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Frisch rezensiert: „Vor dem Sturm“ von Jesmyn Ward

Teils zäher Roman mit Tiefgang

Sterne: 3 von 5

Esch ist 15 Jahre alt und lebt mit ihren drei Brüdern Randall, Skeetah und Junior sowie ihrem Vater auf einem heruntergekommenen Hof im Delta des Mississippi. Die Mutter der vier Geschwister ist nach Juniors Geburt verstorben.

Im Wetterbericht wird vor dem herannahenden Hurrikan „Katrina“ gewarnt. Daraufhin macht sich die Familie daran, ihre Habe vor dem Sturm so gut es geht zu schützen: Fenster werden vernagelt, Essensvorräte beschafft und Trinkwasser wird gesammelt. Während Skeetah ausschließlich das Überleben der Welpen seiner Hündin China im Kopf hat, bedrückt Esch etwas anderes: Schockiert stellt sie fest, dass sie schwanger ist. Sie erwartet ein Kind von dem einige Jahre älteren Manny, der jedoch gar nichts davon hält, Vater zu werden und überdies in einer festen Beziehung lebt. Der Sturm tobt folglich überall: Nicht nur draußen in der rotsandigen Staublandschaft, sondern auch und vor allem im Inneren von Esch.

In ihrem Roman „Vor dem Sturm“ erzählt Jesmyn Ward eindringlich in zwölf Kapiteln, die gleichzeitig die Anzahl der Tage vor dem Hurrikan Katrina darstellen, aus dem Leben von Esch und ihrer Familie. So heiß, schwer und drückend wie die Luft ist auch der Erzählstil der Autorin. Mitunter kommt sie mit der Geschichte nur sehr mühsam voran. Doch den teils zähen Fortgang macht Jesmyn Ward zum großen Teil durch die beeindruckende Schilderung der Atmosphäre wett, die den Leser nahezu gänzlich einhüllt. Sie zeigt einen armen Teil der USA, in dem Diebstähle aus Not und gewinnversprechende Hundekämpfe alltäglich sind.

Ein interessantes Stilmittel ist die schnoddrige Sprache der Darsteller, die die Szenerie damit noch um einiges authentischer wirken lässt. Da werden Endungen verschluckt, Worte auf das Notwendigste reduziert und lange Dialoge sind eine Seltenheit. An manchen Stellen, insbesondere bei den Hundekämpfen, wäre allerdings weniger mehr gewesen. Mitunter verliert Jesmyn Ward sich in zu vielen Einzelheiten und Banalitäten.

Um den Sturm als Naturkatastrophe geht es in diesem Buch nicht hauptsächlich – auch wenn der Titel etwas anderes vermuten lässt. Der Sturm macht eher die Rahmenhandlung aus. Im Vordergrund stehen die Probleme der Geschwister. Die ein wenig naive Esch ist ein starkes Mädchen, das man sofort ins Herz schließt. Somit ist „Vor dem Sturm“ viel mehr eine sozialanalytische Erzählung als ein Endzeitroman. Es ist ein Buch, das tief geht, aber auch ein gewisses Durchhaltevermögen vom Leser verlangt.

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Dieses Buch habe ich im Rahmen einer Leserunde bei LovelyBooks gelesen. Danke an LovelyBooks und den Verlag Antje Kunstmann für das Leseexemplar!

→ Interessante Links

Zum Buch auf www.amazon.de: „Vor dem Sturm

Zum Blog der Autorin (englischsprachig): Jesmyn Ward

Zur Homepage des Verlags: Verlag Antje Kunstmann

Zur Leserunde bei LovelyBooks: Leserunde zu „Vor dem Sturm“

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