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Blogtour „Zornesbrand“: Interview mit Autorin Saskia Berwein

Der letzte Tag der Blogtour zu „Zornesbrand“ ist angebrochen.

Ich freue mich sehr, dass ich mit Autorin Saskia Berwein ein Interview führen durfte, in dem sie mir viele spannende Einblicke in ihr aktuelles Buch und den von ihr gegründeten Kuneli Verlag gegeben hat.

SASKIA BERWEIN
© Saskia Berwein

Wie bist Du auf die Idee für „Zornesbrand“ gekommen?

Ohne zu spoilern kann ich hier leider nicht allzu viel verraten. Die kranken und giftigen Beziehungen zwischen missbrauchenden Männern und misshandelten Frauen haben mich schon immer interessiert. Die Co-Abhängigkeit, die es den Frauen unmöglich macht, zu gehen, die Angst derer, die den Absprung geschafft haben, die hieraus resultierenden Angststörungen. Zum zweiten Strang des Buches hat eindeutig die Musik beigetragen, die ich selbst auch höre, da kam mir sehr spontan die Idee, dass sich die Texte wunderbar für anonyme Drohungen eignen würden.

In „Zornesbrand“ versetzt Du Dich auf erschreckend reale Weise in die Psyche eines Mörders. Wie gelang Dir das? Muss man jetzt Angst vor Dir haben?

Wenn man meinen ehemaligen Kolleginnen glauben will: Ja, muss man. 🙂 Spaß beiseite: Nein, ich bin schon auf langweilige Art und Weise harmlos, es sei denn, ich sitze hinterm Steuer, da werde ich richtig aggressiv … Wie es mir gelingt, mich in die Psyche von Mördern und Triebtätern zu versetzen, darauf habe ich keine konkrete Antwort. Vielleicht liegt es an meiner Fantasie und der vielen Fachliteratur, die ich insbesondere zum Thema Mord gelesen habe.  Mir gelingt das „Umschalten“ tatsächlich recht einfach … ob da doch noch irgendetwas Verborgenes in mir steckt?

Die Fälle von Leitner und Grohmann spielen in der fiktiven hessischen Stadt Lemanshain. Gibt es einen Grund, warum Du keine tatsächlich existierende Stadt als Schauplatz für Deine Kriminalromane gewählt hast?

Für mich war von Anfang an klar, dass ich nicht der Typ für Lokalkolorit bin. Es sollte um die Geschichten und die Charaktere gehen, nicht um den Schauplatz. Deshalb habe ich mich an Karin Slaughter orientiert, die für ihre erste Reihe ein ganzes County erfunden hat, in gewisser Weise ist die Wahl einer fiktiven Stadt also auch eine Hommage. Eine Stadt zu erfinden lässt mir als Autorin natürlich auch sämtliche Freiheiten, bevor ich mich einmal für etwas festgelegt habe – es ermöglicht aber auch dem Leser, seiner Fantasie vollkommen freien Lauf zu lassen. Zumindest mir geht es immer so, dass mich Straßennamen und Ortsnennungen innerhalb existierender Städte im Lesefluss gestört haben – gibt es die Straße nun wirklich? Wie sieht es da in echt aus? Stimmt das alles so, wie es der Autor mir schildert? Dem wollte ich entgegenwirken.

Jennifer Leitner und Oliver Grohmann sind zwei grundverschiedene Charaktere. Wem von beiden bist Du ähnlicher?

Das ist eine gar nicht so leicht zu beantwortende Frage. Ich denke, in mir steckt von beiden etwas. Von Jennifer habe ich definitiv die Ungeduld und die Liebe zu Tieren, mit Oliver teile ich den Musikgeschmack und die Zurückhaltung, die ich allerdings manchmal lieber mit Jennifers Geradlinigkeit tauschen würde … Leute, die mich kennen, entdecken immer wieder Parallelen, die mit persönlich beim Schreiben gar nicht bewusst sind, aber sie erkennen mich. Das ist ein bisschen gruselig …

Wie lange hast Du an „Zornesbrand“ geschrieben?

Die erste Hälfte habe ich abends neben der Arbeit geschrieben. Neben dem Beruf bleibt nicht so viel Zeit, ich weiß ehrlich gesagt gar nicht mehr so genau, wann ich angefangen habe. Die zweite Hälfte habe ich im Sommerurlaub 2018 geschrieben. Eigentlich wollten wir wandern gehen, doch nach einem Treppensturz war ich nicht mal für kleine Touren zu gebrauchen, saß auf der Terrasse und habe geschrieben. Das war ein richtiger Flow und ich habe den Roman in diesen drei Wochen fertiggestellt.

Du schilderst die Abläufe eines Gerichtsverfahrens sehr wirklichkeitsnah und detailgetreu. Inwiefern kommt Dir beim Schreiben Deine Ausbildung im Justizdienst zugute?

Ich habe zwar eine Ausbildung zur Justizfachangestellten gemacht, aber niemals in dem Beruf gearbeitet. Ich bin direkt nach der Ausbildung aus dem Öffentlichen Dienst geflohen. Allerdings war die Zeit der Ausbildung sehr prägend, denn auch als Azubi hat man die echten Akten in der Hand und wir durften auch in einige Verhandlungen als Zuschauer, wenn die Ausbilder andere Verpflichtungen hatten. CSI beim Abendessen gucken geht, aber ordnerweise Fotos einer Leiche betrachten, die drei Wochen im Hochsommer in der Wohnung gelegen hat … brrr. Die Gerichtsverhandlungen waren auch damals schon sehr spannend und aufschlussreich.

Wann hast Du den Entschluss gefasst, die Reihe trotzdem fortzuführen, nachdem bekannt wurde, dass es für Leitner und Grohmann keine Zukunft bei Bastei Lübbe (LYX) geben wird?

Die Zeit nach dem Aus bei Bastei Lübbe war sehr wechselhaft, mal wollte ich hinschmeißen, dann wieder war da noch immer eine Geschichte zu erzählen. Es brauchte seine Zeit, dann entschied ich, die Reihe fortzuführen und zu Ende zu bringen. Nichts ärgerte mich als Leser mehr, als wenn Reihen einfach mittendrin eingestampft wurden. Und auch als Autorin wollte und konnte ich nicht einfach alles so enden lassen. Nachdem ich die erste Version vollkommen über Bord geworfen hatte, die noch von den Verlagsvorstellungen beeinflusst war, konnte ich frei an Band 5 rangehen. Da dachte ich noch gar nicht daran, wie die Story veröffentlicht werden sollte … Die Geschichte von Jennifer und Oliver musste einfach weiter erzählt werden. Wann der Entschluss genau feststand, kann ich heute gar nicht mehr so genau sagen.

Mit der Gründung des Kuneli Verlags hast Du Leitner und Grohmann ein neues Zuhause gegeben. Nun ist es ja sicherlich kein Kinderspiel, einen eigenen Verlag zu gründen. Wie bist Du konkret vorgegangen?

Zuerst stellte sich die Frage: Selfpublishing oder Verlag? Beides hat seine Vor- und seine Nachteile, für mich überwogen die Vorteile eines Verlags. Also habe ich mir Literatur besorgt – über die Gründung eines Klein-Verlags und als für mich geklärt war, dass es eine UG werden sollte, entsprechende Literatur hierzu. Ich habe mir einen Fahrplan erstellt und als dann das Stammkapital zusammen war, wurde es ernst. Nach und nach habe ich alle notwendigen Schritte der Gründung abgearbeitet, Satzprogramm gesucht und gefunden, Homepage mit Shop aufgebaut, Cover erstellt, Roman gesetzt, Druckerei gesucht und gefunden, kalkuliert, mich mit dem Thema Buchhaltung auseinandergesetzt … Es ist und war wahnsinnig viel Arbeit, da ich aber grundsätzlich gerne hinzulerne, hat es sich definitiv gelohnt. Trotz aller Vorbereitung lerne ich tagtäglich dazu und habe doch noch einige Überraschungen erlebt. Gründen in Deutschland ist nicht einfach und einige Strukturen im Verlagswesen eindeutig nicht auf die ganz Kleinen ausgelegt. Ich sehe den Verlag als erweitertes Hobby, die Gewinne, sofern es welche geben sollte, werden alle wieder reinvestiert. Die Gründung eines Verlags zum alleinigen Broterwerb würde ich niemandem empfehlen, es sei denn er hat ein entsprechend hohes Kapital zur Verfügung.

Ein großes Verlagshaus wie Bastei Lübbe kümmert sich ja um sämtliche Belange bei einem Buch – Covergestaltung, Lektorat, Korrektorat, Satz etc. War es schwer für Dich, eigenständig Experten für all diese Dienstleistungen zu finden?

Das begrenzte Budget zwang mich dazu, selbst Expertin zu werden. Covergestaltung und Satz stammen von mir selbst, das Lektorat habe ich zwei Menschen anvertraut, die zwar keine ausgebildeten Experten sind, aber belesen, gebildet und sich auch mit der Reihe gut auskennen. Auch die Homepage ist Marke Eigenbau. All dies hätte auch schief gehen können. Cover, Satz und auch Lektorat sind sicher nicht so perfekt wie in einem großen Verlag, der Tausende Euro investieren kann, mit dem Ergebnis bin ich trotzdem sehr zufrieden. Kuneli ist ein Ein-Frau-Unternehmen und wird das auch in absehbarer Zukunft bleiben. Vieles dauert dadurch natürlich länger, denn ich habe persönlich einen gewissen Qualitätsanspruch und sehe auch noch umzusetzendes Verbesserungspotenzial.

Planst Du, auch Bücher anderer Autor/innen im Kuneli-Verlag zu veröffentlichen?

Zu Beginn war das kein Thema, da türmte sich ein riesiger Berg Arbeit vor mir auf und es ging in erster Linie darum, Jennifer und Oliver weiter ermitteln zu lassen. Mit zunehmender Erfahrung und verstreichender Zeit kamen aber natürlich die Ideen … 🙂 Derzeit spiele ich mit dem Gedanken, Kuneli zukünftig zur Heimat von Reihen diverser Genres zu machen, die von großen Verlagen gecancelt wurden. Einige alte Schätze und Bücher, die ich selbst auf Englisch gelesen habe und die nie ins Deutsche übersetzt wurden, sind mir auch schon ins Auge gefallen. Aber das ist definitiv noch Zukunftsmusik und auch eine Frage der finanziellen Mittel.

Wie geht es mit Leitner und Grohmann weiter? Wann dürfen sich die Fans auf eine Fortsetzung freuen?

Band 6 ist für 2020 geplant, wenn nicht allzuviel dazwischen kommt, wieder für Juni. Falls es früher wird, auch früher. Mit festen Daten kann ich jetzt leider noch nicht dienen.

GEWINNSPIEL

Was wäre eine Blogtour ohne Gewinne? Ihr habt die Chance auf diese tollen Preise:

HAUPTPREIS
Die komplette Leitner- und Grohmann-Reihe („Todeszeichen“, „Herzenskälte“, „Seelenweh“, „Wundmal“ und „Zornesbrand“) als Taschenbuch (Band 1 – 4 LYX-Ausgabe, Band 5 Kuneli-Ausgabe) ODER wahlweise eine Wohnzimmerlesung bei der/dem Gewinner/in zu Hause (der/dem Gewinner/in entstehen keine Kosten – außer der Arbeit, die Freunde zusammenzutrommeln und für Snacks und Getränke zu sorgen (für Snacks und Getränke gibt es 25 EUR Zuschuss vom Verlag).

2. PREIS
„Zornesbrand“ als Taschenbuch und ein weiteres Taschenbuch aus der Reihe zur Wahl (mit Wunschwidmung)

3. PREIS
„Zornesbrand“ als Taschenbuch (mit Wunschwidmung)

Was müsst Ihr tun, um Euch die Chance auf einen dieser Gewinne zu sichern? Beantwortet einfach die folgende Frage in den Kommentaren unter diesem Beitrag:

HER MIT EUREN KRIMI- UND THRILLER-EMPFEHLUNGEN: WAS IST EUER LIEBLINGSBUCH IN SACHEN SPANNUNG?

Auf jedem Blog könnt Ihr ein Los sammeln und damit Eure Gewinnchance erhöhen, wenn Ihr dort die Tagesfrage beantwortet. Teilnehmen könnt Ihr bis Sonntag, den 30.06.2019 um 20:00 Uhr. Die Namen der Gewinner werden am Montag ausgelost und bekanntgegeben.
Hier kommt Ihr direkt zu allen teilnehmenden Blogs:

7 Kommentare zu „Blogtour „Zornesbrand“: Interview mit Autorin Saskia Berwein

  1. Hallo,

    da versuche ich gern mein Glück. Ich liebe die Krimis von Klüpfel und Kobr, die sind echt witzig geschrieben. Toll sind auch die Krimis von Klaus Peter Wolf. Regionalkrimis finde ich fast immer super und wenn es davon noch eine ganze Buchreihe gibt, umso besser.

    Einen schönen Sonntag wünscht Elke H.

  2. Auch hier versuche ich mein Glück und hoffe hoffe hoffe auf eine Wohnzimmerlesung. Ich habe Saskia Berwein gerade erst für mich entdeckt und Todeszeichen gelesen. Und dank Silke bin ich auf die tolle Blog Tour aufmerksam geworden und habe alle eure Beitrage mit Interesse gelesen. Auch heute wieder ein toller Beitrag hier , interessante Fragen die nicht 0 8 15 sind.
    Lieblings Thriller ist echt schwierig. Aktuell fand ich “ Liebes Kind “ echt genial. Aber Thriller Leser wurde ich durch Sydney Sheldon und da ist mein Lieblingsband “ Kalte Glut“ , den kann ich auch immer wieder lesen

  3. Hallo und guten Tag,

    Danke für den Abschluss dieser Blogtour. Und dem interessant geführtem Interview …das wirklich informativ und interessant gestaltet wurde mit den gestellten Fragen.

    Mir gefällt besonders gut ..das Schweigen der Lämmer…als Thriller.

    LG..Karin..

  4. Wow, liebe Saskia, was du alles auf die Beine gestellt hast, Hut ab. Und dann noch einen Job nebenbei.
    Danke liebe Stephanie, dass du dieses interessante Interview mit Saskia geführt hast. Es ist immer spannend, etwas von den Autoren zu erfahren, die man gerne liest.
    Nun zu deiner Frage. Ich habe seit diesem Jahr die Bücher von Astrid Korten für mich entdeckt. Sie schreibt superspannende Psychothriller und auch ihr Politthriller „Die Akte Rosenrot“ fand ich richtig gut.
    Ich wünsche allen Blogteilnehmern und ein lesereiches Wochenende.

    Liebe Grüße
    Thea von Krimines Bücherblog

    Übrigens habe ich gleich mal bei dir gestöbert, da du ja auch ein Fan des kriminellen Genre bist. 😉

  5. Huhu,

    Das war ein tolles Interview.
    Vielen Dank euch allen für die schöne Blogtour. Man hat einen sehr guten Eindruck bekommen und ich bin nun super neugierig auf die Bücher.

    Mein Lieblingsbuch in Sachen Spannung ist „Puls“ von Stephen King. Es war mein erstes Buch von King und seitdem bin ich dem Genre absolut verfallen.

    Liebe Grüße,
    Areti

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