Frisch rezensiert: „Eiskalte Umarmung – Poesie der Angst“ von Astrid Korten

Der Stoff, aus dem die Albträume sind

Sterne: 4 von 5

Katharina und Anna Wendel sind Schwestern und leben in München. Als Katharina eines Tages auf bestialische Weise ermordet wird, steht Anna unter Schock. Bereits bei der Beerdigung ihrer großen Schwester hat Anna das Gefühl, von jemandem beobachtet zu werden. Im Laufe der Zeit verstärkt sich diese Befürchtung mehr und mehr. Sie scheint ihrem unbekannten Verfolger nicht entrinnen zu können…

Der Thriller „Eiskalte Umarmung – Poesie der Angst“ von Astrid Korten ist der Stoff, aus dem die Albträume sind: Unerbittlich brennt sich die Geschichte ins Bewusstsein des Lesers. Die Autorin kitzelt die Nerven ihres Publikums nicht nur, sie reißt schonungslos daran. Wäre dieses Buch ein Film, hätte ich an der ein oder anderen Stelle auf jeden Fall die Augen zugemacht.

Aus unterschiedlichen Sichtweisen erzählt Astrid Korten eine grausame Geschichte mit leisen, durchaus sozialkritischen Zwischentönen. Ihr gelingt es fantastisch, den Leser in diesem einen Buch an die verschiedensten Orte zu entführen – ob es sich nun um den Stadtrand von München, ein Kloster in Italien oder undurchdringlichen Regenwald handelt.

Es gibt nur einen einzigen Kritikpunkt von meiner Seite: Die häufigen Zeitsprünge nämlich, die zum Teil für Verwirrung sorgen.

„Tödliche Umarmung – Poesie der Angst“ ist mit all seiner Grausamkeit kein Buch für Zartbesaitete und als Bettlektüre nicht geeignet – denn selige Träume fördern die krankhaften Taten des wahnsinnigen Mörders, die Astrid Korten sehr drastisch schildert, mitnichten.

Das e-Book ist bei dotbooks erschienen. Die Printausgabe des Buches mit dem Titel „Poesie der Angst“, die bereits 2006 auf den Markt kam, kann man inzwischen nur noch in Antiquariaten kaufen.

20140506-170437.jpg© dotbooks

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Zum Buch auf http://www.amazon.de: „Tödliche Umarmung – Poesie der Angst“

Zur Homepage der Autorin: Astrid Korten

Zur Homepage des Verlags (e-Book): dotbooks

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Die Leserunde zu „Eiskalte Umarmung – Poesie der Angst“ startet heute!

Dass Leserunden auf Blogs stattfinden, ist eher ungewöhnlich. Umso mehr freue ich mich, nach „Weibersommer“ von Heike Wanner nun mit Astrid Kortens Thriller „Eiskalte Umarmung – Poesie der Angst“ schon die zweite Leserunde hier starten zu können. Möglich gemacht hat das Anja Kricheldorf. Nochmals herzlichen Dank!

Auf meinen Aufruf zur Leserunde hatten sich Cindy, Tani, Anja, Katja und Christina ratz-fatz gemeldet. Jetzt lesen wir sechs Thriller-Ladies also gemeinsam hier „“Eiskalte Umarmung – Poesie der Angst“ und tauschen uns zu einzelnen Leseabschnitten aus. Unsere Eindrücke findet Ihr hier.

Ich eröffne jetzt feierlich die Leserunde mit einem lauten „Start frei!“ 🙂

PS. Mehr über das Buch erfahrt Ihr durch einen Klick auf das Cover.

 

Wer von Euch hat Lust auf eine Leserunde?

Hallo Ihr Lieben,

heimlich, still und leise plane ich derzeit eine Leserunde hier auf meinem Blog. Dafür suche ich 5 Teilnehmer/innen, die gern die E-Book-Ausgabe eines spannenden Thrillers mit mir lesen möchten und anschließend eine Rezension dazu schreiben.

Es handelt sich dabei um „Eiskalte Umarmung – Poesie der Angst“ von Astrid Korten, erschienen bei dotbooks.

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(c) dotbooks

Die E-Books werden kostenfrei zur Verfügung gestellt. Na, wer will? Die ersten 5 sind dabei! Hinterlasst dazu einfach unter diesem Beitrag einen Kommentar!

Frisch rezensiert: „Der Tote am Maibaum“ von Alexander Bálly

Opa und Enkelin auf Mörderjagd

Sterne: 4 von 5

Die Hallertau – auch Holledau genannt – ist die Hopfen-Hochburg der Republik. An einem Dienstagabend wird das bayerische Kleinod urplötzlich von einem grausamen Mordfall erschüttert: Der Baulöwe Bertram Brunnrieder hängt tot am Maibaum. Selbstmord? Ausgeschlossen. Alles deutet auf ein Verbrechen hin. In Wolnzach herrscht Aufruhr: Wer tut so etwas? Und warum? Die Polizei ermittelt in sämtliche Richtungen. Auch den frisch pensionierten Metzgermeister Ludwig Wimmer packt das Ermittlungsfieber. Ob es ihm gelingt, den Täter ausfindig zu machen?

„Der Tote am Maibaum“ von Alexander Bálly ist ein Krimi mit viel Humor, der den Eigenarten des ländlichen Lebens den Spiegel vorhält. Die Dialoge sind größtenteils im Dialekt geschrieben, wodurch der Leser noch tiefer in die Geschichte eintaucht. Aber keine Angst: Auch jenseits der bayerischen Landesgrenzen versteht man alles hervorragend. Im Fokus stehen der gemütliche Ludwig Wimmer, der seine Metzgerei jüngst an seinen Schwiegersohn übergeben hat, und dessen clevere 12-jährige Enkelin Anna. Dieses Ermittler-Duo ist erfrischend anders! Beide ergänzen sich wunderbar und ermitteln quasi „undercover“. Die Nebenfiguren hingegen – vor allem die Techniker und Spurensichererer bei der Polizei – wirkten auf mich austauschbar und ein bisschen konturlos.

Der Krimi teilt sich in 31 sehr flüssig lesbare Kapitel sowie einen Epilog auf. Autor Alexander Bálly hat für „Der Tote am Maibaum“ vom Fachwissen der Polizei vor Ort profitiert und gibt neben der Krimihandlung sehr interessante Einblicke in die Arbeit von Spurensicherung und Co. Das bereichert den Krimi zwar ungemein, war aber teilweise auch ein wenig zu gut gemeint. Die Handlung selbst kommt beschwingt voran und bis zum Schluss darf eifrig mitgeraten werden, wer für den Tod vom Brunnrieder verantwortlich ist.

Trotz der oben beschriebenen kleinen Ecken und Kanten hat es Spaß gemacht, den Holledau-Krimi zu lesen. Und die Spatzen pfeifen bereits von den Dächern, dass „Der Tote am Maibaum“ nicht der letzte Fall für Ludwig Wimmer gewesen sein soll – wie schön!

Der Tote am Maibaum

© Sutton Verlag

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Zum Buch auf http://www.amazon.de: „Der Tote am Maibaum“

Zur Homepage des Autors: Alexander Bálly

Zur Homepage des Verlags: Sutton Verlag

Zur Leserunde auf Lovelybooks.de: „Der Tote am Maibaum“

Frisch rezensiert: „Schneetreiben“ von Sandra Gladow

Dieser Krimi hat es in sich!

Sterne: 5 von 5

Lübeck in der Vorweihnachtszeit: Mitten im geschäftigen Trubel fällt den Passanten in einer Einkaufsstraße eine Frau vor die Füße, herabgestürzt von einem Balkon. Alles deutet auf Selbstmord hin. Furchtbare Wahnvorstellungen und Psychosen scheinen der verzweifelten Hanna Frombach keinen anderen Ausweg geboten zu haben. Doch im Zuge der Ermittlungen werden Zweifel laut: Könnte es sein, dass hinter dem Sturz ein Mord steckt?

„Schneetreiben“ ist bereits der dritte Kriminalroman von Autorin und Staatsanwältin Sandra Gladow. Für mich war ihr aktuelles Buch allerdings eine Premiere. Und was für eine! Dieser Krimi hat es wirklich in sich! Schaurige Momente und das stimmungsvolle winterliche Lübeck lassen den Leser frösteln und führen dazu, dass man sich unweigerlich fester in die Sofadecke kuschelt. Die Figuren wirken unglaublich lebendig – in erster Linie das ungleiche, aber zutiefst amüsante Ermittler-Duo Theodor „Teddy“ Braun und Ben Bendt. Wobei angemerkt werden muss: Amüsant, aber keinesfalls albern! Die Hauptfigur, Staatsanwältin Anna Lorenz, wirkte beruflich ein wenig unnahbar. Sympathiepunkte konnte sie sich bei mir aber durch ihre verletzliche Seite im Privatleben erwerben.

Besonders beeindruckt hat mich der intelligente und wohlüberlegte Plot. An keiner Stelle erscheint die Geschichte unglaubwürdig oder inszeniert. Spätestens bei der Danksagung am Ende des Buches wird klar, warum: Sandra Gladow hat hervorragend recherchiert. Sie verzichtet auf Räuberpistolen aller Art und lässt dadurch die Krimihandlung authentisch wirken. Die Autorin hat eine ruhige, nüchterne, aber dennoch enorm fesselnde Schreibweise, die dazu führt, dass ausschließlich höhere Gewalt eine Lesepause rechtfertigt. Wer „Schneetreiben“ liest, wird sich auf gar keinen Fall langweilen. Das ist einerseits durch die Vielfalt begründet, die dieser Krimi bietet und andererseits dem zielstrebigen und temporeichen Erzählstil von Sandra Gladow zu verdanken.

Ich bin  begeistert von diesem Kriminalroman, der in einzelnen Sequenzen echte Thriller-Qualitäten aufweist. Schon nachdem ich etwa bei der Hälfte des Buches angelangt war, habe ich meinen literarischen Wunschzettel aufgestockt: Mit „Eiswind“ und „Gewitterstille“ muss ich unbedingt die beiden Vorgängerromane von „Schneetreiben“ lesen, in denen die Staatsanwältin Anna Lorenz die Hauptrolle spielt.

Schneetreiben© Aufbau Verlag

„Schneetreiben“ habe ich im Rahmen einer von der Autorin begleiteten Leserunde bei Lovelybooks gelesen. Herzlichen Dank an Sandra Gladow, den Aufbau Verlag und Lovelybooks!

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Zur Homepage des Verlags: Aufbau Verlag

Zur Leserunde bei Lovelybooks: „Schneetreiben“

 

 

 

Frisch rezensiert: „Radieschen von unten“ von Frida Mey

Gräber, Särge und nicht unbedingt natürliche Todesfälle

Sterne: 4 von 5

Elfie Ruhland, eine Dame gesetzten Alters mit einem ausgesprochenen Sinn für Ordnungsliebe, sorgt freiberuflich in chaotischen Firmen für ein ausgeklügeltes Ablagesystem und sortiert hingebungsvoll wüste Dokumentenstapel. Ihr jüngster Auftrag führt sie in das Bestattungsunternehmen „Pietas“. Doch dort sind nicht es nicht nur die Belege und Rechnungen, die Elfie Kopfzerbrechen bereiten, sondern in erster Linie ist es die fiese Chefin Juliane Knörringer, die von ihren Angestellten ganz und gar nicht liebevoll „Der Drachen“ genannt wird. Dann verschwindet plötzlich ein äußerst unzufriedener „Pietas“-Kunde spurlos, dessen Neffe hochverschuldet ist, wie sich herausstellt. Die Kriminalpolizei um die junge Kommissarin Alexandra von Lichtenstein ermittelt – und Elfie mischt kräftig mit!

„Radieschen von unten“ ist der zweite Band aus der Reihe um die gestrenge, aber dennoch liebevolle Elfie Ruhland aus der Feder des Autorinnen-Duos Frida Mey. Wie schon im ersten Band „Manchmal muss es eben Mord sein“ schicken die beiden Schriftstellerinnen ihre Protagonistin wieder mitten hinein ins Ermittlungsgeschehen – was die Ermittlerin Alex keinesfalls immer positiv sieht. Apropos Alex: In diesem Buch haben mir zwei Dinge an ihr besonders gut gefallen: Nämlich die forsche Art, mit der sie ihre Fragen stellt und ihre Schlagfertigkeit. Im ersten Band hingegen kam die Polizistin für meinen Geschmack noch ein wenig blass daher. Die Charaktere sind allesamt herrlich komisch und sehr besonders – jeder auf seine Weise. Eine Portion schwarzer Humor und viele witzige kleine Begebenheiten – insbesondere mit dem übergewichtigen Mops Amadeus – sorgen dafür, dass sich beim Schmökern stets ein Lächeln auf die Lippen des Lesers stiehlt.

„Radieschen von unten“ ist mit einer solch bestechenden Leichtigkeit geschrieben, dass man dieses Buch in Nullkommanichts verschlungen hat. Auch die Handlung ist temporeich und stagniert an keiner Stelle.

Für meinen Geschmack hätte es allerdings ruhig noch ein Fünkchen mehr Atmosphäre sein dürfen – zumal die von Friedhöfen, Aussegnungshallen und Bestattungsunternehmen dafür reichlich Anlass bietet. Außerdem halten die letzten Kapitel keine wirklich großen Überraschungen mehr bereit. Die Mörderjagd lädt den Leser zwar zum fleißigen Mitraten ein, aber das Attribut „hochspannend bis zum Schluss“ gilt für dieses Buch insofern nicht, da der Täter (oder die Täterin – wer weiß?) schon eine ganze Weile vor dem Ende feststeht.

Nichtsdestotrotz hat mich dieser humorvolle Kriminalroman aus dem Aufbau Taschenbuch Verlag hervorragend unterhalten. Ich empfehle ihn deshalb sehr gerne allen Bücherwürmern, die in einem Krimi die Heiterkeit den blutrünstigen Szenen vorziehen. Schon jetzt freue ich mich sehr auf Fall Nummer drei, der ab November 2014 erhältlich sein wird.

Dieses Buch habe ich im Rahmen einer Leserunde auf www.lovelybooks.de gelesen. Ein großes Dankeschön an den Aufbau Verlag und Lovelybooks für das Leseexemplar!

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Zum Buch auf www.amazon.de: „Radieschen von unten“

Zur Homepage der Autorinnen: Frida Mey

Zur Homepage des Verlags: Aufbau Verlag

Zur Leserunde bei Lovelybooks: Leserunde zu „Radieschen von unten“

Frisch rezensiert: „Vor dem Sturm“ von Jesmyn Ward

Teils zäher Roman mit Tiefgang

Sterne: 3 von 5

Esch ist 15 Jahre alt und lebt mit ihren drei Brüdern Randall, Skeetah und Junior sowie ihrem Vater auf einem heruntergekommenen Hof im Delta des Mississippi. Die Mutter der vier Geschwister ist nach Juniors Geburt verstorben.

Im Wetterbericht wird vor dem herannahenden Hurrikan „Katrina“ gewarnt. Daraufhin macht sich die Familie daran, ihre Habe vor dem Sturm so gut es geht zu schützen: Fenster werden vernagelt, Essensvorräte beschafft und Trinkwasser wird gesammelt. Während Skeetah ausschließlich das Überleben der Welpen seiner Hündin China im Kopf hat, bedrückt Esch etwas anderes: Schockiert stellt sie fest, dass sie schwanger ist. Sie erwartet ein Kind von dem einige Jahre älteren Manny, der jedoch gar nichts davon hält, Vater zu werden und überdies in einer festen Beziehung lebt. Der Sturm tobt folglich überall: Nicht nur draußen in der rotsandigen Staublandschaft, sondern auch und vor allem im Inneren von Esch.

In ihrem Roman „Vor dem Sturm“ erzählt Jesmyn Ward eindringlich in zwölf Kapiteln, die gleichzeitig die Anzahl der Tage vor dem Hurrikan Katrina darstellen, aus dem Leben von Esch und ihrer Familie. So heiß, schwer und drückend wie die Luft ist auch der Erzählstil der Autorin. Mitunter kommt sie mit der Geschichte nur sehr mühsam voran. Doch den teils zähen Fortgang macht Jesmyn Ward zum großen Teil durch die beeindruckende Schilderung der Atmosphäre wett, die den Leser nahezu gänzlich einhüllt. Sie zeigt einen armen Teil der USA, in dem Diebstähle aus Not und gewinnversprechende Hundekämpfe alltäglich sind.

Ein interessantes Stilmittel ist die schnoddrige Sprache der Darsteller, die die Szenerie damit noch um einiges authentischer wirken lässt. Da werden Endungen verschluckt, Worte auf das Notwendigste reduziert und lange Dialoge sind eine Seltenheit. An manchen Stellen, insbesondere bei den Hundekämpfen, wäre allerdings weniger mehr gewesen. Mitunter verliert Jesmyn Ward sich in zu vielen Einzelheiten und Banalitäten.

Um den Sturm als Naturkatastrophe geht es in diesem Buch nicht hauptsächlich – auch wenn der Titel etwas anderes vermuten lässt. Der Sturm macht eher die Rahmenhandlung aus. Im Vordergrund stehen die Probleme der Geschwister. Die ein wenig naive Esch ist ein starkes Mädchen, das man sofort ins Herz schließt. Somit ist „Vor dem Sturm“ viel mehr eine sozialanalytische Erzählung als ein Endzeitroman. Es ist ein Buch, das tief geht, aber auch ein gewisses Durchhaltevermögen vom Leser verlangt.

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Dieses Buch habe ich im Rahmen einer Leserunde bei LovelyBooks gelesen. Danke an LovelyBooks und den Verlag Antje Kunstmann für das Leseexemplar!

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Zum Buch auf www.amazon.de: „Vor dem Sturm

Zum Blog der Autorin (englischsprachig): Jesmyn Ward

Zur Homepage des Verlags: Verlag Antje Kunstmann

Zur Leserunde bei LovelyBooks: Leserunde zu „Vor dem Sturm“