Crime made in Germany: Vielversprechende Krimi-Neuerscheinungen von Inge Löhnig und Manuela Obermeier

Der Juni wird ein guter Monat für Krimi-Fans! Bei Ullstein erscheinen am 16. Juni 2017 gleich zwei Krimis, die in München spielen und deren heute bei http://www.vorablesen.de veröffentlichte Leseproben es bereits ordentlich in sich haben.

Manuela Obermeier: „Tiefe Schuld“

Klappentext:
Im Wald wird eine halb entkleidete Frauenleiche gefunden, deren Verletzungen auf jahrelange Misshandlungen hindeuten. Kommissarin Toni Stieglitz nimmt sich des Falles an – mit bitterem Beigeschmack: Ihr eigener Exfreund war gewalttätig, böse Erinnerungen werden wach. Der Ehemann der Toten wird sofort ins Visier genommen. Doch verdächtigt Toni den Partner des Opfers bloß aufgrund ihrer eigenen Vergangenheit, und ist der Fall in Wahrheit viel komplizierter? Rechtsmediziner Dr. Mulder könnte Klarheit für Toni schaffen, sowohl beruflich als auch privat …

© Cover und Klappentext: Ullstein Buchverlage

Meine Meinung zur Leseprobe

Beklemmend und spannungsreich – ich würde am liebsten sofort weiterlesen!

Manuela Obermeier legt mit „Tiefe Schuld“ den zweiten Fall für die Münchner Mordermittlerin Toni Stieglitz vor. Obwohl ich „Verletzung“, den ersten Band der Reihe, nicht gelesen habe, konnte ich problemlos in die Leseprobe einsteigen.

Die Autorin hat ein düsteres Setting für ihren neuen Spannungsroman gewählt: ein abgelegenes Waldstück, in dem zwei Geocacher die Leiche einer Frau entdecken. Die Atmosphäre hat etwas durch und durch Bedrückendes und wird mich sicher gedanklich beim nächsten Waldspaziergang begleiten.

Die Verletzungen an der Leiche lassen Toni Stieglitz ahnen, dass die Frau vor ihrem Tod massiver Gewalt ausgesetzt gewesen sein muss. Diese Erkenntnis trifft die 38-jährige Ermittlerin hart, schließlich hat sie sich selbst vor Kurzem von ihrem gewalttätigen Lebensgefährten getrennt – obwohl der doch der Traumschwiegersohn ihrer Eltern war!

In diesem Spannungsfeld zwischen professioneller Mordermittlung und privatem Schicksal lässt Manuela Obermeier ihre Protagonistin auf Mörderjagd gehen. Die Tatsache, dass die Autorin selbst Polizeihauptkommissarin ist, bürgt für eine authentische Darstellung der Ermittlungsarbeit – und ihr spannender Schreibstil für ein atemberaubendes Lesevergnügen!


Inge Löhnig: „Sieh nichts Böses“

Klappentext:
Sieh nichts Böses. Hör nichts Böses. Tu nichts Böses.

Der Münchner Kommissar Konstantin Dühnfort ist glücklich wie nie zuvor. Gerade ist er mit Gina von der Hochzeitsreise zurückgekehrt, die beiden freuen sich auf ihr erstes Kind. Doch ein überraschender Fund reißt Dühnfort aus seiner privaten Idylle. An einem nebligen Novembertag spüren Leichensuchhunde bei einer Polizeiübung den halbverwesten Körper einer jungen Frau auf. Neben ihr liegt eine kleine Messingskulptur – ein Affe, der seinen Unterleib bedeckt. Seine Bedeutung: Tu nichts Böses. Dühnfort findet heraus, dass es sich um eine seit Jahren vermisste Frau handelt. Er stößt auf einen weiteren ungeklärten Mord und kommt so einem niederträchtigen Rachefeldzug auf die Spur, der noch lange nicht beendet ist. Denn wieder verschwindet eine Frau.

© Cover und Klappentext: Ullstein Buchverlage

Meine Meinung zur Leseprobe

Ein weiterer spannender Bestseller um Kult-Kommissar Dühnfort? Ganz bestimmt!

Endlich wieder ein neuer Krimi aus der Feder von Inge Löhnig! Nachdem die Autorin mich mit ihrem zuletzt erschienenen Roman „Gedenke mein“ wirklich begeistern konnte, erscheint nun mit „Sieh nichts Böses“ ihr neuester Fall um ihren Kult-Kommissar Konstantin Dühnfort und dessen frisch angetraute Frau Gina.

Die Leseprobe lässt sich spannend an und Inge Löhnig katapultiert ihre Leser mitten in das Geschehen hinein: Bei einer Übung entdeckt Leichensuchhund Ronja die sterblichen Überreste einer Frau. Dühnfort ermittelt, während Gina sich um einen seiner alten Fälle, der bisher nicht aufgeklärt werden konnte, kümmert. Das verspricht jede Menge Zündstoff.

In der Leseprobe habe ich den atmosphärischen Schreibstil von Inge Löhnig besonders genossen. Sie beschreibt darin unter anderem das Fallen eines Baums nahezu poetisch. Die Wucht ihrer Worte und die hinsichtlich der Story vielversprechende Leseprobe lassen mich auf einen weiteren spannenden Dühnfort-Bestseller hoffen!

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Frisch rezensiert: „Glücksmädchen“ von Mikaela Bley

Psychothriller? Nein! – Solider Krimi? Ja!

Meine Bewertung: ★★★

Glücksmädchen.jpg © Ullstein Buchverlage

Die junge Journalistin Ellen Tamm denkt Tag für Tag an den Tod. Das muss sie einerseits ihres Berufes wegen, denn sie arbeitet als Kriminalreporterin beim schwedischen Fernsehsender TV4. Zum anderen verfolgt sie der dramatische Verlust ihrer Zwillingsschwester Elsa noch immer, obwohl er sehr lange zurückliegt.

Das spurlose Verschwinden der achtjährigen Lycke beschwört in Ellen dunkle Erinnerungen herauf. Elsa war damals ebenfalls acht Jahre alt … Ellen gibt alles, um die kleine Lycke lebend zu finden, hilft bei der Suche und befragt die Angehörigen, um einen Anhaltspunkt für den Verbleib des Mädchens zu finden. Doch nicht nur emotional ist dieser Fall für die Journalistin eine Gratwanderung – plötzlich befindet sich Ellen selbst in Gefahr …

„Glücksmädchen“ ist das Debüt der in Stockholm lebenden Autorin Mikaela Bley. Die schwedische Originalausgabe des Thrillers mit dem Titel „Lycke“ erschien 2015 und war sehr erfolgreich. Ob das Buch, das von Katrin Frey ins Deutsche übersetzt wurde und am 10. Februar 2017 veröffentlicht wurde, hierzulande einen ebensolchen Zuspruch erhält?

Für meine Begriffe handelt es sich bei „Glücksmädchen“ leider nicht um einen Psychothriller, wie es der Aufdruck auf dem Cover verspricht. Die psychologische Spannung bleibt nämlich oftmals auf der Strecke. Viel mehr legt die Autorin ihren Fokus auf die zerrütteten Familienverhältnisse der kleinen Lycke und das traumatische Kindheitserlebnis von Reporterin Ellen. Das allerdings tut Mikaela Bley mit sehr viel Tiefe. Da ist Lyckes böse Stiefmutter, die mit ihren Eifersüchteleien auf das Kind ganz weit oben auf der Liste der Verdächtigen steht. Oder hat Lyckes depressiv wirkende Mutter etwas mit dem Verschwinden des Mädchens zu tun? Steckt vielleicht der Vater dahinter, dessen neues Familienglück die Kleine womöglich stört? Oder doch ein Fremder? Das verrät die Autorin erst ganz zum Schluss und lässt den Leser bis dahin auf so mancher falschen Fährte wandeln.

Gewünscht hätte ich mir von diesem Roman mehr von der düsteren Atmosphäre, denn das Potenzial dazu hat die Geschichte.

Bemerkenswert fand ich die Kaltschnäuzigkeit von Ellens Chef, der den Fall Lycke ohne Rücksicht auf die Eltern medial ausschlachtet und immer der Erste sein will, der die neuesten Entwicklungen verkündet. Auch die Kontakte zwischen dem Fernsehsender und der Polizei scheinen beängstigend eng zu sein.

Ob Mikaela Bley dabei aus ihren eigenen Erfahrungen schöpft? Immerhin hat die 1979 geborene Autorin beim schwedischen TV-Sender SV4 gearbeitet, bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete.

In Schweden erschien im August 2016 ihr zweiter Kriminalroman „Liv“. Obwohl mich „Lycke“ nicht einhundertprozentig überzeugen konnte, würde ich dem zweiten Teil der Reihe um Reporterin Ellen Tamm dennoch eine Chance geben, wenn er auf Deutsch erscheint.

→ Interessante Links

Zum Buch auf der Homepage des Verlags: „Glücksmädchen“

Zur Facebook-Seite der Autorin: Mikaela Bley

Zum Instagram-Profil der Autorin: Mikaela Bley

Krimi-Sommer-Special: Deutsche Autoren

Ich packe meinen Koffer …

luggage-1482693_1920© condesign/pixabay

… und ich nehme mit:

Sonnencreme √

Strandtuch 

Sonnenbrille 

Krimi – hm, aber welchen?

Steht Ihr auch vor diesem Problem? Vielleicht kann ich Euch ja bei der kniffligen Entscheidung, welcher Krimi unbedingt ins Urlaubsgepäck muss, helfen. Im Krimi-Sommer-Special: Deutsche Autoren stelle ich Euch fünf Kriminalromane vor, die im Frühjahr 2016 erschienen sind, und die ausschließlich aus der Feder von deutschen Autoren stammen.

Geschichtsträchtiger Eifel-Krimi

„Und am Morgen waren sie tot“

Autor: Linus Geschke

erschienen am: 14.03.2016

erschienen bei: Ullstein Taschenbuch

Seiten: 400

Preis: 9,99 EUR

© Cover: Ullstein Buchverlage

Der Kölner Journalist Jan Römer schreibt für das Nachrichtenmagazin „Die Reporter“ über ungelöste Kriminalfälle. In seinem aktuellen Bericht steht ein Doppelmord im Fokus, der sich 1997 an der deutsch-belgischen Grenze ereignet hat. Damals wurde ein junges Paar in einem Waldstück umgebracht. Ihre beiden Freunde sind bis heute wie vom Erdboden verschluckt … Wird es Jan Römer gelingen, dem Mörder nach so vielen Jahren auf die Spur zu kommen?

In dem 2014 erschienenen Kriminalroman „Die Lichtung“ ermittelte Jan Römer zum ersten Mal. In seinem aktuellen Buch „Und am Morgen waren sie tot“ setzt Autor Linus Geschke den Reporter erneut auf einen ungeklärten Mordfall an. Abgesehen von der Frage, wie glaubhaft es ist, dass ein Journalist auf eigene Faust polizeiliche Ermittlungen anstellt, unterhält dieser Krimi den Leser von der ersten bis zur letzten Seite gut und macht Appetit auf einen Ausflug in die Eifel.

Linus Geschke beschreibt einsame Wälder, kleine Eifel-Dörfer und verborgene Bunkeranlagen anschaulich und bildhaft. Einen interessanten Geschichts-Exkurs gibt’s obendrauf, denn mit Blick auf die Ardennenoffensive gegen Ende des 2. Weltkriegs ist der Schauplatz des Kriminalromans ein Ort von historischer Bedeutung.

Obwohl ich mit dem Hauptakteur Jan Römer nicht wirklich warm geworden bin – er erschien mir zu glatt und zu profillos -, empfehle ich „Und am Morgen waren sie tot“ gern allen Krimi-Fans, denn trotz des schwächelnden Protagonisten erwartet sie hier ein spannender, fundierter und vielschichtiger Kriminalroman mit überraschendem Ausgang …

Gesamtbewertung: ★★★★


Tiefgründiger Psychokrimi für Leser mit Ausdauer

Fremdes Leben von Petra Hammesfahr

„Fremdes Leben“

Autorin: Petra Hammesfahr 

erschienen am: 08.03.2016

erschienen bei: Diana Verlag

Seiten: 496

Preis: 19,99 EUR

© Cover: Diana Verlag

Nach einem Unfall erwacht eine Frau aus dem Koma. Sie weiß nicht, wer sie ist, weiß nichts über ihr Leben. Lediglich Fragmente blitzen in ihren Albträumen auf, doch sie kann die Puzzleteile nicht zu einem Bild vereinen. Sicher ist nur: Sie muss etwas Furchtbares getan haben …

Petra Hammesfahr zählt zu den deutschen Bestseller-Autorinnen und rückt in „Fremdes Leben“ eine Frau in den Mittelpunkt, die verbissen um ihre Erinnerungen kämpft. Zu Anfang wirkt die Geschichte verworren – fast scheint es, als wolle die Schriftstellerin ihre Leser in die Lage der Protagonistin versetzen. Doch Kapitel für Kapitel entwirrt sich die Lage und man beginnt, die Zusammenhänge zu verstehen.

Die Autorin blickt in einzelnen Sequenzen auf die Vergangenheit ihrer Hauptfigur zurück, die zum Teil verstörend sind.

Die Bezeichnung „Psychogramm“, die sich auf dem Buchrücken befindet, ist absolut passend. In „Fremdes Leben“ geht es nicht um Ermittler, die einen Mörder jagen – insofern ist dieses Buch kein klassischer Krimi. Petra Hammesfahr hat vielmehr eine verwobene, tiefgründige Geschichte ersonnen, bei der der Leser keinen bzw. nur wenig Wissensvorsprung erhält. Für ihn lichtet sich das Dunkel ebenso mühsam wie für die Hauptakteurin. Und mühsam ist in diesem Fall wohl das passende Wort, denn ein wenig Puste muss man beim Lesen von „Fremdes Leben“ schon mitbringen. Manchmal hat man als Leser das Gefühl, sich im Kreis zu drehen und nicht vom Fleck zu kommen; die Geschichte gerät ins Stocken. 496 Seiten hätte es nicht zwingend für diesen Roman gebraucht.

Wer klassische Krimis und Crime-Storys mit Tempo mag, wird an „Fremdes Leben“ wenig Vergnügen haben. Leser mit Ausdauer und Vorliebe für psychologische Studien hingegen werden von diesem Buch begeistert sein.

Gesamtbewertung: ★★★


Unblutiger Landkrimi zum Entspannen


„Heidefeuer“

Autorin: Angela L. Forster

erschienen am: 14.03.2016

erschienen bei: Ullstein Taschenbuch

Seiten: 352

Preis: 9,99 EUR

© Cover: Ullstein Buchverlage

Kriminalhauptkommissarin Inka Brandt ist ein echtes Landei. Nachdem ihre Ehe gescheitert ist, kehrt sie ihrer Wahlheimat Lübeck den Rücken und gemeinsam mit Töchterchen Paula zurück nach Undeloh, ein Dörfchen in der Lüneburger Heide. Außer Gestüten, Bauernhöfen und Tälern voller Heidekraut befindet sich dort der „Seerosenhof“, eine Privatklinik für Menschen mit psychischen Problemen. Plötzlich geschehen mehrere Morde – und sie alle scheinen miteinander in Verbindung zu stehen …

Mit Inka Brandt schickt Autorin Angela L. Forster eine neue Ermittlerin ins Rennen, die in der Beschaulichkeit der Lüneburger Heide ermittelt. Und das nicht nur einmalig, denn „Heidefeuer“ ist der Auftakt zu einer neuen Krimireihe. Band 2 mit dem Titel „Heidegift“ steht schon in den Startlöchern und erscheint am 14.10.2016.

„Heidefeuer“ ist ein Kriminalroman, der seiner Kulisse wegen trotz aller Gräueltaten ein heimeliges Gefühl verbreitet. Die Geschichte kommt ohne Blutvergießen aus und konzentriert sich stattdessen auf die Arbeit der Kommissare Inka Brandt und Mark Freese, die schon seit Kindertagen miteinander befreundet sind. Dass Ermittlungen manchmal langwierig sind, erfährt der Leser hier am eigenen  Leib. Manchmal treten nämlich nicht nur Brandt und Freese in puncto Mördersuche auf der Stelle, sondern auch die Geschichte selbst, die streckenweise Geduld vom Leser fordert.

Richtig in Fahrt kommt die Story auf den gut letzten fünfzig Seiten – da legt sie deutlich an Tempo, Witz und Spannung zu.

Kurzum: Eine ruppige Kommissarin in der Hauptrolle eines gut für den Liegestuhl geeigneten Krimis, mit dem man getrost entspannen kann und der sich mit drei U’s (wie Undeloh) beschreiben lässt: unblutig, unterhaltsam, urig.

Gesamtbewertung: ★★★ 


Münster-Krimi mit Thriller-Qualitäten

Denn mir entkommst du nicht

„Denn mir entkommst du nicht“

Autorin: Christine Drews 

erschienen am: 13.05.2016

erschienen bei: Bastei Lübbe

Seiten: 319

Preis: 9,99 EUR

© Cover: Bastei Lübbe

Am Aasee in Münster wird die grauenvoll zugerichtete Leiche einer jungen Frau gefunden. Besonders verstörend ist dabei die Tatsache, dass der Unterleib des Opfers regelrecht zerfetzt wurde. Die Identität der Toten ist unklar. Charlotte Schneidmann und ihr Kollege Käfer setzen alles daran, um die fürchterliche Tat schnell aufzuklären …

„Denn mir entkommst du nicht“ ist der vierte Krimi um das Ermittler-Duo Schneidmann und Käfer. Um sofort in die Geschichte einzusteigen, muss man die drei Vorgängerbände allerdings nicht gelesen haben, denn es handelt sich jeweils um abgeschlossene Fälle.

Die in Köln lebende Autorin Christine Drews schont die Nerven ihrer Leser keineswegs, nein, sie malt stattdessen mit ihren Worten in aller Deutlichkeit brutale Bilder. Die Suche nach dem Mörder gestaltet sich durch und durch spannend und der Schluss ist geradezu filmreif – in diesem Krimi stecken echte Thriller-Qualitäten!

Obwohl den Figuren ein wenig mehr Profil gut getan hätte –  gerade die Nebendarsteller wirken austauschbar und selbst Charlotte Schneidmann kommt ein bisschen blass daher -, ist „Denn mir entkommst du nicht“ ein Thriller, der den Leser nicht loslässt und ihn in schier unglaubliche Abgründe blicken lässt.

Gesamtbewertung: ★★★★


Mein Favorit!

5-Sterne-Krimi mit viel Atmosphäre, Spannung und Substanz

Fuchskind

„Fuchskind“

Autorin: Annette Wieners

erschienen am: 17.06.2016

erschienen bei: List Taschenbuch

Seiten: 352

Preis: 9,99 EUR

© Cover: Ullstein Buchverlage

Gesine Cordes ist Friedhofsgärtnerin. Sie traut ihren Augen kaum, als sie an einem kühlen Herbstmorgen unweit eines Gräberfeldes ein ausgesetztes Baby entdeckt. Sofort bringt sie es in ein Krankenhaus. Kurz darauf erfährt sie, dass am selben Morgen an der einsamen Bushaltestelle vor dem Friedhofsgelände die Leiche einer nackten Frau aufgefunden wurde. Stehen die beiden Taten in einem Zusammenhang? Gesine wird zu einer wichtigen Zeugin für die ermittelnde Kommissarin – und darüber hinaus schmerzlich mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert …

Nach „Kaninchenherz“ ist „Fuchskind“ der zweite Kriminalroman von Annette Wieners, bei dem die eigensinnige, aber durch und durch sympathische Gesine Cordes im Mittelpunkt steht. Beide Bände können unabhängig voneinander gelesen werden, denn es handelt sich nicht um eine Fortsetzung, sondern um in sich abgeschlossene Fälle. Die Autorin überrascht mit einem erfrischend anderen Ansatz, indem sie eine Friedhofsgärtnerin in die Ermittlungen einbezieht.

Gesine Cordes, eine Figur mit Tiefgang und Persönlichkeit, hat in ihrer Vergangenheit einen schrecklichen Verlust erlitten. Sie führt ein Notizbuch, in dem sie Giftpflanzen katalogisiert. Diese Eintragungen lockern nicht nur den Roman zwischen einzelnen Kapiteln auf, sondern sind auch sehr interessant und liebevoll illustriert.

Der Krimi „Fuchskind“ besticht durch unglaublich viel Atmosphäre. Man spürt den Nebel über den Gräbern und den Raureif auf den Wiesen fast körperlich.

Annette Wieners verfügt über einen unverwechselbaren Schreibstil, der als angenehm, abgeklärt und ruhig bezeichnet werden darf – und darüber hinaus gelingt es ihr auch noch  mühelos, die Spannung aufrechtzuerhalten.

Sie wagt sich mit ihrem Kriminalroman an ein sensibles Thema, das den Leser auch dann noch beschäftigen wird, wenn er das Buch schon zugeklappt hat.

„Fuchskind“ ist keine seichte Unterhaltung für Zwischendurch, sondern eine ebenso ernste wie packende Geschichte mit psychologischer Finesse und Substanz.

Annette Wieners und Gesine Cordes haben einen neuen Fan! 🙂

Gesamtbewertung: ★★★★★

Frisch rezensiert: „Spreewaldgrab“ von Christiane Dieckerhoff

Brandneu

Mörderischer Spreewald

Meine Bewertung: ★★★★

 © Ullstein Buchverlage

In einem stockdunklen Verließ wird eine Frau gefangen gehalten. Sie hat keinerlei Erinnerungen, weiß nicht einmal, wer sie ist. Kinderstimmen in ihrem Kopf quälen sie mit Liedern wie „Häschen in der Grube“ und „Dornröschen war ein schönes Kind“. Bruchstückartig setzt ihr Erinnerungsvermögen nach und nach wieder ein – doch wird ihr dieses Wissen noch nützen?

Die gelernte Kinderkrankenschwester Christiane Dieckerhoff setzt in ihrem Kriminalroman „Spreewaldgrab“ auf die Beschaulichkeit der Landschaft rund um Lübben in Brandenburg. Doch das Verbrechen existiert auch im malerischen Spreewald. Für Aufklärung soll die Polizistin Klaudia Wagner sorgen – frisch getrennt und deshalb auf eigenen Wunsch jüngst aus dem Ruhrgebiet in den Osten der Republik versetzt. Welten prallen aufeinander. Christiane Dieckerhoff macht es ihrer ohnehin schon angeschlagenen Hauptfigur nicht leicht, in ihrer Wahlheimat Fuß zu fassen. Aber Klaudia Wagner ist eine unnachgiebige Frau. Sie sagt, was sie denkt. Für den Leser ist die Kriminalobermeisterin die einzige Person, der er über den Weg trauen kann. Alle anderen Charaktere sind nicht leicht zu durchschauen. Wer steht auf welcher Seite? Einen echten Sympathieträger sucht man in „Spreewaldgrab“ jedenfalls vergeblich.

Die große Stärke der Autorin ist es, für eine bilderreiche Atmosphäre zu sorgen. Mit üppigen Worten und fast schon sinnlich beschreibt sie Natur und Gegend. Manche Sätze sind purer Lesegenuss.

Bei der hervorragend durchdachten Krimihandlung sorgt Christiane Dieckerhoff für Wendungen, mit denen man nicht rechnet. Als ich während des Lesens in einem leichten Anflug von Enttäuschung denke, der Klappentext des Buchs verrät ja schon alles, und nicht mehr an eine Überraschung glaube, schlägt die Autorin plötzlich einen Haken und die Geschichte erscheint in einem ganz anderen Licht. Mit diesem Kniff hält sie die Spannung bis zum Ende des 352-seitigen Krimis konstant hoch.

Apropos Ende: Das läuft ziemlich überstürzt ab. Fast schon beängstigend ist dabei die schier übernatürliche Kombinationsgabe von Klaudia Wagner, die in „Spreewaldgrab“ in ihrem ersten Fall ermittelt. Christiane Dieckerhoff schreibt an einer Krimi-Reihe, in der die selbstbewusste Polizistin die Hauptrolle spielt. Ob ich auch den nächsten Band lesen werde? Sehr wahrscheinlich.

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Zum Buch bei Amazon.de: „Spreewaldgrab“

Zum Buch auf der Homepage der Ullstein Buchverlage: „Spreewaldgrab“

Zur Homepage der Autorin: Christiane Dieckerhoff

[Neuerscheinung] „Alles Tofu, oder was?“ von Ellen Berg

Alles neu macht der Mai – unter dieser Überschrift wird am 18.05.2015 mit „Alles Tofu, oder was?“ der inzwischen achte Roman von Ellen Berg erscheinen. Nahtlos reiht er sich in die Liste seiner erfolgreichen Vorgänger ein – das gilt sowohl für das unverwechselbare Cover als auch für den witzigen Inhalt. Diesmal steht die 35-jährige Dana im Mittelpunkt der Geschehnisse. Die Mutter einer kleinen Tochter hat eine Mission: Veganes Essen für alle! Na ja, zunächst einmal für ihre Familie. Doch weder ihr Lebensabschnittsgefährte Paul noch Töchterchen Leonie sind davon begeistert – von Dackelhündin Emma ganz zu schweigen. Als Paul sie dann Hals über Kopf verlässt und ihr Vater mindestens genauso überraschend bei ihr einzieht, ist Dana gelinde gesagt ein wenig überfordert…

Obwohl der Klappentext den Fortgang der Geschichte schon erahnen lässt, bin ich mir sicher, dass alle Freunde des humorvollen Unterhaltungsromans bei „Alles Tofu, oder was?“ auf ihre Kosten kommen werden. Wortspiele wie „… die Vegahnsinnige“ und spritzige Dialoge deuten schon in der kurzen Leseprobe darauf hin, dass Ellen Berg auch in diesem Buch ihrem gewohnten Stil aus Tempo, Esprit, Witz und spitzer Zunge treu bleibt.

Ihre Romane sind stets Einzelstücke – es handelt sich also nicht um eine Fortsetzungsreihe. Dabei scheint die Autorin auf ein schier unerschöpfliches Arsenal an kauzigen und verrückten Protagonisten zurückgreifen zu können. Danas überaus konservativer Vater Herrmann jedenfalls erfüllt schon bei der ersten Begegnung mit dem Leser ziemlich viele Kriterien zur Aufnahme in diese illustre Schar.

Als großer Fan von Ellen Berg bin ich mir sicher, dass sie auch mit „Alles Tofu, oder was?“ ein echtes Spaßfeuerwerk zünden und die Zwerchfelle ihrer Leserschaft gehörig strapazieren wird.

Alles Tofu oder was © Aufbau Verlag

Meine Bewertung der Leseprobe: ★★★★

Ihr wollt Euch selbst ein Bild machen? Hier geht’s zur Leseprobe von „Alles Tofu, oder was?“ – und hier zum Buch bei vorablesen.de.

Wenn Ihr Euch lieber vorlesen lasst, dann ist die Hörprobe das Richtige für Euch. Gelesen wird das Hörbuch von Schauspielerin Tessa Mittelstaedt, die als  Kölner „Tatort“-Assistentin Franziska bekannt wurde.

Die buchstabenfaengerin im BLITZ!-Stadtmagazin!

Ehrlich gesagt: Ich bin ganz schön aufgeregt. Heute erscheint das neue BLITZ!-Stadtmagazin für Chemnitz und Zwickau. Nicht, dass diese Tatsache an sich der Grund für mein Herzklopfen wäre. Das ist vielmehr ein ganzseitiger Beitrag in der aktuellen Ausgabe des Magazins, in dem es um meinen Blog geht. Unglaublich, aber wahr!

Die wunderbare BLITZ!-Journalistin Cornelia Bieling hat mich dazu in der Bloggerlounge auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse interviewt und vor dem hübschen knallroten Hintergrund abgelichtet. Zu ihrem Artikel gelangt Ihr, wenn Ihr das Foto anklickt.

Blitz Stadtmagazin

Hier könnt Ihr in der gesamten April-Ausgabe des BLITZ!-Stadtmagazins Chemnitz/Zwickau schmökern.

Hach, ein klein wenig stolz bin ich ja schon. 🙂 Nein, das ist untertrieben. Ich bin sehr happy und freue mich riesig über den gelungenen Beitrag von Cornelia Bieling.

Frisch rezensiert: „Alleine war gestern“ von Beatrice Meier

304-seitiges Lesevergnügen voller tragikomischer Momente

Meine Bewertung: ★★★★★

Alleine war gestern
© Kiepenheuer & Witsch

WGs sind nur was für Studenten und junges Gemüse? Weit gefehlt! Ricarda, Philip, Harry, Eckart und Uschi – alle 60 plus – treten den Gegenbeweis an. Die fünf Senioren und der dicke Dackel Ralf ziehen gemeinsam in eine große Wohnung in Köln ein. Anfangs ist alles ein großer Spaß, obwohl Eckart für Erstaunen sorgt, als er mit dem Grabstein seiner vor Jahren verstorbenen Frau sein Zimmer möbliert. Doch dann erleidet Uschi einen Schlaganfall. Für Ricarda steht unverrückbar fest: Die Freunde werden Uschi nach dem Klinikaufenthalt und der anschließenden Reha pflegen. Doch dieses edle Vorhaben erweist sich in der Realität alles andere als einfach und sorgt für reichlich Zündstoff.

Schon das fröhlich-bunte Cover von Beatrice Meiers erstem Roman „Alleine war gestern“ lässt erahnen, dass zwischen den Buchdeckeln eine Menge Humor lauert. Und so ist es in der Tat: Die Autorin lässt ihre fünf unverwechselbaren und liebevoll geformten Charaktere allerhand skurrile und lustige Situationen durchleben. Ich habe beim Lesen oft laut lachen müssen. Doch ebenso mühelos wie gekonnt legt Beatrice Meier den Schalter um und schlägt auch ernste Töne an: Bei Uschis Schlaganfall, der allgegenwärtigen Trauer von Eckart um seine Frau, der aufreibenden Pflege von Uschi. Dennoch versinkt die Geschichte niemals in Schwermut und bleibt durch und durch ein Unterhaltungsroman mit wunderbaren Darstellern und frechen Dialogen. Die Geschichte ist genauso lebendig wie Harry, Ricarda und Co.: Alles ist ständig in Bewegung, nie wird es langweilig. Auch die Nebendarsteller, allen voran Harrys Särge malender Enkel Timmi, sind einzigartig.

Die Verfilmung des Buches, die am 20. März 2015 ihre TV-Premiere im Ersten feierte, kam trotz guter Schauspieler meiner Meinung nach nicht an die literarische Vorlage heran. Mein Rat lautet deshalb: Lieber zum Buch greifen! Denn „Alleine war gestern“ ist ein 304-seitiges Lesevergnügen voller tragikomischer Momente.

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Zum Buch auf Amazon.de: „Alleine war gestern“

Zum Buch auf der Homepage des Verlags Kiepenheuer & Witsch: „Alleine war gestern“

Zum Buch auf vorablesen.de: „Alleine war gestern“

Zur Homepage der Autorin: Beatrice Meier

Infos zum Film: „Alleine war gestern“