Das Beste kommt zum Schluss: Meine Krimi-/Thriller-Top 3 des Jahres 2017

Schon wieder ist ein (Lese-)Jahr vorüber. Bevor heute um Mitternacht die Sektkorken knallen, stelle ich Euch meine persönlichen Krimi-/Thriller-Top 3 des Jahres 2017 vor.

Platz 3: „Murder Park“ von Jonas Winner

Murder Park von Jonas Winner

© Heyne Verlag

Meine Bewertung: ★★★★

Schon das Setting ist genial: Ein seit Jahren geschlossener Freizeitpark auf einer kleinen Insel vor der Ostküste der USA stellt die Kulisse für einen Thriller dar, der von Anfang an das Kopfkino in Gang setzt und den Leser sofort in Beschlag nimmt.

Worum geht es? Der marode Vergnügungspark, der wegen dreier unheimlicher Morde geschlossen worden war,  soll wiederbelebt werden – und zwar als bizarrer Erlebnisort, in dessen Zentrum sämtliche Serienkiller stehen. Zwölf Teilnehmer sollen den „Murder Park“ vor seiner Eröffnung exklusiv unter die Lupe nehmen. Doch schon bald geschehen grausame Verbrechen – ein Killer geht auf der Insel um!

„Murder Park“ ist ein äußerst spannender Thriller, der durch seine „Who done it“-Elemente den Leser über mehr als 400 Seiten hinweg kontinuierlich bei der Stange hält. Autor Jonas Winner greift darin die Faszination Serienmörder auf und jagt seiner Leserschaft mehr als einmal einen kalten Schauer über den Rücken.

Allerdings hätte ich mir ein wenig mehr sprachlichen Feinschliff gewünscht. Zum Teil sind die Dialoge recht holprig. Das war sicherlich gewollt, um die Aufregung der Protagonisten zu demonstrieren, aber alles in allem erschien es mir „too much“.

Obwohl das Ende für mich nicht gerade der Knaller war, behalte ich „Murder Park“ als einen hochspannenden Thriller in Erinnerung, der mir das Fürchten gelehrt hat.

Mehr über „Murder Park“ 

Platz 2: „Tödliches Treibgut“ von Denzil Meyrick

Tödliches Treibgut

© HarperCollins Germany

Meine Bewertung: ★★★★★

Im schottischen Fischerdorf Kinloch wird die Leiche einer Frau an den Strand gespült. Der Ermittler Jim Daley und sein Partner Brian Scott aus Glasgow nehmen sich dem Fall an. Sie wollen wissen: Wer war die Tote und unter welchen Umständen starb sie? Doch in Kinloch stoßen sie auf eine Mauer des Schweigens …

„Tödliches Treibgut“ von Autor Denzil Meyrick ist ein Kriminalroman, wie man ihn sich nur wünschen kann: spannungsgeladen, ungeheuer atmosphärisch, nicht zu sparsam mit grausigen Details und einem Ermittlerduo, das die Sympathien der Leser einheimst. Der bärbeißige Scott, der einem trotz (oder gerade?) wegen seiner ungeschliffenen Ausdrucksweise und seines Sarkasmus ans Herz wächst, ist das genaue Gegenteil von Jim Daley, der sich mit guten Manieren auskennt und stets im Anzug erscheint.

Denzil Meyrick nimmt den Leser mit auf eine unvergessliche Reise nach Schottland, zeigt aber dabei mitnichten nur romantische Kulissen und die Heimeligkeit der Pubs auf: Korruption im Polizeiapparat, Gewalt und Perspektivlosigkeit spielen in seinem Krimi ebenso eine Rolle.

Bevor „Tödliches Treibgut“, dessen Titel im Original „Whisky from small glasses“ lautet, am 8. Mai 2017 erschien, wurde mit „Das Mädchen von Strathclyde“ eine Shortstory veröffentlicht, die übrigens auch sehr lesenswert ist.

Ich freue mich schon riesig auf den zweiten Band der Reihe um DCI Daley: „Der Pate von Glasgow“ erscheint am 2. Mai 2018 bei HarperCollins Germany.

 Mehr über „Tödliches Treibgut“

Platz 1: „Der Näher“ von Rainer Löffler

Der Näher

© Bastei Lübbe

Meine Bewertung: ★★★★★

Fall 3 für Fallanalytiker Martin Abel: Nachdem „Blutsommer“ 2012 und „Blutdämmerung“ 2014 im Rowohlt-Verlag erschienen, brachte Bastei Lübbe am 24. April 2017 den aktuellen Band „Der Näher“ heraus.

Mit diesem Buch gelingt es dem in der Nähe von Stuttgart lebenden Autor Rainer Löffler einmal mehr, seinen Lesern das Blut in den Adern gefrieren zu lassen.

Auf einem Feld in der Nähe von Köln werden die vergrabenen Leichen einer jungen Frau und ihres neugeborenen Babys entdeckt. Die Leichen wurden mit Beton übergossen. Im Körper der Mutter entdeckt man später ein Detail, das selbst die erfahrenen Ermittler erschaudern lässt …

„Der Näher“ ist ein Thriller-Erlebnis, das einen atemlos zurücklässt. Beim Lesen fragte ich mich hin und wieder, wie Rainer Löffler nur auf derartige Grausamkeiten kommt. Er schreibt einfach brillant und stößt seine Leser hinab in die tiefen Abgründe, die er sich ausdenkt.

Erst zum Schluss lüftet Rainer Löffler das Geheimnis um den Täter. Bis dahin gönnt der Autor allerdings weder seinen Figuren noch seiner Leserschaft eine Verschnaufpause: Sprachlich einwandfrei und temporeich erzählt er seine Geschichte, die von Wahnsinn und grausamen Fantasien handelt. Für Zartbesaitete ist „Der Näher“ nicht zu empfehlen, denn dieses Buch bringt selbst die Hartgesottenen um den Schlaf.

Es bleibt zu hoffen, Rainer Löffler seinen fabelhaften Ermittler Martin Abel schon bald zum vierten Mal ermitteln lässt.

Mehr über „Der Näher“

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Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern meines Blogs einen guten Start in ein fantastisches Jahr 2018. Bleibt schön gesund!

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NachLESE: So war die Lesung mit Elisabeth Herrmann am 7. Oktober 2017 im Wasserschloss Klaffenbach

Ein nasskalter Samstagabend. Der Herbst zeigt sich in der Gegend rund um Chemnitz von seiner ungemütlichsten Seite. Deshalb bedankt sich Krimi-Autorin Elisabeth Herrmann zum Auftakt ihrer Lesung am 7. Oktober 2017 bei allen, die trotz des unwirtlichen Wetters den Weg ins Wasserschloss Klaffenbach gefunden haben.

img_7142Das Wasserschloss in Klaffenbach

Die in Berlin lebende Schriftstellerin ist vom Ambiente des Schlosses angetan und verspricht, an diesem Abend nicht zum letzten Mal in Klaffenbach zu sein.

Heute ist sie hier, um im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Mörderische Geständnisse“ aus ihrem aktuellen Kriminalroman „Stimme der Toten“ zu lesen. Es ist der zweite Band aus der Serie um die Tatortreinigerin Judith Kepler.

Stimme der Toten.jpg© Goldmann Verlag
(Ein Klick auf das Cover führt zum Buch auf der Verlagshomepage.)

Die Reihe, verrät Elisabeth Herrmann, war von Beginn an als Trilogie konzipiert. Sechs Jahre, nachdem Band eins mit dem Titel „Zeugin der Toten“ bei Ullstein erschien, wurde „Stimme der Toten“ am 14. August 2017 bei Goldmann veröffentlicht. Auch der dritte und letzte Teil wird im Hause Goldmann erscheinen.

Die Autorin liest einige Passagen aus ihrem aktuellen Kriminalroman vor. Mit ausdrucksstarker Stimme schlüpft Elisabeth Herrmann in die Rollen ihrer Figuren. Im Saal ist es mucksmäuschenstill und man möchte dieser charismatischen Frau am liebsten ewig weiter zuhören.

img_7128-1Elisabeth Herrmann in Klaffenbach

Doch schließlich sollen die Anwesenden dazu animiert werden, das Buch selbst zu lesen. Und deshalb plaudert Elisabeth Herrmann fröhlich aus ihrem Schriftstellerinnen-Leben. Sie erzählt von der Verfilmung des ersten Bands „Zeugin der Toten“, in der Anna Loos Judith Kepler spielte. Sie schwärmt von einem warmherzigen Jan Josef Liefers, der mehrfach den Anwalt Joachim Vernau in den Filmen zu Elisabeth Herrmanns gleichnamiger Krimi-Reihe verkörperte.

Dass ihr Herz auch für Jugendbücher schlägt, ist kein Geheimnis. Sie hat immerhin schon mehrere davon veröffentlicht. Ihr Thriller „Schattengrund“ wird demnächst mit Josefine Preuß in der Hauptrolle verfilmt.

Schattengrund von Elisabeth Herrmann© cbt Verlag
(Ein Klick auf das Cover führt zum Buch auf der Verlagshomepage.)

Elisabeth Herrmanns neuestes Jugendbuch mit dem Titel „Zartbittertod“, dessen Schauplatz die sächsische Stadt Meißen ist, steht schon in den Startlöchern.

Es war ein Abend, an dem die Zeit wie im Flug verging. Und obwohl sie gesundheitlich ein wenig angeschlagen war, nahm sich die Autorin im Anschluss noch Zeit für gemeinsame Fotos mit ihren Fans und natürlich zum Signieren ihrer Bücher.

Frisch rezensiert: „Der Mann zwischen den Wänden“ von Emma Ångström

Beklemmender Thriller aus Schweden

Meine Bewertung: ★★★★

Der Mann zwischen den Wänden.jpg
© Arctis Verlag

Die neunjährige Alva zieht mit ihren beiden Schwestern und ihrer Mutter in ein Mehrfamilienhaus in Stockholm. Ihr fällt es schwer, sich in der neuen Umgebung einzugewöhnen. Sie fühlt sich einsam und flüchtet sich am liebsten in die Welt der Bücher. Das Lexikon der paranormalen Phänomene hat es ihr besonders angetan, denn sie besitzt ein Faible für das Okkulte und wünscht sich nichts sehnlicher, als Kontakt mit ihrer verstorbenen Großmutter aufzunehmen.

Alva fürchtet sich vor nichts und niemandem. Selbst ein mysteriöser Mord in ihrem Wohnhaus versetzt das Mädchen nicht in Angst und Schrecken, sondern löst eine dunkle Faszination und unbändige Neugier bei ihr aus. Dabei ahnt sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht, was sich zwischen den Wänden des großen Hauses verbirgt …

In ihrem Thriller „Der Mann zwischen den Wänden“ (Originaltitel: „Mannen mellan väggarna“), der am 4. August 2017 im Arctis Verlag erschienen ist, sorgt die schwedische Autorin Emma Ångström von der ersten bis zur letzten Seite für eine unheimliche Atmosphäre. Und noch etwas löst dieses Buch aus: Beklemmung. Denn ausgerechnet an dem Ort, an dem man sich am sichersten fühlen sollte – in den eigenen vier Wänden nämlich – sind die ahnungslosen Bewohner des Hauses einem Mann ausgeliefert, der sich unbemerkt in ihr Leben schleicht, unter ihren Betten schläft und sie durch gut versteckte Luken tagtäglich beobachtet. Beim Lesen hat mich ständig ein ungutes Gefühl begleitet. Emma Ångström spielt geschickt mit den Ängsten der Leser. Ich habe mich jedenfalls immer wieder gefragt, was wohl zwischen den Wänden unserer Wohnung vorgeht.

Eine unterschwellige Düsternis begleitet diesen vielschichtigen Thriller, der okkulte Elemente mit schaurigen Szenen nach bester Horrorfilmmanier vereint. Noch dazu hat die Geschichte Tiefgang, denn auch das Schicksal der Hauptfiguren findet ausreichend Platz.

„Der Mann zwischen den Wänden“ wird mir als ein Buch in Erinnerung bleiben, das sich mit seinem subtilen Grauen in meinem Kopf festgesetzt hat. Dass es mir beim Lesen eines Romans die Kehle zuschnürt, kommt eher selten vor. Hier aber war es so. Die Vorstellung, von jemandem beobachtet zu werden, der uns so nahe kommt, wie es Emma Ångströms Protagonist tut, hat mich mehr als einmal schaudern lassen. Dass man dann als Leser aber nicht in der Lage ist, für diesen Mann Wut oder gar Hass zu empfinden, ist dem großartigen Plot der Autorin zu verdanken.

Obwohl manches offen bleibt und die Sprache mit den knappen Sätzen manchmal ein bisschen abgehackt wirkt, war „Der Mann zwischen den Wänden“ für mich ein aufwühlendes Leseerlebnis, das ich mit Sicherheit nicht so schnell vergessen werde.

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Zur Homepage des Verlags: Arctis Verlag

Zum Buch bei Amazon.de: „Der Mann zwischen den Wänden“

Auslosung des Gewinnspiels zum Welttag des Buches 2017

Knapp zwei Wochen sind seit dem Welttag des Buches 2017 vergangen. Bis gestern hattet Ihr die Möglichkeit, Euch bei der diesjährigen „Blogger schenken Lesefreude“-Aktion auf meinem Blog einen Platz im Lostopf und damit die Chance auf ein Leseexemplar von Marina Heibs sensationellem Thriller „Drei Meter unter Null“ zu sichern.

Drei Meter unter Null von Marina Heib
© Heyne Encore/Verlagsgruppe Random House

Die Gewinnchance lag letztlich bei 1 zu 53, denn insgesamt 53 Bücherfreunde haben mitgemacht. Der Zufallsgenerator http://www.random.org hat einmal mehr die Glücksfee gespielt und sich von 53 Teilnehmenden die Nummer 8 herausgepickt.

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Die achte Gewinnspiel-Teilnehmerin war Sylvia Lüdke. Herzlichen Glückwunsch! Du hast gewonnen!

Vielen Dank für Eure rege Teilnahme und bis zur nächsten Verlosung!

Blogger schenken Lesefreude: Buchverlosung zum Welttag des Buches

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Auch in diesem Jahr findet anlässlich des Welttages des Buches wieder die Aktion „Blogger schenken Lesefreude“ statt. Hunderte Bloggerinnen und Blogger verlosen Bücher oder Buchgutscheine – und auch ich mache gerne wieder mit. Die Übersicht aller teilnehmenden Blogs findet Ihr hier.

Blogger schenken Lesefreude

Diesmal möchte ich Euch mit meinem bisherigen Lieblingsbuch aus dem Jahr 2017 eine Freude machen: „Drei Meter unter Null“ von Marina Heib. Wer meine Rezension zu diesem phänomenalen Thriller gelesen hat, weiß um meine Begeisterung.

Drei Meter unter Null von Marina Heib

Sie beobachtet ihre Opfer. Sie plant ihre Morde. Nichts will sie dem Zufall überlassen. Sie schlägt den Weg der Gewalt jedoch nicht ohne Grund ein. Ihr Leben lang bemühte sie sich um ein normales Leben. Doch die Hülle der Normalität umschloss eine tiefe Verzweiflung, die sie zu verbergen wusste. Bis zu einem nebligen Donnerstag im November. Dem Tag, an dem sie beschließt, eine Mörderin zu werden. Sie will die Dämonen vernichten. Sie will Rache. Sie empfindet kein Mitleid. Sie sollen leiden. Genau wie sie.

© Cover und Klappentext: Heyne Encore

Der Verlag hat es viel zu gut mit mir gemeint und mir gleich zwei Leseexemplare zukommen lassen. Eins davon – ungelesen und nagelneu – verlose ich nun (mit ausdrücklicher Genehmigung) an Euch.

Wie könnt Ihr mitmachen?

Tragt einfach Euren Namen und Eure E-Mail-Adresse in das untenstehende Gewinnspielformular ein und sendet das Ganze ab.

Teilnahmebedingungen

1. Verlost wird ein Leseexemplar des Thrillers „Drei Meter unter Null“ von Marina Heib – nagelneu und ungelesen.

2. Die Verlosung läuft im Zeitraum vom 23. April 2017 bis zum 5. Mai 2017, 24:00 Uhr. Zum Teilnehmen muss das untenstehende Formular vollständig ausgefüllt und abgeschickt werden. Der/die Gewinner/in wird am 6. Mai 2017 aus allen fristgerecht eingegangenen Einsendungen per Losverfahren ermittelt und dessen/deren Name hier bekanntgegeben. Mit dem Absenden des Formulars erklärt sich der/die Teilnehmer/in damit einverstanden, dass sein/ihr vollständiger Name im Gewinnfall hier veröffentlicht werden darf.

3. Mitmachen kann jede/r mit Hauptwohnsitz in Deutschland, der/die mindestens 18 Jahre alt ist. Mit dem Abschicken des Formulars bestätigt Ihr, dass Ihr volljährig seid.

4. Keine Barauszahlung möglich.

5. Keine Haftung, falls der Gewinn auf dem Postweg verloren geht.

6. Bitte nur 1 x mitmachen! Mehrfachteilnehmer/innen werden disqualifiziert.

7. Ihr müsst zur Teilnahme nicht zwingend meinem Blog oder meiner Facebook-Seite folgen. Ich freue mich aber selbstverständlich immer über neue Follower meines Blogs, meiner Facebook-Seite, meines Twitter– und meines Instagram-Accounts.

8. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

9. Eure Daten werden ausschließlich im Rahmen der Verlosung verwendet und NICHT weitergegeben. Nach erfolgter Auslosung werden die Daten gelöscht.


Ich möchte an der Verlosung von „Drei Meter unter Null“ teilnehmen!


 

 

Frisch rezensiert: „The Couple Next Door“ von Shari Lapena

Don’t believe the hype – oder doch?

Meine Bewertung: ★★★★★

The Couple Next Door
© Bastei Lübbe AG

„The Couple Next Door“ ist der Thriller, über den in diesem Jahr am meisten gesprochen werden wird.

(Das englische Magazin „Stylist“ über „The Couple Next Door“)

Solche vollmundigen Bewertungen wie die eben aus dem englischen Wochenmagazin „Stylist“ zitierte lösen bei mir unheimlich hohe Erwartungen an das betreffende Buch und gleichzeitig leise Zweifel aus. Ist diese Geschichte wirklich so gut?

Jedenfalls kommt man in diesem Frühjahr an dem Thriller „The Couple Next Door“ nicht vorbei. In England und den USA ist das Buch schon ein Bestseller. Bei Bastei Lübbe, dem Verlag, der die deutschen Rechte erworben hat, ist Shari Lapenas Erstling in dieser Saison der Top-Titel. Das beweist unter anderem die Guerilla-Kampagne, bei der in mehreren Großstädten mit Stickern auf und Leseproben in Briefkästen auf das Buch aufmerksam gemacht wurde. Darf man dem Hype Glauben schenken? Denn leider steckt nicht in jedem Fall Qualität hinter groß angelegten Werbeaktionen wie dieser.

Im Fall von „The Couple Next Door“ waren meine Zweifel unbegründet. Ja, dieses Buch ist großartig und es hat den Rummel, der darum gemacht hat, wirklich verdient!

Im Mittelpunkt von Shari Lapenas Debüt stehen Anne und Marco Conti. Die beiden sind jung verheiratet und frisch gebackene Eltern der kleinen Cora. Die Einladung ihrer Nachbarn zu einer abendlichen Geburtstagsfeier nehmen Anne und Marco an – obwohl die Gastgeberin im Vorfeld darum bat, Cora zu Hause zu lassen. Doch dank Babyfon und der Abmachung, halbstündlich abwechselnd nach der Kleinen zu sehen, sollte der Party nebenan nichts im Wege stehen. Als die Contis mitten in der Nacht nach Hause kommen, ist das Bettchen von Cora plötzlich leer. Für die jungen Eltern beginnt ein beispielloser Albtraum …

Zunächst ist der Leser für einige Zeit Zeuge der Ermittlungen von Detective Rasbach und seinen Kollegen. Nachbarn werden befragt, Alibis überprüft, Spürhunde eingesetzt – allerdings ohne Erfolg. Und in dem Moment, in dem man meint, die Geschichte plätschert ohne nennenswerten Fortgang (wohl aber mit Dramatik!) so dahin, kommt in der Mitte des Buches urplötzlich – und so ganz nebenbei – die überraschende Wendung, die für Erstaunen und Tempo sorgt.

Wenn ich „The Couple Next Door“ mit einem Wort beschreiben müsste, dann wäre das „intensiv“. Es kommt äußerst selten vor, dass mich ein Buch bis in meine Träume verfolgt. Das ging mir bei Shari Lapenas Thriller aber so. Die Frage, wer hinter Coras Verschwinden steckt, hat mich einfach nicht losgelassen. Bis zur Auflösung am Ende des Buchs säumen falsche Verdächtigungen und ein dunkles Geheimnis aus der Vergangenheit den Weg.

In ihrem Debüt fügt Shari Lapena die beiden Genres Thriller und Drama zu einer faszinierenden Einheit zusammen. Sie lässt den Leser schonungslos hinter die Fassaden der vermeintlich heilen Welt ihrer wenigen, aber detailreich illustrierten Protagonisten blicken.

Es hat ein wenig gedauert, bis ich mit der Erzählweise warm geworden bin, denn die von Rainer Schumacher aus dem Englischen ins Deutsche übertragenen Sätze sind überwiegend kurz und nüchtern. Doch je weiter ich las, desto mehr kam ich zu der Überzeugung, dass die Sprache einfach zu dieser Story passt. Und trotz dieses recht unspektakulären Schreibstils ist es Shari Lapena (und dem Übersetzer) gelungen, eine in sich schlüssige und spannende Geschichte zu erzählen, deren Ausgang der Leser schon beizeiten aufgeregt entgegenfiebert.

→ Interessante Links

Zum Buch auf der Homepage des Verlags: „The Couple Next Door“

Zur Homepage der Autorin: Shari Lapena