Veröffentlicht in Aktionen, Meine Rezensionen (außer Vorablesen.de)

Frisch rezensiert: „Zornesbrand“ von Saskia Berwein

Eindrucksvolle Blicke in die Seele eines Mörders

Zornesbrand© Kuneli Verlag

Meine Bewertung:  ★★★★

Die Kommissarin Jennifer Leitner und der Staatsanwalt Oliver Grohmann suchen im hessischen Lemanshain fieberhaft nach einem Vergewaltiger. Er scheint einen ganz bestimmten Frauentyp zu bevorzugen – jung, schlank, brünett. Die Abstände zwischen den Taten werden kürzer. Und der Täter steigert seine Gewaltexzesse noch: Bald wird eine weibliche Leiche entdeckt, die exakt in das Beuteschema des Unbekannten passt. Leitner und Grohmann wollen das Phantom zu fassen bekommen, bevor es wieder zuschlägt …

Fast vier Jahre mussten sich die Fans von Saskia Berwein gedulden, doch das Warten hat sich gelohnt: Am 1. Juni 2019 erschien mit „Zornesbrand“ der fünfte Fall für Leitner und Grohmann. Während die ersten vier Bände der Reihe bei LYX veröffentlicht worden sind, hat Autorin Saskia Berwein „Zornesbrand“ nun im eigens von ihr gegründeten Kuneli Verlag herausgebracht. Optisch gibt es keinerlei Abstriche – das neue Buch fügt sich trotz des Verlagswechsels harmonisch in die Reihe ein.

Da es sich um einen abgeschlossenen Fall handelt, ist es nicht unbedingt nötig, vor der Lektüre von „Zornesbrand“ die Vorgänger gelesen zu haben. Allerdings wird im neuen Buch auf einige Begebenheiten aus den vorangegangenen Büchern Bezug genommen – ebenso, wie die Kenner der Reihe sich über ein Wiedersehen mit Personen freuen können, die bereits in den vorhergehenden Romanen eine Rolle gespielt haben. Insofern empfehle ich die chronologische Vorgehensweise bei der Leitner- und Grohmann-Reihe. Dadurch werden manche Ereignisse in „Zornesbrand“ einfach „runder“.

Ebenso stark wie kontrastreich sind einmal mehr die beiden Protagonisten: Die sture, aufbrausende und dennoch zutiefst sensible Jennifer Leitner, die Regeln gern großzügig auslegt, und der besonnene, charmante Staatsanwalt Oliver Grohmann. Doch diesmal schleichen die beiden umeinander herum und viel Unausgesprochenes steht zwischen ihnen. Das mag zum einen an Jennifers neuem Kollegen Frank liegen, denn bevor er auftauchte, mischte Staatsanwalt Grohmann gerne ganz vorn bei den Ermittlungen mit. Aber auch die private Beziehung zueinander macht Jennifer und Oliver zu schaffen …

Wirklich fasziniert hat Saskia Berwein mich damit, wie sie die Innenwelt des Täters beschreibt. Sie versetzt sich so frappierend real in die Psyche des Täters hinein und lotet derart bildhaft aus, was ihn zu seinen Taten antreibt, dass man fast geneigt ist, Angst vor der Autorin zu entwickeln. 🙂

Ansonsten ist der Schreibstil in „Zornesbrand“ nüchtern, streckenweise fast schon sachlich. Auf mich hat er mitunter kühl-distanziert gewirkt.

Dem Plot tut das allerdings keinen Abbruch. „Zornesbrand“ ist ein durchweg spannendes Buch mit einer überraschenden Auflösung. Spannung kann Saskia Berwein, das hat sie in allen fünf Büchern der Reihe – und damit auch mit ihrem aktuellen Thriller – eindeutig bewiesen.

Bleibt zu hoffen, dass die Leitner- und Grohmann-Fans nicht erneut vier Jahre bis zum nächsten Band warten müssen!

→ Interessante Links

Zum Buch auf der Homepage der Autorin: „Zornesbrand“

Zum Buch auf der Homepage des Verlags: „Zornesbrand“

Zur Facebook-Seite der Autorin: Saskia Berwein

BLOGTOUR ZU „ZORNESBRAND“

Wenn Ihr mehr über das Buch erfahren wollt, dann lade ich Euch im Namen von Saskia Berwein und meinen geschätzten Bloggerkolleginnen herzlich zur gerade stattfindenden Blogtour zu „Zornesbrand“ ein. Dort bekommt Ihr jede Menge Informationen rund um das Buch – und zu gewinnen gibt es natürlich auch etwas! Hier ist der Fahrplan:

Blogtour Zornesbrand.png

Also, schaut auf den Blogs vorbei! Wir freuen uns auf Euch!

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Veröffentlicht in Leipziger Buchmesse 2019

Buchvorstellung und Interview: „Lügenmeer“ von Susanne Kliem

Auf die Autorin Susanne Kliem bin ich durch ihren Psychothriller „Das Scherbenhaus“ aufmerksam geworden. Am 11. März 2019 erschien mit „Lügenmeer“ ihr aktueller Roman im C. Bertelsmann Verlag. Susanne Kliems Bücher stehen für Spannung, Charaktere mit Tiefe und eine beeindruckende Atmosphäre. Und mit all diesen Elementen spart die in Berlin lebende Autorin auch in „Lügenmeer“ nicht. Darin erzählt sie die Geschichte einer Clique, die nach einem Todesfall vor zwanzig Jahren jäh auseinanderbrach. Doch als Magnus, der trotz seines Freispruchs vor Gericht für die Bewohner der norddeutschen Kleinstadt noch immer als Schuldiger gilt, in seine Heimat zurückkehrt, gelangen die Ereignisse von damals zurück an die Oberfläche.

Ein zentraler Schauplatz des Geschehens ist ein verlassenes Hallenbad. Inzwischen hat die Natur es sich zurückerobert, die Kacheln sind gesprungen und das Gebäude verfällt zusehends. Susanne Kliems Beschreibungen wirken so real, dass man unweigerlich den Duft von Chlor in der Nase hat. Ihre atmosphärischen Bilder ziehen den Leser förmlich mitten hinein in den Krimi.

Subtil baut sie die Spannung auf, wechselt zwischen den Sichtweisen verschiedener Erzähler und bewegt sich geschickt zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart. Stück für Stück nimmt die Autorin den Leser mit in die Ereignisse von damals, die auch heute noch – unter dem Mantel des Schweigens – für alle Beteiligten bedrückend sind. Doch Magnus will die Wahrheit ans Licht bringen. Eine unbequeme Wahrheit, die auch nach mehr als zwanzig Jahren noch Unheil birgt …

Wer also einen Kriminalroman mit eher leisen Tönen schätzt, bei dem auf 320 Seiten nicht ein Mal Langeweile aufkommt, für den ist „Lügenmeer“ die perfekte Lektüre!

Auf der Leipziger Buchmesse hatte ich die Gelegenheit, mich mit Susanne Kliem über ihr aktuelles Buch zu unterhalten.

Susanne Kliem mit ihrem aktuellen Buch „Lügenmeer“ auf der Leipziger Buchmesse 2019

Hat der Handlungsort der Geschichte, die fiktive Stadt Schwanbek, ein reales Vorbild?
Ja, ich habe mich von der Gemeinde Laboe in der Kieler Bucht inspirieren lassen. Allerdings wollte ich es vermeiden, den tatsächlichen Namen des Ortes zu nennen, denn sonst wird man schnell in die Schublade „Regionalkrimi“ gesteckt. In Laboe gibt es tatsächlich auch dieses Schwimmbad am Strand, das im Buch eine tragende Rolle spielt. Ich habe es beim Segeln entdeckt. Später habe ich dann sehr intensiv zu Schwimmbadtechnik recherchiert und durfte mir sogar den Maschinenraum, das Allerheiligste eines solchen Bades, anschauen.

Wie lange haben Sie gebraucht, um „Lügenmeer“ zu schreiben?
Das dauerte ein gutes Jahr.

Was hat Sie zu dem Dreiecksverhältnis von Magnus, Milla und Svenja inspiriert?
Ich habe in einem Café ein Paar beobachtet. Er war ein wirklich gut aussehender Mann, sie dagegen eher eine graue Maus. Ich habe mich sofort gefragt: Warum sind ausgerechnet diese beiden zusammen gekommen, und wie sieht ihre Beziehung aus? Da ging gleich eine Geschichte im Kopf los! Diese Szene und das Gefüge in einer Jugendclique, das waren die ersten Ideen für dieses Buch.

Was würden Sie dazu sagen, wenn Ihre Bücher verfilmt würden?
„Trügerische Nähe“ wurde schon mal zur Verfilmung optioniert – mal schauen, ob noch etwas daraus wird. Besonders glücklich hat mich eine positive Rezension des Filmjournalisten Christian Seidl in der Berliner Zeitung gemacht. 

[Susanne Kliem hält mir fröhlich lächelnd ihr Smartphone hin, auf dem sie mir den Zeitungsartikel zeigt. Darin fragt sich Journalist Seidl „ob schon ein Drehbuchautor an dem Skript für die Verfilmung von >>Lügenmeer<< sitzt.“]

Toll, oder?

Absolut! Ich gratuliere!

Danke! Und bitte Daumen drücken!

Ist schon ein neues Buch in Planung?
Ja, darin geht es um ein Familiendrama. Der Handlungsort wird ein Dorf an der Elbe sein, ein sehr ländliches Setting also. Im Mittelpunkt stehen zwei miteinander befreundete Familien, die allerdings kaum unterschiedlicher sein könnten. Der Ertrinkungstod eines Kindes in der Elbe stellt diese Freundschaft auf eine harte Probe.

Das klingt sehr vielversprechend. Können Sie schon etwas zum Veröffentlichungstermin sagen?
Nein, ein Veröffentlichungstermin ist bis jetzt noch nicht bekannt.

Halb so schlimm, denke ich mir, denn Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude. Und eines ist sicher: Nach „Das Scherbenhaus“ und „Lügenmeer“ wird mich auch Susanne Kliems nächstes Buch regelrecht ans Sofa ketten. 🙂


© C. Bertelsmann Verlag

→ Zum Buch auf der Homepage des Verlags: „Lügenmeer“

→ Zur Homepage der Autorin: Susanne Kliem

Veröffentlicht in Meine Rezensionen (außer Vorablesen.de)

Frisch rezensiert: „Das Mädchen aus der 1. Reihe“ von Jana Crämer

Wenn die Seele Hunger hat …

Das Mädchen aus der ersten Reihe© hockebooks

Meine Bewertung:  ★★★

Lea steht kurz vor dem Abitur, aber das ist längst nicht ihre größte Sorge. Denn ihre Gedanken drehen sich hauptsächlich um zwei Dinge: Essen und die Coverband „Joyning“, deren größter Fan sie ist. Obwohl Lea bedingt durch ihre Essstörung unter hohem Übergewicht leidet und sie sich eigentlich am liebsten im Schutz der eigenen vier Wände verkrümeln würde, gelingt es ihr nur bei den Konzerten ihrer Lieblingsband, all die Demütigungen und Ängste, die sie begleiten, zu vergessen. Besonders nah fühlt sie sich Ben, dem gut aussehenden und heftig umschwärmten Sänger von „Joyning“. Auch ihm liegt eine ganze Menge an Lea. Wird sich durch ihn für sie alles zum Guten wenden? Das erfährt man erst nach der Lektüre des 280-seitigen Taschenbuchs, das als unzensierte und überarbeitete Neuausgabe am 11. März 2019 bei hockebooks erschienen ist. Natürlich werde ich hier kein Fitzelchen vom Ende der Geschichte verraten!

Wenn ich „Das Mädchen aus der 1. Reihe“ mit nur einem Wort beschreiben sollte, dann würde „unrealistisch“ meine Meinung wohl am besten widerspiegeln. Auf der einen Seite haben wir Ben, den Sänger der Band. Er ist Anfang 30 und hat laut Lea, aus deren Sicht diese Geschichte erzählt wird, ein absolut makelloses Aussehen. Zahllose weibliche Fans in Minirock und High Heels warten nach den Konzerten am Bühnenrand auf ihn. Andererseits ist da Lea, die sich wegen ihres massiven Übergewichts kaum unter die Leute traut und nur wenig Selbstwertgefühl hat, dafür aber durch ihre Essstörung, die Alkoholsucht ihres Vaters und die Trennung ihrer Eltern ein ganzes Bündel voller Probleme mit sich herumschleppt.

Ja, das klingt ein wenig nach Aschenputtel – und ähnlich märchenhaft geht es tatsächlich zu, wenn Ben sämtliche weiblichen Fans beim Gig links liegen lässt und nur Augen für Lea hat. Vor versammeltem Publikum macht er an Lea gerichtete, überschwängliche Ansagen, die ihr die Schamesröte ins Gesicht treiben. Mir ist bewusst, dass es sich um einen Roman und nicht um einen Tatsachenbericht handelt, aber das ist selbst für belletristische Verhältnisse unglaubwürdig. Ich nehme es der Autorin einfach nicht ab, dass sich ein angehender Rockstar ausgerechnet brennend für eine Person interessiert, die als graue Maus im Grunde unsichtbar ist. Und natürlich ist er auch als rettender Engel zur Stelle, wenn es eng für Lea wird. Deshalb halte ich den Plot, der die Beziehung von Lea und Ben betrifft, für unglaubwürdig.

Jana Crämer stellt ihre Protagonistin dafür mit sehr viel Einfühlungsvermögen -wenngleich auch mit ungeschönten Worten – dar. Leas Selbsthass transportiert sie sehr deutlich, ebenso wie die psychologischen Hintergründe der Binge Eating-Störung eingehend beleuchtet werden. Das hat mich sehr berührt.

Sicherlich kann Jana Crämer dahingehend auf eigene schmerzvolle Erfahrungen zurückgreifen, denn die im Ruhrgebiet lebende Autorin wog selbst einmal 180 Kilo, hat ihr Gewicht aber inzwischen erfolgreich halbiert. Darüber berichtet sie auf ihrem Blog www.endlich-ich.com. Wenn man dort stöbert, erkennt man, dass „Das Mädchen aus der 1. Reihe“ einige biografische Bezüge zum Leben der Autorin herstellt – nicht nur, was die Essstörung betrifft, sondern auch die Alkoholabhängigkeit ihres eigenen Vaters.

Alles in allem hat mich persönlich dieses Buch nicht vollständig packen können. Den vielen frenetischen Rezensionen, die es zu „Das Mädchen in der 1. Reihe“ gibt, kann ich mich also nicht anschließen. Trotz des flüssigen Schreibstils empfand ich es zum Beispiel als anstrengend, dass sich Lea und ihre beste Freundin ständig mit „Maus“ und „Süße“ ansprechen – von der Songauswahl der Coverband mal ganz zu schweigen. Hören 18-Jährige heutzutage wirklich noch Sting und Billy Idol?

Wichtig und lobenswert ist allerdings die Tatsache, dass Jana Crämer mit ihrem Buch der Binge-Eating-Störung eine Plattform gibt. In vielen Schulen hat sie „Das Mädchen aus der 1. Reihe“ schon vorgestellt und ihre Zuhörerschaft für diese Thematik sensibilisiert. Mein Fazit deshalb: Ein Buch zu einem bedeutsamen Thema, das leider nur mäßig umgesetzt wurde.

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Zum Buch bei Amazon.de: „Das Mädchen aus der 1. Reihe“

Zum Buch auf der Homepage des Verlags: „Das Mädchen aus der 1. Reihe“

Zum Blog der Autorin: Jana Crämer

Veröffentlicht in Absolute Schätze

Frisch rezensiert: „Die Liebe im Ernstfall“ von Daniela Krien

Worte wie Zartbitterschokolade

Copyright: Diogenes

Meine Bewertung:  ★★★★★

Nach fast acht Jahren des Wartens ist es heute so weit: Mit „Die Liebe im Ernstfall“ erscheint endlich ein neuer Roman von Daniela Krien!

Von ihrem 2011 veröffentlichten Debüt „Irgendwann werden wir uns alles erzählen“ war ich hingerissen. Im Jahr 2014 erschien der Kurzgeschichtenband „Muldental“ ebenso wie ihr Erstling im Graf Verlag.

Nun hat das Schweizer Verlagshaus Diogenes das meisterhafte Schreibtalent von Daniela Krien erkannt und ihrem Buch „Die Liebe im Ernstfall“ eine Heimat gegeben. Die Autorin lebt in Leipzig. Dort hat sie auch die Handlung ihres Romans angesiedelt.

Die Erzählung dreht sich um fünf Frauen, die teilweise miteinander befreundet sind, teilweise aber auch erbitterte Konkurrentinnen. Wer meint, „Die Liebe im Ernstfall“ sei ein heiterer Frauenroman zum Zeitvertreib, der irrt sich. Dieser Roman besticht durch seine schmerzhafte Ehrlichkeit und Tiefgang.  Daniela Krien genügt der Blick durchs Schlüsselloch nicht – sie lotet ihre Protagonistinnen aus und schaut ihnen in die Winkel ihrer Seele. Paula, Judith, Brida, Malika und Jorinde sind fünf interessante Frauen, die in ihrem Leben viel Schönes, aber auch Verletzungen und Brüche erfahren haben. Jede Frau, die uns im Alltag auf der Straße begegnet, könnte eine von ihnen sein. Die Autorin erzählt wortgewaltig von den Kämpfen, die jede dieser Frauen ausfechten muss – und auf welche Weise sie das tun. Liebe, Beziehungen und Sexualität sind die zentralen Themen der Geschichte. Die rosarote Brille jedoch nimmt Daniela Krien ihren stillen Heldinnen beizeiten ab. Jeder der fünf Frauen widmet die Autorin ihr eigenes Kapitel. Insofern handelt es sich um fünf einzelne Erzählungen, die allerdings alle miteinander verbunden sind, denn die Lebenswege von Paula, Judith, Brida, Malika und Jorinde kreuzen sich – die einen eher, die anderen später. 

Das, was Daniela Kriens Bücher für mich so besonders macht, ist ihr einzigartiger Schreibstil, den sie auch in ihrem aktuellen Roman einmal mehr eindrucksvoll unter Beweis stellt. Ihre Worte sind wie Zartbitterschokolade – vollmundig, kräftig und ein wenig herb. Die Sinnlichkeit, mit denen Daniela Krien sprachlich ihre Bilder malt, ist mir in dieser Form bisher bei keinem Autor und keiner Autorin begegnet.

Die 288 Seiten dieses Buches sind ein echter Hochgenuss. Nichts für Zwischendurch, sondern – aller Schmerzhaftigkeit zum Trotz – zum Genießen.

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Zum Buch auf der Homepage des Verlags: „Die Liebe im Ernstfall“

Zum Buch auf vorablesen.de: „Die Liebe im Ernstfall“

→ Bibliografisches

Erscheinungsdatum: 27.02.2019
ISBN: 978-3-257-07053-8
Preis: 22,00 EUR (Hardcover, Leinen)

Veröffentlicht in Brandneu! - Rezensionen am Erscheinungstag

Frisch rezensiert: „Die Leben danach“ von Thomas Pierce

Was kommt nach dem Tod?

Meine Bewertung:  ★★★★


© DUMONT Buchverlag

Jim Byrd ist ein ganz gewöhnlicher Mann mit einer ungewöhnlichen Geschichte: Er war schon einmal tot. Nur für wenige Augenblicke zwar, nämlich als er im Parkhaus nach einer „Fehlzündung“ seines Herzens regungslos aufgefunden wurde – aber tot ist schließlich tot, oder? Seitdem treibt ihn die Frage um, was uns Menschen nach dem Tod erwartet. Gesehen hat Jim während seines vorübergehenden Ablebens nämlich nichts: weder gleißendes Licht noch seine Ahnen, die ihn an der Himmelspforte begrüßten. Eifrig begibt er sich auf die Suche nach dem großen „Danach“.

Ich war gespannt, welche Art von Geschichte mich zwischen den Buchdeckeln des Romans „Die Leben danach“ erwarten würde. Eine schwermütige Betrachtung des Lebens und vor allem des Sterbens? Eine Abhandlung aus wissenschaftlicher Sicht? Oder eine launige Story, die der Thematik mit Humor begegnet? Die Antwort lautet: eine gelungene Mischung aus allem. Der US-amerikanische Autor Thomas Pierce vereint in seinem Debütroman, dessen Originaltitel „The Afterlives“ lautet, all diese Elemente miteinander.

Für seinen Titelhelden Jim Byrd hegt man von Beginn an große Sympathie. Man kann gar nicht anders, als den kleinstädtischen Kreditberater zu mögen. Dieser Durchschnittstyp steht stellvertretend für den Otto Normalverbraucher, der mit dem klassischen Nine-to-five-Job ein geregeltes Leben in relativ vorgezeichneten Bahnen führt und sich irgendwann unweigerlich fragt: Was passiert eigentlich nach diesem Leben? Kommt da noch was?

Jim tut das auf ganz unterschiedliche Weise: Er befragt ein Medium, schließt sich der Kirche der Suchenden an, wandelt auf den Spuren von ruhelosen Seelen und ist nahezu besessen von der Wiedervereinigungsmaschine, mit der eine Wissenschaftlerin für Erstaunen sorgt.

Ich gebe zu, dass besonders die Erwähnung der Geister in der Buchbeschreibung mein Interesse geweckt hat. Thomas Pierce hat sich dafür das Ehepaar Lennox ausgedacht, das vor vielen Jahren just in dem Haus lebte, in dem Jim seine Jugendliebe Annie wiedertrifft, und das einst auf tragische Weise den Tod fand. Eine Geschichte in der Geschichte also, die parallel zu Jims Erlebnissen erzählt wird. Mit der wissenschaftlichen Betrachtungsweise des Todes, der im Buch eine große Rolle zukommt, wurde ich dagegen nicht warm – zu futuristisch und zu fantastisch erschien mir die Welt der Hologramme und der Kryonik.

Obwohl auch der Humor in „Die Leben danach“ nicht zu kurz kommt, zieht Thomas Pierce das Thema Tod nie ins Lächerliche. Er geht stellenweise allerdings wohltuend unbefangen damit um und rückt eher die Neugier denn die Angst in den Vordergrund. Und für diese Betrachtungsweise hätte er sich keinen besseren Protagonisten als den liebenswerten Jim Byrd ersinnen können.

„Die Leben danach“ ist wunderbar geschrieben, treffend, bildhaft, pointiert, mit lebendigen Dialogen. Das ist ohne Frage auch ein Verdienst des Übersetzers Tino Hanekamp. Doch dieses Buch hat mich über 400 Seiten hinweg nicht einfach nur hervorragend unterhalten – es hat mich auch bis ins Mark gepackt und ins Grübeln gebracht: Was mag nach dem Tod geschehen? Woran glaube ich? Mit dem Zuklappen des Buchs war also für mich noch nicht Schluss. Und womöglich war genau das eine der Absichten des 1982 geborenen Autors: die Leser dazu anzuregen, sich mit dem tabubehafteten Thema Tod zu beschäftigen.


Zitiert

„Das war schon immer das Ende der Geschichte gewesen, nur dass es noch niemand von uns gewusst hatte.“

Jim Byrd über den Tod seines Vaters, Seite 265


Interessante Links

Zum Buch auf der Homepage des Verlags: „Die Leben danach“

Zum Buch bei vorablesen.de: „Die Leben danach“

Zum Twitter-Account des Autors: Thomas Pierce


Bibliografisches

Erscheinungsdatum: 18.02.2019 
ISBN: 978-3-8321-9893-0
Preis: 24,00 EUR (Hardcover, gebunden mit Lesebändchen und Schutzumschlag)

Veröffentlicht in Meine Rezensionen (außer Vorablesen.de)

Frisch rezensiert: „Darjeeling Pur“ von Tami Weissenberg

Erschreckend, bedrückend und unglaublich wichtig: Das erste Buch eines männlichen Gewaltopfers

Meine Bewertung:  ★★★★★

Darjeeling Pur© Outbird Verlag

Es ist ein Thema, das bisher in der Öffentlichkeit so gut wie nicht existierte – und wenn, dann höchstens, um ungläubig belächelt zu werden: Gewalt gegen Männer.

Doch es gibt einen Mann, der mit diesem gesellschaftlichen Tabu bricht und einer bis dato totgeschwiegenen Problematik ein Gesicht gibt. Sein Name ist Tami Weissenberg, er ist 36 Jahre alt und er lebt in Sachsen. Am 13. Juli 2018 erschien im Outbird Verlag sein Buch „Darjeeling Pur“, in dem er das Martyrium aufarbeitet, das er jahrelang ertrug.

Tami Weissenberg lernt eine Frau kennen und geht mit ihr eine Beziehung ein. Man zieht zusammen, lebt ein gemeinsames Leben – aber die große Liebe ist es nicht. Sein Helfersyndrom ist es, das ihn bei ihr bleiben lässt, der Frau, die doch in ihrer Kindheit so viel Vernachlässigung und in ihrer vorhergehenden Ehe Gewalt erfahren hat. Man zieht zusammen, richtet ein gemeinsames Konto ein, heiratet schließlich und genießt ein fast schon glamouröses Dasein – Putzfrau, Gärtner und parkähnliches Grundstück inklusive. Tami verdient als Geschäftsführer einer Firma gutes Geld – und seine Frau hat ein unglaubliches Talent dafür, es mit vollen Händen auszugeben. Immer weiter zieht sie die sprichwörtliche Schlinge um seinen Hals zu. Sie verwaltet das Geld, isoliert Tami mehr und mehr von Familie und Freunden und macht ihn schließlich vollständig von sich abhängig. Was ganz perfide begann, schlägt bald darauf in regelrechte Gewaltorgien um, denen Tami trotz seiner Körpergröße von fast zwei Metern nichts entgegensetzt – Frauen schlägt man schließlich nicht. Nach außen hin halten die beiden die funkelnde Fassade aufrecht, aber hinter verschlossenen Türen erlebt Tami die Hölle auf Erden …

„Darjeeling Pur“ ist ein Buch, das man nach dem Lesen nicht einfach weglegt. Zu sehr beschäftigt einen der starke Tobak, den Tami Weissenberg in diesem autobiografischen Buch beschreibt – und zwar in deutlichen Worten und ungefiltert. Seine Worte sind wie Glasscherben, die sich in die Haut des Lesers bohren. Dieses Buch ist schmerzhaft. Es ist schonungslos und es schockiert.

Nachdem ich das letzte Kapitel gelesen hatte, musste ich erst einmal tief durchatmen. Zu ungeheuerlich erscheinen einem die Ereignisse und diese eiskalte, berechnende Frau, die zur Befriedigung ihrer eigenen Bedürfnisse wohl sogar über Leichen gehen würde.

Aber Tami Weissenberg jammert nicht. Er stellt sich nicht als armes Opfer häuslicher Gewalt dar, das mitleidheischend von seinen Erfahrungen berichtet. Ebenso wenig sinnt er auf Rache. Den Namen der Frau, weitere Angaben, die Rückschlüsse auf diese Person zulassen, oder gar Hasstiraden sucht man in diesem Buch vergeblich. Tami Weissenbergs Intention, dieses Buch zu schreiben, war, dem Thema Gewalt gegen Männer ein Gesicht zu geben, diesem wichtigen Thema, das bislang öffentlich unter den Teppich gekehrt wurde. Tami Weissenbergs Mut und sein Engagement sind beispielhaft. Der Autor hat den Verein Weissenberg e. V. gegründet, der eine Männerschutzwohnung betreibt und ein großes Netzwerk an Hilfsangeboten für männliche Gewaltopfer bietet. In vielen Fernseh-, Radio- und Printmedien hat er das Thema häusliche Gewalt aus einer Perspektive zur Sprache gebracht, die viele gar nicht kennen oder schlicht nicht wahrhaben wollen. Doch damit nicht genug: Aktuell arbeitet er an der Fortsetzung von „Darjeeling Pur“, die aller Voraussicht nach im Frühjahr 2019 erscheint und nicht nur von mir mit Spannung erwartet wird.

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Zum Buch auf der Homepage des Verlags: „Darjeeling Pur“

Zum Buch bei Amazon.de: „Darjeeling Pur“

Zur Facebook-Seite des Autors: Tami Weissenberg

Zur Facebook-Präsenz von Weissenberg e. V. – Männernetzwerk Plauen/Vogtland

Zur Homepage der Landesfachstelle Männerarbeit Sachsen

Veröffentlicht in Meine Rezensionen (außer Vorablesen.de)

Frisch rezensiert: „Stille Schwester“ von Martin Krist

Ein Thriller mit (zu) viel Tempo

Meine Bewertung:  ★★★

Stille Schwester© R & K, Martin Krist

Eine getötete Rentnerin, ein Junge, der bei einem Brandanschlag auf einen türkischen Laden in Berlin-Kreuzberg ums Leben kommt, ein ermordeter werdender Vater, dazu noch zwei weitere ungeklärte Tötungsdelikte, die zu einer Serie zu gehören scheinen: Die Mordkommission um Henry Frei hat wirklich alle Hände voll zu tun.

Nach „Böses Kind“ schickt der Berliner Schriftsteller Martin Krist seinen Protagonisten Henry Frei in „Stille Schwester“ zum zweiten Mal auf Mörderjagd. Der erste Band der Reihe endete mit einem Cliffhanger par excellence und ließ dabei so manche Frage offen. „Stille Schwester“ bringt, so viel sei verraten, Licht ins Dunkel. Dennoch sollte man den ersten Teil unbedingt vorher gelesen haben, denn sonst läuft man leicht Gefahr, den roten Faden zu verlieren.

Ein pedantischer Kommissar, eine kränkelnde Ermittlerin und ein übermotivierter Jungspund – diese drei Figuren bilden den Kern des Teams, das aufgrund der unterschiedlichen Charaktere allerhand sozialen Sprengstoff bietet. Auch die Story wird niemals ermüdend – ganz im Gegenteil: Die Kommissare hetzen in atemberaubendem Tempo von Tatort zu Tatort. Aus all den Ereignissen, die Martin Krist auf 232 Buchseiten komprimiert, hätten andere Autoren womöglich eine Trilogie gemacht. Ich gebe ehrlich zu, dass ich manchmal mit dem Tempo des Thrillers nicht Schritt halten konnte.

Doch Martin Krist wäre nicht Martin Krist, wenn er in all die Gräuel nicht die Tristesse der Großstadt und zwischenmenschliche Unzulänglichkeiten eingebaut hätte. Das ist ihm einmal mehr hervorragend gelungen. Berlin im Schneematsch, kalt, grau, trostlos – diese Kulisse bildet den perfekten Rahmen für die rasante Handlung des Thrillers! Mittendrin eine junge Frau, die sich glücklich verliebt wähnt – und sich dann verbittert fragen muss, ob sie ihrem Lebensgefährten überhaupt noch trauen kann. Für kleine Atempausen zwischen den Kapiteln sorgen E-Mails an Kommissar Frei, die er von einem unbekannten Absender erhält, der darin seine Kindheit und das problematische Verhältnis zu seiner Schwester schildert.

Alles in allem ist „Stille Schwester“ ein absolut lesenswerter Stoff, aber hin und wieder hat mich die Schnelligkeit der Handlung und die Flut der Ereignisse überrollt. Nichtsdestotrotz möchte ich natürlich wissen, wie es weitergeht! Ein dritter Teil der Henry Frei-Reihe ist bisher noch nicht angekündigt worden. Aber da Martin Krist bekanntlich fast schon schneller schreibt, als man lesen kann, wird der nächste Band sicher nicht allzu lange auf sich warten lassen.

Erst vor wenigen Tagen hat er den Auftaktband zu einer neuen Thriller-Serie veröffentlicht: „Freak City – Hexenkessel„. Martin Krist hat jede Menge Crime im Blut!

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Zum Buch bei Amazon.de: „Stille Schwester“

Zur Homepage des Autors: Martin Krist

Zum Buchtrailer von „Freak City – Hexenkessel“