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Frisch rezensiert: „Nachts“ von Mercedes Lauenstein

Großartiges Debüt über die Faszination der Nacht

Meine Bewertung: ★★★★★

Nachts © Aufbau Verlag

Mercedes Lauenstein wurde vor 27 Jahren im schleswig-holsteinischen Kappeln an der Schlei geboren. Inzwischen lebt die Autorin in München. Dort spielt auch ihr Debüt „Nachts“, erschienen am 21. August 2015 im Aufbau Verlag.

In den Nächten klingelt eine junge Frau wahllos an den Türen von Wohnungen, in deren Fenstern noch Licht brennt. Bei diesen Besuchen begegnet sie den unterschiedlichsten Menschen, manche jung, andere alt, doch eines eint sie alle – egal, ob sie in Villen oder abbruchreifen Häusern leben: Die nächtliche Schlaflosigkeit. Die Gründe dafür sind genauso vielfältig wie die Charaktere, auf die Mercedes Lauenstein ihre Protagonistin treffen lässt. Einige von ihnen fangen erst in der Nacht richtig an zu leben, andere werden von Familienmitgliedern um den Schlaf gebracht oder von ihren Sorgen.

Tagebuchartig berichtet die namenlose Ich-Erzählerin von ihren Begegnungen, die mal heiter, mal rührend, tragisch, aber auch schräg sind. Von insgesamt 25 Menschen möchte die selbsternannte Nacht-Forscherin wissen, was die Leute um den Schlaf bringt. Dabei erfährt sie noch viel mehr; nicht selten sind es ganze Lebensgeschichten.

Auch wenn manche Kapitel, die jeweils eine nächtliche Begegnung umfassen, sich nur über vier Seiten erstrecken, ist es doch erstaunlich, wie scharf und präzise Mercedes Lauenstein die einzelnen Charaktere skizziert. Sorgfältig stattet die Autorin jeden von ihnen mit einer individuellen Biografie aus. Dadurch hat „Nachts“ fast etwas von einem Adventskalender: Man weiß nie, was einen hinter der nächsten Tür erwartet.

In allen der 25 kurzweiligen Geschichten gelingt es Mercedes Lauenstein spielend, die ganz besondere Atmosphäre der Nacht einzufangen. Und die Nacht hat viele Gesichter. Ob watteweiche Stille im fallenden Schnee oder laue Sommerluft – die Autorin lässt ihre Hauptfigur ganz genau hinhören und hinschauen, lässt sie die Nacht mit allen Sinnen in sich aufsaugen.

Sinnlich, melancholisch, von großartiger Atmosphäre, mit echtem Tiefgang und ein sprachlich unkomplizierter Blick durchs Schlüsselloch: Das alles ist „Nachts“.

Ein Buch, so still wie die Nacht, und doch so lebendig wie der helle Tag.

© Stephanie Manig, buchstabenfaengerin

→ Interessante Links

Zum Buch auf Amazon.de: „Nachts“

Zum Buch auf der Homepage des Aufbau Verlags: „Nachts“

Zur Homepage der Autorin: Mercedes Lauenstein

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