Frisch rezensiert: „Gustaf – Alter Schwede“ von Claus Vaske

Spritzige Familienkomödie

Gustaf - Alter Schwede

© HarperCollins

Meine Bewertung: ★★★★★

Dass Claus Vaske Drehbücher und Texte für verschiedene Comedy-Formate wie beispielsweise „Kalkofes Mattscheibe“ schreibt, merkt man seinem aktuellen Roman „Gustaf – Alter Schwede“ sofort an. Denn diese humorvolle Geschichte läuft vor dem Auge des Lesers ab wie ein höchst unterhaltsamer Fernsehfilm zur besten Sendezeit. Erschienen ist das gute Stück am 6. Februar 2017 bei HarperCollins. Das von Lübbe Audio produzierte Hörbuch spricht übrigens Hella von Sinnen.

Kernstück des Romans ist die vierköpfige Familie Baumann, die nach langer beschwerlicher Suche endlich ihr Traumhaus gefunden hat – oder sollte man besser sagen: ihre Traumvilla? Zu einem echten Schnäppchenpreis erstehen sie das altehrwürdige Anwesen im rheinländischen Rotthoven. Doch schon bald gehen seltsame Dinge vor sich. Wer klimpert des Nachts mit den Weinflaschen herum? Wer bedient sich heimlich am Lieblings-Stinkekäse von Mama Saskia? Und warum ist der Bierkasten ständig leer?

Die Baumanns trauen ihren Augen kaum, als sie den Verursacher all dieser merkwürdigen Begebenheiten eines Nachts vor sich sehen: Einen über vierhundert Jahre alten Zausel mit Stulpenstiefeln samt Hut in bester Musketier-Manier, der lispelt und mit schwedischem Akzent spricht. Das ist kein Geringerer als Gustaf, der Hausgeist, die relativ unerfreuliche Gratiszugabe zum neuen Heim.

Die Charaktere in Claus Vaskes neuem Roman wirken so lebensecht, als würden sie jeden Moment den Buchseiten entsteigen. Spritzige Dialoge und große als auch kleine Katastrophen sorgen für eine Menge Abwechslung, Action und fröhliches Gelächter beim Leser. Dabei nimmt der Autor klassische Alltagsprobleme und so manches Vorurteil mit einem Augenzwinkern aufs Korn: Der trinkfreudige Schwede, die schmollende Teenie-Tochter oder die sexuell ermattete Ehe der Eltern Baumann sind da nur ein paar Beispiele.

Mit „Gustaf – Alter Schwede“ hat der in Bonn lebende Autor Claus Vaske einen unterhaltsamen Roman verfasst, der vor Humor nur so strotzt und den Leser für die Dauer von 240 Buchseiten dem Alltag entfliehen lässt.

→ Interessante Links

Zum Buch auf der Homepage des Verlags: „Gustaf – Alter Schwede“

Zum Hörbuch: „Gustaf – Alter Schwede“

Zur Homepage des Autors: Claus Vaske

Frisch rezensiert: „The Couple Next Door“ von Shari Lapena

Don’t believe the hype – oder doch?

Meine Bewertung: ★★★★★

The Couple Next Door
© Bastei Lübbe AG

„The Couple Next Door“ ist der Thriller, über den in diesem Jahr am meisten gesprochen werden wird.

(Das englische Magazin „Stylist“ über „The Couple Next Door“)

Solche vollmundigen Bewertungen wie die eben aus dem englischen Wochenmagazin „Stylist“ zitierte lösen bei mir unheimlich hohe Erwartungen an das betreffende Buch und gleichzeitig leise Zweifel aus. Ist diese Geschichte wirklich so gut?

Jedenfalls kommt man in diesem Frühjahr an dem Thriller „The Couple Next Door“ nicht vorbei. In England und den USA ist das Buch schon ein Bestseller. Bei Bastei Lübbe, dem Verlag, der die deutschen Rechte erworben hat, ist Shari Lapenas Erstling in dieser Saison der Top-Titel. Das beweist unter anderem die Guerilla-Kampagne, bei der in mehreren Großstädten mit Stickern auf und Leseproben in Briefkästen auf das Buch aufmerksam gemacht wurde. Darf man dem Hype Glauben schenken? Denn leider steckt nicht in jedem Fall Qualität hinter groß angelegten Werbeaktionen wie dieser.

Im Fall von „The Couple Next Door“ waren meine Zweifel unbegründet. Ja, dieses Buch ist großartig und es hat den Rummel, der darum gemacht hat, wirklich verdient!

Im Mittelpunkt von Shari Lapenas Debüt stehen Anne und Marco Conti. Die beiden sind jung verheiratet und frisch gebackene Eltern der kleinen Cora. Die Einladung ihrer Nachbarn zu einer abendlichen Geburtstagsfeier nehmen Anne und Marco an – obwohl die Gastgeberin im Vorfeld darum bat, Cora zu Hause zu lassen. Doch dank Babyfon und der Abmachung, halbstündlich abwechselnd nach der Kleinen zu sehen, sollte der Party nebenan nichts im Wege stehen. Als die Contis mitten in der Nacht nach Hause kommen, ist das Bettchen von Cora plötzlich leer. Für die jungen Eltern beginnt ein beispielloser Albtraum …

Zunächst ist der Leser für einige Zeit Zeuge der Ermittlungen von Detective Rasbach und seinen Kollegen. Nachbarn werden befragt, Alibis überprüft, Spürhunde eingesetzt – allerdings ohne Erfolg. Und in dem Moment, in dem man meint, die Geschichte plätschert ohne nennenswerten Fortgang (wohl aber mit Dramatik!) so dahin, kommt in der Mitte des Buches urplötzlich – und so ganz nebenbei – die überraschende Wendung, die für Erstaunen und Tempo sorgt.

Wenn ich „The Couple Next Door“ mit einem Wort beschreiben müsste, dann wäre das „intensiv“. Es kommt äußerst selten vor, dass mich ein Buch bis in meine Träume verfolgt. Das ging mir bei Shari Lapenas Thriller aber so. Die Frage, wer hinter Coras Verschwinden steckt, hat mich einfach nicht losgelassen. Bis zur Auflösung am Ende des Buchs säumen falsche Verdächtigungen und ein dunkles Geheimnis aus der Vergangenheit den Weg.

In ihrem Debüt fügt Shari Lapena die beiden Genres Thriller und Drama zu einer faszinierenden Einheit zusammen. Sie lässt den Leser schonungslos hinter die Fassaden der vermeintlich heilen Welt ihrer wenigen, aber detailreich illustrierten Protagonisten blicken.

Es hat ein wenig gedauert, bis ich mit der Erzählweise warm geworden bin, denn die von Rainer Schumacher aus dem Englischen ins Deutsche übertragenen Sätze sind überwiegend kurz und nüchtern. Doch je weiter ich las, desto mehr kam ich zu der Überzeugung, dass die Sprache einfach zu dieser Story passt. Und trotz dieses recht unspektakulären Schreibstils ist es Shari Lapena (und dem Übersetzer) gelungen, eine in sich schlüssige und spannende Geschichte zu erzählen, deren Ausgang der Leser schon beizeiten aufgeregt entgegenfiebert.

→ Interessante Links

Zum Buch auf der Homepage des Verlags: „The Couple Next Door“

Zur Homepage der Autorin: Shari Lapena

Frisch rezensiert: „Zapfig“ von Felicitas Gruber

Mord in der Brauerei: Ein spritzig-erfrischender Krimi-Genuss 

Meine Bewertung: ★★★★★

 © Diana Verlag

Zapfig ist es in diesem Februar in München – und damit ist nichts anderes als „eiskoid“ gemeint. Bei Rechtsmedizinerin Dr. Sofie Rosenhuth und ihrer Kollegenschar geht es trotzdem heiß her: Erst werden sie in die Wohnung einer jungen Frau gerufen, die tot in ihrem Badezimmer liegt. Nur kurz darauf wird deren Schwiegermutter in spe ertrunken in einem Braukessel aufgefunden. Auffällig: Beide Todesfälle sind mit der Münchner Brauerei „Rößlbier“ verknüpft. Die Tote aus dem Bad, Nathalie Grimm, war die Sekretärin, während es sich bei der Leiche aus dem Braukessel um keine Geringere als „Rößlbier“-Chefin Uschi Roßhaupter handelt. Und obwohl die Kripo um Großstadtcowboy Joe Lederer ohnehin schon genug mit ihren Ermittlungen zu tun hat, ahnt noch niemand, dass die mysteriöse Mordserie im Münchner Braugewerbe so schnell kein Ende nehmen wird …

Dr. Sofie Rosenhuth geht in „Zapfig“ schon zum vierten Mal gemeinsam mit ihrem On-Off-Ex-Mann Joe Lederer auf Mördersuche – sehr zur Freude ihrer zahlreichen Fans.

Das Autoren-Duo Felicitas Gruber, bestehend aus den beiden Münchner Schriftstellerinnen Brigitte Riebe und Gesine Hirsch, lässt auch mit ihrem vierten Krimi aus dieser Reihe die Herzen ihrer Leserinnen und Leser höher schlagen. Die liebenswürdig-chaotische Dr. Sofie Rosenhuth präsentiert sich einmal mehr in Bestform. Aber auch mit den anderen lieb gewonnenen Figuren gibt es ein Wiedersehen: Macho Joe Lederer gibt sich alle Mühe, um in der Gunst seiner Sofie ja nicht zu sinken, Tante Vroni kuriert am Chiemsee unter zig Araberinnen ihr kaputtes Knie aus, während Sofies Assistent Spike Vaterfreuden entgegensieht. Auch Mops Murmel und die eisige „Dr. Iglu“ Elke Falk, ihres Zeichens Chefin der Rechtsmedizin, fehlen nicht.

Aber nicht nur die wieder einmal in den schillerndsten Farben erstrahlenden Charaktere machen „Zapfig“ zu einem humorvollen Krimivergnügen, sondern auch der überzeugende Plot. Bis zum Ende darf geknobelt werden, wer hier wen auf dem Gewissen hat.

Langweilig wird es schon wegen der vielen kleinen Nebengeschichten nicht, die den Puls der Zeit wiedergeben: Sofie und Joe suchen eine bezahlbare Wohnung (was in München ein nahezu aussichtsloses Unterfangen ist), während der aus Aleppo geflüchtete Faris mit Ablehnung und einem gewalttätigen Übergriff zu kämpfen hat. Doch trotz dieses ernsten Themas kommt der Humor in „Zapfig“ nicht zu kurz. Gleiches gilt für den bayerischen Dialekt. Aber keine Sorge: Es braucht kein Glossar, um die Dialoge ins Hochdeutsche zu übersetzen.

Die Krimis um Dr. Sofie Rosenhuth sind nicht allein wegen ihrer herzallerliebsten Figuren, des Frohsinns, des federleichten Schreibstils von Felicitas Gruber und der typisch bayerischen Machart etwas Besonderes, sondern auch, weil die beiden Autorinnen dank fachkundigem Rat wieder einmal mit viel rechtsmedizinischem Know-How aufwarten.

Da „Zapfig“ erst am 13. Februar 2017 erschienen ist, wird Band fünf wohl noch ein wenig auf sich warten lassen. Aber Vorfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude …


***GEWINNSPIEL***

Noch bis zum 4. April 2017 könnt Ihr beim aktuellen Gewinnspiel mitmachen. Mit ein bisschen Glück gehört Euch bald ein Exemplar des Krimis „Zapfig“. Das Gewinnspielformular und weitere Infos findet Ihr hier.


→ Interessante Links

Zum Buch auf der Homepage des Verlags: „Zapfig“

Zur Homepage der Autorinnen: Brigitte Riebe

Frisch rezensiert: „Drei Meter unter Null“ von Marina Heib

Das Thriller-Highlight des Frühjahrs!

Meine Bewertung: ★★★★★

Drei Meter unter Null.jpg© Heyne Encore

Es ist der Thriller, auf den ich in diesem Frühjahr am sehnlichsten gewartet habe: „Drei Meter unter Null“ von Marina Heib. Am 6. März 2017 erschien er endlich bei Heyne Encore. Mit großen Erwartungen bin ich an dieses Buch herangegangen. Und ich wurde nicht enttäuscht.

In ihrem aktuellen Buch erzählt Marina Heib die Geschichte einer jungen Frau, deren Leben bisher mit einem guten Job, einer schicken Wohnung und einem solidem Elternhaus ganz normal verlief. Doch eines Tages entschließt sie sich, dieses Dasein hinter sich zu lassen. Sie wird zur Mörderin.

In „Drei Meter unter Null“ zeichnet Marina Heib das auf verstörende Weise faszinierende Psychogramm einer Frau, die schon in ihrer frühen Kindheit gespürt hat, dass sie anders ist als die anderen Kinder. Die namenlose Protagonistin gibt die beklemmende Geschichte aus ihrer Sicht wieder. Eine durch und durch interessante Frau: Sie ist stark, diszipliniert, rachsüchtig und schildert nüchtern und ohne den kleinsten Funken Selbstmitleid ihre Vergangenheit. Obwohl ich bis zum Schluss eine gewisse Distanz zu der Figur der Erzählerin gespürt habe, hat sie doch meine Sympathien gewonnen.

Erst relativ spät offenbaren sich dem Leser die Geschehnisse, die diese augenscheinlich so normale und doch brandgefährliche Frau zur Mörderin werden lassen. Langweilig ist es bis dorthin allerdings kein bisschen. Die Mörderin schildert in der Zwischenzeit ihre Taten, die akribischen Vorbereitungen darauf und blickt auf ihre Kindheit zurück. Stück für Stück enthüllt sich die dramatische Geschichte um die junge Frau und fügt sich schließlich zu einem erschreckenden Ganzen zusammen.

Die Sprache dieses Thrillers ist so gegensätzlich wie dessen Hauptfigur: Manchmal lässt Autorin Marina Heib ihre Protagonistin mit anspruchsvoller Wortwahl philosophieren, dann wieder fallen ziemlich deftige Ausdrücke, die im Fernsehen mit einem Piepton unterlegt würden. Einige Sätze sind so grausam und dabei doch so schön, dass sie Gänsehaut verursachen:

„Ich segele ohne Boot und Balken auf einem Meer aus Wut und werde die Fluten mit Blut färben.“

(„Drei Meter unter Null“, Seite 22)

Die ganze Story ist in sich absolut stimmig, nachvollziehbar und fesselt mit ihrer durchweg düsteren Stimmung. Und nachdem ich dieses Buch mit Begeisterung gelesen habe, kann ich voller Überzeugung sagen: Das sehnsüchtige Warten darauf hat sich absolut gelohnt!


logo-lbm17MESSETERMINE!

Marina Heib liest am Donnerstag, dem 23. März 2017 um 15:00 Uhr im Forum Literatur „buch aktuell“ auf der Leipziger Buchmesse (Halle 3, Stand E401) aus „Drei Meter unter Null“.

Am selben Abend ist Marina Heib um 19:00 Uhr zu Gast beim „KrimiClub“ im Landgericht.


→ Interessante Links

Zum Buch auf der Homepage des Verlags:) „Drei Meter unter Null“

Zur Homepage der Autorin: Marina Heib

Frisch rezensiert: „Dunkeltage im Elbsandstein“ von Thea Lehmann

Exilbayer Leo Reisinger ermittelt wieder in der Sächsischen Schweiz

Meine Bewertung: ★★★★

Dunkeltage im Elbsandstein© SAXO’Phon Verlag

Eigentlich will die Seniorin Helga Dünnebier im Ottendorfer Wald nur ein paar Pilze sammeln. Doch neben Ziegenlippen, Steinpilzen und Co. findet sie noch etwas anderes: Eine Leiche. Es ist ein junger Mann, der da mausetot neben seinem BMW auf dem Feldweg liegt. Oma Dünnebier benachrichtigt umgehend die Polizei – und das halbe Dorf. Was zu diesem Zeitpunkt noch niemand ahnt: Es wird nicht bei einem Toten in dem lauschigen Örtchen in der Sächsischen Schweiz bleiben …

In „Dunkeltage im Elbsandstein“ ermittelt Kriminalkommissar (oder, um Helga Dünnebier zu zitieren: „Krimikommissar“) Leo Reisinger in seinem zweiten Fall. Der Exilbayer, der seinen Dienst nun schon seit mehreren Monaten in Sachsen versieht, bekommt es diesmal mit der Dresdner Unterwelt, zwei vermissten Frauen, drei Toten und der erstaunlichen Höhlenlandschaft des Elbsandsteingebirges zu tun.

Die Autorin Thea Lehmann stammt aus Oberbayern und hat seit 19 Jahren einen sächsischen Mann an ihrer Seite. Deshalb verfügt sie über einen reichen Erfahrungsschatz zur sächsisch-bayerischen Freundschaft, aus dem sie in ihrer Krimireihe um Leo Reisinger reichlich schöpft. Die Eigenarten der jeweiligen Landsleute hat sie, wie schon im ersten Teil „Tod im Kirnitzschtal“, einmal mehr sehr schön herausgearbeitet. Es wird gesächselt und boarisch g’redt, allerdings immer verständlich für all jene, die weder im sächsischen noch im bayerischen Dialekt bewandert sind. Hin und wieder kommt es aber zwischen den Sachsen und den Bayern im Buch zu sehr amüsanten Verständigungsschwierigkeiten.

Überhaupt enthält dieser Krimi eine gute Dosis Humor, ohne dabei ins Lächerliche abzudriften. Die Figuren sind unverwechselbar und (mit Ausnahme der bösen Gestalten) so liebenswert (an dieser Stelle sei erneut auf Oma Dünnebier oder den trotteligen Vater Böhmer verwiesen, der ohne seine verschwundene Ehefrau Christine vollkommen hilflos ist), dass man gar nicht anders kann, als sie zu mögen.

Ottendorf im Kirnitzschtal beschreibt Thea Lehmann so bildhaft, dass man meint, sich direkt dort zu befinden. Etwas mehr Vorstellungskraft muss man mitbringen, wenn man sich mit den Besonderheiten der Höhlen im Elbsandsteingebirge nicht auskennt. So richtig anschaulich war deren Beschreibung für mich persönlich nämlich leider nicht.

Ansonsten ist der zweite Fall für Leo Reisinger – der übrigens unabhängig von Band eins gelesen werden kann – ein rundum gelungener und humorvoller Krimi, der auch vor ernsten Themen nicht haltmacht.

→ Interessante Links

Zum Buch auf der Homepage des Verlags: „Dunkeltage im Elbsandstein“

Zur Homepage der Autorin: Thea Lehmann

Frisch rezensiert: „Das Scherbenhaus“ von Susanne Kliem


Nervenaufreibende Spannung bis zum Ende


Meine Bewertung: ★★★★

Das Scherbenhaus von Susanne Kliem© carl`s books

Es gibt Bücher, die im Kopf des Lesers wie ein Film ablaufen – und zwar schon vom ersten Satz an. „Das Scherbenhaus“ von Susanne Kliem gehört zweifellos in diese Kategorie.

Die Köchin Carla Brendel aus Stade steht in diesem Psychothriller im Mittelpunkt des Geschehens. Seit einiger Zeit lässt ihr ein Stalker keine Ruhe. Neben seltsamen Briefen schickt er ihr verstörende Fotos von menschlicher Haut, die mit tiefen Wunden übersät ist. Kurz darauf verschwindet Carlas Halbschwester Ellen, die in Berlin lebt. Nach einigen Tagen wird die Leiche der erfolgreichen Architektin in einem Kanal gefunden. Die Polizei legt den Fall als tragisches Unglück zu den Akten, doch Carla glaubt nicht daran. Sie gibt keine Ruhe und zieht vorübergehend in Ellens hochmoderne Wohnung ein. Dank allerfeinstem High Tech wird Carla von der Außenwelt abgeschirmt. Sie fühlt sich sicher. Doch bald schon gehen in dem Mietshaus der Luxusklasse befremdliche Dinge vor. Carla, die davon überzeugt ist, dass Ellen umgebracht wurde, befindet sich auf gefährlichem Terrain …

„Das Scherbenhaus“ erscheint heute als Paperback bei carl´s books. Das E-Book wurde bereits am 20. Februar 2017 veröffentlicht. In 22 Kapiteln erzählt Susanne Kliem auf 336 Seiten eine nervenaufreibende Story, die das Prädikat Psychothriller absolut verdient. Der Leser weiß dabei nie mehr als Carla und wird von unvorhergesehenen Ereignissen und drastischen Wendungen ebenso überrascht wie die Protagonistin. Nichts ist, wie es scheint. Wem kann Carla noch trauen? Die Spannung, in deren Zentrum diese Frage steht, hält die Autorin von Anfang bis Ende konstant auf hohem Niveau.

Mit einer starken Hauptfigur, authentischen Dialogen, einer wunderbaren Sprache und viel Atmosphäre bietet „Das Scherbenhaus“ pures Lesevergnügen und reichlich Nervenkitzel. Man kann dieses Buch nicht beiseitelegen, weil es schlichtweg Suchtpotenzial hat. Ja, diesen Satz liest man so oder so ähnlich oft in Krimi- und Thriller-Rezensionen, aber Ehrenwort: Hier stimmt er zu hundertzehn Prozent!

Allerdings hat mich eine Sache gestört, die mich lange mit mir selbst hat ringen lassen, ob ich nun vier oder fünf Sterne vergebe. Es ist die Auflösung (die ich hier natürlich NICHT verrate), denn ich halte sie für zu konstruiert. Aus diesem Grund habe ich mich nur für vier Sterne entschieden, obwohl alles andere absolut perfekt ist.

Zuvor habe ich noch kein Buch von Susanne Kliem gelesen – ein böser Fehler, wie ich mir nach der fesselnden Lektüre von „Das Scherbenhaus“ eingestehen muss, denn die in Berlin lebende Autorin versteht es meisterhaft, die Nerven der Leser aufs Äußerste zu strapazieren. Mit „Trügerische Nähe“ und „Die Beschützerin“ sind bislang neben „Das Scherbenhaus“ zwei weitere Thriller von Susanne Kliem bei carl`s books erschienen, die ich am liebsten beide auf der Stelle verschlingen würde.


logo-lbm17MESSETERMIN!

Susanne Kliem ist am Samstag, dem 25. März 2017 um 17:00 Uhr in der Glashalle beim KrimiSpeedDating des ZDF/Das Blaue Sofa anzutreffen.


→ Interessante Links

Zum Buch auf der Homepage des Verlags: „Das Scherbenhaus“

Zur Homepage der Autorin: Susanne Kliem

Frisch rezensiert: „Strom auf der Tapete“ von Badey/Kühn

Herrlich abgedrehter Jugendroman mit ernstem Kern

Meine Bewertung: ★★★★★

Strom auf der Tapete.jpg© BELTZ & Gelberg

In Frankfurt an der Oder boxt nicht gerade der Papst, um es mit den Worten von Ron Robert Ranke zu sagen. Außer der dortigen Plattenbausiedlung, in der er mit seiner Mutter wohnt, hat der Hauptdarsteller des Jugendromans „Strom auf der Tapete“ noch nicht viel von der Welt gesehen. Das ändert sich an seinem 16. Geburtstag. Gemeinsam mit seiner sonderbaren Klassenkameradin Clara, die an den Rollstuhl gefesselt ist, fährt er hinaus in die große weite … Na ja, immerhin nach Letschow, ein verträumtes Nest an der polnischen Grenze, wo Ron Robert seinen Vater zu finden hofft.

„Strom auf der Tapete“ von Andrea Badey und Claudia Kühn (schrieb unter anderem die Romane „Türkisch für Anfänger“ und „Banklady“) ist ein herrlich abgedrehtes Jugendbuch, das auch erwachsenen Lesern eine Menge Spaß bereitet. In erster Linie ist das der wunderbaren Figur des Ron Robert Ranke alias Dicki zu verdanken, der die Geschichte aus seiner Sicht erzählt. Obwohl er nur selten duscht, ist Ron Robert ein echter Gentleman und stiehlt sich deshalb mitten ins Leserherz. Selbst die Nebendarsteller (wie etwa die böse Nachbarin Frau Müller) sind bis ins Detail ausgefeilt und strotzen nur so vor Lebendigkeit.

Mit authentischem Jugendsprech, kanonenfeuerähnlichen Dialogen und vielen kleinen Skurrilitäten, mit denen das 192-seitige Buch gespickt ist, lassen Andrea Badey und Claudia Kühn mit „Strom auf der Tapete“ das Zwerchfell des Lesers erbeben. Ron Robert zum Beispiel ist neben der Schule als An- und Verkäufer tätig und handelt sowohl mit Klopapier als auch mit abgelaufenem Dosengemüse. Seine wohnungslose Freundin aus der Plattenbausiedlung, die Bushäuschenkaiserin, bedenkt er dabei hin und wieder mit kleinen Geschenken aus seinem Imperium.

Und doch steckt hinter all den kuriosen und amüsanten Begebenheiten und Personen eine ernste Geschichte. Rons Mutter Peggy gibt sich in der Plattenbau-Tristesse dem Alkohol und wechselnden Männerbekanntschaften hin, während Clara ihre superreichen und immerzu beschäftigten Eltern so gut wie nie zu Gesicht bekommt. Aber Ron Robert und Clara wären nicht Ron Robert und Clara, wenn sie die Köpfe hängen ließen und jammern würden. Denn bei den beiden ist immerhin mächtig Strom auf der Tapete.

* * *

„Strom auf der Tapete“ wurde mit dem Peter Härtling-Preis, einem Literaturpreis für Kinder- und Jugendliteratur, der seit 1984 verliehen wird, ausgezeichnet und erschien am 13. März 2017 bei Beltz & Gelberg.


logo-lbm17
MESSETERMIN!

Die Autorinnen Andrea Badey und Claudia Kühn lesen am Donnerstag, dem 23. März 2017 ab 14:00 Uhr auf der Leipziger Buchmesse im Lese-Treff, Halle 2, F 312/G 312 aus ihrem Buch „Strom auf der Tapete“.


→ Interessante Links

Zum Buch auf der Homepage des Verlags: „Strom auf der Tapete“

Zu den Webseiten der Autorinnen: Andrea Badey und Claudia Kühn