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buchstabenfaengerin & Co.: „Liebe verlernt man nicht“

Vor einiger Zeit habe ich die Aktion „buchstabenfaengerin & Co.“ ins Leben gerufen, bei der ich ausgewählte Rezensionsexemplare an Euch weiterverschenke und neugierig auf Eure Meinung zu dem jeweiligen Buch bin.

Den Anfang habe ich mit „Liebe verlernt man nicht“ von Lilli Beck gemacht. Dieser humorvolle Roman mit drei Damen jenseits der 50 in den Hauptrollen hat von mir 4 Sterne bekommen.

Meine Co-Rezensentin Heidi Cappuccino-Mama hat 5 Sterne vergeben. Lest hier ihre Rezension. Liebe Heidi, vielen Dank für diese tolle und ausführliche Buchbesprechung!

Gesucht: Ein Mann für alle Fälle

Ü50 – und zu allem bereit! – Dieser Spruch sprang mir auf der Rückseite förmlich entgegen. Und man hört ja immer wieder, dass Frauen in diesem Alter noch mal so richtig „loslegen“ – wie immer man dies verstehen mag. Ja, die Kinder sind meist aus dem Haus und die Frauen können ihre neue „Freiheit“ genießen. Blöd nur, wenn man dies ohne einen geeigneten Partner tun muss – so wie es bei Paula, Biggi und Traudl, den Protagonistinnen in diesem heiteren Roman der Fall ist…

Das Cover:
Mein erster Gedanke: Da sitzen sie, diese älteren Damen, wie die sprichwörtlichen Hühner auf der Stange. Natürlich sitzen die Drei nicht auf einer Stange, sondern auf einer Parkbank. Ihnen gegenüber sitzt ein älterer Herr, der in seine Zeitung vertieft ist. Da sind die Damen wohl auf Männerfang und haben das Objekt ihrer Begierde gesichtet?
Vom Stil der Covergestaltung her, passt das Buch hervorragend zu anderen Büchern dieses Genres, egal von welcher Autorin (oder auch Autors) die Bücher stammen. Wobei ich sagen muss: So alt wie auf dem Cover wirken die drei Damen dann doch beileibe nicht.

Die Handlung:
Immer wieder samstags trifft sich das Damen-Trio Paula, Traudl und Biggi im etwas angestaubten Tagescafé „Windbeutel“ zum Cappuccino-Plausch. Single-Frau Paula freut sich stets schon die ganze Woche auf diesen Tag, dem Höhepunkt der Woche, an dem sie sich mit ihren beiden Freundinnen austauschen kann.
Eines Tages erhält Paula eine Einladung zur Verlobungsfeier ihres einzigen Sohnes Benny. Der Haken an der Sache: Die Verlobung findet im „Angeberhaus“ ihres Ex-Mannes Herbert statt und dort, in der teuersten Gegend Münchens, lebt auch dessen Lebensgefährtin, eine junge, hübsche Blondine namens Pamela. Nein, Paula ist fest dazu entschlossen, auf gar keinen Fall zur Verlobungsfeier ihres Sohnes zu gehen.
Doch schließlich entscheidet sich Paula doch, mit ihrem Sohn und der hübschen Merle, ihrer zukünftigen Schwiegertochter, den großen Tag zu begehen. Und wie schön wäre es, dies in Begleitung eines attraktiven Mannes zu tun. Doch woher nehmen…? Da kommt Karl, Biggis Bruder, gerade recht.
Doch was, wenn Karl nicht gewesen wäre? Paula wird klar, dass Frauen in ihrem Alter es gar nicht so leicht haben, den passenden Mann für jede Gelegenheit zu finden. Und dann ist da noch Traudl, die sich in ihrer Trauer um ihren verstorbenen Mann verschanzt. Wie schön wäre es, wenn auch diese wieder einen Mann an ihrer Seite hätte.
Doch Not macht bekanntlich erfinderisch – und schon ist die Idee geboren: Die drei Freundinnen wollen eine Partnervermittlung für Männer und Frauen „in den besten Jahren“ gründen. Doch leider fehlen noch die richtigen Kandidaten für ihre Kartei, und diese zu finden erweist sich als gar nicht so leicht. Und bei älteren Herren kann so eine Aktion auch schon mal im Krankenhaus enden…

Meine Meinung:
Drei Damen auf der Jagd nach der großen Liebe – so könnte man die Thematik des Buches zusammenfassen. Und für Liebe ist man nie zu alt! Was für ein herzerfrischender Roman, bei dem sich alles um die Altersgruppe 50 + dreht, mit sehr unterschiedlichen Frauen, die dennoch eine enge Freundschaft verbindet. Jedenfalls war für mich jede der drei Damen eine echte Powerfrau – jede auf ihre eigene Art und Weise – sei es durch ihr Selbstbewusstsein, ihr Durchsetzungsvermögen oder den Mut, neue Wege zu beschreiten. Wie tröstlich, dass mit Fünfzig das Leben noch lange nicht vorbei ist – Fünfzig ist ganz offensichtlich das neue Vierzig.
Da wäre erst einmal die Hauptperson des Buches aus deren Sicht erzählt wird:
Paula Wertheim ist 58 Jahre alt und wurde vor einem Jahr von ihrem Mann, einem Konditor, Bäckermeister und Besitzer einer Großbäckerei geschieden – und das nach 25 Ehejahren, den zwei gemeinsamen Kindern Benny und Antonia und dem Aufbau einer gutgehenden Großbäckerei. Ja, so etwas nagt schon sehr am Ego einer Frau, wenn man quasi gegen eine jüngere, schlankere und blondere Frau ausgetauscht wird. Und die überflüssigen Pfunde, die von ihrem Gen (dem zum-Kühlschrank-geh’n) herrühren, sind auch nicht unbedingt ein Quell der Freude.
Pamela, so heißt die Gute, die nun ein schönes Leben an der Seite ihres 64jährigen Freundes führt, den sie liebevoll „Herbert-Bärli“ nennt. Von Paula wird die Nachfolgerin nur „Pämela“ genannt – mit „ä“, so wie Pamela Anderson. Zu allem Übel lispelt die junge Frau auch noch, wirkt nicht sonderlich intelligent und erfüllt hiermit voll und ganz das Klischee des „dummen Blondchens“. Doch eines muss man ihr lassen: Die 37jährige Pamela scheint Paula irgendwie zu mögen, tritt ihr freundschaftlich gegenüber und betont immer wieder: „Paula ist immer so lustig!“.
Und ich gestehe, dass ich Pamela, „das Sahnebaiser“ mit der Zeit immer liebenswerter, sympathischer und toller fand. Und gar nicht mal so dumm, wie man anfangs vermutete. Im Gegenteil, sie hat es faustdick hinter den Ohren, weiß, welche Knöpfe sie bei ihrem Liebsten drücken muss, damit alles so läuft, wie sie es wünscht. Kurzum: Pamela war immer wieder für eine Überraschung gut.
Doch zurück zum Damentrio:
Biggi ist eine recht lebenslustige Frau, die ganz offensichtlich die schillernste, glamouröseste Dame unter den Dreien ist, weshalb sie insgeheim von Paula den Namen „Dalai-Lametta“ verpasst bekommt. Die rothaarige Biggi ist sehr selbstbewusst, hat aber auch schon eine Pleite in Sachen Männer erleben müssen, indem sie an einen Heiratsschwindler geriet. Biggi, die einen erwachsenen Sohn hat, aber nie verheiratet war, lebt bei ihrem Bruder Karl. Eigentlich ist Biggi Heilpraktikerin und hat einen Hang zur Esoterik, daher vertraut sie auch auf die Kraft der (Edel-)Steine. Doch derzeit hat Biggi keine Praxis und verdient ihr Geld als Hundesitterin – eine gute Gelegenheit, dabei Männer kennenzulernen (sollte man meinen).
Karl Brenner ist 62 Jahre alt und Kunstmaler. Paula fand er schon früher toll, doch die beiden haben sich schon seit Jahren nicht mehr gesehen. Und Paula findet Karl gar nicht mal so unattraktiv. Doch „Konkurrenz“ belebt bekanntlich das Geschäft – irgendwie wirkt „der Zuckerbäcker“ Herbert so gar nicht begeistert von der Wahl seiner Ex-Frau und auch sonst bekunden plötzlich noch andere Männer ihr Interesse an Paula.
Und dann wäre da noch die Dritte im Bunde:
Traudl ist 53 Jahre alt. Die sanfte Traudl ist dreifache Mutter und sehr harmoniebedürftig, aber auch einsam, denn sie ist seit zwei Jahren verwitwet. Noch immer ist ihr Mann Fritz in ihrer Wohnung immer und überall präsent, denn „Trauertraudl“ trägt nicht nur schwarze Kleidung, sondern hält an der Vergangenheit fest, indem sie die Sachen mit durch ihr Leben schleppt, die sie an Fritz erinnern – sei es das Telefon mit der Wählscheibe, oder auch das alte Ehebett, das für die kleine Wohnung viel zu groß ist, weshalb es kurzerhand in der Mitte durchgesägt wird. Und so verkriecht Traudl sich nur zu gerne in ihrem Schneckenhaus. Den Freundinnen ist klar: So kann das nicht weitergehen – Traudl ist zu jung, um für den Rest ihres Lebens alleine zu bleiben. Doch eines Tages verhält sich Traudl sehr sonderbar, weshalb ihre Freundinnen sich Sorgen um sie machen.
Auf der Suche nach passenden Kandidaten schrecken vor allem Biggi und Paula vor nichts zurück – nicht einmal vor Spionage bei der Konkurrenz. Und so „mieten“ sich die Damen kurzerhand den attraktiven Tom. Paula verbringt eine tolle Nacht mit Tom, bevor sich ihre Wege wieder trennen. Und natürlich kommt es zu allerlei unvorhergesehenen Situationen, über die ich mich sehr amüsiert habe – für mich war dies eines der zahlreichen Highlights im Buch. Aber wie sagt man so schön? – Man begegnet sich immer zweimal im Leben!
Aber auch sonst machen die Damen vor nichts Halt – Recherche und Marktforschung ist schließlich wichtig. So schreckt die beiden weder der Besuch eines Fitnesscenters, noch der einer Tanzveranstaltung. Selbst ein Speed-Dating nehmen Biggi und Paula auf sich, während Traudl weiterhin ihrem Fritz hinterhertrauert. Und dabei geraten die beiden Damen an die skurrilsten Typen. Die Jagd auf die Männer hat begonnen.
Ich liebe den frischen, flüssigen Schreibstil der Autorin Lilli Beck (Jahrgang 1950). Sie versteht es, ihr so schon humorvolles Buch zusätzlich mit kleinen Wortspielereien zu versehen – so gibt es beispielsweise die „Wurfprämie“, also die Halskette, die Herbert seiner Paula einst zur Geburt des gemeinsamen Kindes geschenkt hat. Aber auch bei der Namensgebung der Hunde, die von Biggi betreut werden, war die Autorin kreativ – da trifft der Dackel Franz-Josef (sehr passend für einen bayrischen Hund) auf Neufundländerhündin Blümchen. Es gab im gesamten Buch nicht eine Seite, auf der Langeweile aufgekommen wäre. Und meist hatte man ein Dauerschmunzeln im Gesicht oder musste laut lachen.
Auch Lokalkolorit ist im Buch vorhanden, was das Buch authentisch wirken lässt. Der Handlungsort ist die bayrische Landeshauptstadt München. Und so läuft man mit den Protagonisten durch den Englischen Garten, besucht den Kocherlball, hält sich im Stadtteil Bogenhausen auf oder überquert den Odeonsplatz.
Wer nach dem Lesen des Buches nun so richtig Lust auf ein weiteres Buch der Autorin bekommen hat, den erwartet am Ende des Buches eine mehrseitige Leseprobe von LIEBE AUF DEN LETZTEN BLICK.
Liebe verlernt man nicht! – Wie wahr! Diesen Roman kann ich guten Gewissens auch denjenigen empfehlen, die die 50 noch nicht überschritten haben. Und auch der ein oder andere Mann könnte an diesem Roman, der wohl eher dem Genre Frauenroman zugeordnet wird, Gefallen finden. Nur Mut, meine Herrn – hier erfahrt ihr, was Frauen tagtäglich so bewegt.

Fazit:
Ein humorvolles und kurzweiliges Buch mit viel Wortwitz, das mich mit seinem lockeren Schreibstil sehr gut unterhalten hat. Die Protagonisten konnten allesamt überzeugen und es gab die ein oder andere Überraschung. Von mir erhält der Ü50-Roman (das Ü50 bezieht sich auf das Alter des Damen-Trios) eine absolute Leseempfehlung und 5 Sterne.

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Ein Kommentar zu “buchstabenfaengerin & Co.: „Liebe verlernt man nicht“

  1. Es war mir eine Freude, dieses tolle Buch rezensieren zu dürfen – vielen Dank für die Idee zu einer so tollen Aktion.

    LG,
    Heidi, die Cappuccino-Mama

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