Frisch rezensiert: „Sieh nichts Böses“ von Inge Löhnig

Sieh nichts Böses. Hör nichts Böses. Sag nichts Böses.

Meine Bewertung: ★★★★★

Sieh nichts Böses
© Ullstein Buchverlage

Wer kennt sie nicht, die drei weltberühmten weisen Affen, die für „Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen“ stehen? Relativ unbekannt hingegen ist die Tatsache, dass es noch einen vierten Affen gibt, dessen Arme seinen Unterleib bedecken. Seine Botschaft lautet: „Tu nichts Böses“. Genau ein solches Exemplar entdeckt Kommissar Konstantin Dühnfort nach dem Fund einer Wachsleiche im Forstenrieder Park.

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Während Dühnfort und sein Team die Identität der toten Frau und die Bedeutung der seltsamen Grabbeigabe zu klären versuchen, wurde seine Frau und Kollegin Gina hinter den Schreibtisch verbannt: Sie ist mit ihrem ersten Kind schwanger, das – wie sich später herausstellt – mit dem Down-Syndrom zur Welt kommen wird.

Auch mit dem achten Fall für den Münchner Ermittler Konstantin Dühnfort ist Inge Löhnig ein vielschichtiger Kriminalroman gelungen, der an keiner einzigen Stelle langweilig wird. Sie schafft es spielend, die Spannung über alle 448 Seiten hinweg fortwährend aufrechtzuerhalten.

Im Vordergrund steht natürlich der mysteriöse Leichenfund im Forstenrieder Park, aber auch Dühnforts Privatleben wird beleuchtet. Die Autorin stellt ihn und seine Partnerin Gina vor eine schwierige Frage: Sollen die beiden ihr am Down-Syndrom leidendes Kind bekommen oder steht gar eine Abtreibung zur Debatte?

Inge Löhnigs Krimis haben eine Besonderheit: Sie gehen weit über den eigentlichen Kriminalfall hinaus, ohne diesen in den Hintergrund zu drängen. Und sie sind niemals oberflächlich. In „Sieh nichts Böses“ wirft die in München lebende Autorin einen Blick hinter die Kulissen der glanzvollen Fassaden von zwei scheinbar makellosen Familien, stellt aber fest, dass das Motto „Mehr Schein als Sein“ in diesen Fällen absolut zutrifft.

Geldprobleme, zerrüttete Familienverhältnisse und Eltern, die den Berufswunsch ihrer Kinder torpedieren: in „Tatort“-Kritiken werden derlei traurige Tatsachen gern mit „sozialkritisch“ umschrieben. Ein treffendes Attribut für Inge Löhnigs Krimis.

„Sieh nichts Böses“ reiht sich problemlos in die beliebte Dühnfort-Reihe ein. Der Kommissar ist keine verkrachte Existenz, kein Bad Cop mit verpfuschtem Leben, sondern ein ganz normaler Mensch. Und ein sympathischer noch dazu.

Wer einen fesselnden Krimi sucht, der tiefschürfend und gleich auf mehreren Ebenen packend ist, wird bei „Sieh nichts Böses“ voll auf seine Kosten kommen.

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Zum Buch auf der Homepage des Verlags: „Sieh nichts Böses“

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Frisch rezensiert: „Böses Kind“ von Martin Krist

Knallhart und kompromisslos: Ein typischer Krist

Meine Bewertung: ★★★★

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© R&K

In Berlin-Spandau wird die vierzehnjährige Jacqueline vermisst. Ihre Mutter, alleinerziehend mit drei Kindern, vermutet, dass sie sich mit zwielichtigen Gestalten herumtreibt. Als man Jacquelines Rucksack bei einer eingemauerten und gekreuzigten männlichen Leiche findet, wird Kommissar Henry Frei von der Mordkommission auf den Vermisstenfall aufmerksam. Für ihn und sein Team liegt ein Zusammenhang zwischen dem Verschwinden des Mädchens und des brutalen Tötungsdelikts auf der Hand. Fieberhaft versuchen sie, die einzelnen Puzzleteile zusammenzubringen. Doch es bleibt nicht bei einer Leiche …

„Martin Krist ist der wirklich böse Bube unter den deutschen Krimischreibern.“

(Claudia Keikus, Berliner Kurier)

Diesem Image, das sich der in Berlin lebende Autor mit nervenzerreißenden Büchern wie „Die Mädchenwiese“ und „Drecksspiel“ mühelos erarbeitet hat, bleibt er mit seinem neuem Thriller „Böses Kind“ treu. Man sollte schon hart verpackt sein, wenn man sich Martin Krists Geschichten vornimmt. An markerschütternder Brutalität und grausigen Details mangelt es in „Böses Kind“ nämlich nicht. Martin Krists Devise scheint zu lauten: Keine Kompromisse!

Bonjour Tristesse

Eine weitere Besonderheit, mit der sich Martin Krist in seinen Büchern beschäftigt, ist der Handlungsort: Die sozialen Brennpunkte Berlins bilden die Kulisse für seine Spannungsromane. Diesmal spielt sich die Story hauptsächlich in Berlin-Spandau mit seinen Plattenbauten ab – ein tristes Grau in Grau, in dem sich Perspektivlosigkeit und Mittellosigkeit die Hand geben. Glanzvolle Touristenattraktionen kommen bei Martin Krist nicht vor. Sein Fokus liegt auf den Menschen, die sich mit allerhand Problemen herumschlagen. Am Beispiel der jungen Mutter Suse, die ihre drei Kinder allein großzieht und keinen Cent Unterhalt von deren Vater sieht, illustriert Martin Krist die Notlagen der meisten Menschen in diesem Bezirk Berlins: Überforderung, Geldnot, familiäre Spannungen und Zukunftsängste machen Suse zu schaffen. Mit einem Teilzeitjob in einer Drogerie hält sie ihre Familie gerade so über Wasser. Aber selbst der gerät in Gefahr, weil Suse all ihre Kraft und ihre Zeit in die Suche nach ihrer Tochter investiert.

Alte Bekannte

Mit „Böses Kind“ schickt Martin Krist ein neues Ermittlerteam ins Rennen. Es besteht aus Kriminalkommissar Henry Frei, seiner Kollegin Louisa Albers und dem jungen Vietnamesen Phan Cha Lee, der der Einfachheit halber von allen Charlie genannt wird. Interessant sind sie, die Figuren, die Martin Krist für seine neue Thriller-Reihe geschaffen hat: Frei hat mit einem ausgewachsenen Ordnungszwang zu kämpfen, der ihn stets und ständig dazu antreibt, alle Dinge um sich herum auf Linie zu bringen. Louisa Albers ist die dauermüde Mutter eines Kleinkinds, während Charlie sich ungestüm und strebsam in die Arbeit der Mordkommission einbringt. Wer Martin Krists bisherige Bücher kennt, kann sich darüber hinaus auf ein Wiedersehen mit alten Bekannten freuen: In den Nebenrollen agieren Frau Dr. Bodde von der Kriminaltechnik, der aufdringliche Journalist Hardy Sackowitz und der Rechtsmediziner Dr. Wittpfuhl, die bereits Auftritte in Martin Krists Reihe um den Ermittler Paul Kalkbrenner hatten. Ein durchaus bemerkenswerter Schachzug des Autors.

„Böses Kind“ hat vor allem Tempo und Abwechslung zu bieten, denn Frei und sein Team ermitteln zeitgleich noch in einem anderen Mordfall. Außerdem wechselt Martin Krist kapitelweise die Erzählperspektive ab – ein Umstand, der ebenfalls für Kurzweil sorgt. Mal schildert er die Dinge aus der Sicht von Kommissar Frei, dann aus Suses Blickwinkel und streut zusätzlich kurze Passagen aus der Perspektive einer Frau ein, die in einem dunklen Raum gefangen gehalten wird.

Es ist also eine Menge los in „Böses Kind“, aber Martin Krist sorgt routiniert dafür, dass dem Leser der rote Faden nicht entgleitet.

Offene Fragen

Allerdings muss der Leser damit leben, dass am Schluss viele Fragen offen bleiben. Für meinen Geschmack waren das leider zu viele.  Mit einem Cliffhanger par excellence weckt Martin Krist die Lust auf den zweiten Band aus der Reihe um Kommissar Frei. Es bleibt zu hoffen, dass dieser ein paar Antworten auf die Fragen liefert, die sich der Leser nach der Lektüre von „Böses Kind“ stellt.

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Martin Krist
© Bianca Krause, Fotosinfonie

„Böses Kind“ ist am 20. November 2017 bei R&K erschienen.

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Zum Buch bei vorablesen.de: „Böses Kind“

 

 

Frisch rezensiert: „Was man von hier aus sehen kann“ von Mariana Leky

Von einem Okapi im Westerwald: Ein ganz besonderer Roman

Meine Bewertung: ★★★★★

Was man von hier aus sehen kann© DuMont Buchverlag

Klappentext:

Von der unbedingten Anwesenheitspflicht im eigenen Leben

Selma, eine alte Westerwälderin, kann den Tod voraussehen. Immer, wenn ihr im Traum ein Okapi erscheint, stirbt am nächsten Tag jemand im Dorf. Unklar ist allerdings, wen es treffen wird. Davon, was die Bewohner in den folgenden Stunden fürchten, was sie blindlings wagen, gestehen oder verschwinden lassen, erzählt Mariana Leky in ihrem Roman.
›Was man von hier aus sehen kann‹ ist das Porträt eines Dorfes, in dem alles auf wundersame Weise zusammenhängt. Aber es ist vor allem ein Buch über die Liebe unter schwierigen Vorzeichen, Liebe, die scheinbar immer die ungünstigsten Bedingungen wählt. Für Luise zum Beispiel, Selmas Enkelin, gilt es viele tausend Kilometer zu überbrücken. Denn der Mann, den sie liebt, ist zum Buddhismus konvertiert und lebt in einem Kloster in Japan …

© DuMont Buchverlag

Meine Rezension:

Ein kleines Dorf im Westerwald. Hier wächst Luise auf, umgeben von Menschen, die sie liebt und die sie lieben. Und obwohl man meinen könnte, dass in einem so kleinen Kaff nur wenig passiert, geschieht eine ganze Menge: lustige Dinge, traurige Begebenheiten, schreckliche Ereignisse, die man nicht fassen kann.

In diesem winzigen Fleck auf der Landkarte, gegen den die benachbarte Kreisstadt wie eine Metropole erscheint, stellt man sich auch die ganz großen Fragen – und das mit einer solchen Vehemenz, dass sie förmlich in den Leser hineinkriechen.

„Ist es nicht erstaunlich, […] dass man sein ganzes Leben lang an seinem Todestag vorbeilebt? Einer von den zahllosen vierundzwanzigsten Junis oder achten Septembers oder dritten Februars, die ich erlebt habe, wird mein Todestag sein. Ist das nicht ein Ding, wenn man sich das mal so klarmacht?“

„Was man von hier aus sehen kann“, Seite 265

Wer nun aber meint, Mariana Lekys aktueller Roman sei eine hochphilosophische und staubtrockene Angelegenheit, der irrt gewaltig. Tatsächlich ist „Was man von hier aus sehen kann“ ein unglaublich unterhaltsames Buch, dessen Charaktere man unweigerlich ins Herz schließt. Da ist natürlich Luise, die Erzählerin, ihre Großmutter Selma, die Rudi Carrell gleicht wie ein Ei dem anderen und mittels Okapi im Traum einen bevorstehenden Tod voraussieht, der liebevolle und kluge Optiker, die abergläubische Elsbeth, die mit Fledermausherzen gegen Schmerzen kämpft oder die traurige Marlies, die missmutig durch die Welt stapft und am liebsten ihre Ruhe hat. Autorin Mariana Leky erweckt alle Figuren spielend leicht zum Leben. Sie versieht sie mit Eigenheiten, Ecken, Kanten, Narben und Unzulänglichkeiten – und gerade das macht die kuriosen Dorfbewohner so unverwechselbar.

„Was man von hier aus sehen kann“ lässt sich schwerlich in ein Genre pressen. Dieser Roman strotzt vor Humor und Situationskomik, hat aber andererseits so traurige und nachdenkliche Passagen, dass man als Leser hin und wieder um einen Kloß im Hals nicht herumkommt.

Etwas, das dieser Roman garantiert nicht ist, ist oberflächlich. Auf allen 320 Buchseiten geht es ans Eingemachte. Wir Leser schauen tief in die Seelen der handelnden Personen, sehen, was sie antreibt, werfen einen Blick auf ihre Ängste. Und ab und zu entdeckt man sich selbst in den Figuren wieder. Das kann schmerzhaft sein, vor allem aber sehr erkenntnisreich.

Wenn ich Mariana Lekys Schreibstil mit einem Wort beschreiben müsste, würde ich mich für „einzigartig“ entscheiden. Man hört der Autorin unsagbar gerne zu. Manchmal rieseln die Worte federleicht zu Boden, dann feuert sie zeilenlange Schachtelsätze ab – aber von Anfang bis Ende erzählt sie mit einer ganz besonderen Melodie, die niemals gewöhnlich ist. Das zieht sich, angefangen bei der zehnjährigen Luise, der in diesem Alter ein fürchterliches Schicksal widerfährt, über die Episode als Auszubildende zur Buchhändlerin hin bis zu Teil drei, in dem sie als junge Frau Anfang dreißig ihr Glück sucht.

Ich gebe zu, dass ich immer mit ein wenig Skepsis an Bücher, auf deren Cover der leuchtend orangefarbene „SPIEGEL-Bestseller“-Aufkleber prangt, herangehe. Und im Fall von „Was man von hier aus sehen kann“ ist das noch nicht einmal alles: Mariana Lekys Roman wurde 2017 zum Lieblingsbuch des unabhängigen Buchhandels gewählt. Ich kann nur sagen: Beides ist mehr als gerechtfertigt.

Es müssen also keinesfalls immer Heldenerzählungen aus den Knotenpunkten der großen weiten Welt sein, die die Massen begeistern – ein Okapi, ein Dorf im Westerwald und lauter warmherzige Figuren sind manchmal alles, was eine großartige Geschichte braucht.

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Crime made in Germany: Vielversprechende Krimi-Neuerscheinungen von Inge Löhnig und Manuela Obermeier

Der Juni wird ein guter Monat für Krimi-Fans! Bei Ullstein erscheinen am 16. Juni 2017 gleich zwei Krimis, die in München spielen und deren heute bei http://www.vorablesen.de veröffentlichte Leseproben es bereits ordentlich in sich haben.

Manuela Obermeier: „Tiefe Schuld“

Klappentext:
Im Wald wird eine halb entkleidete Frauenleiche gefunden, deren Verletzungen auf jahrelange Misshandlungen hindeuten. Kommissarin Toni Stieglitz nimmt sich des Falles an – mit bitterem Beigeschmack: Ihr eigener Exfreund war gewalttätig, böse Erinnerungen werden wach. Der Ehemann der Toten wird sofort ins Visier genommen. Doch verdächtigt Toni den Partner des Opfers bloß aufgrund ihrer eigenen Vergangenheit, und ist der Fall in Wahrheit viel komplizierter? Rechtsmediziner Dr. Mulder könnte Klarheit für Toni schaffen, sowohl beruflich als auch privat …

© Cover und Klappentext: Ullstein Buchverlage

Meine Meinung zur Leseprobe

Beklemmend und spannungsreich – ich würde am liebsten sofort weiterlesen!

Manuela Obermeier legt mit „Tiefe Schuld“ den zweiten Fall für die Münchner Mordermittlerin Toni Stieglitz vor. Obwohl ich „Verletzung“, den ersten Band der Reihe, nicht gelesen habe, konnte ich problemlos in die Leseprobe einsteigen.

Die Autorin hat ein düsteres Setting für ihren neuen Spannungsroman gewählt: ein abgelegenes Waldstück, in dem zwei Geocacher die Leiche einer Frau entdecken. Die Atmosphäre hat etwas durch und durch Bedrückendes und wird mich sicher gedanklich beim nächsten Waldspaziergang begleiten.

Die Verletzungen an der Leiche lassen Toni Stieglitz ahnen, dass die Frau vor ihrem Tod massiver Gewalt ausgesetzt gewesen sein muss. Diese Erkenntnis trifft die 38-jährige Ermittlerin hart, schließlich hat sie sich selbst vor Kurzem von ihrem gewalttätigen Lebensgefährten getrennt – obwohl der doch der Traumschwiegersohn ihrer Eltern war!

In diesem Spannungsfeld zwischen professioneller Mordermittlung und privatem Schicksal lässt Manuela Obermeier ihre Protagonistin auf Mörderjagd gehen. Die Tatsache, dass die Autorin selbst Polizeihauptkommissarin ist, bürgt für eine authentische Darstellung der Ermittlungsarbeit – und ihr spannender Schreibstil für ein atemberaubendes Lesevergnügen!


Inge Löhnig: „Sieh nichts Böses“

Klappentext:
Sieh nichts Böses. Hör nichts Böses. Tu nichts Böses.

Der Münchner Kommissar Konstantin Dühnfort ist glücklich wie nie zuvor. Gerade ist er mit Gina von der Hochzeitsreise zurückgekehrt, die beiden freuen sich auf ihr erstes Kind. Doch ein überraschender Fund reißt Dühnfort aus seiner privaten Idylle. An einem nebligen Novembertag spüren Leichensuchhunde bei einer Polizeiübung den halbverwesten Körper einer jungen Frau auf. Neben ihr liegt eine kleine Messingskulptur – ein Affe, der seinen Unterleib bedeckt. Seine Bedeutung: Tu nichts Böses. Dühnfort findet heraus, dass es sich um eine seit Jahren vermisste Frau handelt. Er stößt auf einen weiteren ungeklärten Mord und kommt so einem niederträchtigen Rachefeldzug auf die Spur, der noch lange nicht beendet ist. Denn wieder verschwindet eine Frau.

© Cover und Klappentext: Ullstein Buchverlage

Meine Meinung zur Leseprobe

Ein weiterer spannender Bestseller um Kult-Kommissar Dühnfort? Ganz bestimmt!

Endlich wieder ein neuer Krimi aus der Feder von Inge Löhnig! Nachdem die Autorin mich mit ihrem zuletzt erschienenen Roman „Gedenke mein“ wirklich begeistern konnte, erscheint nun mit „Sieh nichts Böses“ ihr neuester Fall um ihren Kult-Kommissar Konstantin Dühnfort und dessen frisch angetraute Frau Gina.

Die Leseprobe lässt sich spannend an und Inge Löhnig katapultiert ihre Leser mitten in das Geschehen hinein: Bei einer Übung entdeckt Leichensuchhund Ronja die sterblichen Überreste einer Frau. Dühnfort ermittelt, während Gina sich um einen seiner alten Fälle, der bisher nicht aufgeklärt werden konnte, kümmert. Das verspricht jede Menge Zündstoff.

In der Leseprobe habe ich den atmosphärischen Schreibstil von Inge Löhnig besonders genossen. Sie beschreibt darin unter anderem das Fallen eines Baums nahezu poetisch. Die Wucht ihrer Worte und die hinsichtlich der Story vielversprechende Leseprobe lassen mich auf einen weiteren spannenden Dühnfort-Bestseller hoffen!

Frisch rezensiert: „Glücksmädchen“ von Mikaela Bley

Psychothriller? Nein! – Solider Krimi? Ja!

Meine Bewertung: ★★★

Glücksmädchen.jpg © Ullstein Buchverlage

Die junge Journalistin Ellen Tamm denkt Tag für Tag an den Tod. Das muss sie einerseits ihres Berufes wegen, denn sie arbeitet als Kriminalreporterin beim schwedischen Fernsehsender TV4. Zum anderen verfolgt sie der dramatische Verlust ihrer Zwillingsschwester Elsa noch immer, obwohl er sehr lange zurückliegt.

Das spurlose Verschwinden der achtjährigen Lycke beschwört in Ellen dunkle Erinnerungen herauf. Elsa war damals ebenfalls acht Jahre alt … Ellen gibt alles, um die kleine Lycke lebend zu finden, hilft bei der Suche und befragt die Angehörigen, um einen Anhaltspunkt für den Verbleib des Mädchens zu finden. Doch nicht nur emotional ist dieser Fall für die Journalistin eine Gratwanderung – plötzlich befindet sich Ellen selbst in Gefahr …

„Glücksmädchen“ ist das Debüt der in Stockholm lebenden Autorin Mikaela Bley. Die schwedische Originalausgabe des Thrillers mit dem Titel „Lycke“ erschien 2015 und war sehr erfolgreich. Ob das Buch, das von Katrin Frey ins Deutsche übersetzt wurde und am 10. Februar 2017 veröffentlicht wurde, hierzulande einen ebensolchen Zuspruch erhält?

Für meine Begriffe handelt es sich bei „Glücksmädchen“ leider nicht um einen Psychothriller, wie es der Aufdruck auf dem Cover verspricht. Die psychologische Spannung bleibt nämlich oftmals auf der Strecke. Viel mehr legt die Autorin ihren Fokus auf die zerrütteten Familienverhältnisse der kleinen Lycke und das traumatische Kindheitserlebnis von Reporterin Ellen. Das allerdings tut Mikaela Bley mit sehr viel Tiefe. Da ist Lyckes böse Stiefmutter, die mit ihren Eifersüchteleien auf das Kind ganz weit oben auf der Liste der Verdächtigen steht. Oder hat Lyckes depressiv wirkende Mutter etwas mit dem Verschwinden des Mädchens zu tun? Steckt vielleicht der Vater dahinter, dessen neues Familienglück die Kleine womöglich stört? Oder doch ein Fremder? Das verrät die Autorin erst ganz zum Schluss und lässt den Leser bis dahin auf so mancher falschen Fährte wandeln.

Gewünscht hätte ich mir von diesem Roman mehr von der düsteren Atmosphäre, denn das Potenzial dazu hat die Geschichte.

Bemerkenswert fand ich die Kaltschnäuzigkeit von Ellens Chef, der den Fall Lycke ohne Rücksicht auf die Eltern medial ausschlachtet und immer der Erste sein will, der die neuesten Entwicklungen verkündet. Auch die Kontakte zwischen dem Fernsehsender und der Polizei scheinen beängstigend eng zu sein.

Ob Mikaela Bley dabei aus ihren eigenen Erfahrungen schöpft? Immerhin hat die 1979 geborene Autorin beim schwedischen TV-Sender SV4 gearbeitet, bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete.

In Schweden erschien im August 2016 ihr zweiter Kriminalroman „Liv“. Obwohl mich „Lycke“ nicht einhundertprozentig überzeugen konnte, würde ich dem zweiten Teil der Reihe um Reporterin Ellen Tamm dennoch eine Chance geben, wenn er auf Deutsch erscheint.

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Zum Buch auf der Homepage des Verlags: „Glücksmädchen“

Zur Facebook-Seite der Autorin: Mikaela Bley

Zum Instagram-Profil der Autorin: Mikaela Bley

Krimi-Sommer-Special: Deutsche Autoren

Ich packe meinen Koffer …

luggage-1482693_1920© condesign/pixabay

… und ich nehme mit:

Sonnencreme √

Strandtuch 

Sonnenbrille 

Krimi – hm, aber welchen?

Steht Ihr auch vor diesem Problem? Vielleicht kann ich Euch ja bei der kniffligen Entscheidung, welcher Krimi unbedingt ins Urlaubsgepäck muss, helfen. Im Krimi-Sommer-Special: Deutsche Autoren stelle ich Euch fünf Kriminalromane vor, die im Frühjahr 2016 erschienen sind, und die ausschließlich aus der Feder von deutschen Autoren stammen.

Geschichtsträchtiger Eifel-Krimi

„Und am Morgen waren sie tot“

Autor: Linus Geschke

erschienen am: 14.03.2016

erschienen bei: Ullstein Taschenbuch

Seiten: 400

Preis: 9,99 EUR

© Cover: Ullstein Buchverlage

Der Kölner Journalist Jan Römer schreibt für das Nachrichtenmagazin „Die Reporter“ über ungelöste Kriminalfälle. In seinem aktuellen Bericht steht ein Doppelmord im Fokus, der sich 1997 an der deutsch-belgischen Grenze ereignet hat. Damals wurde ein junges Paar in einem Waldstück umgebracht. Ihre beiden Freunde sind bis heute wie vom Erdboden verschluckt … Wird es Jan Römer gelingen, dem Mörder nach so vielen Jahren auf die Spur zu kommen?

In dem 2014 erschienenen Kriminalroman „Die Lichtung“ ermittelte Jan Römer zum ersten Mal. In seinem aktuellen Buch „Und am Morgen waren sie tot“ setzt Autor Linus Geschke den Reporter erneut auf einen ungeklärten Mordfall an. Abgesehen von der Frage, wie glaubhaft es ist, dass ein Journalist auf eigene Faust polizeiliche Ermittlungen anstellt, unterhält dieser Krimi den Leser von der ersten bis zur letzten Seite gut und macht Appetit auf einen Ausflug in die Eifel.

Linus Geschke beschreibt einsame Wälder, kleine Eifel-Dörfer und verborgene Bunkeranlagen anschaulich und bildhaft. Einen interessanten Geschichts-Exkurs gibt’s obendrauf, denn mit Blick auf die Ardennenoffensive gegen Ende des 2. Weltkriegs ist der Schauplatz des Kriminalromans ein Ort von historischer Bedeutung.

Obwohl ich mit dem Hauptakteur Jan Römer nicht wirklich warm geworden bin – er erschien mir zu glatt und zu profillos -, empfehle ich „Und am Morgen waren sie tot“ gern allen Krimi-Fans, denn trotz des schwächelnden Protagonisten erwartet sie hier ein spannender, fundierter und vielschichtiger Kriminalroman mit überraschendem Ausgang …

Gesamtbewertung: ★★★★


Tiefgründiger Psychokrimi für Leser mit Ausdauer

Fremdes Leben von Petra Hammesfahr

„Fremdes Leben“

Autorin: Petra Hammesfahr 

erschienen am: 08.03.2016

erschienen bei: Diana Verlag

Seiten: 496

Preis: 19,99 EUR

© Cover: Diana Verlag

Nach einem Unfall erwacht eine Frau aus dem Koma. Sie weiß nicht, wer sie ist, weiß nichts über ihr Leben. Lediglich Fragmente blitzen in ihren Albträumen auf, doch sie kann die Puzzleteile nicht zu einem Bild vereinen. Sicher ist nur: Sie muss etwas Furchtbares getan haben …

Petra Hammesfahr zählt zu den deutschen Bestseller-Autorinnen und rückt in „Fremdes Leben“ eine Frau in den Mittelpunkt, die verbissen um ihre Erinnerungen kämpft. Zu Anfang wirkt die Geschichte verworren – fast scheint es, als wolle die Schriftstellerin ihre Leser in die Lage der Protagonistin versetzen. Doch Kapitel für Kapitel entwirrt sich die Lage und man beginnt, die Zusammenhänge zu verstehen.

Die Autorin blickt in einzelnen Sequenzen auf die Vergangenheit ihrer Hauptfigur zurück, die zum Teil verstörend sind.

Die Bezeichnung „Psychogramm“, die sich auf dem Buchrücken befindet, ist absolut passend. In „Fremdes Leben“ geht es nicht um Ermittler, die einen Mörder jagen – insofern ist dieses Buch kein klassischer Krimi. Petra Hammesfahr hat vielmehr eine verwobene, tiefgründige Geschichte ersonnen, bei der der Leser keinen bzw. nur wenig Wissensvorsprung erhält. Für ihn lichtet sich das Dunkel ebenso mühsam wie für die Hauptakteurin. Und mühsam ist in diesem Fall wohl das passende Wort, denn ein wenig Puste muss man beim Lesen von „Fremdes Leben“ schon mitbringen. Manchmal hat man als Leser das Gefühl, sich im Kreis zu drehen und nicht vom Fleck zu kommen; die Geschichte gerät ins Stocken. 496 Seiten hätte es nicht zwingend für diesen Roman gebraucht.

Wer klassische Krimis und Crime-Storys mit Tempo mag, wird an „Fremdes Leben“ wenig Vergnügen haben. Leser mit Ausdauer und Vorliebe für psychologische Studien hingegen werden von diesem Buch begeistert sein.

Gesamtbewertung: ★★★


Unblutiger Landkrimi zum Entspannen


„Heidefeuer“

Autorin: Angela L. Forster

erschienen am: 14.03.2016

erschienen bei: Ullstein Taschenbuch

Seiten: 352

Preis: 9,99 EUR

© Cover: Ullstein Buchverlage

Kriminalhauptkommissarin Inka Brandt ist ein echtes Landei. Nachdem ihre Ehe gescheitert ist, kehrt sie ihrer Wahlheimat Lübeck den Rücken und gemeinsam mit Töchterchen Paula zurück nach Undeloh, ein Dörfchen in der Lüneburger Heide. Außer Gestüten, Bauernhöfen und Tälern voller Heidekraut befindet sich dort der „Seerosenhof“, eine Privatklinik für Menschen mit psychischen Problemen. Plötzlich geschehen mehrere Morde – und sie alle scheinen miteinander in Verbindung zu stehen …

Mit Inka Brandt schickt Autorin Angela L. Forster eine neue Ermittlerin ins Rennen, die in der Beschaulichkeit der Lüneburger Heide ermittelt. Und das nicht nur einmalig, denn „Heidefeuer“ ist der Auftakt zu einer neuen Krimireihe. Band 2 mit dem Titel „Heidegift“ steht schon in den Startlöchern und erscheint am 14.10.2016.

„Heidefeuer“ ist ein Kriminalroman, der seiner Kulisse wegen trotz aller Gräueltaten ein heimeliges Gefühl verbreitet. Die Geschichte kommt ohne Blutvergießen aus und konzentriert sich stattdessen auf die Arbeit der Kommissare Inka Brandt und Mark Freese, die schon seit Kindertagen miteinander befreundet sind. Dass Ermittlungen manchmal langwierig sind, erfährt der Leser hier am eigenen  Leib. Manchmal treten nämlich nicht nur Brandt und Freese in puncto Mördersuche auf der Stelle, sondern auch die Geschichte selbst, die streckenweise Geduld vom Leser fordert.

Richtig in Fahrt kommt die Story auf den gut letzten fünfzig Seiten – da legt sie deutlich an Tempo, Witz und Spannung zu.

Kurzum: Eine ruppige Kommissarin in der Hauptrolle eines gut für den Liegestuhl geeigneten Krimis, mit dem man getrost entspannen kann und der sich mit drei U’s (wie Undeloh) beschreiben lässt: unblutig, unterhaltsam, urig.

Gesamtbewertung: ★★★ 


Münster-Krimi mit Thriller-Qualitäten

Denn mir entkommst du nicht

„Denn mir entkommst du nicht“

Autorin: Christine Drews 

erschienen am: 13.05.2016

erschienen bei: Bastei Lübbe

Seiten: 319

Preis: 9,99 EUR

© Cover: Bastei Lübbe

Am Aasee in Münster wird die grauenvoll zugerichtete Leiche einer jungen Frau gefunden. Besonders verstörend ist dabei die Tatsache, dass der Unterleib des Opfers regelrecht zerfetzt wurde. Die Identität der Toten ist unklar. Charlotte Schneidmann und ihr Kollege Käfer setzen alles daran, um die fürchterliche Tat schnell aufzuklären …

„Denn mir entkommst du nicht“ ist der vierte Krimi um das Ermittler-Duo Schneidmann und Käfer. Um sofort in die Geschichte einzusteigen, muss man die drei Vorgängerbände allerdings nicht gelesen haben, denn es handelt sich jeweils um abgeschlossene Fälle.

Die in Köln lebende Autorin Christine Drews schont die Nerven ihrer Leser keineswegs, nein, sie malt stattdessen mit ihren Worten in aller Deutlichkeit brutale Bilder. Die Suche nach dem Mörder gestaltet sich durch und durch spannend und der Schluss ist geradezu filmreif – in diesem Krimi stecken echte Thriller-Qualitäten!

Obwohl den Figuren ein wenig mehr Profil gut getan hätte –  gerade die Nebendarsteller wirken austauschbar und selbst Charlotte Schneidmann kommt ein bisschen blass daher -, ist „Denn mir entkommst du nicht“ ein Thriller, der den Leser nicht loslässt und ihn in schier unglaubliche Abgründe blicken lässt.

Gesamtbewertung: ★★★★


Mein Favorit!

5-Sterne-Krimi mit viel Atmosphäre, Spannung und Substanz

Fuchskind

„Fuchskind“

Autorin: Annette Wieners

erschienen am: 17.06.2016

erschienen bei: List Taschenbuch

Seiten: 352

Preis: 9,99 EUR

© Cover: Ullstein Buchverlage

Gesine Cordes ist Friedhofsgärtnerin. Sie traut ihren Augen kaum, als sie an einem kühlen Herbstmorgen unweit eines Gräberfeldes ein ausgesetztes Baby entdeckt. Sofort bringt sie es in ein Krankenhaus. Kurz darauf erfährt sie, dass am selben Morgen an der einsamen Bushaltestelle vor dem Friedhofsgelände die Leiche einer nackten Frau aufgefunden wurde. Stehen die beiden Taten in einem Zusammenhang? Gesine wird zu einer wichtigen Zeugin für die ermittelnde Kommissarin – und darüber hinaus schmerzlich mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert …

Nach „Kaninchenherz“ ist „Fuchskind“ der zweite Kriminalroman von Annette Wieners, bei dem die eigensinnige, aber durch und durch sympathische Gesine Cordes im Mittelpunkt steht. Beide Bände können unabhängig voneinander gelesen werden, denn es handelt sich nicht um eine Fortsetzung, sondern um in sich abgeschlossene Fälle. Die Autorin überrascht mit einem erfrischend anderen Ansatz, indem sie eine Friedhofsgärtnerin in die Ermittlungen einbezieht.

Gesine Cordes, eine Figur mit Tiefgang und Persönlichkeit, hat in ihrer Vergangenheit einen schrecklichen Verlust erlitten. Sie führt ein Notizbuch, in dem sie Giftpflanzen katalogisiert. Diese Eintragungen lockern nicht nur den Roman zwischen einzelnen Kapiteln auf, sondern sind auch sehr interessant und liebevoll illustriert.

Der Krimi „Fuchskind“ besticht durch unglaublich viel Atmosphäre. Man spürt den Nebel über den Gräbern und den Raureif auf den Wiesen fast körperlich.

Annette Wieners verfügt über einen unverwechselbaren Schreibstil, der als angenehm, abgeklärt und ruhig bezeichnet werden darf – und darüber hinaus gelingt es ihr auch noch  mühelos, die Spannung aufrechtzuerhalten.

Sie wagt sich mit ihrem Kriminalroman an ein sensibles Thema, das den Leser auch dann noch beschäftigen wird, wenn er das Buch schon zugeklappt hat.

„Fuchskind“ ist keine seichte Unterhaltung für Zwischendurch, sondern eine ebenso ernste wie packende Geschichte mit psychologischer Finesse und Substanz.

Annette Wieners und Gesine Cordes haben einen neuen Fan! 🙂

Gesamtbewertung: ★★★★★

Frisch rezensiert: „Spreewaldgrab“ von Christiane Dieckerhoff

Brandneu

Mörderischer Spreewald

Meine Bewertung: ★★★★

 © Ullstein Buchverlage

In einem stockdunklen Verließ wird eine Frau gefangen gehalten. Sie hat keinerlei Erinnerungen, weiß nicht einmal, wer sie ist. Kinderstimmen in ihrem Kopf quälen sie mit Liedern wie „Häschen in der Grube“ und „Dornröschen war ein schönes Kind“. Bruchstückartig setzt ihr Erinnerungsvermögen nach und nach wieder ein – doch wird ihr dieses Wissen noch nützen?

Die gelernte Kinderkrankenschwester Christiane Dieckerhoff setzt in ihrem Kriminalroman „Spreewaldgrab“ auf die Beschaulichkeit der Landschaft rund um Lübben in Brandenburg. Doch das Verbrechen existiert auch im malerischen Spreewald. Für Aufklärung soll die Polizistin Klaudia Wagner sorgen – frisch getrennt und deshalb auf eigenen Wunsch jüngst aus dem Ruhrgebiet in den Osten der Republik versetzt. Welten prallen aufeinander. Christiane Dieckerhoff macht es ihrer ohnehin schon angeschlagenen Hauptfigur nicht leicht, in ihrer Wahlheimat Fuß zu fassen. Aber Klaudia Wagner ist eine unnachgiebige Frau. Sie sagt, was sie denkt. Für den Leser ist die Kriminalobermeisterin die einzige Person, der er über den Weg trauen kann. Alle anderen Charaktere sind nicht leicht zu durchschauen. Wer steht auf welcher Seite? Einen echten Sympathieträger sucht man in „Spreewaldgrab“ jedenfalls vergeblich.

Die große Stärke der Autorin ist es, für eine bilderreiche Atmosphäre zu sorgen. Mit üppigen Worten und fast schon sinnlich beschreibt sie Natur und Gegend. Manche Sätze sind purer Lesegenuss.

Bei der hervorragend durchdachten Krimihandlung sorgt Christiane Dieckerhoff für Wendungen, mit denen man nicht rechnet. Als ich während des Lesens in einem leichten Anflug von Enttäuschung denke, der Klappentext des Buchs verrät ja schon alles, und nicht mehr an eine Überraschung glaube, schlägt die Autorin plötzlich einen Haken und die Geschichte erscheint in einem ganz anderen Licht. Mit diesem Kniff hält sie die Spannung bis zum Ende des 352-seitigen Krimis konstant hoch.

Apropos Ende: Das läuft ziemlich überstürzt ab. Fast schon beängstigend ist dabei die schier übernatürliche Kombinationsgabe von Klaudia Wagner, die in „Spreewaldgrab“ in ihrem ersten Fall ermittelt. Christiane Dieckerhoff schreibt an einer Krimi-Reihe, in der die selbstbewusste Polizistin die Hauptrolle spielt. Ob ich auch den nächsten Band lesen werde? Sehr wahrscheinlich.

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Zum Buch bei Amazon.de: „Spreewaldgrab“

Zum Buch auf der Homepage der Ullstein Buchverlage: „Spreewaldgrab“

Zur Homepage der Autorin: Christiane Dieckerhoff