Frisch rezensiert: „Böses Kind“ von Martin Krist

Knallhart und kompromisslos: Ein typischer Krist

Meine Bewertung: ★★★★

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© R&K

In Berlin-Spandau wird die vierzehnjährige Jacqueline vermisst. Ihre Mutter, alleinerziehend mit drei Kindern, vermutet, dass sie sich mit zwielichtigen Gestalten herumtreibt. Als man Jacquelines Rucksack bei einer eingemauerten und gekreuzigten männlichen Leiche findet, wird Kommissar Henry Frei von der Mordkommission auf den Vermisstenfall aufmerksam. Für ihn und sein Team liegt ein Zusammenhang zwischen dem Verschwinden des Mädchens und des brutalen Tötungsdelikts auf der Hand. Fieberhaft versuchen sie, die einzelnen Puzzleteile zusammenzubringen. Doch es bleibt nicht bei einer Leiche …

„Martin Krist ist der wirklich böse Bube unter den deutschen Krimischreibern.“

(Claudia Keikus, Berliner Kurier)

Diesem Image, das sich der in Berlin lebende Autor mit nervenzerreißenden Büchern wie „Die Mädchenwiese“ und „Drecksspiel“ mühelos erarbeitet hat, bleibt er mit seinem neuem Thriller „Böses Kind“ treu. Man sollte schon hart verpackt sein, wenn man sich Martin Krists Geschichten vornimmt. An markerschütternder Brutalität und grausigen Details mangelt es in „Böses Kind“ nämlich nicht. Martin Krists Devise scheint zu lauten: Keine Kompromisse!

Bonjour Tristesse

Eine weitere Besonderheit, mit der sich Martin Krist in seinen Büchern beschäftigt, ist der Handlungsort: Die sozialen Brennpunkte Berlins bilden die Kulisse für seine Spannungsromane. Diesmal spielt sich die Story hauptsächlich in Berlin-Spandau mit seinen Plattenbauten ab – ein tristes Grau in Grau, in dem sich Perspektivlosigkeit und Mittellosigkeit die Hand geben. Glanzvolle Touristenattraktionen kommen bei Martin Krist nicht vor. Sein Fokus liegt auf den Menschen, die sich mit allerhand Problemen herumschlagen. Am Beispiel der jungen Mutter Suse, die ihre drei Kinder allein großzieht und keinen Cent Unterhalt von deren Vater sieht, illustriert Martin Krist die Notlagen der meisten Menschen in diesem Bezirk Berlins: Überforderung, Geldnot, familiäre Spannungen und Zukunftsängste machen Suse zu schaffen. Mit einem Teilzeitjob in einer Drogerie hält sie ihre Familie gerade so über Wasser. Aber selbst der gerät in Gefahr, weil Suse all ihre Kraft und ihre Zeit in die Suche nach ihrer Tochter investiert.

Alte Bekannte

Mit „Böses Kind“ schickt Martin Krist ein neues Ermittlerteam ins Rennen. Es besteht aus Kriminalkommissar Henry Frei, seiner Kollegin Louisa Albers und dem jungen Vietnamesen Phan Cha Lee, der der Einfachheit halber von allen Charlie genannt wird. Interessant sind sie, die Figuren, die Martin Krist für seine neue Thriller-Reihe geschaffen hat: Frei hat mit einem ausgewachsenen Ordnungszwang zu kämpfen, der ihn stets und ständig dazu antreibt, alle Dinge um sich herum auf Linie zu bringen. Louisa Albers ist die dauermüde Mutter eines Kleinkinds, während Charlie sich ungestüm und strebsam in die Arbeit der Mordkommission einbringt. Wer Martin Krists bisherige Bücher kennt, kann sich darüber hinaus auf ein Wiedersehen mit alten Bekannten freuen: In den Nebenrollen agieren Frau Dr. Bodde von der Kriminaltechnik, der aufdringliche Journalist Hardy Sackowitz und der Rechtsmediziner Dr. Wittpfuhl, die bereits Auftritte in Martin Krists Reihe um den Ermittler Paul Kalkbrenner hatten. Ein durchaus bemerkenswerter Schachzug des Autors.

„Böses Kind“ hat vor allem Tempo und Abwechslung zu bieten, denn Frei und sein Team ermitteln zeitgleich noch in einem anderen Mordfall. Außerdem wechselt Martin Krist kapitelweise die Erzählperspektive ab – ein Umstand, der ebenfalls für Kurzweil sorgt. Mal schildert er die Dinge aus der Sicht von Kommissar Frei, dann aus Suses Blickwinkel und streut zusätzlich kurze Passagen aus der Perspektive einer Frau ein, die in einem dunklen Raum gefangen gehalten wird.

Es ist also eine Menge los in „Böses Kind“, aber Martin Krist sorgt routiniert dafür, dass dem Leser der rote Faden nicht entgleitet.

Offene Fragen

Allerdings muss der Leser damit leben, dass am Schluss viele Fragen offen bleiben. Für meinen Geschmack waren das leider zu viele.  Mit einem Cliffhanger par excellence weckt Martin Krist die Lust auf den zweiten Band aus der Reihe um Kommissar Frei. Es bleibt zu hoffen, dass dieser ein paar Antworten auf die Fragen liefert, die sich der Leser nach der Lektüre von „Böses Kind“ stellt.

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Martin Krist
© Bianca Krause, Fotosinfonie

„Böses Kind“ ist am 20. November 2017 bei R&K erschienen.

Interessante Links

Zur Homepage des Autors: Martin Krist

Zur Facebook-Seite des Verlags: R&K

Zum Buch bei vorablesen.de: „Böses Kind“

 

 

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6 Jahre buchstabenfaengerin – 6 ganz besondere Bücher

6 Jahre

Schock­schwe­re­not! Wo ist bloß die Zeit geblieben? Heute feiert mein Blog buchstabenfaengerin seinen 6. Geburtstag. Dabei kommt es mir so vor, als hätte ich erst vorgestern mit der Bloggerei angefangen.

Passend zum 6. Blog-Jahrestag widme ich heute 6 ganz besonderen Büchern aus sämtlichen Dekaden meines Leser-Lebens meine Aufmerksamkeit. Kommt mit mir auf eine kleine literarische Entdeckungsreise! (Klickt für weitere Informationen einfach das jeweilige Buchcover an.)

Ein Buch, bei dem ich geweint habe

Perth© dtv

Zugegeben, mir kommen beim Lesen eines Buchs oder beim Anschauen eines Films wirklich selten die Tränen. (Okay, von „Titanic“ einmal abgesehen, denn das Schicksal von Jack und Rose hat auch nach dem gefühlt hundertsten Kinobesuch meinen Taschentuchverbrauch exorbitant ansteigen lassen.)

Ein Buch, bei dem ich die Tränen allerdings nicht zurückhalten konnte, war „Perth. Aus dem Leben eines Beagles“. 21 Jahre lebt die Beaglehündin in der Familie des Autors Peter Martin – und in dieser Zeit erleben die Martins mit Perth eine Menge!

Die Geschichte ging mir sehr zu Herzen – was freilich daran liegen mag, dass mein Leben seit 14 Jahren von diesen dickköpfigen, aber unendlich zauberhaften Schlappohrträgerinnen bestimmt bereichert wird.

Mein erster Krimi

Tödliche SturmflutFoto: buchstabenfaengerin/Cover: Schneider-Buch

Ein Junge und seine Freunde in einem abgelegenen Haus an der sturmumtosten Nordseeküste … Keine Frage: „Tödliche Sturmflut“ von Rainer Leukel ist schuld daran, dass aus mir eine leidenschaftliche Krimi- und Thrillerleserin geworden ist. Die düstere Atmosphäre dieser spannenden Geschichte für Jugendliche hat mich damals schwer beeindruckt – und tut es bis heute.

Mein absolutes Lieblingsbuch

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© Ullstein Buchverlage

… ist zu meinem eigenen Erstaunen kein Krimi, auch kein Thriller, sondern ein Roman, der zur Wendezeit in einem Bauerndorf spielt: „Irgendwann werden wir uns alles erzählen“. Das Debüt von Daniela Krien erschien 2011 – also in dem Jahr, in dem auch mein Blog das Licht der Welt erblickte. Aber das ist nicht der Grund, warum mich dieses Buch so fasziniert. Es ist die poetische Erzählweise der Autorin und der Fakt, dass mich diese Geschichte mit Wucht in meine Kindheit zurückkatapultiert hat.

Ein Buch, das mit Volldampf in die Ecke geflogen ist

TrotzkopfFoto: buchstabenfaengerin/Cover: TOSA Verlag

Ich weiß nicht mehr, wie alt ich war, als ich mir tatendurstig die vollständige Ausgabe des „Trotzkopf“ von Emmy von Rhoden und Else Wildhagen vornahm. Meiner Kleinmädchenschrift im Innenteil des Buches nach zu urteilen, die wichtig verkündet >Dieses Buch gehört: Stephanie Neumaier<, höchstens elf Jahre. Eifrig begann ich zu lesen. Doch schon beim neunten Wort gerieten meine Bemühungen ins Stocken. „Ungestüm“, stand dort. Hä? Hatte ich noch nie gehört. Ich las dieses seltsame Wort wieder und wieder, versuchte es mit verschiedenen Betonungen, aber sein Sinn blieb mir verborgen. Schließlich geriet ich so in Rage, dass der „Trotzkopf“ mit seinen über 450 Seiten mit Volldampf in die nächste Ecke flog und bis heute ungelesen im Regal der Dinge harrt. Inzwischen weiß ich übrigens, was „ungestüm“ bedeutet. 🙂

Ein Buch, das mich zur Serientäterin gemacht hat

Die Zahlen der Toten.jpg© S. FISCHER Verlag GmbH

Es gibt so einige Krimi- und Thrillerreihen, die ich begeistert lese. Aber Linda Castillos Bücher um Polizeichefin Kate Burkholder, die in der Welt der Amischen ermittelt, haben seit Anfang an einen besonders hohen Stellenwert bei mir. Wenn ich durch die Verlagsvorschauen stöbere und dabei Neues aus der Burkholder-Reihe entdecke, wird der „Vorbestellen“-Button in Rekordzeit geklickt. Die glühende Verehrung für die Bücher mit Kate Burkholder teile ich übrigens mit meiner Großcousine Antje. In unserer Familie fließt eben reinstes Thriller-Blut. 🙂

Ein Kochbuch fürs Leben

Kochen© Buchverlag für die Frau

Die erste Auflage von „Kochen“ erschien zwei Jahre vor meiner Geburt und war in der DDR ein echter Knaller. Ich besitze die 31. Auflage aus dem Jahr 2008 und schwöre auf dieses Standardwerk, denn es enthält nicht nur eine schier endlose Anzahl der verschiedensten Rezepte. Besonders gefällt mir, dass in diesem Buch keine bloßen „Bastelanleitungen“ à la „… und jetzt köcheln wir das Ganze in exakt vierzehneinhalb Minuten auf Stufe 3“ enthalten sind, sondern der Koch selbst gefordert ist, indem er die Anweisung „kochen, bis es gar ist“ beherzigt. Mein absolutes Highlight: Die Kochklopse mit Kaperns0ße auf Seite 63.


Nun werde ich im Stillen ein wenig feiern, denn turbulent und aufregend wird es in der nächsten Woche: Am kommenden Donnerstag beginnt die Leipziger Buchmesse und ich werde selbstverständlich mit von der Partie sein. Mein Messetagebuch erwartet Euch, es wird viele exklusive Einblicke, Interviews und Eindrücke geben – und natürlich auch wieder das bewährte Gewinnspiel. 🙂

Frisch rezensiert: „Märchenwald“ von Martin Krist

Ein Fest für Thriller-Fans!

Meine Bewertung: ★★★★★

© Ullstein Buchverlage

Ein kleiner Junge und ein kleines Mädchen machen sich ganz allein auf den Weg zu ihrem Opa. Das war die Anweisung ihrer Mutter gewesen, nachdem sie die Kinder in den Wandschrank gesperrt hatte – und bevor sie spurlos verschwand. Wie einst Hänsel und Gretel irren die Geschwister Max und Ellie durch das kalte Berlin, das in ihrer Vorstellung vieles mit dem Märchenwald gemeinsam hat. Zeitgleich wacht eine Frau ohne jede Erinnerung in einer dunklen Seitengasse abseits des Großstadttrubels auf. Und dann gibt es da noch zwei mysteriöse Todesfälle, in denen Paul Kalkbrenner und seine Kollegin Sera Muth ermitteln. Einer davon führt sie in tiefste menschliche Abgründe …

Wer einen Thriller von Martin Krist liest, darf unter keinen Umständen davon ausgehen, dass die Nerven dabei pfleglich behandelt werden. Für sein aktuelles Buch „Märchenwald“, Band Nummer fünf aus der Reihe um Paul Kalkbrenner (ja, er heißt wirklich so!), gilt das wieder einmal in besonderem Maße: Hochspannung bis zum Schluss, grausige bis ekelhafte Details, unerwartete Wendungen und allerhand dunkle Gestalten mit finsteren Absichten nehmen den Leser gefangen.

„Märchenwald“ ist eines dieser Bücher, die man einfach nicht weglegen kann – und selbst wenn man das gezwungenermaßen tun muss, schreit es unaufhaltsam: „Lies mich schnell weiter!“.

Für Leser, die die Paul Kalkbrenner-Serie noch nicht kennen, ist es überhaupt kein Problem, die Reihe mit dem aktuellen Buch zu beginnen, denn die Fälle sind in sich abgeschlossen.

Mit seiner Wahlheimat Berlin scheint Martin Krist eine Art Hassliebe zu verbinden. Denn in „Märchenwald“ ist die deutsche Metropole weder hip noch schick. Der Autor richtet den Fokus auf die glanzlose Seite der Stadt, auf Problemkieze, Gewalt, Armut und Obdachlose. Damit schafft er das perfekte Setting für seine 416-seitige Story.

Typisch für Martin Krists Thriller sind die verschiedenen Handlungsstränge, die auf den ersten Blick überhaupt nicht zueinander zu passen scheinen. Doch auch in „Märchenwald“ gelingt es ihm wieder ebenso mühelos wie meisterhaft, die einzelnen Fäden zu einem großen Ganzen zu verweben. Die unterschiedlichen Szenarien und die kurzen Kapitel (insgesamt 96 plus Pro- und Epilog) sorgen für jede Menge Abwechslung und Tempo.

Martin Krists aktueller Thriller liefert den eindeutigen Beweis dafür, dass man Spannungsliteratur made in Germany im Buchregal keineswegs nur unter „F“ findet. „K“ wie Krist ist für mich persönlich ganz klar die bessere Wahl.

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Zum Buch auf der Verlagshomepage: „Märchenwald“

Zur Homepage des Autors: Martin Krist

Video: Martin Krist liest aus „Märchenwald“

Frisch rezensiert: „Mörderische Angst“ von Linda Castillo

Kate Burkholder, die Sechste: Linda Castillo wird nicht müde!

Meine Bewertung: ★★★★★

 © S. Fischer Verlage

Von der Spiegel-Bestsellerliste ist sie nicht mehr wegzudenken: Die amerikanische Erfolgsautorin Linda Castillo, die ihre Brötchen als Finanzmanagerin verdiente, bevor sie sich glücklicherweise dem Schreiben zuwandte. Denn ohne ihre Thriller wäre die Welt der Spannungsliteratur ein ganzes Stück ärmer.

Was macht sie so besonders, die Romane von Linda Castillo? Nun, einzigartig ist der Spagat zwischen zwei völlig verschiedenen Welten, nämlich dem modernen und dem amischen Teil der Gemeinde Painters Mill. Die Amischen sind eine religiöse Gemeinschaft, die sich entschieden gegen die Errungenschaften der Zivilisation verwehrt. Statt elektrischem Strom verwenden sie Öllampen. Fernseher? Telefon? Internet? Nicht in der Welt der Amischen! Auch mit der Polizei möchten sie nichts zu tun haben. Das bringt Polizeichefin Kate Burkholder, die einst selbst der Glaubensgemeinschaft der Amischen angehörte, nicht selten Misstrauen und Berührungsängste ein.

Nach „Die Zahlen der Toten“ (2010), „Blutige Stille“ (2011), „Wenn die Nacht verstummt“ (2012), „Tödliche Wut“ (2013) und „Teuflisches Spiel“ (2014) erschien am 23. Juli 2015 Linda Castillos neuer Thriller „Mörderische Angst“. Das Buch mit dem Originaltitel „The dead will tell“ wurde in bewährter Weise von Helga Augustin ins Deutsche übersetzt.

Ihr sechster Fall führt Kate Burkholder zurück in die Vergangenheit. Damals, 1979, war sie selbst noch ein Kind, als die amische Gemeinde durch ein furchtbares Verbrechen erschüttert wurde: Bis heute unbekannte Täter erschossen den Schreiner William Hochstetler. Drei seiner Kinder starben bei dem darauffolgenden Brand des Farmhauses, nur eines überlebte. Seine Frau war von den Mördern entführt und nie wieder gesehen worden. Mehr als ein Vierteljahrhundert nach dieser tragischen Nacht erhalten mehrere Einwohner von Painters Mill sehr seltsame Briefe. Kurze Zeit später geschehen brutale Morde…

Mit ihrem unkomplizierten Schreibstil, viel Atmosphäre, ungekünstelten Dialogen und ohne irgendwelche ermüdenden Passagen gelingt es Linda Castillo einmal mehr, ihre Leser vom ersten Moment an zu fesseln. Ihr Erfolgsrezept: Sie hält sich nicht mit langen Einleitungen auf, sondern katapultiert das Publikum gnadenlos sofort mitten hinein ins Geschehen. Die Autorin spannt sie bis zuletzt auf die Folter, ihre geschätzte Leserschaft, die schon früh zu ahnen glaubt, wohin die Reise geht (beziehungsweise die Aufklärung der jüngsten Morde führt) – und zum Schluss doch überrascht wird.

Ich habe Krimis und Thriller gelesen, bei denen ich mich schon nach wenigen Tagen nicht mehr an die Auflösung erinnern konnte. Ganz anders bei diesem Buch: Es liegen bereits mehrere Wochen seit der Lektüre hinter mir und die Geschichte ist noch immer unglaublich präsent.

Nachdem die Hauptperson Kate Burkholder in manchen Büchern der Reihe ein wenig frostig daherkam, wirkt sie in „Mörderische Angst“ sanfter und verletzlicher denn je. Das mag hauptsächlich an ihrer noch jungen Beziehung mit dem traumatisierten Ex-FBI-Mann John Tomasetti liegen. Gewohnt stark präsentiert sich das ungleiche, aber durchgehend sympathische Team der Polizeistation Painters Mill.

Die enormen Unterschiede zwischen der amischen und der zivilisierten Welt darzustellen und auf dieser Grundlage grausame Mordfälle zu konstruieren – ein spannungsreicher Effekt, der sich auch nach dem sechsten Band nicht abnutzt. Linda Castillo ist nicht müde geworden, von den Verbrechen in Painters Mill zu berichten. Nicht nachlassend erzählt sie mit der selben Leidenschaft, die schon in den ersten fünf Büchern zu spüren war.

Bei dem Tempo, das die amerikanische Autorin vorlegt (6 Bücher in 6 Jahren!), darf man wohl fast schon damit rechnen, dass Fall Nummer 7 für Kate Burkholder im nächsten Sommer erscheint.

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Zum Buch auf Amazon.de: „Mörderische Angst“

Zum Buch auf der Homepage der S. Fischer Verlage: „Mörderische Angst“

Zur Homepage der Autorin: Linda Castillo

Morgen geht’s los: Startschuss für die „Wundmal“-Blogtour!

Sie ist eine Serientäterin. Schon zum vierten Mal hat sie es inzwischen getan – und das nicht weniger grausig als in den vorangegangenen drei Fällen… Die 1981 geborene Schriftstellerin Saskia Berwein aus Mühlheim am Main veröffentlichte am 3. September 2015 bei Egmont Lyx mit „Wundmal“ Thriller Nummer vier aus der Reihe um die rebellische Kriminalhauptkommissarin Jennifer Leitner und den eher friedfertigen Staatsanwalt Oliver Grohmann.

Insgesamt fünf Bloggerinnen (darunter auch ich) nehmen das Buch nun genau unter die Lupe. Mit Beiträgen und Artikeln rund um „Wundmal“ stellen wir Euch ab morgen Saskia Berweins neues Werk vor. Die Autorin wird die Blogtour höchstpersönlich begleiten und stiftet – wie schon bei früheren Aktionen dieser Art – wieder grandiose Gewinne.

Der Startschuss fällt morgen bei Lu’s Buchgeflüster. Die Namen aller teilnehmenden Blogs seht Ihr hier:

Blogtour Wundmal

Frisch rezensiert: „Kainsmal“ von Marcus Hünnebeck

Thriller-Fans, merkt Euch diesen Namen!

Meine Bewertung: ★★★★

Kainsmal © Marcus Hünnebeck

Katharina Rosenberg arbeitet als Oberkommissarin bei der Kölner Mordkommission. Als zwei Kollegen aus dem Polizeidienst gewaltsam zu Tode kommen, nimmt sie mit ihrem Team sofort die Ermittlungen auf. Hängen die Fälle zusammen? Ist ein Polizistenmörder unterwegs? Viele Fragen gilt es zu klären, deshalb ist Katharina dankbar für die Unterstützung von Christian Moll. Mit dem ehemaligen Kriminalpsychologen hat sie in der Vergangenheit bereits zusammengearbeitet. Was die beiden nun herausfinden, ist schier beängstigend – besonders für Katharina…

Der im Rheinland lebende Schriftsteller Marcus Hünnebeck liefert mit „Kainsmal“ den packenden Auftakt zu einer Thriller-Reihe um die Ermittlerin Katharina Rosenberg. Und das ganz ohne Verlag. Der freie Autor, Jahrgang 1971, ist Selfpublisher. Sein Buch „Kainsmal“, das am 24. Juni 2014 sowohl als E-Book als auch im Taschenbuchformat bei Amazon Publishing veröffentlicht wurde, hat neben einem fundierten Lektorat sowie einem Korrektorat auch eine professionelle Umschlaggestaltung durch die renommierte Münchner Agentur bürosüd° erfahren.

Mit 174 Seiten ist „Kainsmal“ ein recht kurzes Vergnügen, das mir immerhin einen spannenden Nachmittag beschert hat. Sicherlich hätten andere Autoren ein Buch mit mindestens 300 Seiten aus dieser Story gemacht. Das Potenzial dazu hat sie allemal. Marcus Hünnebeck aber beschränkt sich (manchmal leider zu sehr) auf das Wesentliche und lässt in seinem Thriller dadurch erst gar keine Längen entstehen. Er erzählt durchgehend in einem hohen Tempo mit prägnanten Sätzen eine sauber durchdachte Geschichte. Bis zum Showdown legt der Autor falsche Fährten und präsentiert in den insgesamt 29 knackigen Kapiteln den ein oder anderen falschen Verdächtigen.

Mit Katharina Rosenberg hat er eine toughe Ermittlerin ins Leben gerufen. Allerdings muss sie im Privaten mit einer Tragödie leben, die sich dem Leser erst allmählich erschließt. Dass Marcus Hünnebeck diese verletzliche Seite der sonst so couragierten Kommissarin beleuchtet, tut der Figur Katharina Rosenberg sehr gut.

„Kainsmal“ ist trotz seines zierlichen Umfangs ein mitreißender Thriller, der mich vom Können des Autors überzeugt hat.

Mit „Die Drahtzieherin“ kam am 7. April 2015 der zweite Band der Reihe auf den Markt. 230 Seiten hat der Nachfolger und damit im Vergleich zu Teil eins gut 60 Seiten mehr.

Inzwischen hat Marcus Hünnebeck Anschluss an einen Verlag gefunden. Am 3. September 2015 wird bei Egmont LYX sein Thriller „Im Auge des Mörders“ veröffentlicht. In dieser Reihe spielen die Journalistin Eva Haller und der Leibwächter Stefan Trapp die Hauptrollen.

Den Namen Marcus Hünnebeck sollten Thriller-Fans unbedingt auf dem Zettel haben!

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Zum Buch bei Amazon.de: „Kainsmal“

Zur Homepage des Autors: Marcus Hünnebeck

Zur Facebook-Seite des Autors: Marcus Hünnebeck

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„Die Drahtzieherin“ ist als E-Book für den Kindle noch bis morgen um Mitternacht zum Schnäppchenpreis von 2,49 EUR zu haben.

Frisch rezensiert: „Blutiger Winter“ von Tom Callaghan

„Blutiger Winter“ lässt mich gespalten zurück

Meine Bewertung: ★★★

Blutiger Winter © Hoffmann & Campe/Atlantik Verlag

Tiefster Winter in Kirgisistan: Inspektor Borubaew wird zu einem abgelegenen Waldstück gerufen, in dem die Leiche einer jungen Frau liegt. Er erstarrt, als er näher hinschaut, denn der hartgesottene Ermittler hat das, was sich hier ereignet hat, noch nicht gesehen. Der Fall bekommt eine ganz besondere Brisanz, als später die Identität der Toten festgestellt wird…

Mit den ersten drei Sätzen hatte mich Autor Tom Callaghan schon am Haken. Sie sind von einer morbiden Schönheit und zergehen dem Leser genussvoll auf der Zunge. Etwa bis zur Hälfte des Buches war ich gefesselt von der Geschichte, von den Einblicken in ein Land, das hierzulande selten bis gar nicht eine Rolle in der Spannungsliteratur spielt.

Die Sprache ist rau, oftmals obszön und passt zu den Bildern, die Tom Callaghan von Kirgisistan malt. Dort sitzen die Waffen locker, es wird nicht lange gefackelt und stets begleitet eine unsichtbare Gefahr die Protagonisten – so, als würde bereits an der nächsten Ecke jemand lauern, der Borubaew und Co. ans Leben will. Kein Wunder in den Kreisen, in denen der Inspektor ermittelt: Alles dreht sich hauptsächlich um Prostitution, Gewalt und Drogen.

Fast schon gleichgültig lässt der Autor seine Hauptfigur von den Zuständen in Kirgisistans Hauptstadt Bischkek berichten: Das ärmlich ausgestattete Leichenschauhaus ist in keinster Weise mit den Standards der modernen Rechtsmedizin vergleichbar, die Krankenwagen sind ramponiert, Korruption ist an der Tagesordnung. Alles erscheint kaputt – auch Ermittler Borubaew, der seine geliebte Frau kürzlich verloren hat.

Dieser gewaltige Bildersturm lässt den Leser fast vergessen, dass die Ermittlungen im Mordfall nicht recht vorankommen.

Und dann beginnt die andere Hälfte des Buches. Zu viele politische Verstrickungen und ein für mich enttäuschendes Ende führen dazu, dass mich dieses Buch gespalten zurücklässt.

„Blutiger Winter“ ist der Auftakt einer Thriller-Reihe um Inspektor Borubaew. Doch ehrlich gesagt bin ich mir noch nicht sicher, ob ich dem zweiten Fall für den kirgisischen Ermittler mit dem Originaltitel „A Spring Betrayal“ eine Chance gebe.

© Stephanie Manig, buchstabenfaengerin

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Zum Buch auf Amazon.de: „Blutiger Winter“

Zum Buch auf der Homepage des Verlags Hoffmann & Campe: „Blutiger Winter“

Zur Homepage des Autors: Tom Callaghan