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NachLESE: So war der Vortrag „Faszination Rechtsmedizin“ von Michael Tsokos

„Faszination Rechtsmedizin: Fakten vs. Fiktion“ war in leuchtend roten Buchstaben auf der Leinwand zu lesen, als ich am gestrigen Abend den Bürgersaal des Wasserschlosses Klaffenbach betrat. Der Vortrag mit dem populären Rechtsmediziner Prof. Dr. med. Michael Tsokos war bereits seit einigen Wochen restlos ausverkauft. Ich war froh, dass ich mir frühzeitig einen Platz in der ersten Reihe gesichert hatte. Punkt 20:00 Uhr betrat der smarte Mediziner die Bühne, elegant gekleidet im Anzug. Er freue sich, in Chemnitz zu sein. Seine Urgroßmutter sei hier geboren und er habe viele schöne Erinnerungen an sie.

Der 47-Jährige Michael Tsokos leitet das Institut für Rechtsmedizin der Charité Berlin und zudem das Landesinstitut für gerichtliche und soziale Medizin, ebenfalls mit Sitz in Berlin. Ohne Umschweife stieg er in seinen Vortrag ein, indem er zunächst die vielfältigen Aufgabengebiete der Rechtsmedizin vorstellte. Denn keineswegs habe man nur mit Toten zu tun. Große Aufgabenfelder neben dem Obduzieren von Leichen sind beispielsweise toxikologische Untersuchungen bei Verdacht auf Drogenkonsum sowie die Begutachtung von Missbrauchsopfern und die damit verbundene Nachweissicherung für spätere Gerichtsverfahren.

Schockierende Fotos dokumentieren den Alltag in der Rechtsmedizin

Als Michael Tsokos schockierende Fotos von teilweise verstümmelten Leichen und das Bild eines toten Babys in einem Müllsack an die Leinwand projizierte, war es im Raum beängstigend still. Doch es geht dem Rechtsmediziner nicht um Effekthascherei, sondern um die Wissenschaft. Diese Sichtweise ist auch der Grund, warum er nachts nicht von all dem Grauen, das ihm täglich begegnet, in seinen Träumen heimgesucht wird. An realen Fällen erklärte Michael Tsokos sehr anschaulich, wie sich beispielsweise eine Vergiftung nachweisen lässt, bevor ein Mensch zur Vertuschung des Mordes auf Bahngleisen abgelegt wurde, um dort von einem Zug überrollt zu werden. Mit Hilfe von Aufnahmen eines Magnetresonanztomographen (MRT) zeigte er zudem, was im Inneren des Halses bei einer Strangulation geschieht.

Als Mitglied der Identifizierungskommission des Bundeskriminalamtes (IDKO) war Michael Tsokos im Jahr 2004 nach dem verheerenden Seebeben im Indischen Ozean vor Ort, um bei der Identifizierung der deutschen Opfer zu helfen. Von diesem Einsatz zeigte er ebenfalls verstörende Fotos.

Das Interesse des Publikums war gewaltig. Dem sympathischen Rechtsmediziner wurden viele Fragen gestellt: Etwa, ob es möglich ist, als „interessierte Öffentlichkeit“ an einer Sektion teilzunehmen. Das verneinte Michael Tsokos, unter anderem mit dem Hinweis auf die Gesundheitsgefahr, die beispielsweise von Toten mit Tuberkulose oder Hepatitis ausgeht.

Mit einigen Ammenmärchen, die gern in Fernsehkrimis gezeigt werden, räumte er außerdem auf: Keinesfalls mischen sich Rechtsmediziner in die Ermittlungen der Polizei ein –  genauso wenig, wie Angehörige die Sektionssäle zur Identifizierung von Leichen betreten.

Veit Etzold ermunterte Michael Tsokos zum Schreiben

Seine packendsten Fälle hat der gebürtige Kieler in den Sachbüchern „Dem Tod auf der Spur“, „Der Totenleser“ und „Die Klaviatur des Todes“ niedergeschrieben. Auf die Idee, selbst als Schriftsteller aktiv zu werden, hat ihn der Krimi-Autor Veit Etzold gebracht. „Das musst Du mal aufschreiben!“, sagte Etzold einst zu ihm und griff Michael Tsokos bei seinem ersten Buch „Dem Tod auf der Spur“ unter die Arme.

Gemeinsam mit Sebastian Fitzek verfasste Tsokos den Thriller „Abgeschnitten“. Kennengelernt haben sich der Rechtsmediziner und der Berliner Bestseller-Autor übrigens in der MDR-Sendung „Fröhlich lesen“.

Privat liest Michael Tsokos bevorzugt Thriller von Simon Beckett und Roger Smith. (Die Vorliebe für Roger Smith teile ich übrigens uneingeschränkt.) Da er jedoch relativ selten zum Lesen kommt, greift er bei längeren Autofahrten gern auf Hörbücher zurück. Im Moment hört er „Noah“ von Sebastian Fitzek, wenn er auf den Straßen der Republik unterwegs ist.

Die Frage, ob er persönlich an ein Leben nach dem Tod glaubt, verneint Michael Tsokos – ganz Wissenschaftler – pragmatisch: „Nach dem Tod kommt die Fäulnis.“

Zum Abschluss wünscht er seinen Zuhörern ein langes Leben und entlässt sie schließlich fasziniert und um einiges Wissen bereichert hinaus in die Nacht.

Impressionen des Abends

(Zum Vergrößern einfach das jeweilige Foto anklicken)

Leinwand

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Michael Tsokos bei seinem Vortrag

Der Rechtsmediziner beantwortet die Fragen des Publikums

Geduldig beantwortet der Rechtsmediziner die Fragen des Publikums

Michael Tsokos und ich

Michael Tsokos und ich

Eintrittskarte und signiertes Buch

Mein seit gestern signiertes Exemplar von „Dem Tod auf der Spur“

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