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Frisch rezensiert: „Anleitung zum Entlieben“ von Conni Lubek

Lachen ist die beste Medizin – auch und vor allem bei Liebeskummer

Sterne: 5 von 5

Es ist nicht witzig, unglücklich verliebt zu sein. Das spürt auch die Mittdreißigerin Lapared aus Hamburg am eigenen Leibe. Der ganze Stress mit und um ihren Traummann, den sie liebevoll 119 nennt, nimmt sie so mit, dass sie fast einen Herzinfarkt erleidet. Zum Glück nur einen eingebildeten, aber immerhin. Sie liebt 119 mit Haut und Haar und träumt davon, wovon wohl alle Frauen früher oder später träumen: Hochzeit und Babys. Doch es gibt ein Problem: 119 liebt Lapared nicht. Punkt. Das lässt er sie auch mit schöner Regelmäßigkeit wissen. Für ihn ist sie ausschließlich sein bester Kumpel, mit dem er hin und wieder ins Bett steigt. Lapared unterdessen hofft, leidet und rackert sich ab: Schweigend nimmt sie seine stets miese Laune hin, chauffiert den fahrzeuglosen Herrn von A nach B und legt sich im Bett enorm ins Zeug, denn irgendwann wird er ja wohl mal zurücklieben – oder etwa nicht?

„Anleitung zum Entlieben“ ist der herrlich spritzige und komische Debüt-Roman von Conni Lubek um die unglückliche Liebe der Titelheldin Lapared. Die heißt natürlich nicht wirklich so. Vielmehr ist Lapared ihr Pseudonym, unter dem sie mit großem Eifer ein Internettagebuch führt. Das Beste daran: Den Blog gibt es wirklich (http://www.blogigo.de/Lapared)!

Lapared ist trotz ihrer Silikon-Brüste unglaublich sympathisch und wunderbar uneitel: Sie berichtet eindrucksvoll von ihren Erlebnissen bei einem Darmsanierungs-Workshop und lässt uns teilhaben an ihrem grauenvollen Erwachen nach so mancher durchzechter Nacht. Zitat auf Seite 200: „Ich habe in meiner Kotze gelegen.“ Ja, sie ist zweifelsohne eine Freundin der direkten Worte.

Bei ihren unendlich vielen, anfangs hoffnungsfrohen Versuchen, endgültig von 119 loszukommen, bedauert man sie, möchte man sie trösten, in den Arm nehmen und brüllen: „Dieses Arschloch hat Dich nicht verdient!“ – und erkennt sich selber wieder, wenn man schon einmal unglücklich verliebt war. Denn Lapared zeigt in ihren lichten Momenten auf, wie blöd Liebe machen kann. Und sie schenkt uns eine simple, aber dennoch verblüffende Wahrheit am Beispiel eines Automaten: „Egal, wie viele Ich liebe Dichs … du reinwirfst, es fällt unten keine Liebe dafür raus!“ (Zitat, Seite 291).

Bereichert wird das Buch durch viele Fotos und Meinungen von Curd Rock, dem klugen und unwahrscheinlich süßen Kuscheltier von Lapared. Verzeihung, die Bezeichnung „Kuscheltier“ ist wohl ziemlich vermessen, denn bei Curd Rock handelt es sich immerhin um eine studierte Persönlichkeit!

Fazit: „Anleitung zum Entlieben“ ist – wie der Titel vielleicht vermuten lässt – kein Sachbuch-Ratgeber für unglücklich Verliebte. Der höchstunterhaltsame Roman schärft dennoch den Blick für die Wirklichkeit der Verblendeten und spendet Trost. Außerdem ist das Buch zum Kaputtlachen – denn ohne Humor wäre eine unglückliche Liebe doch noch viel fataler als sie ohnehin schon ist.

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