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Frisch rezensiert: „Sieh nichts Böses“ von Inge Löhnig

Sieh nichts Böses. Hör nichts Böses. Sag nichts Böses.

Meine Bewertung: ★★★★★

Sieh nichts Böses
© Ullstein Buchverlage

Wer kennt sie nicht, die drei weltberühmten weisen Affen, die für „Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen“ stehen? Relativ unbekannt hingegen ist die Tatsache, dass es noch einen vierten Affen gibt, dessen Arme seinen Unterleib bedecken. Seine Botschaft lautet: „Tu nichts Böses“. Genau ein solches Exemplar entdeckt Kommissar Konstantin Dühnfort nach dem Fund einer Wachsleiche im Forstenrieder Park.

pexels-photo-134403.jpeg© Pexels

Während Dühnfort und sein Team die Identität der toten Frau und die Bedeutung der seltsamen Grabbeigabe zu klären versuchen, wurde seine Frau und Kollegin Gina hinter den Schreibtisch verbannt: Sie ist mit ihrem ersten Kind schwanger, das – wie sich später herausstellt – mit dem Down-Syndrom zur Welt kommen wird.

Auch mit dem achten Fall für den Münchner Ermittler Konstantin Dühnfort ist Inge Löhnig ein vielschichtiger Kriminalroman gelungen, der an keiner einzigen Stelle langweilig wird. Sie schafft es spielend, die Spannung über alle 448 Seiten hinweg fortwährend aufrechtzuerhalten.

Im Vordergrund steht natürlich der mysteriöse Leichenfund im Forstenrieder Park, aber auch Dühnforts Privatleben wird beleuchtet. Die Autorin stellt ihn und seine Partnerin Gina vor eine schwierige Frage: Sollen die beiden ihr am Down-Syndrom leidendes Kind bekommen oder steht gar eine Abtreibung zur Debatte?

Inge Löhnigs Krimis haben eine Besonderheit: Sie gehen weit über den eigentlichen Kriminalfall hinaus, ohne diesen in den Hintergrund zu drängen. Und sie sind niemals oberflächlich. In „Sieh nichts Böses“ wirft die in München lebende Autorin einen Blick hinter die Kulissen der glanzvollen Fassaden von zwei scheinbar makellosen Familien, stellt aber fest, dass das Motto „Mehr Schein als Sein“ in diesen Fällen absolut zutrifft.

Geldprobleme, zerrüttete Familienverhältnisse und Eltern, die den Berufswunsch ihrer Kinder torpedieren: in „Tatort“-Kritiken werden derlei traurige Tatsachen gern mit „sozialkritisch“ umschrieben. Ein treffendes Attribut für Inge Löhnigs Krimis.

„Sieh nichts Böses“ reiht sich problemlos in die beliebte Dühnfort-Reihe ein. Der Kommissar ist keine verkrachte Existenz, kein Bad Cop mit verpfuschtem Leben, sondern ein ganz normaler Mensch. Und ein sympathischer noch dazu.

Wer einen fesselnden Krimi sucht, der tiefschürfend und gleich auf mehreren Ebenen packend ist, wird bei „Sieh nichts Böses“ voll auf seine Kosten kommen.

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