Startseite » Meine Rezensionen (außer Vorablesen.de) » Frisch rezensiert: „Wir träumten jeden Sommer“ von Dagmara Dominczyk

Frisch rezensiert: „Wir träumten jeden Sommer“ von Dagmara Dominczyk

Drei Freundinnen – drei Lebensläufe, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Die Polinnen Anna, Kamila und Justyna freunden sich im Sommer des Jahres 1989 miteinander an. Sie sind Teenager, unbeschwert, entdecken Lust und Liebe. Wenig später stellen sich die Weichen für ihr weiteres Leben: Justyna wird jung Mutter, Kamila unterliegt dem fatalen Irrglauben, ihre große Liebe gefunden zu haben und Anna pendelt zwischen zwei Welten: Amerika und Polen. Im Winter 2002 begegnen sich die drei Frauen nach langer Zeit wieder…

Autorin Dagmara Dominczyk erzählt in ihrem Roman „Wir träumten jeden Sommer“ die Geschichte einer tiefen Freundschaft. Sie malt darin nicht nur sommerliche Landschaften, sondern zeigt ihr Heimatland Polen ungeschönt und mit sozialkritischem Unterton. Vor dieser Kulisse versuchen ihre drei Protagonistinnen, das Leben zu meistern. Jede von ihnen hat ein mehr oder minder schweres Päckchen zu tragen. Am Härtesten trifft es die ordinäre Justyna, deren Mann vom Freund ihrer Schwester umgebracht wird. Letztlich ist dieser Schicksalsschlag der Auslöser eines Wiedersehens der Freundinnen nach vielen Jahren.

Ihren Hauptfiguren Anna, Kamila und Justyna hat Dagmara Dominczyk eine unglaubliche Tiefe verliehen. So zeichnet sie die Kindheit der Freundinnen im kommunistischen Polen ebenso nach wie die problematischen Beziehungen zu deren Eltern, die noch bis in das Erwachsenenalter hineinreichen. Brüche und schmerzliche Verluste prägen die Erzählung, die in jedem Kapitel jeweils aus der Sicht von Anna, Kamila und Justyna erzählt wird. Obwohl der zeitliche Ablauf nicht chronologisch dargestellt wird (Kapitel 1 spielt im Jahr 2002, das 2. Kapitel 1989, im 3. Kapitel kehrt man in das Jahr 2002 zurück), verliert der Leser niemals den roten Faden. Der Autorin gebührt ein Kompliment dafür, dass sie an keiner Stelle Kitsch zulässt. Ganz im Gegenteil: In den Dialogen geht es sehr direkt zu, es wird geflucht und auch in sexueller Hinsicht nehmen die Figuren kein Blatt vor den Mund. Der einzige Kritikpunkt sind die unzähligen polnischen Worte, die kursiv gedruckt sicher Authenzität vermitteln wollen, auf mich als Unkundige der polnischen Sprache aber störend wirkten. Davon abgesehen ist das Buch dank des flüssigen Schreibstils leicht und wunderbar zu lesen.

Mein Fazit: „Wir träumten jeden Sommer“ ist ein tiefsinniger, ehrlicher Roman, der seinen ganz eigenen, wenn auch oftmals rauen Charme hat. Jenseits von Unterhaltungsliteratur für Zwischendurch hält diese Geschichte viele Abgründe bereit und nimmt den Leser vom ersten Moment an vollkommen ein.

20140514-202459.jpg

(c) Suhrkamp Insel

Interessante Links

Zum Buch auf http://www.amazon.de: „Wir träumten jeden Sommer“

Zur Homepage des Verlags: Suhrkamp Insel

Advertisements

2 Kommentare zu “Frisch rezensiert: „Wir träumten jeden Sommer“ von Dagmara Dominczyk

  1. Oh, der steht schon seit längerer Zeit auf meiner Wunschliste! Nach deiner schönen Rezension rückt er in Gedanken auf jeden Fall noch ein wenig nach oben 🙂
    Liebe Grüße!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s