Leipziger Buchmesse 2017, Tag 3: Mein Messe-Tagebuch

Samstagvormittag, 10:00 Uhr in Leipzig: Im Congress Center Leipzig (CCL) tummeln sich in einem der Veranstaltungsräume viele junge, vorwiegend weibliche Menschen.

Die beiden Kinder- und Jugendbuchverlage CARLSEN und Thienemann-Esslinger hatten  zum Bloggerempfang #BCT17 geladen.

Zum Anbeißen: Die äußerst leckeren Cupcakes waren mit Mini-Buchcovern verziert

Dort wurde nicht nur ein kleiner Ausblick auf das Herbstprogramm beider Häuser geboten, auch drei Autorinnen und ein Autor waren eingeladen, um ihre neuesten Bücher vorzustellen und zu signieren. Das waren (bitte auf das jeweilige Cover klicken, um mehr über das Buch zu erfahren):

Laura Kneidl, „Water & Air“

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© CARLSEN Verlag

Rena Fischer, „Chosen – Die Bestimmte“
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© Thienemann Esslinger

Tanja Voosen, „Nova und Avon – Mein böser böser Zwilling“

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© CARLSEN Verlag

Björn Springorum, „Spiegel des Bösen“

Spiegel des Bösen
© Thienemann Esslinger

Besonders gut beim Publikum kam Björn Springorum an, der mit seiner witzigen Art schnell die Sympathien auf seiner Seite hatte. Er erzählte, dass er sich beim Schreiben seines Horror-Fantasy-Romans „Spiegel des Bösen“ >>unfassbar gegruselt<< habe. Zu Recherchezwecken hat er Stephen Kings „Shining“ gelesen. Diesen Klassiker fand er derart zum Fürchten, dass er das Buch selbst am helllichten Tag zuklappen musste. Außerdem leidet der 1982 geborene Autor an einer ausgewachsenen Arachnophobie, der Panik vor Spinnen.

An dieser Stelle gebührt den Organisatorinnen des #BCT17-Happenings nochmal ein ganz großes Dankeschön!

Mit Björn Springorum

Mit Tanja Voosen

Am Mittag quetschte ich mich kopfschüttelnd durch Halle 3, denn eine schier nicht enden wollende Schlange wand sich durch die Gänge: Sebastian Fitzek signierte seine Bücher und zog seine Fans in Scharen an.

Doch ich hatte ein anderes Ziel, nämlich den Messestand der Verlagsgruppe Random House. Dort traf ich mich zum Interview mit Susanne Kliem, um mit ihr über ihren aktuellen Psychothriller „Das Scherbenhaus“ zu plaudern. Das Interview erscheint in den nächsten Tagen hier auf meinem Blog, aber so viel sei schon verraten: Es war eine tolle Begegnung!

Mit Susanne Kliem

Nachdem ich wegen der Menschenmassen eine gute Viertelstunde gebraucht hatte, um von Halle 3 in Halle 4 zu pilgern, empfing mich am Stand von HarperCollins Germany ein anrührendes Bild: Ganz oben im Regal standen sie in trauter Eintracht und schienen „Hallo Mama!“ zu rufen: Die beiden ersten Bände der Montana Dreams-Reihe von Jennifer Ryan. Bei diesen Büchern wurde mir die große Ehre des Erstlektorates zuteil und ich war sehr bewegt, als ich sie so da stehen sah.

Es gab aber noch mehr Grund zur Freude: Wir feierten ein kleines #HELLGOLAND-Wiedersehen (leider nur zu zweit, aber immerhin).

Meine #HELLGOLAND-Liiiiiiiiiisa!!!

Außerdem hat HarperCollins erst gestern bei der Verleihung des BuchMarkt-AWARDS 2017 Gold in der Kategorie Event/Promotion/Guerilla für die #HELLGOLAND-Kampagne abgeräumt.

img_1307-1 © HarperCollins

Der Nachmittag gehörte LovelyBooks, denn die beliebte Leseplattform hatte auch in diesem Jahr wieder zum großen Lesertreff geladen. Zu Gast war Anne Freytag, die in gewohnt lockerer Manier über ihr neues Jugendbuch „Den Mund voll ungesagter Dinge“ sprach.

Den Mund voll ungesagter Dinge von Anne Freytag
© Heyne Verlag

Und nun sitze ich hier im Pressezentrum, schreibe diesen Beitrag und dabei wird mir klar, dass die Leipziger Buchmesse 2017 für mich gleich vorbei ist. Morgen geht es wieder nach Hause. Es war wieder einmal eine unglaublich bereichernde und irrsinnig tolle Zeit mit vielen neuen Begegnungen und fröhlichen Wiedersehen, aber ganz ehrlich: Irgendwann leidet man an Reizüberflutung. Und deshalb freue ich mich darauf (so superschön die drei Tage in Leipzig auch wieder waren), nach Hause zu fahren, Mann und Hund in die Arme zu schließen und endlich Zeit für all die Bücher zu haben, die mit mir gemeinsam morgen die Messestadt verlassen werden.

* GEWINNSPIEL *

Zapfig von Felicitas Gruber© DIANA Verlag

Hier sind die letzten Buchstaben des diesjährigen Buchmesse-Gewinnspiels. Unter jedem meiner Messetagebuch-Einträge findet Ihr sie. In der richtigen Reihenfolge ergeben sie zusammengesetzt ein Lösungswort, mit dem Ihr an der Verlosung eines nagelneuen Exemplars des Krimis „Zapfig“ von Felicitas Gruber teilnehmen könnt.

R N A L R


Gewinnspielformular


Teilnahmebedingungen: 

1. Verlost wird ein Exemplar des Krimis “Zapfig” von Felicitas Gruber, nagelneu und ungelesen. Danke an den DIANA Verlag!

2. Das Gewinnspiel läuft im Zeitraum vom 23. März 2017 bis zum 4. April 2017, 24:00 Uhr. Zum Teilnehmen müssen die Buchstaben unter jedem der Messetagebuch-Einträge in die richtige Reihenfolge gebracht, zum Lösungswort zusammengesetzt und das Gewinnspielformular unter dem Tagebucheintrag von Tag 3 (Samstag) vollständig ausgefüllt und abgeschickt werden. Der/die Gewinner/in wird am 5. April 2017 aus allen fristgerecht eingegangenen Einsendungen mit dem richtigen Lösungswort per Losverfahren ermittelt und dessen/deren Name hier bekanntgegeben. Mit dem Absenden des Teilnahmeformulars erklärt sich der/die Teilnehmer/in damit einverstanden, dass sein/ihr vollständiger Name im Gewinnfall hier veröffentlicht werden darf.

3. Mitmachen kann jede/r mit Hauptwohnsitz in Deutschland, der/die mindestens 18 Jahre alt ist. Mit dem Abschicken des Teilnahmeformulars bestätigt Ihr, dass Ihr volljährig seid.

4. Keine Barauszahlung möglich.

5. Keine Haftung, falls der Gewinn auf dem Postweg verloren geht.

6. Bitte nur 1 x mitmachen! Mehrfachteilnehmer/innen werden disqualifiziert.

7. Ihr müsst zur Teilnahme nicht zwingend meinem Blog oder meiner Facebook-Seite folgen. Ich freue mich aber selbstverständlich immer über neue Follower meines Blogs, meiner Facebook-Seite, meines Twitter– und meines Instagram-Accounts.

8. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

9. Eure Daten werden ausschließlich im Rahmen des Gewinnspiels verwendet und NICHT weitergegeben. Nach erfolgter Auslosung werden die Daten gelöscht.

Viel Glück!

Frisch rezensiert: „Das Scherbenhaus“ von Susanne Kliem


Nervenaufreibende Spannung bis zum Ende


Meine Bewertung: ★★★★

Das Scherbenhaus von Susanne Kliem© carl`s books

Es gibt Bücher, die im Kopf des Lesers wie ein Film ablaufen – und zwar schon vom ersten Satz an. „Das Scherbenhaus“ von Susanne Kliem gehört zweifellos in diese Kategorie.

Die Köchin Carla Brendel aus Stade steht in diesem Psychothriller im Mittelpunkt des Geschehens. Seit einiger Zeit lässt ihr ein Stalker keine Ruhe. Neben seltsamen Briefen schickt er ihr verstörende Fotos von menschlicher Haut, die mit tiefen Wunden übersät ist. Kurz darauf verschwindet Carlas Halbschwester Ellen, die in Berlin lebt. Nach einigen Tagen wird die Leiche der erfolgreichen Architektin in einem Kanal gefunden. Die Polizei legt den Fall als tragisches Unglück zu den Akten, doch Carla glaubt nicht daran. Sie gibt keine Ruhe und zieht vorübergehend in Ellens hochmoderne Wohnung ein. Dank allerfeinstem High Tech wird Carla von der Außenwelt abgeschirmt. Sie fühlt sich sicher. Doch bald schon gehen in dem Mietshaus der Luxusklasse befremdliche Dinge vor. Carla, die davon überzeugt ist, dass Ellen umgebracht wurde, befindet sich auf gefährlichem Terrain …

„Das Scherbenhaus“ erscheint heute als Paperback bei carl´s books. Das E-Book wurde bereits am 20. Februar 2017 veröffentlicht. In 22 Kapiteln erzählt Susanne Kliem auf 336 Seiten eine nervenaufreibende Story, die das Prädikat Psychothriller absolut verdient. Der Leser weiß dabei nie mehr als Carla und wird von unvorhergesehenen Ereignissen und drastischen Wendungen ebenso überrascht wie die Protagonistin. Nichts ist, wie es scheint. Wem kann Carla noch trauen? Die Spannung, in deren Zentrum diese Frage steht, hält die Autorin von Anfang bis Ende konstant auf hohem Niveau.

Mit einer starken Hauptfigur, authentischen Dialogen, einer wunderbaren Sprache und viel Atmosphäre bietet „Das Scherbenhaus“ pures Lesevergnügen und reichlich Nervenkitzel. Man kann dieses Buch nicht beiseitelegen, weil es schlichtweg Suchtpotenzial hat. Ja, diesen Satz liest man so oder so ähnlich oft in Krimi- und Thriller-Rezensionen, aber Ehrenwort: Hier stimmt er zu hundertzehn Prozent!

Allerdings hat mich eine Sache gestört, die mich lange mit mir selbst hat ringen lassen, ob ich nun vier oder fünf Sterne vergebe. Es ist die Auflösung (die ich hier natürlich NICHT verrate), denn ich halte sie für zu konstruiert. Aus diesem Grund habe ich mich nur für vier Sterne entschieden, obwohl alles andere absolut perfekt ist.

Zuvor habe ich noch kein Buch von Susanne Kliem gelesen – ein böser Fehler, wie ich mir nach der fesselnden Lektüre von „Das Scherbenhaus“ eingestehen muss, denn die in Berlin lebende Autorin versteht es meisterhaft, die Nerven der Leser aufs Äußerste zu strapazieren. Mit „Trügerische Nähe“ und „Die Beschützerin“ sind bislang neben „Das Scherbenhaus“ zwei weitere Thriller von Susanne Kliem bei carl`s books erschienen, die ich am liebsten beide auf der Stelle verschlingen würde.


logo-lbm17MESSETERMIN!

Susanne Kliem ist am Samstag, dem 25. März 2017 um 17:00 Uhr in der Glashalle beim KrimiSpeedDating des ZDF/Das Blaue Sofa anzutreffen.


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Zum Buch auf der Homepage des Verlags: „Das Scherbenhaus“

Zur Homepage der Autorin: Susanne Kliem

Frisch rezensiert: „Glücksmädchen“ von Mikaela Bley

Psychothriller? Nein! – Solider Krimi? Ja!

Meine Bewertung: ★★★

Glücksmädchen.jpg © Ullstein Buchverlage

Die junge Journalistin Ellen Tamm denkt Tag für Tag an den Tod. Das muss sie einerseits ihres Berufes wegen, denn sie arbeitet als Kriminalreporterin beim schwedischen Fernsehsender TV4. Zum anderen verfolgt sie der dramatische Verlust ihrer Zwillingsschwester Elsa noch immer, obwohl er sehr lange zurückliegt.

Das spurlose Verschwinden der achtjährigen Lycke beschwört in Ellen dunkle Erinnerungen herauf. Elsa war damals ebenfalls acht Jahre alt … Ellen gibt alles, um die kleine Lycke lebend zu finden, hilft bei der Suche und befragt die Angehörigen, um einen Anhaltspunkt für den Verbleib des Mädchens zu finden. Doch nicht nur emotional ist dieser Fall für die Journalistin eine Gratwanderung – plötzlich befindet sich Ellen selbst in Gefahr …

„Glücksmädchen“ ist das Debüt der in Stockholm lebenden Autorin Mikaela Bley. Die schwedische Originalausgabe des Thrillers mit dem Titel „Lycke“ erschien 2015 und war sehr erfolgreich. Ob das Buch, das von Katrin Frey ins Deutsche übersetzt wurde und am 10. Februar 2017 veröffentlicht wurde, hierzulande einen ebensolchen Zuspruch erhält?

Für meine Begriffe handelt es sich bei „Glücksmädchen“ leider nicht um einen Psychothriller, wie es der Aufdruck auf dem Cover verspricht. Die psychologische Spannung bleibt nämlich oftmals auf der Strecke. Viel mehr legt die Autorin ihren Fokus auf die zerrütteten Familienverhältnisse der kleinen Lycke und das traumatische Kindheitserlebnis von Reporterin Ellen. Das allerdings tut Mikaela Bley mit sehr viel Tiefe. Da ist Lyckes böse Stiefmutter, die mit ihren Eifersüchteleien auf das Kind ganz weit oben auf der Liste der Verdächtigen steht. Oder hat Lyckes depressiv wirkende Mutter etwas mit dem Verschwinden des Mädchens zu tun? Steckt vielleicht der Vater dahinter, dessen neues Familienglück die Kleine womöglich stört? Oder doch ein Fremder? Das verrät die Autorin erst ganz zum Schluss und lässt den Leser bis dahin auf so mancher falschen Fährte wandeln.

Gewünscht hätte ich mir von diesem Roman mehr von der düsteren Atmosphäre, denn das Potenzial dazu hat die Geschichte.

Bemerkenswert fand ich die Kaltschnäuzigkeit von Ellens Chef, der den Fall Lycke ohne Rücksicht auf die Eltern medial ausschlachtet und immer der Erste sein will, der die neuesten Entwicklungen verkündet. Auch die Kontakte zwischen dem Fernsehsender und der Polizei scheinen beängstigend eng zu sein.

Ob Mikaela Bley dabei aus ihren eigenen Erfahrungen schöpft? Immerhin hat die 1979 geborene Autorin beim schwedischen TV-Sender SV4 gearbeitet, bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete.

In Schweden erschien im August 2016 ihr zweiter Kriminalroman „Liv“. Obwohl mich „Lycke“ nicht einhundertprozentig überzeugen konnte, würde ich dem zweiten Teil der Reihe um Reporterin Ellen Tamm dennoch eine Chance geben, wenn er auf Deutsch erscheint.

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Zum Buch auf der Homepage des Verlags: „Glücksmädchen“

Zur Facebook-Seite der Autorin: Mikaela Bley

Zum Instagram-Profil der Autorin: Mikaela Bley

Frisch rezensiert: „Die Flut“ von Arno Strobel [Hörbuch]

Arno Strobel wieder in Bestform!

Meine Bewertung: ★★★★★

© S. FISCHER Verlag GmbH

Wer die Bücher von Arno Strobel kennt, weiß um die Vorliebe des 1962 in Saarlouis geborenen Autors für abgeschiedene Orte: „Das Rachespiel“ findet in einer stillgelegten Bunkeranlage statt, „Das Dorf“ spielt in einem abgelegenen Örtchen an der Müritz, sein Jugendthriller „Abgründig“ in einer Berghütte.

Auch in seinem neuen Psychothriller „Die Flut“ spielt Arno Strobel den Trumpf der einsamen Gegend aus. Diesmal verschlägt es seine Figuren auf die im November eher verlassene Nordseeinsel Amrum. Zwei Paare – Julia und Michael, Martina und Andreas – verbringen ihren Urlaub gemeinsam in einem Ferienhaus nahe der Dünen. Eines Morgens wird im Watt die Leiche einer im Sand eingegrabenen Frau entdeckt, die gegen die hereinbrechende Flut keine Chance hatte. Bald schon bevölkern Dutzende von Polizisten das beschauliche Eiland und Michael gerät ins Visier der Polizei. Allerdings bleibt es nicht bei diesem einen Mord…

Ein wolkenverhangener Himmel, das Rauschen der Nordsee, tosender Wind, die Weite der Dünen – das sind die Zutaten, mit denen Arno Strobel beim Hörer (beziehungsweise Leser) die Sehnsucht nach einem Herbsturlaub am Meer weckt. Vor dieser wilden, herrlichen Kulisse treibt ein Serientäter sein Unwesen, dessen Identität der Autor bis zum Ende erfolgreich verbirgt. Schließlich könnte es jeder gewesen sein: Der so jovial wirkende Andreas, der unheimliche Nachbar Feldmann oder Adam Damerow, ein Psychotherapeut, der sich vorzeitig aus seinem Berufsleben zurückgezogen hat. Das sind nur einige Namen auf der Liste der Verdächtigen, die Strobel seinem Publikum präsentiert. Nahezu alle Darsteller sind nämlich so undurchsichtig wie der Novembernebel, der die Nordseeinsel einhüllt.

Für zusätzliche Spannung im Wortsinn tragen die Differenzen bei, die die beiden Paare austragen, denn deren Nervosität steigt mit der Intensität der polizeilichen Ermittlungen.

Der Sprecher Sascha Rotermund erzählt die packende Geschichte so, wie man es sich von einem routinierten Vorleser wünscht; weder an der Betonung noch am Tempo gibt es etwas auszusetzen.

Nachdem ich seinen zuletzt im S. FISCHER Verlag erschienenen Psychothriller „Das Dorf“ (2014), zwar gut, aber nicht überragend fand, zeigt sich Arno Strobel mit „Die Flut“ wieder in Bestform.

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Zum Buch bei Amazon.de: „Die Flut“

Zum Buch auf der Homepage der S. FISCHER Verlag GmbH: „Die Flut“

Zum Hörbuch auf der Homepage des Argon Verlags: „Die Flut“

Zur Homepage des Autors: Arno Strobel

Zur Homepage des Sprechers: Sascha Rotermund

Frisch rezensiert: „Das Dorf“ von Arno Strobel

Wahn oder Wahrheit?

Meine Bewertung: ★★★★

Eines Vormittags weckt das Klingeln des Telefons den Journalisten Bastian Thanner unsanft. Am anderen Ende der Leitung hört er die panische Stimme seiner Ex-Freundin Anna. Sie wird in einem kleinen Ort an der Müritz gefangen gehalten. Bastian schaltet die Polizei ein, recherchiert im Internet und gemeinsam mit seinem Freund Safi macht er sich schließlich auf den Weg in das entlegene Dorf. Dort trifft er auf seltsame Menschen und eine Mauer des Schweigens. Er ist nicht gefasst auf die schrecklichen Dinge, die bald passieren werden…

Arno Strobel spielt längst in der Champions League der deutschen Thriller-Autoren. Mit Spannung wurde deshalb von seinen Fans sein neues Buch „Das Dorf“ erwartet, das am 18. Dezember 2014 erschien. Die Geschichte handelt in einem abgelegenen Dorf Mecklenburg-Vorpommerns, in dem nicht nur die maroden und verfallenen Häuser, sondern auch deren Bewohner gespenstisch wirken. Diese gruselige Szenerie bildet die passende Bühne, auf der sich mysteriöse Begebenheiten ereignen. Geschickt malt Arno Strobel mit Worten ein düsteres Bild von einem Ort, dem man scheinbar nicht entrinnen kann. Die Bezeichnung Psychothriller trifft den Nagel auf den Kopf, denn ebenso wie Bastian Thanner kann auch der Leser oft den Unterschied zwischen Wahn und Wahrheit nicht ausmachen. Das verleiht dem Buch eine ganz besondere Würze, das allerdings auch Schwachstellen aufweist: Die Story an sich wirkt sehr konstruiert, wenn nicht sogar unglaublich – speziell am Ende. In der Realität würde sich das so wohl nicht zutragen. Zudem ist Bastian Thanner ein farbloser Hauptdarsteller, mit dem ich nicht warm geworden bin. Eine interessante Nebenfigur ist allerdings sein Freund Safi, der an einer Zwangskrankheit leidet. Dessen Charakter wurde bei einer Aktion des Autors von einer seiner Leserinnen erfunden.

Unterm Strich empfehle ich „Das Dorf“ trotz seiner Mankos allen Liebhabern des Psychothrillers. Arno Strobel hält die Spannung konstant hoch und den Leser mit schaurigen, unheimlichen Szenen bei der Stange. Es ist nicht der stärkste Strobel, sorgt aber durchaus für fesselnde Lesemomente.

Das Dorf© S. Fischer Verlage

 

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Zum Buch auf Amazon.de: „Das Dorf“

Zum Buch auf der Homepage des Verlags: S. Fischer Verlage

Zur Homepage des Autors: Arno Strobel

Der Trailer zum Buch: „Das Dorf“

Frisch rezensiert: „Bluttänzer“ von Eva Fürst

Gelungener Auftakt einer neuen deutschen Thriller-Reihe

Sterne: 4 von 5

Das Erzgebirge war bislang auf der Krimi- und Thriller-Landkarte eher ein weißer Fleck. Geändert hat das glücklicherweise die sächsische Schriftstellerin Eva Fürst mit ihrem Psychothriller „Bluttänzer“. Eindrucksvoll stellt sie damit unter Beweis, dass das Böse auch vor der Heimat von Räuchermännchen und Schwibbögen keinen Halt macht.

In der erzgebirgischen Kleinstadt Schwarzenberg entdeckt man die Leiche einer jungen Frau. Mitten auf dem Marktplatz wurde sie nackt an einen Baum genagelt. Die in Zwickau lebende Rechtsmedizinerin Dr. Maja Heuberger wird an den Fundort gerufen und macht später bei der Obduktion eine verstörende Entdeckung. Das bestialische Morden geht indes weiter. Bereits am folgenden Wochenende schlägt der „Kreuzigungs-Mörder“ erneut zu…

„Bluttänzer“ ist der erste Band einer Thriller-Reihe. Im Vordergrund stehen nicht die polizeilichen Ermittlungen, sondern die Geschichte wird aus dem Blickwinkel der Rechtsmedizin erzählt. Ein erfrischend anderer Ansatz für einen deutschen Thriller! Mit interessanten Fakten aus dem Bereich der Rechtsmedizin spickt Eva Fürst die über 416 Seiten hinweg durchgehend spannende Story. Wie der Titel schon erahnen lässt, wird es an so manchen Stellen blutig und brutal.

Der Erzählstil der Autorin ist – wie ihre Hauptfigur Dr. Maja Heuberger – klar und sachlich. Dennoch gelingt es Eva Fürst mit Leichtigkeit, deutliche Bilder von Orten und handelnden Personen im Kopf des Lesers entstehen zu lassen. Einzig die Dialoge hätten hin und wieder ein wenig Feinschliff vertragen können, um lebendiger zu wirken.

Der Thriller „Bluttänzer“ fällt durch einen hervorragend durchdachten Plot auf. Stück für Stück lösen Dr. Maja Heuberger und ihr Bekannter Peter Holzing das Rätsel um die Identität des Mörders, der seinen Wirkungskreis im weiteren Verlauf auf Chemnitz, das Vogtland und Leipzig ausdehnt. Erst am Schluss enthüllt Eva Fürst, wer der Täter ist. Das Buch endet ziemlich abrupt – ein Umstand, der mir die bis dahin unentwegt fesselnden Lesestunden ein klein wenig vergällt hat.

Nichtsdestotrotz: „Bluttänzer“ ist ein gelungener und schlüssiger Auftakt der Thriller-Reihe um die Rechtsmedizinerin Dr. Maja Heuberger. Mit „Der Mädchenflüsterer“ erscheint am 17. August 2015 Band Nummer zwei, dem ich schon jetzt entgegenfiebere.

Bluttaenzer von Eva Fuerst© blanvalet Verlag

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Zum Buch auf http://www.amazon.de: „Bluttänzer“

Zum Buch auf der Homepage des Verlags: „Bluttänzer“