichte (von dem ich nichts verraten will) schließlich kreuzen. Im letzten Drittel des Buchs zieht sich die ganze Sache allerdings etwas hin.

Die Kapitel – 46 an der Zahl auf insgesamt 240 Seiten – sind kurz und knackig, ebenso wie der Schreibstil von Kevin Brooks. Sein Thriller, dessen Titel auch im Original „Born Scared“ lautet und von Uwe-Michael Gutzschhahn ins Deutsche übersetzt wurde, liest sich angenehm und unkompliziert.

Obwohl Ich-Erzähler Elliot ein interessanter Protagonist ist, blieb er für mich leider ausgesprochen gesichtslos. Das trifft auch auf die anderen Charaktere zu, von denen allerdings nur selten etwas zu lesen ist, denn hauptsächlich dreht sich die Geschichte um Elliot, der mit Hilfe seiner verstorbenen Schwester Ellamay verzweifelt versucht, sich seinen Dämonen zu stellen.

Alles in allem ist „Born Scared“ ein solider, wenn auch nicht bahnbrechender Jugendthriller mit Darstellern, die leider zu konturlos daherkommen.

Interessante Links

Zum Buch auf der Homepage des Verlags: „Born Scared“

Der Autor bei Wikipedia: Kevin Brooks

Veröffentlicht in Meine Rezensionen (außer Vorablesen.de)

Das Beste kommt zum Schluss: Meine Krimi-/Thriller-Top 3 des Jahres 2017

Schon wieder ist ein (Lese-)Jahr vorüber. Bevor heute um Mitternacht die Sektkorken knallen, stelle ich Euch meine persönlichen Krimi-/Thriller-Top 3 des Jahres 2017 vor.

Platz 3: „Murder Park“ von Jonas Winner

Murder Park von Jonas Winner

© Heyne Verlag

Meine Bewertung: ★★★★

Schon das Setting ist genial: Ein seit Jahren geschlossener Freizeitpark auf einer kleinen Insel vor der Ostküste der USA stellt die Kulisse für einen Thriller dar, der von Anfang an das Kopfkino in Gang setzt und den Leser sofort in Beschlag nimmt.

Worum geht es? Der marode Vergnügungspark, der wegen dreier unheimlicher Morde geschlossen worden war,  soll wiederbelebt werden – und zwar als bizarrer Erlebnisort, in dessen Zentrum sämtliche Serienkiller stehen. Zwölf Teilnehmer sollen den „Murder Park“ vor seiner Eröffnung exklusiv unter die Lupe nehmen. Doch schon bald geschehen grausame Verbrechen – ein Killer geht auf der Insel um!

„Murder Park“ ist ein äußerst spannender Thriller, der durch seine „Who done it“-Elemente den Leser über mehr als 400 Seiten hinweg kontinuierlich bei der Stange hält. Autor Jonas Winner greift darin die Faszination Serienmörder auf und jagt seiner Leserschaft mehr als einmal einen kalten Schauer über den Rücken.

Allerdings hätte ich mir ein wenig mehr sprachlichen Feinschliff gewünscht. Zum Teil sind die Dialoge recht holprig. Das war sicherlich gewollt, um die Aufregung der Protagonisten zu demonstrieren, aber alles in allem erschien es mir „too much“.

Obwohl das Ende für mich nicht gerade der Knaller war, behalte ich „Murder Park“ als einen hochspannenden Thriller in Erinnerung, der mir das Fürchten gelehrt hat.

Mehr über „Murder Park“ 

Platz 2: „Tödliches Treibgut“ von Denzil Meyrick

Tödliches Treibgut

© HarperCollins Germany

Meine Bewertung: ★★★★★

Im schottischen Fischerdorf Kinloch wird die Leiche einer Frau an den Strand gespült. Der Ermittler Jim Daley und sein Partner Brian Scott aus Glasgow nehmen sich dem Fall an. Sie wollen wissen: Wer war die Tote und unter welchen Umständen starb sie? Doch in Kinloch stoßen sie auf eine Mauer des Schweigens …

„Tödliches Treibgut“ von Autor Denzil Meyrick ist ein Kriminalroman, wie man ihn sich nur wünschen kann: spannungsgeladen, ungeheuer atmosphärisch, nicht zu sparsam mit grausigen Details und einem Ermittlerduo, das die Sympathien der Leser einheimst. Der bärbeißige Scott, der einem trotz (oder gerade?) wegen seiner ungeschliffenen Ausdrucksweise und seines Sarkasmus ans Herz wächst, ist das genaue Gegenteil von Jim Daley, der sich mit guten Manieren auskennt und stets im Anzug erscheint.

Denzil Meyrick nimmt den Leser mit auf eine unvergessliche Reise nach Schottland, zeigt aber dabei mitnichten nur romantische Kulissen und die Heimeligkeit der Pubs auf: Korruption im Polizeiapparat, Gewalt und Perspektivlosigkeit spielen in seinem Krimi ebenso eine Rolle.

Bevor „Tödliches Treibgut“, dessen Titel im Original „Whisky from small glasses“ lautet, am 8. Mai 2017 erschien, wurde mit „Das Mädchen von Strathclyde“ eine Shortstory veröffentlicht, die übrigens auch sehr lesenswert ist.

Ich freue mich schon riesig auf den zweiten Band der Reihe um DCI Daley: „Der Pate von Glasgow“ erscheint am 2. Mai 2018 bei HarperCollins Germany.

 Mehr über „Tödliches Treibgut“

Platz 1: „Der Näher“ von Rainer Löffler

Der Näher

© Bastei Lübbe

Meine Bewertung: ★★★★★

Fall 3 für Fallanalytiker Martin Abel: Nachdem „Blutsommer“ 2012 und „Blutdämmerung“ 2014 im Rowohlt-Verlag erschienen, brachte Bastei Lübbe am 24. April 2017 den aktuellen Band „Der Näher“ heraus.

Mit diesem Buch gelingt es dem in der Nähe von Stuttgart lebenden Autor Rainer Löffler einmal mehr, seinen Lesern das Blut in den Adern gefrieren zu lassen.

Auf einem Feld in der Nähe von Köln werden die vergrabenen Leichen einer jungen Frau und ihres neugeborenen Babys entdeckt. Die Leichen wurden mit Beton übergossen. Im Körper der Mutter entdeckt man später ein Detail, das selbst die erfahrenen Ermittler erschaudern lässt …

„Der Näher“ ist ein Thriller-Erlebnis, das einen atemlos zurücklässt. Beim Lesen fragte ich mich hin und wieder, wie Rainer Löffler nur auf derartige Grausamkeiten kommt. Er schreibt einfach brillant und stößt seine Leser hinab in die tiefen Abgründe, die er sich ausdenkt.

Erst zum Schluss lüftet Rainer Löffler das Geheimnis um den Täter. Bis dahin gönnt der Autor allerdings weder seinen Figuren noch seiner Leserschaft eine Verschnaufpause: Sprachlich einwandfrei und temporeich erzählt er seine Geschichte, die von Wahnsinn und grausamen Fantasien handelt. Für Zartbesaitete ist „Der Näher“ nicht zu empfehlen, denn dieses Buch bringt selbst die Hartgesottenen um den Schlaf.

Es bleibt zu hoffen, Rainer Löffler seinen fabelhaften Ermittler Martin Abel schon bald zum vierten Mal ermitteln lässt.

Mehr über „Der Näher“

♥ ♥ ♥

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern meines Blogs einen guten Start in ein fantastisches Jahr 2018. Bleibt schön gesund!