Leipziger Buchmesse 2017, Tag 2: Mein Messe-Tagebuch


Strahlend blauer Himmel über Leipzig! Petrus muss ein leidenschaftlicher Bücherfreak sein.

Meinen Messe-Freitag hat Barbara Kenneweg mit einer Lesung aus ihrem Romandebüt „Haus für eine Person“ eingeläutet.

Haus für eine Person© Ullstein Buchverlage

Schon der Klappentext hatte im Vorfeld mein Interesse für dieses Buch geweckt. Nach der Lesung war ich absolut begeistert und mir war klar: Ich muss und werde dieses Buch lesen! Es hat mich dann auch den restlichen Messetag brav in meiner Tasche begleitet. Ich kann es kaum erwarten, mich diesem Roman zu widmen – aber zum Lesen kommt man während der Buchmesse so gut wie nie. Tagsüber sowieso nicht – und abends ist man dann erfahrungsgemäß so platt, dass einem die Augen zufallen, sobald man sich zur Ruhe bettet.

Erstmals einen eigenen Messestand hat Indie Publishing,  eine ganz spezielle Sparte des Branchenmagazins buchreport, die sich ausschließlich unabhängigen Autorinnen, Autoren und Verlagen widmet. Im aktuellen Indie-Katalog ist unter anderem auch meine Rezension zur Horroranthologie „11 – Elf unheimliche Kurzgeschichten“ von Daniel D. Allertseder abgedruckt.

Der Messestand von Indie Publishing

Punkt 12:00 Uhr hat mich UIrike Meier vom Kölner Verlag Kiepenheuer & Witsch in die Verlags-Vor-Vorschau für Herbst 2017 linsen lassen. Soviel sei schon verraten: Alle Fans von Joachim Meyerhoff sollten sich den 9. November 2017 ganz dick im Kalender einrahmen.

Zufallstreff am Stand von Kiepenheuer & Witsch: Fußball-Papst Marcel Reif und ich

Danach habe ich mich in der Bloggerlounge mit Thea Lehmann („Tod im Kirnitzschtal“, „Dunkeltage im Elbsandstein“) auf einen Kaffee getroffen. Die sympathische Krimiautorin aus Oberbayern hat mir verraten, dass sie aktuell am dritten Fall für ihren Kommissar Leo Reisinger schreibt. Im Herbst 2017 wird ihr neuestes Werk veröffentlicht.

Beim ersten Bloggertreffen von Kiepenheuer & Witsch auf der Leipziger Buchmesse sprach Susann Pásztor mit ihrem Lektor Olaf Petersen über ihren aktuellen Roman „Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster“, der mehr ein Buch über das Leben als über das Sterben sei (O-Ton Ulrike Meier), obwohl das Sterben eine zentrale Rolle in dieser Geschichte einnimmt. Der ehrenamtliche Hospizmitarbeiter Fred trifft auf die 60-jährige Karla, die an Bauchspeicheldrüsenkrebs leidet und der nach einer abgebrochenen Chemotherapie nicht mehr viel Zeit zum Leben bleibt. Auch dieses Buch schreit in drastischer Lautstärke danach, von mir gelesen zu werden.

Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster© Kiepenheuer & Witsch

Beim Bloggertreffen der Lieblingsautoren, einem Zusammenschluss aus Selfpublishern, traf ich die wunderbare Poppy J. Anderson.

Großer Andrang am Stand der Lieblingsautoren

Und dann war er auch schon wieder vorbei, der zweite Messetag …

Hat jetzt auch Feierabend: Das Leipziger Messemännchen, seit 1964 das Maskottchen der Leipziger Messe

* GEWINNSPIEL *Zapfig von Felicitas Gruber© DIANA Verlag

Auch in diesem Jahr gibt es wieder das bewährte Buchmesse-Gewinnspiel. Bei mir sammelt Ihr keine Treuepunkte, sondern natürlich Buchstaben. Hier sind die nächsten Buchstaben des diesjährigen Buchmesse-Gewinnspiels. Unter jedem meiner Messetagebuch-Einträge findet Ihr sie. In der richtigen Reihenfolge ergeben sie zusammengesetzt ein Lösungswort, mit dem Ihr an der Verlosung eines nagelneuen Exemplars des Krimis „Zapfig“ von Felicitas Gruber teilnehmen könnt.

K I N A

Teilnahmebedingungen: 

1. Verlost wird ein Exemplar des Krimis “Zapfig” von Felicitas Gruber, nagelneu und ungelesen. Danke an den DIANA Verlag!

2. Das Gewinnspiel läuft im Zeitraum vom 23. März 2017 bis zum 4. April 2017, 24:00 Uhr. Zum Teilnehmen müssen die Buchstaben unter jedem der Messetagebuch-Einträge in die richtige Reihenfolge gebracht, zum Lösungswort zusammengesetzt und das Gewinnspielformular unter dem Tagebucheintrag von Tag 3 (Samstag) vollständig ausgefüllt und abgeschickt werden. Der/die Gewinner/in wird am 5. April 2017 aus allen fristgerecht eingegangenen Einsendungen mit dem richtigen Lösungswort per Losverfahren ermittelt und dessen/deren Name hier bekanntgegeben. Mit dem Absenden des Teilnahmeformulars erklärt sich der/die Teilnehmer/in damit einverstanden, dass sein/ihr vollständiger Name im Gewinnfall hier veröffentlicht werden darf.

3. Mitmachen kann jede/r mit Hauptwohnsitz in Deutschland, der/die mindestens 18 Jahre alt ist. Mit dem Abschicken des Teilnahmeformulars bestätigt Ihr, dass Ihr volljährig seid.

4. Keine Barauszahlung möglich.

5. Keine Haftung, falls der Gewinn auf dem Postweg verloren geht.

6. Bitte nur 1 x mitmachen! Mehrfachteilnehmer/innen werden disqualifiziert.

7. Ihr müsst zur Teilnahme nicht zwingend meinem Blog oder meiner Facebook-Seite folgen. Ich freue mich aber selbstverständlich immer über neue Follower meines Blogs, meiner Facebook-Seite, meines Twitter– und meines Instagram-Accounts.

8. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

9. Eure Daten werden ausschließlich im Rahmen des Gewinnspiels verwendet und NICHT weitergegeben. Nach erfolgter Auslosung werden die Daten gelöscht.

Viel Glück!

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Frisch rezensiert: „Märchenwald“ von Martin Krist

Ein Fest für Thriller-Fans!

Meine Bewertung: ★★★★★

© Ullstein Buchverlage

Ein kleiner Junge und ein kleines Mädchen machen sich ganz allein auf den Weg zu ihrem Opa. Das war die Anweisung ihrer Mutter gewesen, nachdem sie die Kinder in den Wandschrank gesperrt hatte – und bevor sie spurlos verschwand. Wie einst Hänsel und Gretel irren die Geschwister Max und Ellie durch das kalte Berlin, das in ihrer Vorstellung vieles mit dem Märchenwald gemeinsam hat. Zeitgleich wacht eine Frau ohne jede Erinnerung in einer dunklen Seitengasse abseits des Großstadttrubels auf. Und dann gibt es da noch zwei mysteriöse Todesfälle, in denen Paul Kalkbrenner und seine Kollegin Sera Muth ermitteln. Einer davon führt sie in tiefste menschliche Abgründe …

Wer einen Thriller von Martin Krist liest, darf unter keinen Umständen davon ausgehen, dass die Nerven dabei pfleglich behandelt werden. Für sein aktuelles Buch „Märchenwald“, Band Nummer fünf aus der Reihe um Paul Kalkbrenner (ja, er heißt wirklich so!), gilt das wieder einmal in besonderem Maße: Hochspannung bis zum Schluss, grausige bis ekelhafte Details, unerwartete Wendungen und allerhand dunkle Gestalten mit finsteren Absichten nehmen den Leser gefangen.

„Märchenwald“ ist eines dieser Bücher, die man einfach nicht weglegen kann – und selbst wenn man das gezwungenermaßen tun muss, schreit es unaufhaltsam: „Lies mich schnell weiter!“.

Für Leser, die die Paul Kalkbrenner-Serie noch nicht kennen, ist es überhaupt kein Problem, die Reihe mit dem aktuellen Buch zu beginnen, denn die Fälle sind in sich abgeschlossen.

Mit seiner Wahlheimat Berlin scheint Martin Krist eine Art Hassliebe zu verbinden. Denn in „Märchenwald“ ist die deutsche Metropole weder hip noch schick. Der Autor richtet den Fokus auf die glanzlose Seite der Stadt, auf Problemkieze, Gewalt, Armut und Obdachlose. Damit schafft er das perfekte Setting für seine 416-seitige Story.

Typisch für Martin Krists Thriller sind die verschiedenen Handlungsstränge, die auf den ersten Blick überhaupt nicht zueinander zu passen scheinen. Doch auch in „Märchenwald“ gelingt es ihm wieder ebenso mühelos wie meisterhaft, die einzelnen Fäden zu einem großen Ganzen zu verweben. Die unterschiedlichen Szenarien und die kurzen Kapitel (insgesamt 96 plus Pro- und Epilog) sorgen für jede Menge Abwechslung und Tempo.

Martin Krists aktueller Thriller liefert den eindeutigen Beweis dafür, dass man Spannungsliteratur made in Germany im Buchregal keineswegs nur unter „F“ findet. „K“ wie Krist ist für mich persönlich ganz klar die bessere Wahl.

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Zum Buch auf der Verlagshomepage: „Märchenwald“

Zur Homepage des Autors: Martin Krist

Video: Martin Krist liest aus „Märchenwald“

Frisch rezensiert: „Pretty Girls“ von Karin Slaughter

Brandneu

Ein intensiver Thriller, der im Kopf bleibt

Meine Bewertung: ★★★★★

Pretty Girls © HarperCollins

Die US-Amerikanerin Karin Slaughter gehört fraglos zu den ganz großen Autorinnen, an denen man als Thriller-Fan nicht vorbeikommt. Dem sehnsüchtigen Warten auf Neues aus der Slaugther’schen Feder bereitet die Verlagsgesellschaft HarperCollins Germany heute ein Ende, denn es ist soweit: Karin Slaughters neues Buch „Pretty Girls“ erscheint.

Auf 500 Seiten lernen die Leser die Familie Carroll kennen – eine Familie, die eigentlich keine mehr ist, seit die älteste Tochter Julia im März 1991 spurlos verschwand. Die Eltern ließen sich schließlich scheiden, der Vater starb später, Sandwich-Kind Lydia geriet auf die schiefe Bahn und Nesthäkchen Claire heiratete den reichen Architekten Paul Scott. Heute, mit Ende 30, muss Claire hilflos mit ansehen, wie ihr Mann in einer dunklen Gasse brutal ermordet wird. Doch sie hat kaum die Gelegenheit zu trauern. Auf dem Computer ihres verstorbenen Mannes findet sie verstörende Filme – sogenannte Snuff-Pornos. Die Opfer werden gefesselt, gequält, vergewaltigt und ermordet. Die junge Witwe ahnt zu diesem Zeitpunkt noch nicht im Geringsten, dass sich ihr schreckliche Wahrheiten offenbaren werden, die jenseits der menschlichen Vorstellungskraft liegen…

Im ersten Drittel des Buches befasst sich Karin Slaughter zunächst mit der Geschichte der drei Schwestern. Dabei lässt sie es eher langsam angehen. Von nervenzerfetzender Spannung ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht viel zu spüren. Die Autorin stellt die Carolls en detail vor. Stück für Stück entsteht aus der Familientragödie schließlich ein aufreibender Thriller mit einem fulminanten Ende, das einem schaurigen Feuerwerk gleicht.

Karin Slaughter und der Übersetzer Fred Kinzel haben dafür gesorgt, dass sich das Buch flüssig lesen lässt. Das gilt sowohl für die Sprache, die Struktur als auch für die Länge der einzelnen Kapitel, die nicht zu kurz, aber auch nicht überdimensioniert sind.

All ihren Charakteren hat die Autorin den Stempel „unverwechselbar“ aufgedrückt. Sämtliche Darsteller in „Pretty Girls“ sind ausgeprägte Typen, die man vielleicht nicht auf Anhieb oder letztlich auch gar nicht sympathisch findet, doch einzigartig sind sie alle. Im Verlauf der Geschichte spielt Karin Slaughter des Öfteren Katz und Maus mit ihren Lesern, indem diese sich immer wieder einmal die Frage stellen müssen: Wer ist gut, wer ist böse? Wer ist Freund, wer ist Feind? Das sorgt durchaus für Überraschungen. Letztlich haben alle Menschen zwei Seiten – Karin Slaughter beleuchtet bei ihren Figuren auf faszinierende Weise beide.

„Pretty Girls“ ist ein logisch aufgebauter und typisch amerikanischer Thriller, bei dem auch der Gruselanteil nicht zu kurz kommt. Die intensive, bildhafte Geschichte um die drei Carroll-Schwestern wird dem Leser im Gedächtnis haften bleiben.

Für alle, die von dieser Story nicht genug bekommen können, hat Karin Slaughter noch ein Bonbon: „Tote Blumen“, die Vorgeschichte zu „Pretty Girls“, ist exklusiv als E-Book erhältlich.

Tote Blumen© HarperCollins
„Tote Blumen“ – das Prequel zu „Pretty Girls“

 

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Zum Buch bei Amazon.de: „Pretty Girls“

Zum Buch auf der Homepage von HarperCollins Germany: „Pretty Girls“

Zum Prequel auf der Homepage von HarperCollins Germany: „Tote Blumen“

Zur deutschsprachigen Homepage der Autorin: Karin Slaughter

→ Buchtrailer

Frisch rezensiert: „Er hätte weiter gemordet“ von Claudia Puhlfürst

Fundierte Einblicke in die Rechtsmedizin

Meine Bewertung: ★★★★

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Berichte über authentische Kriminalfälle erfreuen sich einem großen Interesse. Der „Stern“ hat mit „Crime“ kürzlich sogar ein eigenes Magazin herausgegeben, das sich ausschließlich mit reellen Verbrechen befasst.

Die in Zwickau lebende Autorin Claudia Puhlfürst widmet sich in ihrem Sachbuch „Er hätte weiter gemordet“, erschienen am 1. März 2012 im Militzke Verlag, in acht Kapiteln ebenfalls echten Kriminalfällen, die zum Teil deutschlandweit für Entsetzen sorgten. Der Untertitel „Aufsehenerregende Fälle aus der Rechtsmedizin“ ist Programm, denn die 1963 geborene Schriftstellerin beschränkt sich nicht darauf, die unfassbaren Taten einfach wiederzugeben. Ihr Hauptaugenmerk liegt ganz klar auf der rechtsmedizinischen Komponente dieser Verbrechen. Mit Prof. Dr. med. Klaus Püschel und Dr. med. Carsten Hädrich standen ihr dabei zwei erfahrene Rechtsmediziner zur Seite.

In ihrem 208-seitigen Buch gewährt die Autorin dem Leser eindrucksvolle Einblicke in eine Welt, die dem Normalbürger (Gott sei Dank?!) verschlossen bleibt und die sowohl im Fernsehen als auch in Kriminalromanen oft sehr einseitig dargestellt wird. Viele nehmen an, dass in der Gerichtsmedizin ausschließlich die Obduktion von Leichen erfolgt. Doch auch die Begutachtung von lebenden Gewaltopfern, die naturwissenschaftliche Forschung oder die Analyse von Blutspuren sind feste Bestandteile dieses Arbeitsgebietes. Ein Mordversuch an einer 18-jährigen Chemnitzerin, Skelettfunde aus dem Mittelalter oder der Fall des zu Tode gequälten Kleinkindes Kevin aus Bremen (Nichts für schwache Nerven!) belegen die Vielfältigkeit der Aufgaben der Rechtsmedizin. Man merkt, dass es Claudia Puhlfürst ein Bedürfnis ist, dem Leser diese enorme Bandbreite zu vermitteln.

Akribisch listet die Autorin in allen Fällen die gefundenen Verletzungen auf und führt aus, zu welchen teils hochinteressanten Schlussfolgerungen die Rechtsmediziner dadurch gelangen. Manchmal geht sie allerdings ein wenig zu sehr ins Detail.

In sachlichem Ton, dabei aber immer bestens verständlich, beschreibt Claudia Puhlfürst Taten, Täter, Opfer und natürlich die Arbeit der Gerichtsmedizin. Sperrige Fachbegriffe erklärt sie und lässt den Laien somit nicht im Dunkeln tappen.

Die Autorin scheut sich nicht, Missstände in der Rechtsmedizin anzusprechen – es geht beispielsweise um gekürzte Gelder, die dadurch bedingte Schließung von Instituten und die erschreckend hohe Zahl der nicht erkannten Tötungsdelikte.

Für „Er hätte weiter gemordet“ hat die Verfasserin spürbar gründlich recherchiert. So zitiert sie etwa aus Anklageschriften, Gutachten und Studien.

Obwohl Claudia Puhlfürst mitunter ein wenig zu weit ausholt und sich hier und da so mancher Schreibfehler eingeschlichen hat, kann ich dieses Buch jedem, der sich für die Arbeit der Rechtsmedizin interessiert, nur ans Herz legen. Außerordentlich fundiert, gut verständlich und dazu noch unterhaltsam – diese gelungene Kombination findet man nicht bei jedem Sachbuch dieser Art.

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Zum Buch bei Amazon.de: „Er hätte weiter gemordet“

Zum Buch auf der Homepage des Militzke-Verlags: „Er hätte weiter gemordet“

Zur Homepage der Autorin: Claudia Puhlfürst

Frisch rezensiert: „Was dein Tier dir sagen will“ von Pea Horsley

Leider anders als erwartet

Meine Bewertung: ★★★

Was dein Tier dir sagen will von Pea Horsley © Arkana Verlag

„Was dein Tier dir sagen will – Wahre Geschichten von Liebe, Trost und Treue“: Als ich den Titel dieses Buches las, stand für mich – stolze Besitzerin einer einjährigen Beagle-Dame – fest, dass ich es unbedingt lesen will. Angetan war ich auch von dem auf dem Cover abgebildeten Beagle-Mischling namens Morgan, dem im Buch eine große Rolle zukommt.

Von der britischen Autorin und Tierkommunikatorin Pea Horsley hatte ich bis dato noch nichts gehört, doch in Großbritannien ist sie mit ihrer Agentur „Animal Thoughts“ und ihrem ersten Sachbuch „Heart To Heart“ sehr erfolgreich. „Animal Communicator’s Guide“ lautet der Originaltitel ihres zweiten Buches, dessen deutsche Ausgabe „Was dein Tier dir sagen will“ am 16. März 2015 veröffentlicht wurde.

Ich hatte erwartet, dass das Buch eine Art Übersetzungshilfe zur (Körper-)Sprache unserer tierischen Freunde anhand einzelner Episoden ist, musste dann allerdings feststellen, dass es bei der Tierkommunikation um den Austausch energetischer Botschaften über die Sinnesorgane geht. Schließlich ließ ich mich so vorurteilsfrei wie möglich auf das 384-seitige Abenteuer ein. Ich erfuhr, dass Pea Horsley mit Hilfe von Fotos mit lebenden und verstorbenen Tieren aller Art kommuniziert. Die Besitzer können Fragen an ihre tierischen Gefährten richten. Deren Antworten gibt die Spezialistin nach erfolgter Kontaktaufnahme an ihre Klienten weiter. Im Verlauf des Buches begegnen dem Leser Heilsteine, Schamanen, ein Gespräch mit einem Baum und das Kaffeesatzlesen. Spätestens bei Letzterem war die Grenze meines spirituellen Horizonts erreicht und ich musste einsehen, dass ich zu Dingen dieser Art in einer solchen Dimension einfach keinen Zugang habe.

Die Geschichten, die Pea Horsley erzählt, sind durchweg berührend, geht es doch in jeder um den Verlust eines Tieres. Im vergangenen Jahr habe ich selbst diese schmerzliche Erfahrung machen müssen, als unsere erste Beagle-Hündin nach elfeinhalb gemeinsamen Jahren starb, und konnte mich deshalb in den tieftraurigen Tierbesitzern nur zu gut wiederfinden. Bemerkenswert finde ich die Wertschätzung der Autorin, die sie den Tieren entgegenbringt – eine Einstellung, die leider viel zu selten anzutreffen ist.

Ob man an Pea Horsleys Arbeit glaubt, möge jeder Leser für sich entscheiden. Tierfreunde mit einem Faible für das Spirituelle werden von diesem Buch begeistert sein. Mich konnte „Was dein Tier dir sagen will“ leider nicht wirklich erreichen.

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Zum Buch auf Amazon.de: „Was dein Tier dir sagen will“

Zum Buch auf der Homepage des Arkana Verlags:  „Was dein Tier dir sagen will“

Zur Homepage der Autorin: Pea Horsley

NachLESE: Mordermittler Josef Wilfling berichtet über seine Fälle

„Jeder kann zum Mörder werden.“ Das sagt einer, der es wissen muss: Kriminaloberrat a. D. Josef Wilfling. 22 Jahre lang hat er ununterbrochen bei der Münchner Mordkommission gearbeitet, war seit 2002 deren Leiter. 1.211 Tötungsdelikte haben sich während dieser Zeit ereignet. Seit 2009 ist Josef Wilfling pensioniert. 2010 erschien sein erstes Buch „Abgründe – Wenn aus Menschen Mörder werden“. Zwei Jahre später folgte „Unheil – Warum jeder zum Mörder werden kann“. Im Herbst kommt sein drittes und letztes Buch heraus. „Und dann ist Schluss.“ sagt der in München lebende Oberfranke, der schon immer gern geschrieben hat.

Josef Wilfling zog gestern Abend im Wasserschloss Klaffenbach die zahlreichen Zuhörer in seinen Bann, denn er berichtete sachlich und hochspannend zugleich von den Fällen, die er in seiner Laufbahn als Mordermittler erlebt hat. Die ersten Leichen bekam er 1970 nach einem Brandanschlag in einem jüdischen Altenheim zu Gesicht. 7 Opfer waren zu beklagen und ihr Anblick schockierend für den damals 23-jährigen Polizisten. „Psychologische Betreuung? Fehlanzeige!“ berichtet er. Josef Wilfling hat dieses traumatische Erlebnis ohne professionelle Hilfe verarbeitet, indem er sich bewusst damit auseinandergesetzt hat. Verdrängen helfe nicht.

Auch öffentlichkeitswirksame Kriminalfälle hat der heute 68-Jährige bearbeitet – die Morde an Schauspieler Walter Sedlmayr und Modeschöpfer Rudolph Moshammer zum Beispiel.

Echte Mordfälle werden im Vernehmungszimmer gelöst

Josef Wilfling, der selbst gern Krimis liest, räumt mit Stereotypen aus Unterhaltungsliteratur und Fernsehen auf, die schlichtweg falsch sind: „Echte Mordfälle werden im Vernehmungszimmer gelöst und nicht im Rahmen eines großen Showdowns mit gezückter Waffe.“, erklärt er. Bei der Verhaftung eines Verdächtigen seien die Vernehmer außerdem nicht anwesend.

Gift ist aus der Mode gekommen

Interessante Fakten und Zahlen zum Thema Mord hat Josef Wilfling außerdem im Gepäck, beispielsweise zu den häufigsten Tötungsarten: An erster Stelle steht das Erstechen. In 50 Prozent der Fälle werden diese Morde mit dem Küchenmesser verübt. Gewalt gegen den Hals in Form von Erdrosseln und Erwürgen steht an zweiter Stelle. Die dritthäufigste Tötungsart sei das Erschlagen bzw. Tottreten. Die wenigsten Tötungsdelikte werden in Deutschland mit Schusswaffen verübt, was den strengen Waffengesetzen zuzurechnen ist. „Gift ist aus der Mode gekommen.“ erzählt Josef Wilfling. Das liege daran, dass man heutzutage nahezu jedes Gift nachweisen kann. In seiner gesamten Laufbahn habe er es mit zwei versuchten Giftmorden zu tun gehabt. Die Täter waren in beiden Fällen Frauen.

Insgesamt sei Deutschland im Vergleich mit anderen Ländern im Hinblick auf die Mordrate „eine Insel der Glücksseligen“. Auf 100.000 Menschen komme 1 Tötungsdelikt, so der Fachmann. Die Aufklärungsquote liege bei über 95 Prozent. Erfreulich ist die Tatsache, dass die Anzahl der Mordfälle stetig zurückgeht.

Trotz der furchtbaren Bilder, die Josef Wilfling im Laufe der Jahre mit ansehen musste, hat er sich seinen Humor bewahrt. Der sympathische Pensionär gibt dem Publikum, das durchweg aufmerksam und teilweise mit angehaltenem Atem seinen Ausführungen gelauscht hat, am Ende des anderthalbstündigen Vortrags augenzwinkernd folgende Wahrheit mit auf den Weg: Der Mörder lauere zumeist nicht hinter dem Busch, sondern in den eigenen vier Wänden.

Die Bücher von Josef Wilfling

Ein Klick auf das jeweilige Cover führt direkt zum Buch.

Abgruende von Josef Wilfling        Unheil von Josef Wilfling
© Heyne/Verlagsgruppe Random House

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Josef Wilfling bei seinem Vortrag in Klaffenbach

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Im Anschluss signierte er seine Bücher.

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Josef Wilfling und ich

© Stephanie Manig, buchstabenfaengerin.wordpress.com

Frisch rezensiert: „Wir wollten nichts. Wir wollten alles.“ von Sanne Munk Jensen und Glenn Ringtved

Jugendbuch mit ungeheurer Wucht

Meine Bewertung: ★★★★

Louise lebt mit ihren Eltern nahe der Stadt Aalborg in Dänemark. Sie empfindet ihr Leben als trist – bis sie Liam kennenlernt und sich die beiden ineinander verlieben. Sie sind Seelenverwandte. Die ganz große Liebe, ein junges Paar, das davon träumt, frei zu sein. Eine Zeit lang sind sie glücklich, feiern Partys, nehmen Drogen und haben keine Geldsorgen. Doch dann dreht sich der Wind. In der Verzweiflung, die über Liam und Louise hereinbricht, bleibt ihnen nur ein Ausweg: Sie nehmen sich gemeinsam das Leben. Mit Handschellen aneinandergekettet springen sie in die Fluten des Limfjords. Eine Liebe bis über den Tod hinaus…

Das Jugendbuch „Wir wollten nichts. Wir wollten alles.“ von den dänischen Autoren Sanne Munk Jensen und Glenn Ringtved ist nicht leicht zu verdauen. Es erzählt von einem Mädchen, das scheinbar erst zu leben beginnt, als sie ihrer großen Liebe Liam begegnet, ohne den ihr Dasein sinnlos wäre. Dass Liam aus einer der unteren sozialen Schichten kommt, stört Louise zu keiner Zeit. Doch diese Verschiedenheit, auch was die Charaktere der beiden betrifft, verleiht dem Buch eine besondere Würze.

Die Geschichte wird von Louise erzählt – nach ihrem Tod. Ein ebenso außergewöhnlicher wie faszinierender Stil!

Louise, zweifellos eine interessante Protagonistin, wirkt bis zum Schluss allerdings zu distanziert. Liam hingegen zeichnet sich als echter Sympathieträger aus.

„Wir wollten nichts. Wir wollten alles.“ ist ein stilles Buch, das jedoch eine ungeheure Wucht besitzt. Es erzählt nicht nur die tragische Geschichte über den Suizid eines jungen Paares, das zuviel wollte, sondern zeigt auch eingehend die Leere und die Veränderungen nach dem Selbstmord von Liam und Louise in deren Familien auf. Nichts ist mehr wie zuvor – und jeder der Hinterbliebenen trauert auf  seine Weise.

Das empfohlene Lesealter liegt bei 16 bis 17 Jahren. Völlig angemessen, wie ich finde, denn die Themen Suizid und Drogen sowie die Sexszenen sind für jüngeres Publikum ungeeignet.

„Wir wollten nichts. Wir wollten alles.“ ist ein wirklich starkes Buch, das nicht nur für Jugendliche gemacht ist, sondern auch Erwachsene gleichermaßen berühren wird. Eine absolute Empfehlung für Leser, die intensive Geschichten ohne Kitsch mögen.

Wir wollten nichts. Wir wollten alles.© Verlag Friedrich Oetinger GmbH

→ Interessante Links

Zum Buch auf Amazon.de: „Wir wollten nichts. Wir wollten alles.“

Zum Buch auf der Homepage des Oetinger-Verlags: „Wir wollten nichts. Wir wollten alles.“

Zum Buch-Trailer, der wirklich phänomenal ist: „Wir wollten nichts. Wir wollten alles.“

Übrigens: Glenn Ringtved wird in diesem Jahr zu Gast auf der Leipziger Buchmesse sein und aus „Wir wollten nichts. Wir wollten alles.“ lesen. Natürlich lasse ich mir das nicht entgehen und hoffe darauf, dass er mein Buch signiert.

Hier sind die Lesungstermine und -orte:

  • 12. März 2015 | 16:30 – 17:00 Uhr
    Lese-Treff Halle 2, Stand G401
  • 13. März 2015 | 11:30 Uhr
    Theater der Jungen Welt, Lindenauer Markt 21, 04177 Leipzig
  • 13. März 2015 | 14:30 – 15:00 Uhr
    Nordisches Forum Halle 4, Stand D300